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Wunderland hinter dem Spiegel

 

Alice's Adventures in Wonderland (deutsch: Alice in Wunderland) ist ein 1865 entstandener Roman, der von dem englischen Autor Charles Lutwidge Dodgson unter dem Pseudonym Lewis Carroll veröffentlicht wurde. Erzählt wird von einem Mädchen namens Alice, das durch ein Kaninchenloch in eine Fantasiewelt fällt, die von fantastischen Wesen bevölkert ist. Alice erlebt kuriose Ereignisse und wird mit logischen Problemen konfrontiert. Der Roman gilt als hervorragendes Beispiel für die so genannte Nonsens-Literatur. Der Erzählverlauf, die Struktur, die Charaktere und die Bildsprache beeinflussen bis heute die Fantasie-Literatur und die Populärkultur.

 

Als Nonsens (engl. Nonsense „Unsinn“) oder Nonsensliteratur wird eine literarische Gattung bezeichnet, die sich im Gegensatz zum Alltagsbegriff des „Unsinns“ durch eine regelhaft betriebene Sinnverweigerung auszeichnet.

Sprachliche Gestaltungsformen des Unsinns, wie zum Beispiel die Verballhornung oder der Schüttelreim, sind jahrhundertealt. Der heute gebräuchliche Terminus als Bezeichnung für eine literarische Gattung geht indes auf Edward Lears „Book of Nonsense“ von 1846 zurück.

„Unfug“, „Schwachsinn“ oder „Sinnlosigkeit“ treffen den sowohl in Versen als auch in Prosa betriebenen Nonsens nicht, da sein „Nicht-Sinn“ in der Regel ein systematischer ist und damit eine neue Wirklichkeit installiert oder simuliert, die nach eigenen Gesetzen funktioniert und in sich stimmig ist. Nonsensliteratur weicht dabei von den Grundsätzen gewohnter, empirischer Wahrscheinlichkeit ab. Sie bedient sich paradoxer Aussagen, leerer Vergleiche, unbekannter Metaphern und sonstiger alogischer Stilmittel, wozu auch fiktive Substantive, wie zum Beispiel Christian Morgensterns „Fingur“, gehören. Der Nonsenstext konfrontiert damit die Sinnerwartung des Lesers mit Sachverhalten, die nur innerhalb des Textes selbst stimmen.

Als klassischer Nonsensautor gilt neben Edward Lear Lewis Carroll. Nonsens findet sich im frühen 20. Jahrhundert insbesondere im Werk von Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz, in den 1950er-Jahren bei Heinz Erhardt und seit den 1960er-Jahren in den Arbeiten der Neuen Frankfurter Schule. Im 21. Jahrhundert wird Nonsens in Rubriken des Satiremagazins Titanic gepflegt.

(Wikipedia) 

 

Illustration von F. W. Roth zu: Alice im Wunderland. Übertragen von Guy Lionel Barrett. Nürnberg 1922.

 Through the Looking-Glass, and What Alice Found There (deutsch: Alice hinter den Spiegeln auch: Alice im Spiegelland sowie: Durch den Spiegel und was Alice dort fand), ist die Fortsetzung von Alice's Adventures in Wonderland (1871). Alice betritt wieder eine fantastische Welt, diesmal, indem sie durch einen Spiegel in die Welt klettert, die sie darin sehen kann. Dort stellt sie fest, dass alles – einschließlich der Logik – spiegelsymmetrisch ist. Beide Romane zählen zu den Klassikern der Weltliteratur.

  

Illustrationen von John Tenniel

In einem Buch findet sie ein Gedicht in Spiegelschrift, das sie vor dem Spiegel lesen kann: Jabberwocky gilt als bedeutendstes englisches Nonsens-Gedichte. Seine spielerische, skurrile Sprache hat englische Unsinn-Wörter und Neologismen hervorgebracht. Der Text erzielt seine Wirkung durch Lautmalereien, so genannte Kofferwörter und sprachliche Assoziationen.

Alice findet die Verse so rätselhaft wie das seltsame Land, in das sie gegangen ist und das sich später als Traumlandschaft erweist. Dann begegnet sie dem Humpty Dumpty, einem Rätselwesen, das sie in eine scheinbar sinnloses Gespräch verwickelt, in dessen Verlauf die Rahmen-Strophe der Ballade aber gedeutet wird. In englischen Kommentaren wird eine mögliche Bedeutung der Wörter aufgelistet, die zum Teil auf die Erklärungen Humpty Dumptys und zum Teil auf Dodgsens Erläuterungen zurückgehen.

Auch die weitere Handlung führt Alice immer wieder in vertrackte Situationen, in denen sie sich mit logischen Sprachproblemen herumschlagen muss, bis sie sich schließlich zur Königin wandelt. Carroll organisiert seine Erzählung wie die Züge eines Schachspiels und lässt die Könige, Königinnen und Offiziere auftreten, die Alice mit Hilfe von logischen Sprachspielen in schwierige Kommunikationssituationen verwickeln.

Die gängige Klassifizierung der Alice-Romane als Nonsens-Literatur wird durch eine sorgfältige Interpretation von Textpassagen (close reading) in Frage gestellt. Denn ein präzises, allen Textdetails, Bedeutungsnuancen und sprachlichen Effekten nachspürendes Lesen, das den Text als Objekt in den Mittelpunkt des Interesses stellt und dabei großen Wert auf das Spezielle im Vergleich zum Allgemeinen legt und genau auf einzelne Wörter, Syntax und die Reihenfolge der Sätze und Wörter achtet, zeigt, dass Lewis Carroll zwar mit der Bedeutung von Wörtern und Worten spielt, aber bei weitem keine bloßen Unsinn produziert. (Peter Wenzel)

Die Alice-Romane wurden in mehr als 60 Sprachen übersetzt; besondere Herausforderung dabei ist eine angemessene Übertragung der Jabberwocky-Balade, da es eine Reihe von Neologismen enthält, deren Bedeutung im Roman kontrovers diskutiert wird. Die meisten Übersetzer haben analoge Neuprägungen in der jeweiligen Zielsprache erfunden und dabei versucht, Morphologie und  Intonation des englischen Vorbilds nachzuahmen.

Alice in Wonderland wurde 35 Mal ins Deutsche übersetzt; für Through the Looking Glass habe ich 15 Übertragungen ermittelt.

Den Übersetzer stellt ein solcher Text vor eine besondere Herausforderung, da er nicht einfach Wort für Wort übertragen kann, sondern einen neuen, eigenen Text schreiben muss. Denn it is utterly impossible to make an exact translation (Douglas R. Hofstadter). Dabei soll der Kunstcharakter des Originals erhalten bleiben, dennoch entsteht beim literarischen Übersetzen eine neue Deutung des Ausgangstextes.

Der Übersetzer muss tun, was der Leser des Originals vermeiden soll: interpretieren. Demgemäß kann der Leser der Übersetzung erwarten, was der Leser des Originals nicht erwarten kann: dass Erläuterungen gegeben werden – allerdings nur zur Wortwahl, die außer vom Verständnis bestimmt wird von der romanimmanenten Deutung durch Humpti Dumpti sowie durch Rhythmus, Laubfärbung und Reim. (Günther Flemming)

Diese Dokumentation bietet nach dem englischen Originaltext von Gedicht und Deutung die erste deutsche Übersetzung von Robert Scott, einem Kollegen von Dodgsen, aus dem Jahre 1872.  Mit einiger Wahrscheinlichkeit hat Dodgsen eine Quelle für sein Jabberwocky-Gedicht verwendet, die Ballade Der Hirt des Riesengebirgs von Friedrich de la Mott Fouqué in einer englischen Übersetzung. Beide Texte werden in Auszügen parallel ediert.

In weiteren Kapiteln werden Entstehung und Struktur der Ballade erläutert und ihre Bedeutung diskutiert, schließlich wird die Interpretation des Jabberwocky in Illustrationen dokumentiert. Sämtliche darüber hinaus ermittelte deutsche Übertragungen werden nach Namen der Übersetzer geordnet in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung bzw. ihrer Publikation aufgelistet.

Es schließen sich weitere Erläuterungen zu Humty Dumty und zum Übersetzungsproblem, ein Essay zum Thema Alice löst das Jabberwocky-Rätsel sowie ein Textvergleich mit der Türhüter-Parabel Kafkas an.

 

The Queen of Hearts. An illustration by John Tenniel, colour printed by Edward Evans for a series of cigarette cards in 1930.

 

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