Drei Bäume

In dem Garten, der damals dem Kindergarten als Auslauf diente, standen viele Bäume, von denen drei mich immer wieder faszinierten. Das waren eine Eiche, eine Kiefer und ein Essigbaum.

Die Eiche war der höchste Baum im Garten; mein Onkel schätzte ihn auf über zwanzig Meter, Onkel Zippi war für „mindestens dreißig!“ Am besten musste das Erwin wissen, der immer mal wieder in den Garten schlich und flink wie ein Eichhörnchen hinaufkletterte.

Wenn er oben war, erscholl sein Triumphgeheul und er behauptete, im Osten die Elbe zu sehen, was ihm Udo Roseburg nicht glaubte. Der traute sich aber nicht, Erwin nachzuklettern. War Erwin wieder heruntergeklettert, musste er sich für den Rest des Tages irgendwo im Dorf verstecken, weil ihm seine Großmutter bei jeder seiner Klettereien ausschimpfte und ihm Prügel angedrohte.

Die ausladenden Zweige der Kiefer ragten über die Mauer bis zur Mitte der Schmiedestraße und immer lagen Kienäppel darunter. Ich hob die schönsten auf und sammelte sie in einem Kistchen, das seinen Platz bei dem Spielzeug auf dem Boden des alten Hauses fand. Immer, wenn ich aus den Klötzen meines Baukastens Häuserfassaden errichtete, wurden sie als Bäume für einen Wald im Hintergrund gebraucht.

Mein Opa aber hatte heimlich einen ganzen Eimer voll gesammelt und als er die Platte mit der Modelleisenbahn für mich baute, tauchte er über hundert von ihnen in grüne Farbe und leimte sie zu einem Wald zusammen, der das Gebirge bedeckte, das den hinteren Teil der Anlage bildete.

Den Essigbaum gab es nur im Oktober, wenn seine gefiederten Blätter karmesinrot über die hohe Mauer leuchteten.

 

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