Kleine Hunde

Im Sommer sprangen Erwin und ein paar andere Jungen in den Teich und zeigten uns das Hundepaddeln. Ich aber durfte dort nicht baden, denn ich konnte noch nicht schwimmen. Der alte Röpke warf einmal einen Sack hinein, in den hatte er sechs junge Hunde und einen Pflasterstein gesteckt, die sollten nun ersaufen. „Lasse doch leben, Onkel!“, sagte Ulli Hitzig. „Halte Fresse, Lümmel!“ Wir Vier standen sprachlos am Rand und sahen hinter dem ollen Röpke her, der zufrieden wegging. Erwin aber holte tief Luft, sprang hinterher und tauchte lange. Wir standen oben und ließen uns von seinen nackten Beinen zuwinken. Dann kam er hoch, das Wasser lief ihm über die verkniffenen Augen, statt Rotz hing Entengrütze unter seiner Nase. Er wuchtete triumphierend den Sack vor sich auf die Steine und zog dann seinen Körper nach. Der Sack bewegte sich. „Die leben noch“, sagte Udo Roseburg. Ulli Hitzig hatte schon den Knoten aufgedröselt und holte eines von den Hündchen raus. „Sind alle noch blind“, sagte Erwin. Die Hunde bewegten sich noch, hatten aber aufgetriebene Bäuche. Erwin nahm einen in die rechte Hand und schleuderte ihn aus kurzer Entfernung an die Wand. „Die sind schon so jut wie dot“, sagte er, „kannste nix machen“ und er quackte noch fünf weitere an die Mauer. Die schlaffen Körper sammelte er auf, steckte sie wieder in den Sack und schüttete sie auf Preschers Misthaufen. „Damit se nich vonne Schweine jefressn wern“, sagte Erwin, und wir setzten ihnen direkt neben dem Denkmal Grabsteine und ich pflanzte Gänseblümchen und Kamille.

 

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