Der Jeep

Im August kamen Leute von der LPG und der Feuerwehr, die sollten den Dorfteich ausräumen, damit sich die Pferde beim Durchreiten nicht mehr verletzen konnten. Zwei Männer hatten Gummizeug an, wie es die Fischer an der Elbe tragen. Sie holten zunächst alte Eimer raus, dann schmierige Lumpen und schließlich drei oder vier Gewehre. Nach diesem Fund arbeiteten die Männer vorsichtiger. „Villeich liecht noch Munitjon drinne“, sagte einer der Zuschauer. Nach ein paar Minuten hatten sie etwas Schweres gefunden, wussten aber nicht, was da im Schlamm steckte. Ein Bursche wurde zu Udo Roseburgs Vater geschickt. Die Männer im Teich ließen sich eine Kette reichen, die sie im trüben Wasser irgendwo befestigten. Dann kam der alte Roseburg mit seinem schweren LKW. Er setzte den Wagen zurück bis zur Wasserkante und befestigte eigenhändig das Kettenende am Haken. Er schwang sich auf den Fahrersitz und gab Gas. Der Motor dröhnte, langsam zog der Wagen an, die Kette spannte sich. Etwas Sperriges wurde ans Tageslicht gezerrt, schwarzgrün, schlammbedeckt, kantig. Wir erkannten einen Jeep mit zerschossener Scheibe. Einer rief „Haalt!“ Der LKW stoppte und der alte Roseburg zog die Handbremse fest. „Vielleich tut noch een doter Ami drinne sitzen“, sagte einer der Umstehenden. Als die Feuerwehrleute den Jeep abgespritzt hatten, fanden sie aber keinen toten Ami.

 

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