Preschers Hund

Mit Hunden konnte ich nie etwas anfangen. Und das kam so: Einmal schickte meine Oma mich mit einer Milchkanne zu Preschers, die ein paar Kühe hatten. Ich öffnete die kleine Tür neben dem Torbogen und ging zum Hintereingang. Da sah mich Frau Prescher, nahm mich mit in die Milchstube und füllte einen Liter frische Milch ab. Dann gab sie mir die Kanne und ermahnte mich, vorsichtig nach Hause zu gehen und nichts zu verschütten. Das versprach ich ihr auch und trat meinen Heimweg an. Weit kam ich aber nicht, denn vom Nebeneingang, der geöffnet worden sein musste, sprang ein großer Hund auf mich zu, ein Boxer, der mich umwarf und mir mit seiner nassen Zunge das Gesicht leckte. Ich ließ die Kanne fallen, die Milch lief aus und versickerte auf dem Hof. Als Frau Prescher den Hund zurückgerufen hatte und mir aufhalf, nutzte ihre Beteuerung auch nichts mehr, dass er sich doch nur gefreut habe und mit mir spielen wollte. Ich musste noch einmal in die Milchstube kommen und durfte dann mit meiner Kanne nach Hause gehen. Seitdem mag ich keine kuhwarme Milch mehr trinken. Hunde meide ich bis heute.

 

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