Auf Schlittschuhen

In vielen Häusern hingen irgendwo im Keller alte Schlittschuhe und rosteten vor sich hin. Die meisten waren aus Holz, hatten metallene Kufen mit einer geschwungenen Spitze vorne und hießen Holländer. Wenn es mehrere Tage streng gefroren hatte, holte mein Opa ein Paar für mich herauf und schärfte in seiner Werkstatt die Kufen, die einen Hohlschliff hatten. Dann suchte er mir einen passenden Schlüssel heraus und ich konnte die Schlittschuhe vorn an meine Schuhsohlen schrauben. Oben zurrte ich sie mit zwei langen schwarzen Schnürriemen über den Knöcheln fest. Dann stelzte ich los, denn bis zum Dorfteich waren es nur ein paar Schritte. Auf dem Eis war schon ordentlich was los. Die Großen achteten darauf, dass niemand Steine oder Erde auf die spiegelnde Fläche warf und drohten uns Jüngeren Prügel an.

Richtig laufen konnte keiner von uns, und wir fielen dauernd hin. Wer keine Handschuhe hatte, steckte seine Hände in die Manteltaschen. Auf der Seite von Hilligers Badeanstalt musste man aufpassen, denn da floss warmes Wasser in den Teich und das Eis war nur dünn. Karla Braune ist da einmal eingebrochen, steckte aber nur bis zum Knie im kalten Wasser und konnte das nasse Bein wieder herausziehen.

 

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