Am 14. Dezember 1931 wird das Weihnachtsspiel „Jan’s
Wunderhündchen“ am Hessischen Landestheater in Darmstadt aufgeführt. Erika Mann
ist bei der Uraufführung anwesend. Anschließend verbringt sie das Weihnachtsfest
in München im Kreis der Familie. Ende des Jahres muss ihr die Idee zu einem
Kinderroman gekommen sein: „Auf dringendes Anraten meiner kleinen Geschwister
entstand anno 32 mein erstes Kinderbuch.“
Erika Mann: Briefe und Antworten. Band I: 1922-1950.
Hrsg. von Anna Zanco Prestel. München 1984, S. 15.
Sie beschäftigt sich mit der Amerikafahrt des LZ 127 Graf
Zeppelin, notiert Informationen über Besatzung und Passagiere: 32 Mann/
Eckener/ 3 Schiffs Führer (Kapitaine) [1 Je Bord Funker, Monteure Zahlmeister
Steuerleute/] Einen Stewart/ 1 Koch/ 30 Passagiere/ Journalist, Zeichner,
Photographen, Wissenschaftler,/
Motorgondeln mit je 2 Ms bemannt/ links von ihm, gefüllt mit Auftriebs- und
luftschweres Blaugas zum Betrieb der Motoren, außerdem Leichtbenzin + Wasser als
Ballast und zum Verbrauch.
und beginnt mit der Niederschrift.
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Der Schreibduktus der ersten Kapitel zeigt, dass sie schnell
vorangekommen sein muss. Mitte Februar hält sie sich in Lenzerheide auf dem
Gebiet der Gemeinde Vaz/Obervaz im Schweizer Kanton Graubünden auf, wo die
Schriftstellerin, Kunsthistorikerin und Übersetzerin Hanna Kiel das Chalet
Canols besitzt. Sie gehört zum Schweizer Freundeskreis der Familie Mann, die
regelmäßig hierher zum Skifahren kommt. Klaus Mann notiert am 14. Februar 1932
in sein Tagebuch „Lenzerheide-See. Hier; E[rika]., Ricki, Hanna Kiel. […] Suche nach
Titel für E.‘s Kinderbuch.“ |
Stoffel fliegt übers Meer. Manuskript, Bleistift. 238 Seiten (Notizen, Zeichnungen, Text). Nachlass Erika Mann, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, Signatur: L 1374, urn:nbn:de:0302-80088 |
Ende März scheint die Niederschrift beendet zu sein, denn Klaus
Mann berichtet am 26.3.1932 dem Verleger Joseph Brewer in New York: Erika „hat
ein besonders süsses Buch für Kinder geschrieben, das in Stuttgart erscheint.“
Nachlass Klaus Mann/Briefe. Münchner Stadtbibliothek/
Monacensia, Signatur KM B 325.
Am 3. April notiert er in sein Tagebuch: „In R’s Zeichnungen geordnet; notiert, was ins Buch kommt.“
Das Buch muss kurze danach erschienen sein, denn am 27. August
fragt Erika Mann bei Eva Hermann an: „Hast Du eigentlich den ‚Stoffel‘ (das
Kinderbuch)?“
Erika Mann an Eva Hermann, Skagen, 27.8.1932. In: Erika
Mann: Briefe und Antworten. Band I: 1922-1950. Hrsg. von Anna Zanco Prestel.
München 1984, S. 27.

Aus Paris schreibt Klaus Mann an Eva Herrmann am 1. Dezember
1932: „Erika ist schon seit nun bald einer Woche wieder in Deutschland. Sie war
in Stuttgart, wo sie für die Schwabenkinder am Rundfunk aus dem „Stoffel“ vorlas;
[…].“
Klaus Mann: Briefe und Antworten 1922-1949. Hrsg. von
Martin Gregor Dellin. München 1987.
Dirk Heißerer berichtet im „Nachwort“ zu seiner „Stoffel“-Ausgabe davon, dass ihm Elisabeth Mann 1998 erzählte, ihre Schwester habe ihr und dem Bruder Michael im Jahre 1932 den „Stoffel […] ganz vorgelesen“. (S. 115f.)
Im Oktober 1932 regte Erika Mann eine Übersetzung ins Englische
an.
Sie schickte ein Exemplar des „Stoffel“ an den New Yorker Verleger Joseph Brewer
mit der Anregung: „Hier schicke ich dir mein Kinderbuch vom Stoffel, das soeben
erschienen ist. Bitte lies es doch einmal und denke darüber nach, ob man nicht
die kleinen Amerikaner damit vertraut machen sollte. Ich würde mich sehrsehrsehr
freuen, und am Ende ist es eine sehr rührende und belehrsame Geschichte mit
gutem Ende, – wie sie jedem einleuchten muß. Ich liebe Ricki‘s Bildchen und
Zeichnungen, – am meisten das Innentitelbild vom Dampfer Luitpold. Sie sind
gerade noch fertig geworden, – man sieht ihrer Lebendigkeit und lustigen Anmut
nicht an, in welcher Seelenverfassung sie gemacht worden sind. Aber so war das
überhaupt bei ihm: das Lustige und bejahende wohnte unmittelbar neben dem
Schwarzen.“
Brief von Erika Mann an Joseph Brewer vom 2.10.1932.
Typoskript, 1 S. Münchner Stadtbibliothek/ Monacensia, Signatur EM B 384
1930 hatte Brewer die englische Übersetzung von Klaus Manns Alexander-Roman unter dem Titel: „Alexander: A Novel of Utopia“ veröffentlicht, und insofern konnte Erika mit einer wohlwollenden Aufnahme ihres Vorschlags rechnen. Dass er selbst eine Rolle in ihrem Buch spielt, erwähnt sie freilich nicht. Allerdings gibt es eine weitere Parallele zur Gestalt des Onkel Sepp: „Tausend Grüsse. Und, ernsthaft: Du kommst nicht her? Ich bleibe zunächst in München und freue mich auf einen Brief von Dir.“
Aus einem Brief an ihre Mutter Katja vom geht hervor, dass Eva
Hermann sich um eine Übersetzerin bemüht hatte. Erika berichtet ihrer Mutter am
15. Juni 1933 aus Paris: „Eva Herrmann jedenfalls kommt bald hinunter. Sie traf
vorgestern aus U.S.A. hier ein und brachte Kunde von Christa, welche sich in den
Staaten so viel Mühe für uns geben soll. Stoffel-Uebersetzungen für mich, eine
Lecture-Tour für den K. – den Professor für den Zauberer, […].“
Brief von Erika Mann an Katja Mann, 15.6.1933,
Typoskript, 1 S. Münchner Stadtbibliothek/ Monacensia, Signatur EM B 230
Da der Verlag in Folge der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schieflage geraten war und 1933 verkauft werden musste, zerschlug sich das Projekt.
Aus Paris schrieb Klaus Mann an Eva Herrmann am 1. Dezember 1932: „Erika ist schon seit nun bald einer Woche wieder in Deutschland. Sie war in Stuttgart, wo sie für die Schwabenkinder am Rundfunk aus dem „Stoffel“ vorlas; […].“
Klaus Mann: Briefe und Antworten 1922-1949, S. 82.