Stoffel fliegt übers Meer

Anregungen und Quellen

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Golo Mann erinnerte sich 1977:

Aus diesem literarischen Phantasieren erwuchs das Gro-Schie-Spiel, das Spiel des großen Schiffes, auf dem Erika und Klaus, Golo und Monika Passagiere waren. Den Ausschlag dazu gab der Vater, der den Kindern längere Spaziergänge in Tölz schmackhaft machte, »indem er sie märchenhaft umstilisierte. Er sprach vom Siebenmeilenwald und allerlei zauberischen Wiesen, wenn wir den altgewohnten Gang ... absolvieren mußten«. So wurden die Wiesen von Tölz im Gro-Schie-Spiel zum Meer, Tölz selbst zu Honolulu, Bombay, oder, in der Kindernovelle, Kairo. Das Milieu des Schiffes selbst entnahmen die Kinder dem Buch Kapitän Spieker und sein Schiffsjunge von Georg Engel. In diesem Buch sucht Stöffe, da es zu Hause bei Mutter Backrogge nichts zu brechen und zu beißen gibt, eine Arbeit als Schiffsjunge, wird aber abgelehnt, weil er zu jung ist, und versteckt sich als blinder Passagier. Er rettet Kapitän Spieker das Leben, als Steuermann Timm auf Befehl des Reeders ein Loch in das Schiff bohrt, um die Versicherung für das alte Schiff einstreichen zu können.
Fredric Kroll: Gespräch mit Golo Mann, 25. Mai 1977. In: Klaus-Mann-Schriftenreihe. Band 1 Bibliographie, Wiesbaden 1976, S. 18f.

 

      

Eine Quelle für das Spiel war Georg Engels Roman „Kapitän Spieker und sein Schiffsjunge“ (Berlin 1912).

 

 

Das erste Spiel ging auf einen sentimentalen Schmöker zurück, den Fräulein Betty uns einmal vorgelesen hatte. Das Buch – es hieß „Kapitän Spieker und sein Schiffsjunge“ – machte uns einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck, daß wir heute noch lange Stellen daraus auswendig wissen. Es war nicht so sehr die abenteuerliche Handlung, die uns bezauberte, wie das Milieu, in dem die Geschichte sich zutrug – die zugleich romantische und mondän-luxuriöse Sphäre des großen Ozeandampfers. Das Schiff, in das sich unser Haus und Garten verwandelten, war genau dem Kapitän-Spiekerschen Modell nachgebildet. Affa und die anderen Mädchen wurden in unserer Phantasie zu rüstigen Matrosen; Mielein (die Mutter) war eine Art von eleganter Hausdame oder Oberaufseherin, während dem Zauberer (der Vater)  natürlich das Amt des Kapitäns zufiel, der sich meistens im Heiligtum der „Betriebskabine“ verborgen hielt. Es gab nur vier Passagiere – zwei kapriziöse Damen, Prinzessin Erika und Mademoiselle Monika, und zwei Herren von hohem Rang und unermeßlichem Reichtum, die Steinrück und Löwenzahn hießen. Es machte Golo und mir großen Spaß, diese zwei großartigen Weltenbummler zu personifizieren und das eigene Benehmen ihrem pompös spleenigen Stil anzupassen. Sie waren keine frivolen Draufgänger, unsere reisenden Millionäre; vielmehr handelte es sich um zwei Herren gesetzten Alters, die eine schwere Last von Verantwortlichkeiten und väterlichen Sorgen zu tragen hatten.
Klaus Mann: Der Wendepunkt. Berlin 1979, S. 13.

 

 

Der 14jährige Christoph (genannt Stöffe) Backrogge, lebt mit seiner Mutter und zwei Geschwistern in großer Armut. Sein Vater fuhr als Steuermann zur See und ist dabei ums Leben gekommen. Der Schiffsreder Jakob Krull zahlt der Mutter keine Witwenpension. Stöffe versteckt sich nachts auf dem Zweimaster „Delphin“, weil er auf diesem Wege Schiffjunge werden will, um in Übersee sein Glück zu machen. Der blinde Passagier wird entdeckt und zum Kapitän Spieker gebracht. Da Christophs Vater auf demselben Schiff Steuermann war, erlaubt Spieker, dass der Leichtmatrose Hans Dust für Stöffes Ausbildung sorgt.

 

  

 

Stöffe verhindert den Untergang des Schiffes, das der Steuermann im Auftrage des Besitzers angebohrt hat, und rettet Kapitän Spieker, der vom Steuermann mit ins Meer gerissen wurde, das Leben. Nach seiner Heimkehr heiratet Kapitän Spieker seine Mutter und erwirbt die Zweimastbrigg. Stöffe wird nach einer weiteren Fahrt auf der renovierten „Delphin“ in Kiel die Steuermannsschule besuchen.

 

 

Georg Julius Leopold Engel (1866-1931) aus Greifswald war ein erfolgreicher deutscher Schriftsteller. Nach einem Studium der Philosophie und der Geschichte in Berlin arbeitete er als Kunst- und Theaterkritiker beim „Berliner Tageblatt“. Ab 1891 war er als freier Schriftsteller in Berlin tätig. In seinen Romanen und Novellen zeichnete er lebendige und lebensbejahende norddeutsche Charaktere. Engel war u. a. Präsident des Reichsverbandes des deutschen Schrifttums. In der Zeit des Nationalsozialismus galt sein Werk als unerwünscht, da Engel als „nichtarisch“ galt. Seine Bücher wurden aus den Bibliotheken entfernt und verbrannt.

 

Erika Mann übernimmt das Handlungsgerüst des Romans und die zentralen Motive: Armut und Elend zu Hause, Weggang von Zuhause, Reise als blinder Passagier, Rettung der Besatzung aus einer gefährlichen Situation, Bewährung auf dem Land, Rückkehr nach Hause, Überwindung des häuslichen Mangels durch einen Onkel.

 

  

 

 

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