Stoffel fliegt übers Meer

Zeppelinfahrten

zurück

Zeppelinfahrten

Vorbild für Stoffels Amerika-Reise war die Amerikafahrt des Luftschiff Graf Zeppelin LZ 127 im Oktober/November 1928.

Während ihrer häufigen Aufenthalte am Bodensee müssen Erika Mann und Ricki Hallgarten die Luftschiffbau Zeppelin GmbH in Friedrichshafen besichtigt haben, wie die Illustrationen und die genaue Beschreibung der Luftschiffswerft im Roman belegen. Darüber hinaus verfolgten die beiden im Oktober und November 1928 die Amerikafahrt von LZ 127 Graf Zeppelin, über die in der Presse ausführlich berichtet wurde. Das Manuskript  Stoffel fliegt übers Meer enthält folgende Bleistiftskizze:

 

  

 Nachlass Erika Mann, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia, Signatur: L 1374, urn:nbn:de:0302-80088

 

Die Details der Zeichnung und die Notizen zur Besatzung und zur technischen Ausstattung leben nahe, dass die Autorin sich auch aus verschiedenen gedruckten Quellen über den Luftschiffbau und die Amerikafahrt des Luftschiffs LZ 127 unter Leitung von Hugo Eckener informier hat.

Hier einige der ermittelten Quellen:

 

 

 

Informationsblatt der Zeppelin GmbH in Friedrichshafen

 

  

W. von Langsdorff: LZ 127 „Graf Zeppelin“. Das Luftschiff des deutschen Volkes. Frankfurt am Main 1928.

 

 

Graf Zeppelin. Von LZ 1 bis LZ 127. Sondernummer der Zeitschrift „Unser Schiff“. Stuttgart 5. Jg. 1928/29, Heft 3 (1. November 1928).

 

 

 

Berliner Illustrirte Zeitung vom 21. Oktober 1921.

 

Das Friedrichshafener Kurgartenhotel war 1909/10 von der Luftschiffbau Zeppelin GmbH  als mondänes Haus für ihre Besucher und Fahrgäste errichtet worden. Dort logierte Erika Mann mit Pamela Wedekind und mit ihrem frisch vermählten Ehemann Gustaf Gründgens im Sommer 1926.

 

 

 

   

 

Postkarte

 

LZ 127 Graf Zeppelin war ein Starrluftschiff, das am 18. September 1928 nach 21-monatiger Bauzeit in Dienst gestellt wurde. D-LZ127 gilt als das erfolgreichste Verkehrsluftschiff seiner Ära.

 

LZ 127 war 236,6 m lang, hatte einen Durchmesser von 30,5 m und ein Traggasvolumen von 105.000 m³. Kommandant Hugo Eckener stellte das Luftschiff am 18. September 1928 in Dienst.

Der Antrieb bestand aus fünf Ottomotoren vom Typ Maybach VL 2 mit einer Gesamtleistung von 2096 kW (Zwölfzylinder-V-Motoren mit je 419 kW/570 PS bei 1600 min−1). Diese erlaubten eine Reisegeschwindigkeit von etwa 115 km/h, eine Höchstgeschwindigkeit von 128 km/h und eine Reichweite von rund 12.000 km. Das Luftschiff verfügte über zwei kleine Windgeneratoren außen an der Gondel, von denen einer die Funkanlage speiste. Der andere Generator erzeugte den Strom für die Beleuchtung an Bord und diente als Reservegerät. Weiterhin gab es in der Führergondel einen Benzin-Notstromgenerator.

 

 

Annonce in der Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 11. Oktober 1928

Die Funkstation des LZ 127 galt damals als größte funktechnische Einrichtung, die je auf einem Luftfahrzeug installiert worden war. Sie war mit drei Funkoffizieren besetzt und wickelte den Funkverkehr zum Betrieb des Schiffes (Kommunikation, Wetterberichte) und den privaten Telegrammdienst für die Passagiere ab. Die Besatzung bestand aus 45–50 Mann, im Durchschnitt waren 45 Besatzungsmitglieder an Bord. An zahlenden Passagieren konnte der LZ 127 maximal 25 Gäste befördern. Die Kabinen für die Passagiere, der 5 × 6 m große Aufenthaltsraum und die Küche befanden sich in der Gondel unter dem Rumpf.

 

Am 11. Oktober 1928 legte das Luftschiff mit 20 Passagieren und 40 Besatzungsmitgliedern in Friedrichshafen mit Ziel Lakehurst bei New York ab. Wegen schlechten Wetters wurde eine längere, südlicher verlaufende Strecke gewählt. Am Morgen des dritten Tages fuhr der LZ 127 südlich der Azoren trotzdem mit voller Kraft in eine schwarze Wolkenwand. Durch den gewaltigen Sturm wurde die Stoffbespannung der unteren Stabilisierungsfläche auf der Backbordseite zerrissen. Sechs Besatzungsmitglieder meldeten sich freiwillig, sie wurden mit Werkzeugen ausgerüstet und kletterten – immer noch über dem Ozean – angeseilt ins Innere der unten teilweise aufgerissenen Flosse. Nach 111 Stunden und 44 Minuten landete das Luftschiff glücklich in Lakehurst und wurde frenetisch gefeiert.

Über den Empfang in New York berichtet der Journalist Rolf Brandt in seinem Buch Hugo Eckener: Die Amerikafahrt des „Graf Zeppelin“. Berlin 1928:

 

   

   

 

 

 

Nach zweiwöchigem Reparaturaufenthalt in Amerika startete das Luftschiff seinen Rückweg nach Deutschland am 29. Oktober und erreichte Friedrichshafen am 1. November.

Die deutsche Presse berichtete ausführlich von dem Ereignis.

Auch die Amerikanischen Zeitungen veröffentlichten aktuelle Berichte.

Nach der glücklichen Rückkehr wurde darüber diskutiert, ob mit Zeppelinen ein regelmäßiger Passagierdienst zwischen den USA und Deutschland möglich sei.
 



Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 1. November 1928

 

Der Kapitän des Luftschiffs, mit dem Stoffel nach Amerika fährt, ist Hugo Eckener nachgebildet.

 

 


Postkarte

Hugo Eckener (1868-1954) war der Nachfolger von Ferdinand Graf von Zeppelin. Unter seiner Leitung entstanden unter anderem die Luftschiffe LZ 126/ZR-3 Los Angeles, LZ 127 Graf Zeppelin und LZ 129 Hindenburg.

Am 12. Oktober 1924 startete Eckener in Friedrichshafen am Bodensee mit dem Zeppelin LZ 126 zur Atlantiküberquerung. Das später in ZR-3 USS Los Angeles umbenannte Luftschiff war Teil der deutschen Reparationszahlungen an die USA als Folge des Ersten Weltkriegs. Mit der Landung in Lakehurst am 15. Oktober 1924 gelang Eckener einer der ersten Nonstopflüge über den Atlantik.

Diese Fahrt wurde zu einem Welterfolg, und sie legte den Grundstein für die Wiederbelebung des Luftschiffgedankens. Nur das britische Flugzeug Vickers Vimy und das britische Starrluftschiff R34 hatten das früher leisten können. Die Stadt Flensburg ernannte ihn daraufhin im selben Jahr zum Ehrenbürger.

Nach der erfolgreichen Ablieferungsfahrt mit dem LZ 126 sammelte Eckener mit Vorträgen und Bildern der Fahrt Geld für den Bau von LZ 127. Die Weltfahrt mit dem Graf Zeppelin im Jahr 1929 brachte ihm in der Presse den Beinamen „Magellan der Lüfte“ ein. Sein Sohn Knut arbeitete ebenfalls als Besatzungsmitglied auf den Zeppelinen LZ 127 und LZ 129 und war so mitunter Eckener direkt unterstellt.

Eckener kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, den ersten regelmäßigen Luftschiffverkehr über die Ozeane eingerichtet zu haben.
Wikipedia

 

 

zurück zum Titelbild