Illustrationen 2

 

 

Die Illustrationen der frühen deutschen Ausgaben

Die erste illustrierte, mit 4 Kupfern auf einer Falttafel geschmückte englische Ausgabe (New Edition 1786) gelangte – sehr wahrscheinlich auf dem von Ebstein rekonstruierten Wege – (siehe S. 37-39) nach Deutschland und in Bürgers Hände. Dieterich übernahm für die erste deutsche Ausgabe des Münchhausen die 4 Raspe-Kupfer als Bildvorlage. Hinzu kamen 9 weitere Kupfer, die Adolf Ellissen dem Göttinger Stecher Ernst Ludwig Riepenhausen zuschreibt. In dieser Sache sind keine neuen Gesichtspunkte aufgetreten, so daß Riepenhausen als Stecher ziemlich gesichert ist.

Riepenhausen (1765—1839) war damals schon einige Jahre, mindestens seit 1782, für Dieterich als Stecher tätig; er hat u. a. schon zur Ausschmückung der zweiten Ausgabe von Bürgers Gedichten (1779) beigetragen (die erste Ausgabe, Göttingen, Dieterich 1778, hatte noch Chodowiecki illustriert) und auch für Lichtenbergs ausführliche Erklärung der Hogarthschen Kupferstiche, deren erste Lieferung 1794 bei Dieterich erschien, die Kopien angefertigt. Er hat auch für andere Auftraggeber gearbeitet, die seine gute handwerkliche Arbeit schätzten.

 

 

Die Illustrationen der ersten Ausgabe Bürgers von 1786.

Wunderbare/ Reisen/ zu/ Wasser und Lande,/ Feldzüge und lustige Abentheuer/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bey der Flasche im Cirkel/ seiner Freunde selbst zu erzählen/ pflegt./ Aus dem Englischen nach der neuesten Ausgabe/ übersetzt, hier und da erweitert/ und mit noch/ mehr Kupfern gezieret./ London 1786.|

 

  

  

  

  

 

Für die Illustrierung des Münchhausen konnte sich Riepenhausen, was die Bildmotive anbelangt, an die 4 Kupfer der Falttafel aus der englischen New Edition halten; sie hat ihm, wohl aus Bürgers Besitz, vorgelegen: Da Falttafeln aber in Deutschland ungewöhnlich waren, mußte er die Bilder umzeichnen. Hierbei hat er nichts Eigenes hinzugefügt; er hat die Motive und auch den Illustrationsstil belassen und nur Details geringfügig verändert. Hier hat er also nur handwerklich-reproduktive Arbeit geliefert. Drei der Bilder, nämlich Bild 2 mit dem halbierten Pferd, Bild 3 mit dem Kirschbaum-Hirschen und Bild 4 mit Münchhausens Abseilen von der Mondsichel, hat er spiegelbildlich gebracht. Weitere 9 Bilder hat er neu gezeichnet. Von diesen kam nur ein Bild, der Mandelbaum, einzeln auf eine Tafel; die anderen 8 Bilder brachte er auf Doppeltafeln unter. Die Gesamtausstattung umfaßte 9 Tafeln mit 13 Darstellungen (5 Tafeln mit einer Darstellung und 4 Tafeln mit 2 Darstellungen). […]

 

 

Die Illustrationen der zweiten Ausgabe Bürgers von 1788.

Wunderbare/ Reisen/ zu/ Wasser und Lande,/ Feldzüge und lustige Abentheuer/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bey der Flasche im Cirkel/ seiner Freunde selbst zu erzählen/ pflegt./ Aus dem Englischen nach der neuesten Ausgabe/ übersetzt, hier und da erweitert und mit noch/ mehr Kupfern gezieret./ London 1786.|

 

  

  

  

  

  

 

Die Illustrierung der zweiten Ausgabe von 1788 zeigt quantitativ und qualitativ eine Weiterentwicklung. Riepenhausen sollte das Buch durch Vermehrung der Tafeln weiter verschönern, dem erweiterten Text anpassen, und gleichzeitig Dieterich zu größerem Erfolg verhelfen. Es ist hier daran zu erinnern, daß Bürger die 2. Ausgabe um 7 neue Geschichten vermehrt hatte. In der von ihm dafür benutzten englischen Ausgabe (Fifth Edition) fanden sich schon passende Bildvorlagen; an die Erfindungskraft von Riepenhausen wurden daher keine hohen Anforderungen gestellt. Jedoch hat Riepenhausen alle Tafeln der 2. Ausgabe neu gestochen. 8 Tafeln gingen direkt auf die Kupfer seiner 1. Ausgabe zurück. 3 Tafeln waren, entsprechend der Textvermehrung durch Bürger, neu zu stechen. Davon waren 2 Tafeln einer Falt-Doppeltafel aus der Fourth Edition nachgestochen (Eingeborener des Hundssternes und Mondmensch; der erste wieder spiegelbildlich!). Eine Doppeltafel entstand durch das Zusammenstellen der beiden Hengsthälften auf einer Tafel; hierfür zeichnete Riepenhausen die hintere, sich auf der Koppel vergnügende Hengsthälfte neu. Insgesamt umfaßt die Illustrierung 11 Kupfertafeln mit 16 Darstellungen. Die erneuerte und erweiterte Reihe der Kupfertafeln läßt erkennen, daß Riepenhausen beträchtliche Fortschritte gemacht hat; die Figuren sind lebendiger geworden. Für den Nachdruck der zweiten, ohne Bürgers Wissen veranstalteten, Ausgabe hat Dieterich die Original-Kupferplatten benutzt. Doch merkt man bei dem 6. bis 9. Blatt, daß die Platte nicht mehr frisch war, besonders beim 9. Blatt (die Gesellschaft auf dem Mandelbaum) ist stark mit der kalten Nadel nachgeholfen. […]

Da die Kupferplatten mit dem Nachdruck der zweiten Ausgabe verbraucht waren, mußte Dieterich für seine dritte Ausgabe (Dritte vermehrte Original-Ausgabe. Göttingen, bey Heinrich Dieterich. 1813.) die Kupfer neu stechen lassen, wiederum von Riepenhausen. In der vierten Original-Ausgabe (Vierte vermehrte Original-Ausgabe. Göttingen, 1822.) hat Dieterich die Illustrierung wiederum geändert, und zwar sind die Kupfer nun, ohne Einbuße an der Zahl, paarweise auf 8 Tafeln untergebracht; das brachte den Vorteil einer einheitlichen Gestaltung und die Einsparung von 3 Tafeln gegen die vorhergehenden Ausgaben. Zweifellos kam diese Überlegung von den Gegebenheiten des Kupferstichs her. Die gleiche Zahl der Kupfertafeln (8) und die gleiche Zahl der Darstellungen (16) besitzt schon die „rechtmäßige" dritte Ausgabe, die bei Vollmer, Hamburg 1812 erschienen ist (Dritte, vermehrte Ausgabe. Hamburg 1812.), 10 Jahre vor der Dieterichschen dritten Ausgabe. Es ist wahrscheinlich, daß Dieterich die Rechte mindestens für diese eine Ausgabe an Vollmer abgetreten hat, ferner, daß Vollmer Dieterichs Stecher Riepenhausen für die Illustrierung seiner Ausgabe gewinnen konnte, sodann, daß Dieterich 10 Jahre später die noch guten Kupfertafeln von Vollmer erworben hat, als feststand, das Vollmer das Buch nicht wieder auflegen werde. Dieterich hätte dann diese Kupfer für seine vierte Ausgabe verwendet. Auf diese billige Weise wäre Dieterich zu guten Kupfertafeln gekommen und hätte seinen Nutzen gehabt. Freilich büßten die verkleinerten Kupfer nun auch an Wirkung ein, wie schon bei den Doppelkupfern der zweiten Ausgabe zu sehen ist. In dieser Ausführung und Anordnung gingen die Kupfer durch 2 Ausgaben bis 1834 hindurch. Es verdient festgehalten zu werden, daß die Riepenhausenschen Kupfer fast ein halbes Jahrhundert wirksam waren; sie schmückten die Original-Ausgaben bei Dieterich und bei Vollmer von 1786 bis 1834 48 Jahre lang.

Erwin Wackermann: Münchhausiana. Bibliographie der Münchhausen-Ausgaben und Münchhausiaden. Mit einem Beitrag zur Geschichte der frühen Ausgaben. Stuttgart 1969, S. 61ff. Die Angaben Wackermanns zu Ausgaben und Auflagen wurden nach meinem Kenntnisstand korrigiert,

 

 

Dritte, vermehrte Ausgabe. Hamburg, bei Gottfried Vollmer. 1812.

Wunderbare/ Reisen/ zu/ Wasser und Lande,/ Feldzüge und lustige Abenteuer/ des/ Freiherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner/ Freunde selbst zu erzählen pflegt./ Aus dem Englischen nach der neuesten Ausgabe über-/setzt, hier und da erweitert, und mit noch mehr/ Kupferstichen gezieret./ Herausgegeben/ von/ Gottfried August Bürger./ Dritte, vermehrte und rechtmäßige Ausgabe./ Hamburg,/ bei Gottfried Vollmer./ 1812.|

 

        

         

 

 

Neue Ausgabe, Cöln 1810.

Wunderbare Reisen, Feldzuge und lustige Abentheuer/ zu Wasser und Lande,/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bei der Flasche Wein im Zirkel/ seiner Freunde selbst zu erzählen pflegte./ Neueste Ausgabe mit 12 Kupfern./ Cöln, 1810/ bey Peter Hammer.|

 

  

 

 

Dritte vermehrte Original-Ausgabe. Göttingen, bey Heinrich Dieterich. 1813.

Wunderbare Reisen/ zu/ Wasser und Land,/ Feldzüge und lustige Abenteuer/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bey der Flasche im Zirkel seiner/ Freunde selbst zu erzählen pflegt.|

In: Gottfried August Bürger’s sämmtliche Werke. Herausgegeben von Karl Reinhard. Sechster Band. Prosaische Schriften. Zweiter Theil. Einzig vollständige Original-Ausgabe. Hamburg, bei Gottfried Vollmer. 1813.

 

     

     

     

  

 

 

Bürger’s vermischte Schriften. Wien 1812

Wunderbare/ Reisen/ zu/ Wasser und Land,/ Feldzüge und lustige Abenteuer/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bey der Flasche im Zirkel seiner/ Freunde selbst zu erzählen pflegt./ Aus dem Englischen nach der neuesten Ausgabe über-/setzt, und hier und da erweitert.|

In: Gottf. Aug. Bürger’s vermischte Schriften. Herausgegeben von Karl Reinhard. Vierter Theil. Wien, 1812. In Commission bey Anton Doll, S. 128-253.

 

 

 

Vierte vermehrte Original-Ausgabe. Göttingen, 1822. In der Dieterischen Buchhandlung.

Wunderbare/ Reisen/ zu/ Wasser und Lande,/ Feldzüge und lustige Abentheuer/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bey der Flasche im Zirkel seiner/ Freunde selbst zu erzählen pflegt./ Aus dem Englischen nach der neuesten Ausgabe übersetzt,/ hier und da erweitert und mit noch mehr Kupfern gezieret./ Vierte vermehrte Original-Ausgabe./ Göttingen, 1822./ In der Dieterischen Buchhandlung.|

 

  

  

  

  

 

 

o. J. (um 1820)

Des berühmten/ Freiherrn von Münchhausen/ höchst wunderbare/ Reisen,/ zu Wasser und zu Lande,/ merkwürdige/ Feldzüge und lustige Abentheuer./ [Vignette]/ Mit 13 Abbildungen./ Frankfurt und Leipzig.

 

Falttafel 160 x 150 mm, Lithographie, signiert: Litho. J. Schlappal in Cöln; d.i. Jodokus Schlappal (1793-1837), Steindrucker

 

Reutlingen 1836

Des/ Freiherrn von Münchhausen/ höchst/ wunderbare Abenteuer auf Reisen zu Wasser/ und zu Lande und in Feldzügen./ (Großer Titelholzschnitt.)/ Auf’s Neue herausgegeben/ von/ dem Forstrath Schneidauf und dem Pfarrer Zante./ Reutlingen,/ Druck und Verlag von Fleischhauer und Spohn.Reutlingen 1836

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

Göttingen und Berlin 1840

Des/ Freih. v. Münchhausen/ wunderbare/ Reisen und Abentheuer/ zu/ Wasser und zu Lande,/ wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner/ Freunde selbst zu erzählen pflegte./ Neue Originalausgabe. Mit 16 Federzeichnungen von Hosemann./ 1840./ Göttingen. Berlin./

 

  

  

  

                          

 

 

Abenteuer des berühmgten FReiherrn von Münchhausen. Erster Theil. Land-Reisen. Mit 16 radirten Blättern von M. Disteli. Solothurn 1841.