Im Bräustüberl

Wo früher dichter Tabakqualm schon am frühen Abend die Räume des Herzoglichen Bräustüberl in Tegernsee verhüllte, findet sich heute ein Teil der regionalen Menschheit bei frischer Luft zu deftigen Speisen und fröhlichem Trunk zusammen. Man rückt die Stühle, stößt mit den Biergläsern an, bricht sich Stücke von den Salzbrezeln ab, zerschneidet die knusprigen Krusten der Kalbshaxen und stopft allerlei sonstige Schmankerln in die offenen Münder, ohne die lautstarken Gespräche zu unterbrechen, die sich von den alten Deckengewölben vielfach verstärkt wie ein akustisches Gemeinschaftsbad zu einer alles einlullenden Lärmkulisse steigern.

 

Postkarte aus den 1930er Jahren

 

Wer sich als Neuankömmling in die vorhandenen Kreise einfädelt, wird freundlich willkommen geheißen und schnell ins Gespräch einbezogen. Kaum ein Tisch, an dem sich nicht einander völlig fremde Menschen freundschaftlich begrüßen, jeder lässt jeden so sein, wie er ist und genießt das Seine ohne irgendwelche Beschwernisse. Wer gehen will, wird fröhlich entlassen, wer neu kommt, ebenso fröhlich aufgenommen.

Bier und Speisen bringen die stämmigen Kellnerinnen prompt und frisch an die Tische, die Preise sind moderat, die Qualität erfreulich.

Hier möchte man sitzen bleiben, aber um 23 Uhr wird das Braustübel unbarmherzig geschlossen. Uns tröstete das Versprechen, dass man täglich um 11 Uhr wieder öffne und keinen Ruhetag habe.

 

 

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