Ein Schloss in Salzburg ... – Storms Reise im Sommer 1872

 

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  Julius Alexander Schindler 1876. Photographie von Baldi & Würthle, Salzburg (aus Storms Besitz). Theodor Storm 1870. Photographie von Rudolph Ström, Husum

 

 

Am Montag, dem 15. Juli 1872 bestieg Theodor Storm frühmorgens auf dem Husumer Staatsbahnhof den Zug nach Altona. Es war der Beginn seiner weitesten Reise, die ihn bis nach Salzburg führte, und sie war auch die längste, denn er kehrte erst nach fast sieben Wochen am 30. August in seine Heimatstadt zurück.

Heute verspricht die Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn, die Strecke mit zwei- bis dreimaligem Umsteigen in ca. 10 ½Stunden zu bewältigen. Das war im Jahre 1872 noch ganz anders. Damals brauchte die Eisenbahn (mit Umsteigen in Oster-Ohrstedt) allein 6 ½ Stunden bis nach Altona. Und nach Salzburg musste man in mehreren Etappen fahren, wofür die damaligen Reisen mindestens drei Tage benötigten. Storm traf in Altona am Nachmittag um 16 Uhr ein und fuhr mit der Kutsche nach Hamburg zu seinem Vetter Ludwig Scherff, der in Borgfelde in der Wallstraße 3 – ganz in der Nähe der elterlichen Wohnung – lebte.

Die Reise war schon lange geplant. Im Zusammenhang mit seiner Arbeit am „Hausbuch aus deutschen Dichtern seit Claudius“ wandte sich Theodor Storm über die Geroldsche Buchhandlung in Wien an den österreichischen Schriftsteller und Politiker Dr. Alexander Schindler (1818-1885), der unter dem Pseudonym Julius von der Traun Gedichte und Erzählungen veröffentlichte. Er kannte von ihm u. a. die „Rosenegger Romanzen“ (1852) und bat ihn um die Genehmigung zum Abdruck einiger Stücke aus dieser Sammlung und wohl auch um Hinweise auf andere österreichische Lyriker. Schindler antwortete am 12. April sehr freundlich und lud Storm bereits am 2. Mai ein, ihn im Sommer auf Schloss Leopoldskron bei Salzburg zu besuchen.

 

Von dem Dichter Julius v. der Traun (Dr. Alexander Schindler) in Wien erhielt ich gestern eine Einladung, ihn im Sommer auf seinem Schloß (Gut) Leopoldskron bei Salzburg – dicht bei wohnen auch meine schönen 3 Oesterreicherinnen – zu besuchen, wo er 4-5 Monate Sommerfrische halten und sich nur mit Revision seiner poetischen Werke u. lieben Gäste beschäftigen will. Nicht wahr? Da sollten die Verehrer meiner Muse mir das Reisegeld verehren. Vielleicht schlüge nach einer solchen Reise – denke Dir so 3-4 Wochen Sommerrast auf einem Alpenschloß, und der Schloßherr ein Poet wie ich – vielleicht schlüge mein Pegasus noch einmal seine Flügel.

Theodor Storm an seinen Sohn Hans, Brief vom 25.5.1869.

 

 

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