Schloss Hellbronn
Das kaiserliche Schloss Hellbrunn (l Stunde südlich), am Weg nach Hallein, Sonntags viel besucht, hat Gartenanlagen und Wasserkünste (Sonntag Nachmittag springen sie gratis, dann alle halbe Stunde).
Süd-Deutschland und Österreich. Handbuch für Reisende von K. Bædeker. Coblenz 1872.

Die Wasserspiele Hellbrunn befinden sich im Schlosspark von Hellbrunn am südlichen Stadtrand der Stadt Salzburg. Sie sind die weltweit besterhaltenen Wasserspiele der Zeit der späten Renaissance bzw. des Manierismus. Sie wurden um 1613 von Fürsterzbischof Markus Sittikus von Hohenems in Auftrag gegeben. Der Name Hellbrunn für das „Palatium beim Tiergarten“ taucht erst im Dezember 1616 in den Quellen auf. Heute richtet sich das Interesse der Besucher in erster Linie auf die Wasserspiele im engeren Sinn. Auch die Gartenforschung richtet ihr Augenmerk bei den historischen Gartenanlagen zunehmend auf die Wasserscherze, Automaten und technischen Einrichtungen.[1] Die Besucher zur Zeit Markus Sittikus' und seiner Nachfolger als Fürsterzbischöfe absolvierten aber ein sehr vielfältiges Besuchsprogramm, bei dem die Wasserspiele nur einen kleinen Teil ausmachten: Folgt man der Erzählung vom Besuch Ferdinands II. Medici 1628 dürfte die Fahrt durch den Hirschgarten mit mehr als hundert Stück Wild und der Besuch im Schloss Belvedere mit dem prächtigen Ausblick und vor allem der anschließenden Wildnis mit Kreuzweg, Kapellen und Einsiedlerbehausungen besondere Bedeutung gehabt haben. Gespeist wurde im Schloss mit dem damals nur vom Schlafgemach des Erzbischofs zugänglichen Festsaal. Über eine heute nicht für das Publikum begehbare, geheime Wendeltreppe konnte man von einem Nebenraum hinaufsteigen in den großen, die ganze Breite des Schlosses einnehmenden, Saal mit Ausblick in die Landschaft zu beiden Seiten. Der Besuch führte dann zum Steintheater und Monatsschlösschen. Höhepunkt war manchmal eine Aufführung im Steintheater, wie im Fall Ferdinands II. „Magdalena, die Büßerin“, oder eine Jagd im fürstlichen Jagdgatter. Musikalische Darbietungen boten einen wesentlichen Bestandteil jedes Empfangs. Den Abschluss bildete der Besuch im italienischen Garten mit den exotischen Pflanzen und „welschen“ Bäumchen, in der Fasanerie, bei den exotischen Vögeln und Schildkröten und im Figurengarten mit den Wasserscherzen, wobei das Fangen von Fischen mit Angel und Dreizack öfter Bestandteil des Unterhaltungsprogramms gewesen sein dürfte.[2] Die Eintrittskarte der Salzburger Wasserspiele umfasst auch den Eintritt in das Schloss Hellbrunn mit dem Festsaal und das Monatsschlösschen. Das Gartenparterre, der Park mit dem Hellbrunner Berg und dem Steintheater sind frei zugänglich, so dass sich mit Ausnahme des Schlosses Belvedere samt Einsiedelei ein guter Eindruck der ursprünglichen Gesamtanlage gewinnen lässt.
Grotten und Teiche aus der Zeit der Renaissance wurden wie in Hellbrunn im Allgemeinen römischen Palastanlagen nachempfunden und in der Folge weiterentwickelt. Besonders war es der Palast Kaiser Neros, das „Domus aurea“, dessen Gestaltung Renaissance-Künstlern damals Vorbild wurde. Teile dieses Palastes, die „Grotten“, waren mit Gemmen und Muscheln geschmückt und im Park befanden sich große geometrische Teiche. Auch die Villa d’Este in Tivoli und andere Parkanlagen in Rom und in Norditalien waren ein Vorbild für Hellbrunn. Höhepunkt der kunstvollen Wassergärten war auch der (nur teilweise erhaltene) von Francesco de Medici erbaute Garten des Pratolino. Aber auch der ehemalige königliche Garten von Saint-Germain-en-Laye in Frankreich wies viele ähnliche Elemente auf. Die technisch immer aufwändigeren Renaissancespiele mit und durch das Wasser sollten eine göttliche Krönung der Nachahmung der Natur darstellen.
Ganz im Stil einer Villa urbana italienischer Prägung ließ der Bauherr Markus Sittikus in Anlehnung an verschiedene italienische Wasserspiele 1613 im Schlosspark von Hellbrunn neben anderen Bauten seine aufwändigen Wasserspiele errichten. Diese Wasserspiele sollten schon bald nach ihrer Errichtung weit über Salzburg hinaus Berühmtheit erlangen und wurden öfter mit den berühmten Anlagen Italiens verglichen.
Wikipedia
„Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein'!“ Hellbrunn (Helabrunn?), das·Versailles der Salzburger, Kerkermeister Wolf Dietrichs, dem Erzbischof Markus Sittich, Graf .v. Hohenems erbaut, liegt eine halbe Stunde Fahrens von der Stadt Ruperts entfernt. Das heitere Reich der neckenden Nereiden hat hier seinen Sitz im grünen Park aufgeschlagen, Nymphen und Oreaden, Faun und Triton, ja der ganze attische Götterhimmel treiben ihr Spiel mit dem Krystall der Quellen, spritzen Wassergarben umher und senden den feuchten Strahl plötzlich bald hier bald dort unter lachende Gruppen. Eine Schar gutgelaunter Olympier, im idealen Costüm dieses privilegirten Geschlechts, aber von Marmor, lauert in Grotten und Nischen, im feuchten Moos oder im kühlen Nass der vom Marmorbassins mit affectirter Ruhe. Da winkt der nichtssagende Meergott und Alles wird lebendig! Aus Busch und Hain, aus Tisch und Bank, aus dem Boden und aus den Lüften spritzt das leichtfertige Göttervolk seine Strahlen, vom Geschrei überraschter Bauerngruppen und dem Lachen der namentlich Sonntags zahlreich vertretenen Volksmenge erwidert. Doch die Götter sind galant. Sie lassen fremde Gäste unbehelligt und sorglos mag unter den Bäumen am Bach dahinwandeln, den Schattenpark mit den weißen Hirschen und dem steinernen Theater besuchen oder den Glanzpunkt des Parks, das „Gloriet“ mit seiner köstlichen weitgedehnten Fernsicht besteigen, wo man hinabsieht auf das schöne wellenumschlungene Schloss der Gräfin Arko-Steppberg, das herrliche Anif.
Adolph Bühler: Bad Reichenhall und seine Umgebungen. Reichenhall, achte Aufl. 1869, S. 109f.

Das mechanische Theater ist das Highlight der Wasserspiele. Heute scheint es nicht mehr so spektakulär zu sein. Allerdings gibt es 200 Figuren, die sich zur Musik bewegen, und alle werden nur vom Wasser angetrieben. Diese Figuren befinden sich in einem Bühnenbild, das wie ein Puppenhaus aussieht. Sie repräsentiert die gesamte Gesellschaft der damaligen Zeit, und die Figuren erfüllen die ihnen zugewiesenen Aufgaben.