Berchtesgaden

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Zwischen Salzburg und Grödig über den Almcanal, welcher unfern der Landesgrenze aus der Albe oder Alm, dem Ausfluss des Königssee's, nach Salzburg geführt ist. Rechts am Gebirge das alte unbewohnte Schloss Glaneck, – weiter zurück der spitze Kegel des Hochstauffen, links der Schmidtenstein mit dem festungsartigen Gipfel. ¼ Stunde westlich der Gassenleier Felsen, mit umfassender Aussicht über das Thal.

Die Straße windet sich um den Fuß des Unterbergs. Am Almcanal mehrere Schussermühlen, dann eine Marmorsäule zum Gedächtnis der Rettung einer Frau von Bernd aus Wassersgefahr im Januar 1840. Am Bergabhang links Schloss Gartenau.

Ein enger Pass, von der Alm durchströmt, zwischen dem Untersberg und dem nördlichen Ausläufer des Hohem-Göll, der den Hintergrund bildet, führt in das Gebiet von Berchtesgaden. Die Grenze bildet der Hängende Stein, eine Felswand an der Alm (österreichisch-bayrische Maut). Zwei Reliefs in derselben dienen als Grenzsteine, der erste, ein österreichischer von 1818 mit dem heiligen Leopold, dem Schutzpatron des Erzherzogtums, der zweite, ein Crucifix mit der Unterschrift: Pax Intrantibus et Inhabitantibus, einer derjenigen, mit welchen im Jahr 1514 Probst Gregor Rainer von Berchtesgaden alle Landesgrenzen besetzen ließ. Der alte Markt Schellenberg (Amanhauser), ungefähr halbwegs zwischen Salzburg und Berchtesgaden, hat einen Marmorturm. Bei F. Krieger schöne Holzschnitzwaren. An der Brücke über die Alm ist die Wasserhöhe von 1622 angezeigt.

Weiter am rechten Ufer der Alm; ¾ Stunde. Brücke zu der sehenswerten Almbach- Klamm (jenseits am Ausgang der Klamm ein Wirtshaus). ¼ Stunde weiter links Wegweiser „über Zill nach Hallein“; rechts die schroff zur Alm abstürzende Graue Wand. Dann überschreitet die Straße die brausende Alm; das Tal öffnet sich und der Große und Kleine Watzmann, dazwischen ein breiter Sattel (Watzmannscharte) mit Schneeresten, treten plötzlich hervor. Auch Berchtesgaden mit seinen vielen stattlichen Gebäuden, höchst anmutig am Abhang des Berges gelegen, zeigt sich zwischen Wiesen und Bäumen. Die Straße bleibt stets rechts am Abhang. ¼ Stunde vor Berchtesgaden bei dem Wegweiser, der „zum Salzberg und Königssee“ zeigt, führt links eine Fahrstraße über die Alm zu den neuen Berg-Gebäuden, gegenüber das alte Stollen-Mundloch des Salzbergs mit der Überschrift: „Ihre Curfürstliche Durchlaucht zu Cölln Herzog Ferdinand in Ober- und Nieder-Bayern, Administrator des Fürstlichen Stifts Berchtesgaden, Hauptstollen zu diesem Berg, angefangen 1628“, daneben das jetzige Stollen-Mundloch und das alte Brunnhaus mit der alten Rad-Maschine zur Soolhebung, welche zur Beurteilung der Gangart bei jedem Radumgang einen Schlag auf die vor dem Fenster des Maschinenwärters befindliche Schelle macht.

 

 

 

Berchtesgaden war bis 1803 Sitz einer gefürsteten Probstei, deren Gebiet (8 Quadratmeilen) nur zum sechsten Teil angebaut, das Übrige Fels, Wasser und Wald, so bergig, dass gesagt wurde, es sei so hoch als breit. Das stattliche ehemalige Stiftsgebäude ist jetzt königliches Schloss. Stiftskirche mit romanischem Kreuzgang, geschnitzten Chorstühlen etc. Von der königlichen Villa an der Südseite des Orts hübsche Aussicht: östlich Schwarzort, Jenner, Hohe Brett, im Hintergrund Stuhlgebirg und Schönfeldspitz, rechts kleiner und großer Watzmann. Im Grund, an der Alm, große neue Sudhäuser

Süd-Deutschland und Österreich. Handbuch für Reisende von K. Bædeker. Coblenz 1872.

 

  

 

 

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