Nürnberg
Am Samstag, dem 27. Juli fuhren Theodor Strom und Ludwig Scherff von Eisenach nach Nürnberg.
Sie stiegen an einem für die Eisenbahngeschichte bedeutsamen Ort aus dem Zug. Die Königlich privilegierte Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft mit Sitz in Nürnberg erhielt am 19. Februar 1834 die königlich bayerische Konzession zum Bau einer Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Die Eröffnungsfahrt fand am 7. Dezmber 1835 statt, womit in Deutschland die erste mit Lokomotiven betriebene Eisenbahn fuhr.

Gedenkblatt zur ersten deutschen Eisenbahnfahrt am 7. Dezember 1835 von Nürnberg nach Fürth
Nürnberg hatte 1835 den ersten Bahnhof Deutschlands, den Ludwigsbahnhof am Plärrer, der aber nur von lokaler Bedeutung war. Da sich das deutsche Eisenbahnwesen rasch entwickelte, eröffnete man 1846/47 den Staatsbahnhof vor dem Frauentor, ein Gebäude im neugotischen Stil.
Der Ludwigsbahnhof am Nürnberger Plärrer war sowohl der erste Nürnberger als auch der erste deutsche Bahnhof und stellte zusammen mit dem Fürther Ludwigsbahnhof einen der beiden Kopfbahnhöfe der Ludwigseisenbahn dar.

Nürnberger Ludwigsbahnhof 1870
Zwischen 1844 und 1847 entstand im Zuge des Baus der staatlichen Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau nach Hof der Hauptbahnhof Nürnberg in seiner heutigen Lage. Da die Fläche am Plärrer, dem Standort des Bahnhofs der privaten Ludwigseisenbahn nach Fürth, nicht ausreichte, entschloss sich die Staatsbahn zum Bau eines eigenen Bahnhofs vor dem Frauentorgraben. Er wurde wie seinerzeit bei größeren Stationen üblich als Kopfbahnhof angelegt. Das Empfangsgebäude wurde im neugotischen Stil erbaut. Mit der Eröffnung der Staatsbahnstrecken nach Schwabach (1849), Ansbach, (1875) und Bayreuth (1877) entwickelte sich der Bahnhof zum Zentralbahnhof von Nürnberg.
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Ich suchte dort auch Frl. Rammann auf, die in der Nähe des rothen Rosses wohnte und machte mit ihr und ihren Damen einen schönen Abendspaziergang. Die mir von Allen aufgetragenen Grüße an Malvine will ich hiemit an Euch zur Weiterbeförderung übergeben haben.
Theodor Storm an Ernst Esmarch, Brief vom 19.10.1872

Süd-Deutschland und Österreich. Handbuch für Reisende von K. Bædeker. Coblenz 1872.
Storm übernachtete im Gasthaus Rotes Ross; am Weinmarkt 12a, 14 und 16 gab sich einst die Prominenz die Klinke in die Hand. Als „Rothes Ross“ war die Häuserzeile weit über Nürnbergs Grenzen hinaus als erste Hoteladresse bekannt. Nach einer Aufstellung von 1570 konnte das Gästehaus 24 Personen und 50 Pferde beherbergen.
Erstmals als „Wirtsbehausung“ erwähnt wurde das Ensemble 1541. Im Jahr 1552 wurde es bereits „Rotes Rösslein“ genannt. Das aus dem 15. Jh. stammende „Prinkmännische Eckhaus“ (12a) wurde erst 1685 durch den Wirt Zacharias Wölker in den Hotelbetrieb mit einbezogen.

Anlässlich seiner 28. Ballonfahrt, die er in Nürnberg vorführte, wohnte im November 1787 der französische Flugpionier Blanchard im Roten Ross. Auch Kaiser Leopold II. und Johann Wolfgang von Goethe waren Gast in diesem Hotel.
Als Hauptquartier nutzten die Franzosen während der Besetzung Nürnbergs (August 1796) das Haus. Die Gesellschaft Harmonie hielt von 1804-14 und 1826-32 ihre Leseabende in dem Gasthof ab. Auf einer Fotografie von vor 1880 ist zu erkennen dass der Hotelname in drei Sprachen an der Fassade angebracht war.
Der neu gebaute Hauptbahnhof vor dem Frauentor brachte die Übernachtungszahlen in der Sebalder Stadthälfte fast auf den Nullpunkt. Auch das Rote Ross verspürte die Konkurrenz der um den Bahnhof entstandenen Beherbergungsbetriebe. Als triste Bierwirtschaft weiter geführt, wurde der Gasthof 1887 geschlossen.

Staatsbahnhof vor dem Frauentor von 1846/47
In Storms Brief an Ernst Esmarch heißt es weiter:
Meine Reise anlangend, so war sie wegen der Hochsommergluth etwas strapazant; auf dem Hinwege war eigentlich meine glücklichste Stunde, als ich Nachmittags in Nürnberg nach all dem anstrengenden Besehen von „Burg“, „Sebalduskirche“, „Moritzkapelle“ etc. in unserm Zimmer im „Rothen Roß“ mich platt auf den Fußboden gestreckt hatte, nur mit meinen beiden Fingerringen bekleidet und mit einem feuchten Handttuch zugedeckt.
Die folgenden historischen Photographien zeigen Nürnberg so, wie Storm die Stadt gesehen hat.

Die langgestreckte Renaissancefassade des 1616 erbauten Rathauses gegenüber dem Chor der Sebalduskirche dominiert die Altstadt. Einer der wenigen Neubauten innerhalb des noch immer mittelalterlich anmutenden Stadtkerns ist das Gebäude der l847-1849 nach Plänen des städtischen Baurats Bernhard Solger ausgeführten Königlichen Bank vor der Lorenzkirche. Die Fotografie macht auch die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sukzessive Erweiterung Nürnbergs über die Grenzen der Stadtmauer hinweg deutlich.

Ansicht des Hallertores und der Kaiserburg vom Westtorgraben. Photographie von Ferdinand Schmidt. Um 1890