Von München nach Salzburg

Andern Tags fuhr ich allein weiter nach Salzburg, Ludwig blieb in München. Zehn Minuten von Salzburg, das den Eindruck einer italienischen Stadt macht, liegt Leopoldskron, mein Reiseziel.
Theodor Storm an Ernst Esmarch, Brief vom 19.10.1872.
Der von Storms mit großer Wahrscheinlichkeit benutzte Baedeker beschreibt die 5½-stündige Reise folgendermaßen: „Die Bahn überschreitet den Inn und erreicht hinter Station Stephanskirchen den kleinen Simm-See, weiter an dessen westlichen Ufer entlang nach Station Endorf; dann in einem weiten Bogen gegen Süden durch hügelige Gegend nach St. Prien, 20 Meilen von Stock, Landeplatz für das Dampfboot, welches 3mal täglich über den Chiemsee nach Seebruck und zurück fährt. Die Bahn umzieht den Chiemsee an der Südseite.
Die Bahn nach Salzburg führt bis Teisendorf an Wald- und Wiesenhügel vorüber. Ueber die Vorberge ragen südlich der Stauffen, weiter der Untersberg hervor. Stat. Lauter, Teisendof mit den Trümmern des Schlosses Raschenberg, Freilassing, bayrische Grenz-Mauthamt und Knotenpunkt der Bahn nach Reichenhall. Vor Salzburg im Walde die weissen Mauern von Maria Plain; dann über die Salzach.
Süd-Deutschland und Österreich. Handbuch für Reisende von K. Bædeker. Coblenz 1872.
Storm fuhr um 9:20 vom Münchener Hauptbahnhof ab und erreichte Salzburg 12.35, wo ihn Heinrich Schindler mit seinem Kutscher erwartete.

Salzburger Hauptbahnhof um 1870