Briefe an Susanne                                                                   Kommentar

 

121. Gerhard E.                                                München, 23.6.1965

Liebe Susanne!

Heute vorm Abendessen erhielt ich Deinen Brief, vielen Dank! Jetzt haben wir die Physikarbeit geschafft. Ich habe auf karierten DIN-A 4 Bogen 10 Seiten (ohne Zeilenabstand) geschrieben. Das war eine ganz schöne Arbeit.

Über das Deutsche Museum läßt sich ja so viel schreiben. In 6 Stockwerken sind alle Gebiete der exakten Naturwissenschaften und der Technik ausgestellt. Jede Ausstellung besteht aus einem historischen, einem theoretischen und einem praktischen Teil. Es gibt ein großes Bergwerk, Abteilungen über das Metallverarbeitungswesen, Kraftmaschinen, Starkstromtechnik, Flug- und Verkehrsbetrieb, Photographie, Film, Physik, Chemie, Astronomie, Textiltechnik usw, usw. …

Ganz oben im Gebäude befindet sich ein Planetarium. Ich habe über drei! Stunden gebraucht, allein um oberflächlich die Hälfte die Ausstellungsräume einer! Etage zu durchwandern. Der Eindruck ist überwältigend.

Schlimm ist nur das Geldausgeben, einfach grauenhaft!

Von München haben wir noch nicht viel gesehen, das wird aber ab morgen nachgeholt.

Einfach toll ist der Verkehr am Stachus. Zur normalen Zeit ist mehr los, als bei uns in der Hauptverkehrszeit. Im Berufsverkehr fahren die Straßenbahnen mit 30 Sek. Abstand. Es kommt vor, daß an einer Haltestelle vier bis fünf Straßenbahnen stehen. Du kannst Dir das Gewimmel gar nicht vorstellen. Berlin ist ruhig dagegen.

Ich beneide Dich in Punkto Strandbad, wir haben schon ganz schön geschwitzt.

Ab morgen stehen Firmenbesichtigungen auf dem Plan. Da wird wieder einiges nach dem bewährten Motto „abgestaubt“. Abends hängen wir immer um Wolfgang, der auf seiner Gitarre Krach macht.

Wenn noch Zeit ist, schreib mir wieder!

Du fehlst mir übrigens sehr! Viele Grüße und Küsse, Dein Gerhard.

P.S. Fast hätte ich vergessen: bitte besorg die Karten für „Jugend tanzt“.