Briefe an Susanne                                                                   Kommentar

 

254. Gerhard E.                                                Solingen, den 10.9.67

Liebe Susanne!

Heute schreibe ich meinen vorerst letzten Brief an Dich. Schade, daß Du gestern noch nicht wieder hier gewesen bist; Wolfgang hatte unsere Klasse zu einer Fete eingeladen und zehn kamen. Es war ein beeindruckendes Bild, als 9 Autos in Kolonne bei D.s vorfuhren. Wir haben im Keller eines Nebengebäudes des Altersheims gefeiert und konnten so viel Krach machen, wie wir wollten. Und Krach wurde gemacht (Bullo war ja anwesend). Jetzt, da Martin, Ecki und Günter wieder im Lande sind, geschieht wieder einiges. Wolfgang und Christa hatten sich beim Dekorieren viel Mühe gegeben und alle (bis auf die unbeweibten Schäso und Pes) haben sich sicht- und hörbar wohlgefühlt. Nur ich hätte lieber mit Dir das getan, das ich bei den anderen immer beneiden musste. Nun, so gegen ½2 Uhr war ich diesen Morgen auch zu Hause und jetzt noch darüber ärgerlich werden, ist überflüssig.

Wenn Du, mein Liebes, am Montag erst spät nach Hause kommst, warte lieber noch, bevor wir uns treffen. Du wirst sicher sehr müde und abgespannt sein und wenig Zeit am ersten Abend haben. Die Eltern verlangen sicher, daß Du diesen ersten Abend zu Hause bleibst und ihnen etwas erzählst. Ich kann das auch verstehen.

Schön wäre es, wenn Du am Dienstag, kurz vor 17.00 Uhr vor dem Arbeitsamt am Wasserturm auf mich warten würdest, oder noch besser gegen 16.40 einfach hineingehst und nach mir fragst. Dann können wir gemeinsam nach Hause fahren und haben gleich Zeit für einander, was am Montag wohl kaum der Fall sein wird. Sei also bitte so lieb und hole mich am Dienstag ab.

Ich freue mich schon unheimlich auf diesen Tag und zähle die noch verbleibenden Stunden.

Hier ist es mittlerweile richtig herbstlich geworden. Man kann jetzt wunderbar spazieren gehen. Das Laub färbt sich und bald sind die Kastanien reif. Es wird schön zusammen sein, davon bin ich überzeugt.

Nun wünsche ich Dir eine sichere und nicht zu strapaziöse Heimfahrt und

küsse Dich in Gedanken

tausend Mal,

Dein Gerhard.