Zeppelinpost von Friedrichshafen nach Lakehurst und zurück

 

Post, die mit einem Zeppelin befördert wurde, gibt es seit mehr als hundert Jahren. Diese Art von Luftpost ist eigentlich „Mache“ für Sammler, denn mit den Zeppelinen wurde kaum Bedarfspost befördert, sondern Souvenirjäger, Sammler und Händler gaben Postsache auf, um sie später in ihre Sammlungen aufzunehmen oder zu verkaufen.

Der Beginn der Zeppelinpost folgte dem Beginn der Luftschifffahrt um 1900, da die Luftschiffe schon bald zum Transport von Post verwendet wurden. Ab dem Jahre 1908 gab es die ersten Abwurfkarten von Zeppelinen. Nach dem Vorbild der Ballonpost wurden diese während der Fahrt abgeworfen und besaßen einen Aufdruck, der den Finder bat, sie bei der nächstgelegenen Post- oder Telegrafenstation abzugeben. Auf diese Weise konnten Informationen über den Verlauf der Fahrt rasch an Berichterstatter am Boden weitergegeben werden. Ab 1910 ließ man an Bord geschriebene Bildpostkarten in kleinen Beuteln mit einem 50-Pf-Stück und dem Hinweis abwerfen, den Fund im nächsten Postamt abzugeben. Am 17. Juli 1912 startete LZ 11 „Viktoria Luise“, das erste Luftschiff mit einer amtlichen Postbetriebsstelle an Bord.

Die klassische Ära der Zeppelinpost ist die Zeit des Betriebs der Luftschiffe LZ 127 und LZ 129 zwischen 1928 und 1937, da diese im regen Linienverkehr mit nord- und südamerikanischen Zielen standen und insbesondere vom offiziellen Posttransport profitierten. LZ 127 unternahm insgesamt 590 Fahrten, unter anderem die Weltfahrt 1929, die Südamerikafahrt 1930, die Polarfahrt 1931 sowie die Fahrt zur Weltausstellung 1933 in Chicago. Vor allem in Südamerika wurde LZ 127 begeistert empfangen. Nahezu für jeden Flug gab es speziell gestaltete, oft sehr schmuckvolle Flugbestätigungsstempel. Da bei Passagierflügen teilweise ein Bordpostamt eingerichtet war, gibt es auch Abschläge entsprechender Bordpoststempel auf an Bord aufgegebenen Belegen.

Zu besonderen Anlässen, etwa der Weltfahrt von LZ 127 im Jahr 1929 oder der Chicagofahrt desselben Luftschiffs 1933 wurden von der Reichspost nur für diese Fahrten gedachte Briefmarken verausgabt. Auch in Nord- und Südamerika sind in den 1930er Jahren spezielle Zeppelin-Marken erschienen.

Die bekanntesten Zeppelinbriefe stammen vom Absturz des Zeppelins LZ 129 „Hindenburg“ am 6. Mai 1937 im US-amerikanischen Lakehurst. Von den 17.609 beförderten Postsendungen konnten nur 368 aus den Flammen gerettet werden. Diese geretteten Belege zählen heute zu den begehrtesten Sammlerstücken der Aerophilatelie. Nach dem Absturz der „Hindenburg“ und dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fand die Zeppelinpost ein jähes Ende. Die letzte Zeppelinpost in Deutschland wurde im Oktober 1939 mit dem Luftschiff LZ 130 befördert. Die Zeppelinpost ist bis heute ein beliebtes Sammelgebiet; mit den vielen erhaltene belegen wird ein schwunghafter Handel betrieben.

Die beiden folgenden Belege stammen von der ersten Amerika-Fahrt 1928.

Hinfahrt:

Ansichtspostkarte mit einer Photographie von LZ 127, adressiert an Ian Golding| 7873 Elston ave| Chicago| Ill.| USA., frankiert mit Michel Nr. 423, Flugpostmarke Luftschiff Graf Zeppelin LZ 127 über Erdkugel, 2 Reichsmark; Kreisstempel Friedrichshafen/ LUFTPOST am  7.OKT28 7-8V. Violetter ovaler Bestätigungsstempel MIT LUFTSCHIFF L. Z. 127 ab Friedrichshafen und schwachem blauem Ovalstempel Mit Luftschiff LZ 127 befördert; blauer gerahmter  Klebezettel MIT LUFTPOST| PAR AVION; Eingangsstempel NEW YORK N.Y. 11| OCT 16| 10.AM| 1928.

Rückfahrt:

USA Ganzsache Umschlag 2 Cent Aufdruck 1921, frankiert mit 1 $ Lincoln Memorial, Washington, D.C., 1923 stamp. 3 c Lincoln 1923, adressiert an: Mr Herbert Ehmann| Atlantic Hotel,| Hamburg.| Germany. Die Marken wurden entwertet mit dem Kreisstempel ENGLEWOOD ILL| OCT 20. Englewood ist ein Stadtviertel von Chicago im Bundesstaat Illinois.  Links handschriftlicher Vermerk des Absenders: By German Airship| “Graf Zeppelin”| From Lakehurst,| N. J. Violetter Bestätigungsstempel FIRST FLIGHT AIR MAIL| VIA GRAF ZEPPELIN| UNITED STATES ‒ GERMANY| OCT 28 1928, rückseitig handschriftlicher Absender: 1075 Harrison Ave.| Teaneck, N<ew> J<ersey>, Kreisstempel FRIEDRICHSHAFEN a. BODENSEE| 1| NOV| 28| 7-8 V. Eingangsstempel Hotel Atlantik| 2 NOV 1928.

LZ 127 Graf Zeppelin war ein Starrluftschiff, das am 18. September 1928 nach 21-monatiger Bauzeit in Dienst gestellt wurde. D-LZ127 gilt als das erfolgreichste Verkehrsluftschiff seiner Ära.

LZ 127 war 236,6 m lang, hatte einen Durchmesser von 30,5 m und ein Traggasvolumen von 105.000 m³. Kommandant Hugo Eckener stellte das Luftschiff am 18. September 1928 in Dienst.

Der Antrieb bestand aus fünf Ottomotoren vom Typ Maybach VL 2 mit einer Gesamtleistung von 2096 kW (Zwölfzylinder-V-Motoren mit je 419 kW/570 PS bei 1600 min−1). Diese erlaubten eine Reisegeschwindigkeit von etwa 115 km/h, eine Höchstgeschwindigkeit von 128 km/h und eine Reichweite von rund 12.000 km. Das Luftschiff verfügte über zwei kleine Windgeneratoren außen an der Gondel, von denen einer die Funkanlage speiste. Der andere Generator erzeugte den Strom für die Beleuchtung an Bord und diente als Reservegerät. Weiterhin gab es in der Führergondel einen Benzin-Notstromgenerator.

Annonce in der Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 11. Oktober 1928

Die Funkstation des LZ 127 galt damals als größte funktechnische Einrichtung, die je auf einem Luftfahrzeug installiert worden war. Sie war mit drei Funkoffizieren besetzt und wickelte den Funkverkehr zum Betrieb des Schiffes (Kommunikation, Wetterberichte) und den privaten Telegrammdienst für die Passagiere ab. Die Besatzung bestand aus 45–50 Mann, im Durchschnitt waren 45 Besatzungsmitglieder an Bord. An zahlenden Passagieren konnte der LZ 127 maximal 25 Gäste befördern. Die Kabinen für die Passagiere, der 5 × 6 m große Aufenthaltsraum und die Küche befanden sich in der Gondel unter dem Rumpf.

Postverladung in Friedrichshafen

Am 11. Oktober 1928 legte das Luftschiff mit 20 Passagieren und 40 Besatzungsmitgliedern in Friedrichshafen mit Ziel Lakehurst bei New York ab. Wegen schlechten Wetters wurde eine längere, südlicher verlaufende Strecke gewählt. Am Morgen des dritten Tages fuhr der LZ 127 südlich der Azoren trotzdem mit voller Kraft in eine schwarze Wolkenwand. Durch den gewaltigen Sturm wurde die Stoffbespannung der unteren Stabilisierungsfläche auf der Backbordseite zerrissen. Sechs Besatzungsmitglieder meldeten sich freiwillig, sie wurden mit Werkzeugen ausgerüstet und kletterten – immer noch über dem Ozean – angeseilt ins Innere der unten teilweise aufgerissenen Flosse. Nach 111 Stunden und 44 Minuten landete das Luftschiff glücklich in Lakehurst und wurde frenetisch gefeiert.

Nach zweiwöchigem Reparaturaufenthalt in Amerika startete das Luftschiff seinen Rückweg nach Deutschland am 29. Oktober und erreichte Friedrichshafen am 1. November.

Im Jahre 1932 erschien das erste Sammelalbum für Zigaretten-Bilder mit dem Titel "Zeppelin-Weltfahrten", in dem die Luftschifffahrt von 1899 bis 1932 dokumentiert wird.

Das Album enthält genaue und ausführliche technische Beschreibungen und ist mit 264 Bildern ausgestattet, in die Bromsilber-Abzüge von Fotographien im Format 4 x 6 cm eingeklebt werden konnten. Diese originalen Kontaktabzüge sind von hervorragender Qualität und lassen durch Vergrößerungen sehr viele Details erkennen.

Die deutsche Presse berichtete ausführlich von dem Ereignis.

Auch die Amerikanischen Zeitungen veröffentlichten aktuelle Berichte.

Nach der glücklichen Rückkehr wurde darüber diskutiert, ob mit Zeppelinen ein regelmäßiger Passagierdienst zwischen den USA und Deutschland möglich sei.


Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung vom 1. November 1928

 

Text unter Verwendung von Wikipedia