Paketbegleitbrief zu einer Sendung von 3 Büchern von Göttingen nach Berlin 1870

Herrn/ Professor Dr. C. Müllenhoff/ in/ Berlin/ Schellingstr. 7.
Anbei ein Bücherpaket/ S. M. P. M./ Berlin
Oben in anderer Handschrift:
Postvorschuß für Verpack<ung> u<nd>. Besorg<ung>. 6 <Zeichen für Silbergroschen>
links Gewichtsangabe: 5 Pfund 5 Loth/ G<ewicht>
Gedruckter Paketzettel (Aufgabezettel): 594. Aus/ Göttingen
Der nierenförmige Stempel „Auslagen“ kennzeichnet ein Postvorschussgeschäft. Der Absender erhielt bei der Aufgabe der Sendung den gewünschten Betrag (den „Vorschuss“) von der Post direkt ausgezahlt. Die Post holte sich diesen Betrag plus einer zusätzlichen Provisionsgebühr bei der Zustellung vom Empfänger wieder zurück.
<Zeichen für Silbergroschen> 6 doppelt durchgestrichen
Zweikreisstempel
GÖTTINGEN/ 12/1/5-6
Göttingen gehörte seit 1866 zu Preußen und war somit 1870 Teil des Norddeutschen Postbezirks, der einheitliche Tarife für das gesamte Bundesgebiet festlegte. Erst mit der Gründung der Reichspost im Jahr 1871 wurden diese Regelungen auf das gesamte Deutsche Kaiserreich ausgeweitet.
Im Januar 1870 betrug die Pakettaxe für ein Paket von 6 Pfund auf der Strecke Göttingen–Berlin 7 Silbergroschen (Sgr.).
Diese Gebühr setzte sich nach dem damals gültigen Gesetz über das Posttaxwesen im Norddeutschen Bund (vom 4. November 1867) wie folgt zusammen: Die Luftlinienentfernung zwischen Göttingen und Berlin beträgt ca. 31 Meilen (etwa 230 km). Für Pakete über 1 Pfund wurde pro Pfund und angefangene 5 Meilen Entfernung 2 Pfennige berechnet (1 Silbergroschen = 12 Pfennige).
6 Pfund × (35 Meilen / 5 Meilen) × 2 Pfennige = 6 × 7 × 2 = 84 Pfennige. 84 Pfennige entsprechen genau 7 Silbergroschen.
Ein einfacher Begleitbrief bis zu einem Gewicht von 1 Loth (ca. 16,6 Gramm) war in der Paketgebühr bereits enthalten und erforderte keine zusätzliche Frankatur.
Für die Auszahlung des Vorschusses erhob die Post eine Procura-Gebühr von 1 Sgr. für jede 5 Taler (oder einen Teil davon). Da 6 Sgr. weit unter der Grenze von 5 Talern (150 Sgr.) liegen, fiel die Mindestgebühr von 1 Sgr. an.
Für die Zustellung eines Pakets fielen in der Regel 1 Silbergroschen (Sgr.) an.
Da das Paket mit einem Postvorschuss belastet war, musste der Postbote bei der Zustellung den gesamten Betrag (Vorschuss + Taxe + Procura + Bestellgeld) einziehen, was die Zustellung zur Pflicht oder zum Standard in Stadtbezirken machte.
Bei einem Paket von 6 Pfund von Göttingen nach Berlin mit 6 Sgr. Postvorschuss betrugen die zusätzlichen Gebühren insgesamt 8 Silbergroschen (7 Sgr. Pakettaxe und 1 Sgr. Procura-Gebühr), sodass der Empfänger insgesamt 14 Silbergroschen zahlen musste.
In diesem Fall (Göttingen–Berlin, 6 Pfund, 6 Sgr. Vorschuss) sähe die Endsumme bei Haustür-Zustellung so aus:
| Posten | Betrag |
| Bisherige Summe (Vorschuss + Taxe + Procura) | 14 Sgr. |
| Paketbestellgeld | 1 Sgr. |
| Gesamtkosten für den Empfänger | 15 Sgr. |
Der Brief ist also mit Blaustift richtig portiert: 15 [Silbergroschen]
15 Silbergroschen entsprechen ½ Taler preußischer Währung und repräsentieren etwa 30 - 50 Euro heutiger Kaufkraft.

Rotes Siegel
KÖNIGL./ UNIVERSITÄTS/ BIBLIOTHEK/ GÖTTINGEN
Zweikreisstempel: BERLIN/ 13/1/IV
Ein Eingangsstempel des Berliner Post-Amts W. (Post-Expedition 9) aus der Zeit um 1870 war als Einkreiser gestaltet. Da die Schellingstraße zum Zustellbereich der Linkstraße 18 gehörte, trugen Briefe dorthin typischerweise diesen rückseitigen Abschlag.
Mit Blaustift: 3859
Karl Viktor Müllenhoff (1818-1884) war ein deutscher
Wissenschaftler und germanistischer Mediävist. Seine akademische Laufbahn begann
Müllenhoff als Professor für deutsche Literatur und Altertumskunde an der
Universität Kiel. 1858 wurde er zum Professor für deutsche Philologie an der
Friedrich-Wilhelms-Universität (seit 1947 Humboldt-Universität zu Berlin)
berufen.
Wikipedia