Postgeschichte Schleswig-Holstein  

Familienbriefwechsel Schleswig-Chemnitz (1843/43)

Die folgenden drei Briefe wurden in den Jahren 1842 und 1843 zwischen Angehörigen der aus der Stadt Schleswig stammenden Familie Wieck gewechselt.

Julia Wieck aus Schleswig an ihren Vater Friedrich Georg Wieck in Chemnitz, 14.7.1842. Herrn| Friedrich Georg Wieck| Wohlgeboren| zu| Chemnitz| frei Hamburg. Zweizeiliger Stempel Schleswig,| July 14. Kleiner Einkreisstempel HAMBURG| 4-5 15|7 des Fürstlich Thurn und Taxis'schen Ober-Postamts; mit Rötelstift 62; in roter Tinte 38, mit Rötelstift durchgestrichen; auf der Rückseite: in roter Tinte 38; in brauner Tinte 7.

Das Postamt Schleswig bestand bereits vor 1660, Fr. Olsen erwähnt dies in seinem Buch: Det danske Postvæsen, dets Historie og Personer indtil dets Overtagelse af Staten 1711. København 1889. 1706 wurde Schleswig Hauptpostkontor für die Briefpost, im Jahr 1762 für die Brief und Paketpost.

Forum für Altpostgeschichte #40 vom 13. März 2011 (DKKW)

 

Dänisches Postamt

Nach Dänemark sind zum ersten Mal im Jahre 1602 regelmäßige Boten angeordnet worden, wie eine Handschrift berichtet. Bis dahin waren nur Boten mit besonderen Aufträgen entsendet worden. Die Boten beklagten sich, die 6 Mark die sie, für oft nur 20 Briefe die sie zu befördern hatten, würde ihren Unterhalt nicht sichern.

Friedrich III (1609 und 1670), der König von Dänemark und Norwegen von 1648 bis 1670, beauftragte 1653 den dänischen Postmeister Remmers in Hamburg ein Dänisches Postamt einzurichten. Der Hamburger Senat widersprach dem. Daraufhin überließ der König die Dienstgeschäfte dem Hamburger Stadt-Postmeister Gerbrandt.

Auf Grund der dänischen Postordnung vom 25. Dezember 1694 verkehrte zwischen Kopenhagen und Hamburg Reit- und Fahrposten. Die Sendungen durften 50 Lot (750g) nicht übersteigen. Das Dänische Postamt blieb bis 1704 mit dem Hamburger Stadt-Postamt verbunden.

Preußen und Dänemark hatten ein Abkommen geschlossen, der neu ernannte Preußische Postmeister Wentzhart übernahm das Dänische Postamt (Siehe “Das Brandenburgisch-Preußische Postamt”). Der König von Dänemark begründete sein Recht auf eine eigene Postanstalt mit seinem “Land-Post-Regal” als Herzog von Holstein, der er auch war. Er erkannte Hamburg nicht als freie deutsche Reichsstadt an, sie sei schließlich eine ihm untertane holsteinische Stadt.

Nach dem Tode von Wentzhart wurde im preußischen ein Preuße und im dänischen ein Däne Postmeister. Das führte zu Schwierigkeiten, da der Hamburger Senat darauf bestand, das nur einen Hambürger Postmeister sein dürfe. Der Streit wurde 1736 beigelegt.

Wilhelm Heinrich Matthias schreibt in seinem Buch: “Über Posten und Post-Regale” (1832) Über die fremden Postbüros: “Unter diesen Comtoirs war das Dänische das kleinste und unbedeutend, es trieb sein Wesen in einem Keller. Bis zum Jahre 1723 waren die fremden Postgewölbe (Poststuben) von außen durch einfache Bildstücke in Stein, oder Stuckmasse bezeichnet, z. B. das Kaiserliche, eigentlich Thurn- und Taxissche, mit der Figur eines zweiköpfigen Adlers, das Dänische durch einen Elephanten, das Preußsche durch einen schwarz bemalten Adler. Nun traten an ihre Stelle große Tafeln mit dem ausgemalten vollständigen Wappen ihres Landes.

In der Franzosenzeit war Dänemark mit Napoleon I verbündet und so blieb die dänische Postanstalt als einzige fremdherrliche neben der französischen Postverwaltung in Hamburg bestehen, während alle anderen aufgelöst wurden.

Am 7. Februar 1809 wurde das Schleswig-Holsteinisches Sekretariat der Generalpostdirektion als Oberbehörde in den Herzogtümern eingerichtet. Auch außerhalb der Landesgrenzen gab es dänische Postanstalten. Das Königlich. Dänische Ober-Post-Amt in Hamburg bestand von 23. Januar 1651 bis 27. April 1848. Die Kriegsereignisse in Schleswig-Holstein veranlasste die „Provisorische Regierung für Schleswig-Holstein” das dänische Oberpostamt in Hamburg in ein „Schleswig-holsteinisches Oberpostamt”. Die Abkürzung „S.H.O.P.A.“ für „Schleswig-Hosteinisches Ober-Post-Amt“ findet man im Poststempel des Amtes Hamburg seit 1850.

Im August 1852 ging das Ober-Post-Amt wieder in dänischen Besitz über. Nun verlangte der dänische Postmeister Graf Holck sein Amt wieder anzutreten. Ihm wurde beschieden, dass das Postwesen des Königreichs Dänemark und der Herzogtümer zwar in dem gleichen Gebäude auf den großen Bleichen, aber unabhängig voneinander von den herzoglichen bzw. dänischen Beamten verwaltet würden.

Im zweiten Dänischen Krieg blieb Hamburg vorerst neutral. Als aber Dänemark Kaperbriefe gegen Hamburger Kauffahrer ausstellte, beschlagnahmte der Senat das dänische Oberpostamt. Die Dienstgeschäfte übernahm das Stadtpostamt. Dort richtete man eine „Abteilung für Dänemark, Schleswig-Holstein und Lauenburg” ein.

Im „Postvertrag zwischen dem Norddeutschen Bund und Dänemark” vom 7/9. April 1868 wurde die Aufhebung der Dänischen Postrechte in Lübeck und Hamburg verkündet. Die Rechte gingen auf den Norddeutschen Bund über. Die dänischen Ober-Postämter in Lübeck und Hamburg waren damit Geschichte. Dafür zahlte der Norddeutsche Bund 220.000 Taler nach dem 30-Talerfuß. Zudem musste die Stadt Hamburg noch einmal 2.000 Mark Hamburger Couratgeld für die noch vorhandenen dänischen Einrichtungsgegenstände zahlen.

(Wikipedia) 

 

1841 hatte Sachsen eine Taxe, bei der für die erste Meilen 4 Pfennige und dann je Meile 1 Pfennig zu zahlen war, folglich auf 10 Meilen 13 Pfg., 30 Meilen 33 Pfg.

 

 

Das Briefporto wurde für jedes deutsche Postgebiet einzeln – nach der für den internen Verkehr geltenden Taxe – von Grenze zu Grenze berechnet. Die Grenzübergänge waren vertraglich vereinbart. Ging ein Brief noch durch einen oder mehrere Postgebiete, so war für jedes noch ein Transitporto zu zahlen.

 

 

Julia Wieck aus Schleswig an ihre Schwester Therese Wieck in Chemnitz, 19.9.1842. Dem| Fräulein Therese Wieck| Add Friedrich Georg Wieck | in| Chemnitz| frei Hamburg; rechts mit brauner Tinte durchgestrichen 91. Zweizeiliger Stempel HAMBURG| 29 SEPT des Königlich Preußischen Ober-Postamts; mit Rötelstift 62; in roter Tinte 38. Auf der Rückseite: Zweikreisstempel D.P.A. ALTONA| 29|9|42; mit roter Tinte 4 und 6; 6 mit brauner Tinte durchgestrichen; mit brauner Tinte 3,3.

 

 

 

Julia Wieck aus Chemnitz an ihre Schwester Constanze Wieck in Schleswig, 30.5.1843. Fräulein| Constanze Wieck Addresse Herrn Senator B. H. V. Wieck| Schleswig. Frei Hamburg. Spatenstempel LEIPZIG|30 MAY 43; einzeiliger Stempel FRANCO HAMBURG des Königlichen Preußischen Ober-Postamts Hamburg, der bestätigt, dass das Porto nur bis Hamburg bezahlt war.

Rückseite: Zweikreisstempel HAMBURG KÖN. DÄN. O.P.A.| 30|5|43; mit Rötelstift 4 Schillinge für das Porto von Hamburg nach Schleswig.

 

Das Brandenburgisch-Preußische Postamt

Seit 1704 hatte Preußen in Hamburg ein völlig selbständiges Posthaus. Um 1800 wurde das preußische Posthaus zum Oberpostamt.

In Folge der Schlacht von Jena und Auerstedt (1806) musste das Oberpostamt eine Pause einlegen. Zunächst übernahm die Großherzoglich Bergische und dann die Kaiserlich Französische Post in Hamburg das Postwesen. Am 19. März 1813, mit dem Einzug der Russen in die Stadt, übernahm das preußische Oberpostamt wieder seinen Dienst. Die Franzosen kehrten zurück um die Stadt im Mai 1814 endgültig zu verlassen. Am 28. Mai 1814 traf der Preußische Ober-Post-Commisarius Frederking aus Lenzen in Hamburg eine. Zusammen mit dem Postbeamten Kennler trafen sie die ersten Vorbereitungen.

Mit dem Einzug des russischen General Graf Benningsen am 31. Mai 1814 übernahm, als erste Postanstalt, erneut das preußische Oberpostamt seine Aufgaben. Schon am ersten Tag wurde eine reitende Post abgefertigt. 1830 erfolgte eine Reorganisation dieser Postanstalt. Von nun an verkehrten wöchentlich zwei Reitposten, vier Schnellposten und vier Fahrposten mit Berlin. 1837 kam eine Stafettenpost sowie 1840 zwei Kurierposten hinzu. Zudem gab es vom preußischen Oberpostamt in Hamburg eine tägliche Reitpost und werktäglich eine fahrende Postverbindung mit Stralsund. Seit 1846 durch eine Eisenbahnverbindung ersetzt.

Mit dem Beitritt Hamburgs zum Deutschen Postverein kam es zu einer Vereinbarung. nach der das preußische Oberpostamt in Hamburg, zum 1. Januar 1852, die Einsammlung, die Beförderung und die Zustellung der Briefe von und nach.

a) dem preußischen Verwaltungsbezirk,

b) dem größten Teil des österreichischen Postgebiets,

c) dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg,

d) dem Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz,

e) dem Herzogtum Lauenburg und dem Großherzogtum Luxemburg

f) Russland und allen außerdeutschen und außereuropäischen Ländern, sofern der Briefwechsel über Russland oder über Triest ging.

(Wikipedia)

 

Friedrich Georg Wieck (1800-1860) war Sohn eines Schleswiger Kaufmanns, der mit Tuch-, Web- und Modewaren sowie schwedischen Produkten handelte. Nachdem er in seiner Geburtsstadt die Schule absolvierte, schickte ihn sein Vater 1815 zur Firma „Eisenstuck & Co.“, einem Geschäftspartner in Annaberg, zur weiteren Ausbildung. Hier lernte er als Gehilfe die manuelle Spitzenherstellung kennen. Nach einer Englandreise (1827) entwickelte er die Idee, auch in Sachsen Spitze mittels englischer Bobinetspinnmaschinen herzustellen. Zusammen mit seinem Bruder Heinrich und dem Konstrukteur Wilhelm Schönherr begann Wieck mit dem Nachbau der englischen Maschinen. Sein 1829/30 konstruierter Bobinetwebstuhl war die erste in Deutschland hergestellte Maschine dieser Art. Bobinet-Tülle sind offene, netzartige, textile Flächengebilde, im heutigen Sprachgebrauch als Tüll bekannt. Der echte Bobinet-Tüll, wie wir ihn aus den Naturfasern Seide, Baumwolle sowie heute auch aus Viskose, Polyester und Polyamid herstellen, ist ein Gewebe aus Kette und Schuss, wobei sich die Schussfäden diagonal um die senkrecht stehenden Kettfäden schlingen und dadurch ein hexagonales (sechseckiges) Loch bilden. Dieses ist gleichmäßig und klar geformt, und unter Verwendung der feinsten aller Garne und Filamente wird ein transparenter und reißfester Schleier hergestellt.

Bobinet-Maschinen, erfunden von John Heathcoat im Jahr 1808

Zur Kapitalgewinnung wandelte Wieck seine Firma 1830 in den „Aktienverein der Sächsischen Bobinett-Manufaktur“ um, die eine der ersten Aktiengesellschaften im Chemnitzer Raum war. Die Produktion lief mit 14 selbst gefertigten Maschinen an. Bald darauf vergrößerte sich die Firma und bezog die Räumlichkeiten der Bernhardschen Spinnerei in Harthau.

 

Hut mit einem Schleier aus Tüll

Allerdings konnten Wiecks Maschinen auf Dauer im Preis nicht mit der englischen Konkurrenz mithalten, da diese eine Reihe technischer Neuerungen an ihren Maschinen vorgenommen hatten. Nachdem die Preise für Bobinetstoffe Mitte der 1830er Jahre rapide sanken, wurde die Firma 1838 aufgelöst. Wieck versuchte noch mehrmals vergeblich wieder im Geschäftsleben Fuß zu fassen. Schließlich wandte er sich der ökonomischen und technischen Publizistik zu.

 

Bernhardschen Spinnerei in Harthau

In mehreren Werken beschrieb Wieck ausführlich die Manufakturen und Fabriken Sachsens. Im „Gewerbeblatt für Sachsen“ veröffentlichte er regelmäßig über technische Neuerungen und Erfindungen. Seit 1840 gab er mit dem „Erzgebirgischen Courier mit Herberge“ eine eigene Wochenzeitung heraus. Zudem machte sich Wieck als Übersetzer technischer Literatur vom Englischen ins Deutsche einen Namen. Auch dem Patentschutz für Erfindungen galt sein Interesse.

Friedrich Georg Wieck verbrachte seine letzten Lebensjahre in Leipzig. Hier verstarb er am 17. Januar 1860.