Postgeschichte Schleswig-Holstein  

 

Das Königlich Preußische Ober-Postamt Hamburg

 

Seit 1704 hatte Preußen in Hamburg ein völlig selbständiges Posthaus. Um 1800 wurde das preußische Posthaus zum Oberpostamt.

In Folge der Schlacht von Jena und Auerstedt (1806) musste das Oberpostamt eine Pause einlegen. Zunächst übernahm die Großherzoglich Bergische und dann die Kaiserlich Französische Post in Hamburg das Postwesen. Am 19. März 1813, mit dem Einzug der Russen in die Stadt, übernahm das preußische Oberpostamt wieder seinen Dienst. Die Franzosen kehrten zurück um die Stadt im Mai 1814 endgültig zu verlassen. Am 28. Mai 1814 traf der Preußische Ober-Post-Commisarius Frederking aus Lenzen in Hamburg eine. Zusammen mit dem Postbeamten Kennler trafen sie die ersten Vorbereitungen.

Mit dem Einzug des russischen General Graf Benningsen am 31. Mai 1814 übernahm, als erste Postanstalt, erneut das preußische Oberpostamt seine Aufgaben. Schon am ersten Tag wurde eine reitende Post abgefertigt. 1830 erfolgte eine Reorganisation dieser Postanstalt. Von nun an verkehrten wöchentlich zwei Reitposten, vier Schnellposten und vier Fahrposten mit Berlin. 1837 kam eine Stafettenpost sowie 1840 zwei Kurierposten hinzu. Zudem gab es vom preußischen Oberpostamt in Hamburg eine tägliche Reitpost und werktäglich eine fahrende Postverbindung mit Stralsund. Seit 1846 durch eine Eisenbahnverbindung ersetzt.

Mit dem Beitritt Hamburgs zum Deutschen Postverein kam es zu einer Vereinbarung. nach der das preußische Oberpostamt in Hamburg, zum 1. Januar 1852, die Einsammlung, die Beförderung und die Zustellung der Briefe von und nach.

a) dem preußischen Verwaltungsbezirk,

b) dem größten Teil des österreichischen Postgebiets,

c) dem Königreich Sachsen und dem Herzogtum Sachsen-Altenburg,

d) dem Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz,

e) dem Herzogtum Lauenburg und dem Großherzogtum Luxemburg

f) Russland und allen außerdeutschen und außereuropäischen Ländern, sofern der Briefwechsel über Russland oder über Triest ging.

(Wikipedia)

 

 

 

Familienbriefwechsel Schleswig-Chemnitz (1843/43)

 

Die folgenden drei Briefe wurden in den Jahren 1842 und 1843 zwischen Angehörigen der aus der Stadt Schleswig stammenden Familie Wieck gewechselt.

Julia Wieck aus Schleswig an ihren Vater Friedrich Georg Wieck in Chemnitz, 14.7.1842. Herrn| Friedrich Georg Wieck| Wohlgeboren| zu| Chemnitz| frei Hamburg. Zweizeiliger Stempel Schleswig,| July 14. Kleiner Einkreisstempel HAMBURG| 4-5 15|7 des Fürstlich Thurn und Taxis'schen Ober-Postamts; mit Rötelstift 62; in roter Tinte 38, mit Rötelstift durchgestrichen; auf der Rückseite: in roter Tinte 38; in brauner Tinte 7.

Das Postamt Schleswig bestand bereits vor 1660, Fr. Olsen erwähnt dies in seinem Buch: Det danske Postvæsen, dets Historie og Personer indtil dets Overtagelse af Staten 1711. København 1889. 1706 wurde Schleswig Hauptpostkontor für die Briefpost, im Jahr 1762 für die Brief und Paketpost.

Forum für Altpostgeschichte #40 vom 13. März 2011 (DKKW)

 

1841 hatte Sachsen eine Taxe, bei der für die erste Meilen 4 Pfennige und dann je Meile 1 Pfennig zu zahlen war, folglich auf 10 Meilen 13 Pfg., 30 Meilen 33 Pfg.

 

 

Das Briefporto wurde für jedes deutsche Postgebiet einzeln – nach der für den internen Verkehr geltenden Taxe – von Grenze zu Grenze berechnet. Die Grenzübergänge waren vertraglich vereinbart. Ging ein Brief noch durch einen oder mehrere Postgebiete, so war für jedes noch ein Transitporto zu zahlen.

 

 

Julia Wieck aus Schleswig an ihre Schwester Therese Wieck in Chemnitz, 19.9.1842. Dem| Fräulein Therese Wieck| Add Friedrich Georg Wieck | in| Chemnitz| frei Hamburg; rechts mit brauner Tinte durchgestrichen 91. Zweizeiliger Stempel HAMBURG| 29 SEPT des Königlich Preußischen Ober-Postamts; mit Rötelstift 62; in roter Tinte 38. Auf der Rückseite: Zweikreisstempel D.P.A. ALTONA| 29|9|42; mit roter Tinte 4 und 6; 6 mit brauner Tinte durchgestrichen; mit brauner Tinte 3,3.

 

 

 

Julia Wieck aus Chemnitz an ihre Schwester Constanze Wieck in Schleswig, 30.5.1843. Fräulein| Constanze Wieck Addresse Herrn Senator B. H. V. Wieck| Schleswig. Frei Hamburg. Spatenstempel LEIPZIG|30 MAY 43; einzeiliger Stempel FRANCO HAMBURG des Königlichen Preußischen Ober-Postamts Hamburg, der bestätigt, dass das Porto nur bis Hamburg bezahlt war.

Rückseite: Zweikreisstempel HAMBURG KÖN. DÄN. O.P.A.| 30|5|43; mit Rötelstift 4 Schillinge für das Porto von Hamburg nach Schleswig.

 

Friedrich Georg Wieck (1800-1860) war Sohn eines Schleswiger Kaufmanns, der mit Tuch-, Web- und Modewaren sowie schwedischen Produkten handelte. Nachdem er in seiner Geburtsstadt die Schule absolvierte, schickte ihn sein Vater 1815 zur Firma „Eisenstuck & Co.“, einem Geschäftspartner in Annaberg, zur weiteren Ausbildung. Hier lernte er als Gehilfe die manuelle Spitzenherstellung kennen. Nach einer Englandreise (1827) entwickelte er die Idee, auch in Sachsen Spitze mittels englischer Bobinetspinnmaschinen herzustellen. Zusammen mit seinem Bruder Heinrich und dem Konstrukteur Wilhelm Schönherr begann Wieck mit dem Nachbau der englischen Maschinen. Sein 1829/30 konstruierter Bobinetwebstuhl war die erste in Deutschland hergestellte Maschine dieser Art. Bobinet-Tülle sind offene, netzartige, textile Flächengebilde, im heutigen Sprachgebrauch als Tüll bekannt. Der echte Bobinet-Tüll, wie wir ihn aus den Naturfasern Seide, Baumwolle sowie heute auch aus Viskose, Polyester und Polyamid herstellen, ist ein Gewebe aus Kette und Schuss, wobei sich die Schussfäden diagonal um die senkrecht stehenden Kettfäden schlingen und dadurch ein hexagonales (sechseckiges) Loch bilden. Dieses ist gleichmäßig und klar geformt, und unter Verwendung der feinsten aller Garne und Filamente wird ein transparenter und reißfester Schleier hergestellt.

Bobinet-Maschinen, erfunden von John Heathcoat im Jahr 1808

Zur Kapitalgewinnung wandelte Wieck seine Firma 1830 in den „Aktienverein der Sächsischen Bobinett-Manufaktur“ um, die eine der ersten Aktiengesellschaften im Chemnitzer Raum war. Die Produktion lief mit 14 selbst gefertigten Maschinen an. Bald darauf vergrößerte sich die Firma und bezog die Räumlichkeiten der Bernhardschen Spinnerei in Harthau.

 

Hut mit einem Schleier aus Tüll

Allerdings konnten Wiecks Maschinen auf Dauer im Preis nicht mit der englischen Konkurrenz mithalten, da diese eine Reihe technischer Neuerungen an ihren Maschinen vorgenommen hatten. Nachdem die Preise für Bobinetstoffe Mitte der 1830er Jahre rapide sanken, wurde die Firma 1838 aufgelöst. Wieck versuchte noch mehrmals vergeblich wieder im Geschäftsleben Fuß zu fassen. Schließlich wandte er sich der ökonomischen und technischen Publizistik zu.

 

Bernhardschen Spinnerei in Harthau

In mehreren Werken beschrieb Wieck ausführlich die Manufakturen und Fabriken Sachsens. Im „Gewerbeblatt für Sachsen“ veröffentlichte er regelmäßig über technische Neuerungen und Erfindungen. Seit 1840 gab er mit dem „Erzgebirgischen Courier mit Herberge“ eine eigene Wochenzeitung heraus. Zudem machte sich Wieck als Übersetzer technischer Literatur vom Englischen ins Deutsche einen Namen. Auch dem Patentschutz für Erfindungen galt sein Interesse.

Friedrich Georg Wieck verbrachte seine letzten Lebensjahre in Leipzig. Hier verstarb er am 17. Januar 1860.