Postgeschichte Schleswig-Holstein  

 

Das Königlich Dänische Ober-Postamt in Hamburg

 

 

1649 richtete Dänemark eine eigene Postanstalt in Hamburg ein. Der Hamburger Senat protestierte zwar dagegen, doch half ihm dies nichts, da die Proteste von dänischer Seite scharf zurückgewiesen wurden und bei etwaigen Belästigungen der dänischen Post mit Gegenmaßnahmen gedroht wurde.

Geschichte der dänischen Post bis zum Jahre 1711, S. 101.

 

Bis 1704 unterstand das dänische Postamt in Hamburg dem Hamburger Stadtpostmeister‚ der gleichzeitig auch preußischer Postmeister war. 1704 war es Postmeister Lüders. Preußen und Dänemark einigten sich ab 1704, einen eigenen Postmeister einzusetzen. Entgegen allen Protesten des Hamburger Senats und des Reichspostmeisters Fürst v. Thurn und Taxis wurde von Preußen und Dänemark der Schwiegersohn Lüders, Wenzhardt, zum gemeinsamen Postmeister ernennt.

H. Katzorreck: Die Geschichte der dänischen Post in Hamburg, S. 11.

 

 

Das Königlich Dänische Ober-Postamt

 

 

Auf einem Briefe aus dem Jahre 1757 von Hildesheim nach Itzehoe befindet sich ein Stempel DE HAMBURG umrahmt von einem Kasten. Einen ähnlichen Stempel, jedoch ohne Kasten, besitze ich auf einem Briefe aus dem Jahre 1776, der von Frankreich nach Kopenhagen gegangen ist. Die Herkunft dieser Stempel ist streitig. Es ist behauptet worden, es handle sich um Stempel der Thurn- und Taxis'schen Post. Zur Begründung wird einmal das Wörtchen DE herangezogen, zum anderen die unbestreitbare Tatsache, daß es zu dieser Zeit in Dänemark noch keine Poststempel gab. Ich halte diese Ansicht nicht für richtig. Die Thurn- und Taxis'sche Post, die sich von 1752 bis 1784 mit dem einen Stempel HAMBOURG begnügte, mit dem sie auch die von der dänischen Post übernommenen Briefe stempelte, soll für die an die dänische Post weiter zu leitende Post zwei besondere Stempel angeschafft haben. Das erscheint wenig überzeugend. Der Zusatz DE, der auf den Herkunftsort deutet, hatte für die Thurn- und Taxis'sche Post auch wenig Sinn, für sie war Hamburg nicht Herkunftsort sondern Endpunkt der Beförderung. Ich bin der Meinung, daß es sich um Stempel des dänischen Postamtes in Hamburg handelt, wohl nicht von Kopenhagen angeordnet, sondern eher aus örtlicher Initiative entstanden. Das Vorbild der Thurn- und Taxis'schen Post mag die Anregung dazu gegeben haben. Eine wesentliche Stütze findet meine Ansicht in der Tatsache, daß auch von dem benachbarten Altona Poststempel aus dem achtzehnten Jahrhundert bekannt sind; der früheste ein Einzeiler DE ALTONA, in gleicher Größe und Schrift wie der Stempel DE HAMBURG, während bei den späteren das Wort DE durch VON ersetzt ist. Leider sind mir aus den folgenden Jahrzehnten keine Briefe von Hamburg nach Dänemark bekannt, sie hätten vielleicht weitere Aufklärung geben können.

Der nächste Stempel taucht erst Ende der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf. Es ist ein Doppelkreisstempel, oben die Buchstaben K. D. P. A., an jeder Seite ein Punkt, unten HAMBURG. In der Mitte befindet sich das Datum, links die Tages- und Monatszahl, rechts die abgekürzte Jahreszahl. Dieser und auch der folgende Stempel wurde stets auf die Rückseite der Briefe gesetzt. Als das dänische Postamt in den Rang eines Ober-Postamtes erhoben wurde, fand das auch im Stempel seinen Ausdruck. Der neue Stempel aus der Mitte der vierziger Jahre war wieder ein Doppelkreisstempel, aber HAMBURG steht jetzt oben und die untere Inschrift lautet K. DÄN. O. P. A., beim Datum ist die Jahreszahl fortgefallen.

 

 

Infolge der Schleswig-Holsteinischen Erhebung im Jahre 1848 mußte das dänische Postamt in Hamburg seine Pforten schließen, aber schon im Jahre 1850 konnte es den Postverkehr mit Dänemark wieder aufnehmen und ab 18. Februar 1852 war auch der Postverkehr mit Schleswig-Holstein wieder völlig in dänischen Händen. Bei der Wiedereröffnung der Post im Jahre 1850 kamen neue Stempel in Gebrauch, Doppelkreisstempel mit ungeteilter Inschrift K. D. O. P. A. HAMBURG DATUM. Es gibt zwei Typen, die sich durch ein breites und ein schmales M deutlich voneinander unterscheiden. Diese Stempel kommen in schwarzer und in blauer Stempelfarbe vor. Nachdem die schleswig-holsteinische Post am 18. Februar 1852 zu bestehen aufgehört hatte, ließ die dänische Post einen Schleswig-Holstein Stempel aptieren, so daß nur noch das Wort HAMBURG stehen blieb. Ich besitze zwei Briefe vom 20. und 26. Februar 1852, der letzte zeigt noch schwache Spuren des früheren Textes, was darauf schließen läßt, daß die Aptierung eilig und wenig sorgfältig ausgeführt ist. Als Besonderheit ist zu erwähnen, daß bei beiden Stempelabdrucken die Monatszahl fehlt.

Eine wichtige Neuerung brachte das Jahr 1852 mit der Einführung der Stundenangabe in den Stempeln, allerdings nur für die Briefpost. Das hatte zur Folge, daß für die Fahrpost besondere Stempel ohne Stundenangabe eingeführt wurden. Die strenge Trennung der Briefpost- und Fahrpoststempel hat bis zum Ende der dänischen Post fortbestanden und ist 1864 auch von der hamburgischen Post übernommen worden. Deshalb sollen auch hier die Stempel getrennt behandelt werden.

Zunächst die Briefstempel. An der Form der Stempel ändert sich nichts, nur im unteren Teil erscheint jetzt die Stundenangabe, K.D.O.P.A. HAMBURG DATUM ZEIT, bei zweimal vorkommenden Stunden ist durch Hinzufügen eines M oder A die nötige Klarheit geschaffen. Den Stempel mit dem breiten M besitze ich nur in blauer, den mit dem schmalen M nur in schwarzer Stempelfarbe, was jedoch nicht ausschließt, daß auch jeweils die andere Farbe vorkommt. Diese beiden Stempel wurden schon nach kurzer Zeit durch zwei neue Stempel ersetzt, die die gleiche Form, jedoch höhere Buchstaben haben. Die Schrifthöhe beträgt jetzt 4 mm, bisher 3,5 und 3,7 mm. Der Stempel mit breitem M kommt in beiden Stempelfarben vor, während mir der Stempel mit schmalem M nur in schwarz bekannt ist. Die blaue Stempelfarbe scheint nur bis 1853 verwendet worden zu sein.

Im Jahre 1855 taucht ein neuartiger Stempel auf, ein großer Einkreisstempel mit 28 mm Durchmesser, oben steht K.D.O.P.A., unten HAMBURG und in der Mitte Datum und Stundenangabe. Auch dieser Stempel ist nicht sehr lange im Gebrauch gewesen. Im Jahre 1861 ist er aushilfsweise als Fahrpoststempel benutzt worden, natürlich ohne Stundenangabe. Bei der Briefpost kehrte man zum Doppelkreisstempel zurück. Der Nachfolger des Einkreisstempels unterscheidet sich dadurch von allen anderen Stempeln, daß hinter HAMBURG ein Punkt steht. Im Jahre 1858 gab eine wesentliche Verkleinerung des Innenkreises dem Stempel ein neues Gesicht. Von diesem Stempel gibt es drei Typen. Type 2 unterscheidet sich von Type l nur durch einen hochstehenden Punkt hinter dem K∙, während bei Type 3 die Schrift weiter auseinandergezogen ist. Anfang der sechziger Jahre verschwinden die Doppelkreisstempel endgültig. Sie werden abgelöst durch einen kleinen Einkreisstempel von 24 mm Durchmesser K.D.O.P.A. HAMBURG DATUM ZEIT. Zur Entwertung der Marken wurde ein Ringstempel mit der Zahl 2 benutzt. Es gibt vier Typen, die sich nur geringfügig durch die Form der 2 voneinander unterscheiden.

 

 

Der erste Fahrpoststempel ist ebenso wie seine Nachfolger ein Doppelkreisstempel. Oben steht HAMBURG, zu beiden Seiten ein Punkt und unten KON. DÄN. O.P.A., in der Mitte befindet sich das Datum. Der Stempel, der in schwarzer und in blauer Stempelfarbe vorkommt, hat eine lange Lebensdauer gehabt, Ende 1860 war er noch im Gebrauch. Nach der aushilfsweisen Benutzung des großen Einkreisstempels taucht im Jahre 1861 ein neuer Stempel auf, die Anordnung gleicht der des ersten Stempels, die Buchstaben sind jedoch höher und infolgedessen sind die Umlautzeichen über dem O und dem A ganz dicht an den inneren Kreis gerückt, sie sind sehr zart und nur mit Mühe zu erkennen. Der Stempel wurde bald abgelöst durch einen Stempel, in dem die Umlautzeichen nunmehr gänzlich fehlen.

Zwei Nebenstempel der dänischen Post sind bekannt, die beide selten sind. Nach der Gründung des Deutschösterreichischen Postvereins im Jahre 1850 erhielten die der dänischen Post übergebenen Briefe einen zweizeiligen Kastenstempel Aus dem Post-Verein, jedoch scheint es, daß man schon bald auf die Anbringung dieses Stempels verzichtet hat. In der Mitte der fünfziger Jahre bestand eine Seepost-Verbindung zwischen Wismar und Kopenhagen, zeitweilig wurde auch Post auf dieser Route befördert. Postsendungen, die diesen Weg nehmen sollten, erhielten einen zusätzlichen zweizeiligen Kastenstempel via Mecklenburg, in schwarzer, vereinzelt auch in blauer Farbe.

Auch die dänische Post unterhielt auf dem Berliner Bahnhof eine eigene Postexpedition. Diese verwendete einen großen Doppelkreisstempel, oben BAHNHOF HAMBURG, rechts und links ein Strich und unten DAEN : POST. In der Mitte befindet sich oben die Angabe des Zuges, darunter steht das Datum.

 

Ernst Meyer-Margreth: Die Poststempel von Hamburg von der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Hamburg 1965, S. 36-39.

 

Das Schleswig-Holsteinische Ober-Postamt (1848-1850)

 

 

Beim Schleswig-Holsteinischen Postamt waren Stempel mit und ohne Stundenangabe im Gebrauch, es läßt sich aber nicht feststellen, daß diese Stempel für verschiedene Verwendungszwecke geschaffen wurden. Es erscheint auf Briefen wahllos mal der eine, mal der andere Stempel. Die Stundenangabe für die Nachmittagsstunden wurde durch ein N, für die Abendstunden durch ein A ergänzt.

Der erste Stempel ist ein Doppelkreisstempel ohne Stundenangabe, oben steht HAMBURG, unten SCH-H.O.P.A., in der Mitte das Datum. Daneben wurde ein Doppelkreisstempel mit Stundenangabe verwendet. Im oberen Teil befindet sich die fortlaufende Inschrift S H O P A HAMBURG, unten die Stundenangabe und in der Mitte das Datum. Es gibt zwei Typen. Der eine Stempel hat einen Bindestrich zwischen dem S und dem H, der andere einen hochstehenden Punkt zwischen den genannten Buchstaben.

Nachdem sich die Lage zugunsten der Dänen geändert hatte, mußte die Beschriftung der Stempel im Jahre 1850 geändert werden in Holsteinische Post. Der Stempel ohne Stundenangabe gleicht seinem Vorgänger, im unteren Teil heißt es jedoch nunmehr HOLST : POST. Auch der Stempel mit Stundenangabe hat sich in der Form nicht verändert. Die Inschrift lautet jetzt HOLST : P. HAMBURG. Für die Entwertung der Marken wurde ein besonderer Stempel geschaffen, ein Rundstempel, der aus siebzehn waagerechten Strichen besteht, und in der Mitte in einem ausgesparten Viereck die Zahl 12 zeigt.

Zwei Nebenstempel sind bekannt. Auf Briefen, die von der dänischen Post übernommen wurden, findet sich der einzeilige Stempel Aus Dänemark. Bis Hamburg freigemachte Briefe, die in Hamburg einer anderen Post übergeben wurden, erhielten den zweizeiligen Stempel Fanco Hamburg ∙ S.H.O.P.A.

 

 

Ernst Meyer-Margreth: Die Poststempel von Hamburg von der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Hamburg 1965, S. 39f.