Postgeschichte Schleswig-Holstein  

Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848-1852

 

Am 24. März 1848 wurde eine Provisorischen Regierung ausgerufen, die einen selbständigen, vollkommen von Dänemark unabhängigen deutschen Bundesstaates Schleswig-Holstein schaffen wollte. Hintergrund bildeten Auseinandersetzungen zwischen dänisch gesinnten nationalliberalen „Eiderdänen“ und deutsch gesinnten Vertretern der Ständeversammlungen Schleswigs und Holsteins, die eine Vereinigung Schleswigs und Holsteins forderten. Dagegen stand die Absicht, das Herzogtum Schleswig in den dänischen Gesamtstaat einzuverleiben.

Dienstbriefe aus dem Königreich Dänemark, als „K.D.S.“ gezeichnet wurden nicht zugestellt und an den Absendeort zurückgeleitet. In den von den Dänen besetzten Gebietsteilen im Norden und Osten [Schleswig] war ein regelmäßiger Postverkehr unterbrochen. (14. April 1848).

Alle Dienstkorrespondenz waren an die provisorische Regierung in Rendsburg als Dienstsache zu übersenden.

Die Schleswig-Holsteinische Regierung verlegte ihren Sitz am 16. Mai 1848 nach Schloss Gottorff. Das Postwesen übernahm das „Departement der Finanzen, Abteilung Postsachen" in Rendsburg unter der Leitung von M. T. Schmidt.

Neue Uniformen der Postbeamten und Offizialen werden vorgeschrieben. Alle Postämter sind mit „Briefpostamt" und „Frachtpostamt" zu bezeichnen. (8. Juli 1848).

Die provisorische Regierung hob das Bestellgeld zum 1. Juni 1848 auf, gültig auch für das Schleswig-Holsteinische Oberpostamt in Hamburg. Das Bestellgeld für Frachtpostsachen bleibt erhalten.

Das Porto war ab 10. Juli 1848 vom empfangenden Postcomtoir mit Rötel zu notieren.

 

 

 Dienstbrief des Rendsburger Polizeiamtes an das Hochlöbliche Polizeiamt zu Schleswig vom 17. Juli 1848. Dokumentationsstempel des Bahnpostamtes B.P.A. RENDSBURG/ 16/7/48

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Hans Wilhelm Ahlmann (1817-1910) wurde am 23.3.1848 zum Sekretär der Provisorischen Regierung ernannt und leitete das Postwesen beider Herzogtümer.

 

 

 

Brief von E. A. Merzrath, Neumünster, an Herrn Doctor Ahlmann/ Chef des Postwesens/ in Schleswig; aufgegeben in Neumünster am 1.2.1850

Es folgten kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Truppen aus den Herzogtümern und aus Preußen mit der dänischen Armee. Die Post-Institutionen in den Herzogtümern arbeiten weiter.

 

Dienstbrief von Kiel nach Lütjenburg, 24.5. [1848]: .An die Justizbehörde des IIten Bataillons/ in/ Lütjenburg.

 

 

 

Brief von Itzehoe über Altona nach Ratzeburg, 16.9.1850

Der Brief mit Portobefreiungsvermerk K.D.S./ lt. Avs. (Königliche Dienst Sache/ laut Aversum) wurde von der Holstein-Lauenburgische Chaussee- und Wegebaudirektion (Siegel auf der Rückseite) aufgegeben und mit der Altona-Kieler Eisenbahn nach Altona befördert. In dem Postexpeditions-Stempel ALTONAER BAHNHOF/ Z2 16/9 wurde die Krone als Hoheitszeichen der dänischen Postverwaltung für die Herzogtümer ausgebrochen.

Vom 1.7.1850 bis zum 31.1.1854 verwaltete die „Statthalterschaft“ das Herzogtum Holstein als landeseigene Regierung. Seit dem 1. Juli 1850 war Schleswig-Holstein selbständiges Mitglied im Deutsch-Österreichischen Postverein, gefolgt am 1. Januar 1852 von Lauenburg und Lübeck.

Ab dem 1.3.1842 galt für die Verwaltung der Straßen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein eine Wegeverordnung, die unter Beteiligung der Provinzialstände zustande gekommen war. Nach ihr erfolgte die Gründung von Chaussee- und Wegebaudirektionen in Flensburg und Itzehoe mit jeweils 3 zugeordneten Wegebauinspektoren. Leiter der Gesamtverwaltung war ein „Oberlandwegeinspektor“. Lauenburg erhielt eine eigene Wegebaudirektion. Den Wegebauinspektoren unterstanden Chaussee-Distriktaufseher.

Empfänger ist die Lauenburgische Chausseeinspection/zu/ Ratzeburg im Herzogtum Lauenburg.

 

 

 

Die Provisorische Zentralgewalt, die gesamtdeutsche Regierung, setzte im März 1849 eine Statthalter-Regierung ein. Bedeutende Schlachten des Feldzuges von 1849 waren das Gefecht bei Eckernförde am 5. April 1849, die Gefechte bei Kolding am 20. und 23. April 1849 und die Belagerung von Fredericia von Mai bis Juni 1849. Preußen schloss am 10. Juli 1849 einen Waffenstillstand und im Namen des Deutschen Bundes am 2. Juli 1850 einen Sonderfrieden mit Dänemark. Seit dem 3. April 1848 durften Militärpersonen im Felde portofrei Briefe mit der Heimat wechseln.

 

   

Brief des Kieler Philosophen Heinrich Moritz Chalybäus (1796-1862) an seinen Sohn Robert, der als Offiziersanwärter im 4. Jägerchor diente und an der Belagerung von Fredericia von Mai bis Juni 1849 teilnahm. Robert Chalybäus wurde bei der Schlacht bei Idstedt im Juli 1850 verwundet. Sein Vater wurde 1852 mit neun weiteren Kollegen wegen deutscher Gesinnung des Amtes enthoben, wurde aber 1854 wieder in Kiel angestellt. Er war 1850/51 und 1858/59 Rektor der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Der Brief wurde am 9. Juli 1849 in Kiel aufgegeben.

Kiel d, 9ten Juli 1849 Montag

Lieber Sohn,

Ich begrüße Dich wieder, als einen mir zum zweiten Mal Geborenen, und darum jetzt nicht von dem, was ich noch auf dem Herzen habe, ich würde unwahr sein, wenn ich sagte, es sei vergessen, aber davon ein ander Mal. Gott muß doch noch etwas Gutes mit Dir im Leben begründen wollen, weil er Dich so wunderbar erhalten hat; ich danke ihm dafür, und hoffe, Du wirst es auch in demselben Sinne gethan haben und noch thun auch mitten in dem wüsten Leben des Kriegslagers. Ein alter preußischer Officier, der neulich gefragt wurde, was er von unserer Armee halte, äußerte: „erst muß ich sie haben einen Rückzug machen und wieder angreifen sehen“! Die Hälfte dieser Probe habt ihr bestanden, Gott gebe, daß ihr auch die zweite besteht. Die Nachrichten, die wir schon seit d. 7t hier täglich hatten, schildern die Niederlage so, daß man bald an keine Existenz der Sch. Hol. Armee mehr glauben konnte; andere Nachrichten dazwischen verkündeten wieder ein Vorrücken, so daß man sich nichts Sicheres daraus zusammensuchen konnte; darin aber stimmten alle Nachrichten überein, saß das 5t u 6t Bat. Und vor allem das 4t Jägercorps so viel gelitten, daß man namentlich das letztere als aufgerieben betrachten mußte bis auf etwa 100 Mann und 200 Leichtverwundete, die (allein vom 4t Jägercorps) in Hadersleben lagen. Dies ist denn doch so ganz schlimm nicht; aber daß auch das 2t Bat. so gelitten, wie Du schreibst, war uns ganz neu, ich habe davon bis zuletzt in keiner Zeitung etc. etwas gefunden. Überhaupt ist Dein Brief die erste detaillierte Nachricht, die wir hier haben, und bereits heute Mittag in der Harmonie vorgelesen worden. […]

 

Die Schleswig-Holsteinische Armee entstand zur Zeit der Schleswig-Holsteinischen Erhebung gegen Dänemark. Mit den verbündeten Preußen und dem Deutschen Bund verloren die Schleswig-Holsteiner den Dreijährigen Krieg (1848–1851), wie er in Dänemark bezeichnet wird.

Die Zahl der übergetretenen dänischen Truppen belief sich bei Kriegsbeginn auf etwa 2.500 Mann. Es waren im Wesentlichen das 14. bis 17. Linien-Bataillon, das 4. und 5. Jäger-Corps, das 1. und 2. Dragoner-Regiment sowie das 2. Artillerieregiment und einige technische Truppen (Pioniere und Pontoniere). Nach drei Wochen waren es 8.900 Mann.

Mit dem Staatsgrundgesetz vom September 1848 wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Ausgenommen waren lediglich Studenten und Angehörige geistlicher Berufe. Nach preußischem Vorbild existierte für vorgebildete Rekruten, die Offizieranwärter werden wollten, die Möglichkeit, als Einjährig-Freiwillige eingestellt zu werden.

Am Ende der Erhebung hatte die Schleswig-Holstein-Armee eine Gesamtstärke von 860 Offizieren und 43.288 Mann. Sie umfasste 15 Infanterie-Bataillone, 5 Jäger-Korps, 2 Dragoner-Regimenter, eine Artillerie-Brigade, Pioniere und andere Truppenteile.

 

 

09.4.1848

Erste Kämpfe: Die durch Freiwillige aus Deutschland unterstützte schleswig-holsteinische Armee wird nördlich von Flensburg (Bov) geschlagen.

23.4.1848

Einzug in Schleswig; Dänische Niederlage in der Osterschlacht bei Schleswig

02.5.1848

Deutsche Bundestruppen überschreiten die Königsau.

Zeltlager der schleswig-holsteinischen Truppen im Frühjahr 1848

05.6.1848

Gefecht bei Düppel.

26.8.1848

Waffenstillstand von Malmö. Deutscher Bund (und Preußen) ziehen Truppen aus Schleswig-Holstein ab.

27.3.1849

Ablauf des Waffenstillstandes von Malmö

05.4.1849

Sieg der Schleswig-Holsteiner beim Flottengefecht vor Eckernförde.

13.4.1849

Unter Führung des preußischen Generals von Prittwitz (1790-1871) dringt die  „Reichsarmee“ mit ca. 45.000 Mann bis Kolding und Vejle vor. Einnahme der Düppeler Schanzen durch deutsche Bundestruppen.

23.4.1849

Kolding wird von der schleswig-holsteinischen Armee eingenommen.

06.5.1849

Deutsche Bundestruppen überschreiten die Grenze nach Jütland.

Das Bivouak der Schleswig-Holsteinischen Truppen im Eritsöer Walde vor Fredericia im Mai 1849, zeitgenössische Lithographie

06.7.1849

Nach achtwöchiger Belagerung erleidet die schleswig-holsteinische Armee vor Fredericia eine entscheidende Niederlage.

10.7.1849

Waffenstillstand von Berlin. Auf der Linie Flensburg-Tondern werden preußische und schwedische Soldaten postiert. Die Reichsarmee löst sich auf, die schleswig-holsteinischen Truppen ziehen sich nach Holstein zurück.

20.7.1849

Die deutschen Bundestruppen verlassen Schleswig-Holstein.

 

 

 

 

Brief des Land- und Seekriegscommissariats des 3t Schleswig-Holsteinischen Districts in Itzehoe an Das hochlöbliche Commando der Schleswig-/ Holsteinischen Reserve Brigade/ in/ Rendburg. Die Portofreiheit wird durch den Vermerk militaria links unten markiert; Zweikreisstempel von Itzehoe 22/10/1849. Rückseitiges Siegel: Schleswig-Holstein/ Land und See/ Kiegscommissariat/ 3t District.

 

 

 

 

 

 

Zwischen dem Deutschen Bunde und dem Königreich Dänemark kam es am 2. Juli 1850 zu einem Friedensvertrag (Berliner Friede). Der König von Dänemark war wieder Herzog von Holstein. Am 2. Februar 1850 wurde eine Oberste Civilbehörde für das Herzogtum Holstein eingesetzt. Der Postexpeditions-Stempel KIELER BAHNHOF/ Z 2 16/9 ohne die Krone als Hoheitszeichen der dänischen Postverwaltung für die Herzogtümer wurde bis zum 18. Februar 1851 weiterverwendet, als ganz Schleswig-Holstein einschließlich des Herzogtums Lauenburg wieder der Autorität der Dänemarks unterstellt wurde.

 

Brief von Kiel über Elmshorn nach Glückstadt, 1.3.1850

Die Oberste Civilbehörde für Holstein An/ den Magistrat der/ Stadt/ Glückstadt

 

 

 

 

 

Der Brief mit Portobefreiungsvermerk S.d.S (Staatliche Dienstsache) mit dem Postexpeditions-Stempel KIELER BAHNHOF/ Z 1/ 1/3 wurde von Kiel bis Elmshorn befördert und dort von der Glückstadt-Elmshorner Eisenbahn-Gesellschaft weiterbefördert; die Strecke Elmshorn – Glückstadt war am 20.07.1845 eröffnet werden.

 

 

09.4.1850

Berufung des ehemaligen preußischen Generalleutnants Wilhelm von Willisen zum neuen Oberkommandeur der Schleswig-Holsteinischen Armee.

01.7.1850

Mobilmachung der Schleswig-Holsteinischen Armee

02.7.1850

Friede von Berlin zwischen Dänemark, Preußen und dem Deutschen Bund; Preußen und Bundestruppen ziehen sich zurück.

14.7.1850

Von Willisen besetzt Schleswig und marschiert mit ca. 26.000 Mann bis Idstedt.

18.7.1850

General Gerhard von Krogh als dänischer Oberbefehlshaber rückt von Flensburg aus mit 37.000 Mann über Oeversee vor.

25.7.1850

Die Schleswig-Holsteinsche Armee unterliegt in der Schlacht bei Idstedt.

07.8.1850

Laboratorium der schleswig-holsteinischen Armee explodiert in Rendsburg.

12.9.1850

Gefecht bei Missunde

Sept./Okt. 1850

Vergebliche Belagerung von Friedrichstadt durch schleswig-holsteinische Truppen; die Stadt wird weitgehend zerstört.

29.11.1850

Auf Verlangen der europäischen Mächte entzieht Preußen in der „Punktation von Olmütz“ den Schleswig-Holsteinern die Unterstützung.

15.12.1850

Gefecht bei Kochendorf als letzte Kriegshandlung.

11.1.1851

Schleswig-Holstein unterwirft sich den europäischen Großmächten.

31.3.1851

Auflösung der schleswig-holsteinischen Armee

8. 5. 1852

Im Londoner Vertrag wird die Wiederherstellung des dänischen Gesamtstaats vereinbart.