Postgeschichte Schleswig-Holstein  

 

Briefmarken der Herzogtümer 1864-1868

 

 

Der Deutsch-Dänische Krieg

Das Königreich Dänemark verabschiedete im November 1863 eine Verfassung, durch die die Friedensbestimmungen von 1851 gebrochen wurden. Auf Bestreben des Preußischen Ministerpräsidenten Graf von Bismarck wurden die Herzogtümer Holstein und Lauenburg am 23. Dezember 1863 durch Truppen aus Preußen und Österreich besetzt. Der Deutsch-Dänische Krieg begann am 1. Februar 1864 mit der Besetzung des Herzogtums Schleswig und endeten nach der Okkupation der Halbinsel Jütland am 20. Juli 1864.

 

An die Stelle der dänischen Reichsmünze trat zum 1. April 1864 die Mark zu 16 (ß) Schilling Schleswig-Holsteinischem Courant. Das Verhältnis der alten Reichsmünze betrug 16 ß RM = 5 ß Courant. 1 ß Reichsmünze = ¼ ß Courant, 2 ß RM = ½ ß, 3 ß RM = 1 ß und 4 ß RM = 1¼ ß Courant.

 

Briefmarken für die Herzogtümer wurden bereits vor dem Frieden von Wien (30. Oktober 1864) von der provisorischen Postverwaltung (Postinspektorat) ausgegeben, mit dem die beiden Siegermächte die Besetzung und Verwaltung als Kondominium übernahmen.

 

 

Holstein und Lauenburg

Die Wertangabe 1¼ Schilling CRT (Schleswig-Holsteinischer Courant) wurde durch 4 S.R.M. (Schilling alte Reichsmünze) im unteren Rand ergänzt. Die Marken mit gleicher Zeichnung wurden von zwei verschiedenen Lithographie-Steinen gedruckt.

 

1. März 1864, Freimarke: Wertangabe im Eichenlaubkranz, magere Randinschriften mit Abkürzungspunkten; Papier mit Unterdruck; £

 

Michel-Nr. 5, Type I: 1¼ Schilling S.-H. Courant, dunkelgrauultramarin

 

Mitte März 1864, Freimarke: Wertangabe im Eichenlaubkranz, fette Randinschriften mit Abkürzungspunkten; Papier mit Unterdruck; £

 

 

Michel-Nr. 6: 1¼ Schilling S.-H. Courant, dunkelgrauultramarin

 

Mit Rücksicht darauf, dass die Herzogtümer Holstein und Lauenburg ein Postvereinsgebiet bilden, wird in der am 15. Mai verausgabten Freimarke statt der unteren Bezeichnung 4 S.R.M. das Zeichen 1½ S.L.M. eingedruckt. 1½ Schilling Lauenburgische Münze entsprachen 1¼ Schilling Schleswig-Holsteinischem Courant. Außerdem wurde das Mittelfeld des 1¼ ß Courant Marke größer ausgeprägt.

 

15. Mai 1864, Freimarke: Wertangabe im Viereck; durchstochen 7½-8

 

Michel-Nr. 7; 1¼ Schilling S.-H. Courant, mittelblau auf weißrosa

 

 

Michel Nr. 7 auf einem Geschäftsbrief von Altona nach Kiel (Altona, 6.10.1864; Dänischer Nummernstempel 113)

 

Schleswig

Die Posttaxen für die Herzogtümer waren in preußischen Silbergroschen notiert, die sich nicht glatt in dänische Skilling, Schleswig-Holsteinischen Courant oder Lauenburgische Münze umrechnen ließen. Die Provisorische Regierung veranlasste daher, dass die Briefmarken zu 1¼ Schleswig-Holsteinischer Courant bzw. zu 1½ Lauenburgischer Münze mit den Ländern des Deutsch-Österreichischen Postverein für 1 Silbergroschen verrechnet wurden.

Die am 10. März ausgegebene Marke für das Herzogtum Schleswig trägt die Währungsbezeichnung Schilling, gemeint ist aber Skilling in dänischer Münze, dem alten Portosatz, was 1¼ ß Schleswig-Holsteinischem Courant entsprach.

 

 

10. März 1864, Freimarke Ziffer im Oval; durchstochen 11¾ ß

 

Michel-Nr. 3; 4 Schillinge dänischer Münze; karminrot auf weißem Papier

 

 

8. April 1864, Freimarke Ziffer im Oval; durchstochen 11¾

 

Michel-Nr. 4; 1¼ Schilling S.-H. Courant; olivgrün

 

Beide Marken waren anfangs nur in Schleswig gültig, in Holstein 9 Monate, zwischen dem 30. Dezember 1864 und 31. Oktober 1865. In Lauenburg galten sie ein Jahr, vom 30. Dezember 1864 bis zum 20. Dezember 1865. Die 1¼ Schilling-Marke wurde bis zum 6. November 1866 in Holstein und Schleswig neben den seit dem 1. Januar 1866 gültigen preußische Marken verkauft.

 

Der Friede von Wien

Am 30. Oktober 1864 wurde in Wien der Friedensvertrag zwischen Preußen, Österreich und Dänemark unterzeichnet. Darin musste Dänemark die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Österreich und Preußen abtreten, die drei Herzogtümer kamen in ein österreichisch-preußisches Kondominium. Die bisherigen Marken wurden aufgebraucht und verloren am 31. Oktober 1865 ihre Gültigkeit.

Die vom 22. Februar bis 10. September 1865 ausgegebenen Marken dokumentieren die Vereinigung der Herzogtümer durch die Aufschrift Schleswig-Holstein.

 

22. Februar – 10. September 1865; Freimarke Ziffer(n) im Oval; durchstochen 11¾

 

 

 

Michel Nr. 8

Michel Nr. 9

Michel Nr. 10

Michel Nr. 11

Michel Nr. 12

  ½ Schilling 1¼ Schillinge 1⅓ Schillinge/ 1 Sgr 2 Schillinge 4 Schillinge/ 3 Sgr
  rosalila olivgrün violettbraun  grauultramarin ockerbraun
  22. Februar 1. Juni 18. August  18. August 10. September

 

 

Portofreie Dienstsache der der Obersten Civil Behörde im Herzogthum Schleswig an den Magistrat von Husum, aufgegeben in Flensburg am 25. Oktober 1864 und mit dem Postzug nach Husum befördert. Zweizeiliger Rechteckstempel rückseitig: SCHLESW.POST-SPED.BUR./250 Zug No 11 südlich.

 

 

Die Gasteiner Konvention

 

Am 14. August 1865 wurde in Bad Gastein eine Konvention unterzeichnet, in der die deutschen Großmächte ihre gemeinsame Herrschaft über die „Elbherzogtümer“ Schleswig, Holstein und Lauenburg regelten. Preußen wurde die Verwaltung Schleswigs, Österreich die Verwaltung Holsteins übertragen; Lauenburg wurde Besitz Preußens, das dort am 1. Januar 1866 die Postverwaltung übernahm.

 

Herzogtum Schleswig

 

1. Nov. 1865 bis Juni 1867; Freimarke Ziffer(n) im Oval; Herzogth. Schleswig; durchstochen 11¾

 

 

 

Michel Nr. 13

Michel Nr. 14

Michel Nr. 15

Michel Nr. 16

Michel Nr. 17

  ½ Schilling 1¼ Schillinge 1⅓ Schillinge/ 1Sgr 2 Schillinge 4 Schillinge/ 3 Sgr
  olivgrün rotlila rosa grauultramarin braunocker

 

 

Michel-Nr.14 auf einem Brief von Schleswig (13.12.1865) nach Süderstapel

 

 

Juni/Oktober1867; Freimarke Ziffer(n) im Oval; Herzogth. Schleswig; durchstochen 10

 

 

 

                                                                Michel-Nr. 18: verschiedene Farben von Lila-Tönen bis blaugrau

 

 

Herzogtum Holstein

 

1. November – 1865; Freimarke Ziffer(n) im Perlenoval; Herzogth. Holstein; durchstochen 7½:8

 

 

 

Michel Nr. 19

Michel Nr. 20 

Michel Nr. 21

  ½ Schilling 1¼ Schillinge  2 Schillinge
  grünoliv braunpurpur graublau

 

 

Michel-Nr. 20 auf Brief von Altona (5.2.1866) nach Oldesloe (6.2.1866) mit der Eisenbahn befördert: dreizeiliger Kastenstempel POST-SPED. BUR./HAMBURG-LÜBECK/6? Zug No I.

 

              Handbuch der Bahnpost, Band 10 2017

 

 

Der Deutsche Krieg

 

Im Juni 1866 besetzten preußische Truppen das Herzogtum Holstein, die Österreicher zogen sich zurück und wurden im Deutschen Krieg von Preußen und seinen Verbündeten besiegt. Im Prager Frieden vom 23. August 1866 verzichtete Österreich auf Schleswig und Holstein und erkannte die preußische Vorherrschaft in Norddeutschland an. Preußen annektierte die Herzogtümer Schleswig und Holstein; die preußische Provinz Schleswig-Holstein entstand am 12. Januar 1867.

Ab November 1866 konnten die schleswigschen Marken (Nr. 13-18) auch in Holstein und die holsteinischen Marken (Nr. 19-25) auch in Schleswig verwendet werden. Außerdem wurden die im Vorjahre außer Verkehr gesetzten Marken (Nr. 8-12) wieder in Verkehr gebracht, so dass bis zum 31. Dezember 1867 alle drei Sorten von Marken (Nr. 8-25) und ab Februar 1867 auch preußische Marken in Schleswig und Holstein verwendet werden konnten.

 

1. November 1865 bis Februar 1866; Freimarke Ziffer(n) im Oval; Herzogth. Holstein; durchstochen 11¾

 

 

 

 

Michel Nr. 22

Michel Nr. 23

Michel Nr. 24

Michel Nr. 25

  1¼ Schilling 1 Schillinge/ 1 Sgr. 2 Schillinge 4 Schillinge/ 3 Sgr.
   bräunlichlila  grauultramarin  rotkarmin braunocke

 

Michel Nr. 22 auf Brief von Kiel (4.9.1866) nach Preetz