Postgeschichte Schleswig-Holstein  

 

Postvorschuss-Brief 1876

Großer Aufwand für den Einzug einer Gebühr in Höhe von nur 50 Pfennigen

 

 

 

Ein Postvorschuß-Brief des Königlichen Amtsgerichts in Heide an die Kirchspielschreiberei St. Marien Kirche in Hemme bei Lunden vom 9. April 1876.

In Rechnung gestellt wird die Gebühr von 50 Pf. zuzüglich 20 Pf. Porto für ein Attest, in dem der Arzt bescheinigt, dass der Patient nach einer Untersuchung klinisch frei von ansteckenden Krankheiten ist, um nach einer überstandenen Infektionskrankheit die Rückkehr in die Schule zu erlauben.

70 Pf. Siebenzig Pfennige ad B № 548. Postvorschuß

An/ die Kirchspielschreiberei/ zu/ Hemme/ p. Lunden./ frei/

Ad IX № 906

Frankiert mit Deutsches Reich, Reichsadler 1875, 10 Pfennige und 20 Pfennige. Jeweils entwertet mit dem Kreisstempel HEIDE/ 21 4/ 76/ 5-6 N.

Neben den beiden Aktenzeichnen ist auf der Briefvorderseite ein Buchstabe vor der Zahl 166 notiert.

Der einfache Brief im Nahbereich (10 Pf.) wurde als Einschreiben (Zusatzgebühr 10 Pf.) versandt, was bei Postvorschuss-Sendungen zur Sicherheit oft praktiziert wurde. Bei dem Buchstaben und der Zahl 166 auf deinem Beleg handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Registriernummer (Numerator) des Einschreibens in Kombination mit einer Kennung für das Postamt oder die Versandart. Beides deckt die 20 Pf. Marke ab.

Die 10 Pf. Marke deckt die Gebühr für den Einzug des Vorschusses ab (Procura-Gebühr). Bei einem Betrag von 70 Pfennig greift hier die Mindestgebühr von 10 Pfennig, da der reguläre Satz (2 Pfennig pro angefangene Mark) nur 2 Pfennig ergeben würde.

Der Vorschussbetrag in Höhe von 70 Pf. ist mit Blaustift markiert. Diesen hat der Postbote bei der Zustellung im Pfarramt in Hemme kassiert. Der Rotstiftvermerk „30“ für das Porto war für den Zusteller das Signal, neben dem eigentlichen Vorschussbetrag genau diese 30 Pfennig Gebühren einzuziehen, was mit dem Vorschussbetrag die Summe von 1 Mark ergab.

Auf der Rückseite: AUSGABE/ 22/4 des Postamts Lunden.