Postgeschichte Schleswig-Holstein  

Brief von Flensburg nach Bordeaux (1819)

Seit der Gründung des Deutschen Bundes im Juni 1815 nach dem Ende der napoleonischen Besetzung wurde das Postregal auch in Norddeutschland wieder durch die Thurn- und Taxis-Post wahrgenommen. In den drei Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck unterhielt Thurn und Taxis jeweils ein eigenes Postamt auf fremdem Boden. Mit Dänemark und Frankreich schloss die Thurn- und Taxis-Postverwaltung jeweils neue Verträge ab.

Dieser Brief wurde von dem Weinhändler und Senator Asmus Andersen am 20. September 1819 geschrieben und an Herrn Schröder & Schyler & Compl (Compliance für Mitarbeiter) in Bordeaux adressiert. Er enthält eine Weinbestellung, die von dem Schiffer H. J. Decken nach Flensburg geliefert werden sollte. Der Brief erreichte Bordeaux am 3. September und wurde am 16. beantwortet.

Die Firma wurde von den hanseatischen Kaufleuten Jean-Henri Schyler aus Hamburg (1708-1776) und Jacques Schröder (1691-1755) aus Lübeck am Quai des Chartrons gegründet und liefert bis heute Qualitätsweine. Im Hafen von Bordeaux wurden die Schiffe mit Wein- und Branntweinfässern beladen; für die Rückfahrt nahmen sie in Flensburg Dauben für die Herstellung von Eichenfässern mit.

Schiffbrücke in Flensburg um 1833

Der Brief wurde in Flensburg bis Hamburg mit 3 Schillingen teilfrankiert (fr Hbg), denn für Briefe aus Dänemark nach Frankreich bestand bis 28.2.1845 Grenzfrankozwang bis Hamburg. Als Weiterfranco wurde auf der Rückseite unter dem Absender 12 Schillinge notiert. In Hamburg erhielt er vom taxischen Postamt den Transitstempel DANEMARCK/PAR HAMBOURG.

Ab Hamburg wurde er dann nach dem Vertrag Taxis-Frankreich von 1818 behandelt. Hamburg lag im 4. Rayon zu Frankreich und deshalb wurde der Rayonstempel T.T.R.4. abgeschlagen (Tour é Tassis Rayon 4). Für den 4. deutschen Rayon berechnete Frankreich 9 Decimes Portoanteil. Der Leitweg war mit ALLEMAGNE PAR GIVET vorgegeben, weil die Entfernungsberechnung in Frankreich nach dem Ort des Grenzübergangs stattfand und sich so bei mehreren möglichen Grenzübergängen deutliche Schwankungen in der Endgebühr ergeben konnten. Der französische Portoanteil betrug für die Strecke von der Deutsche Grenze über Givet (an der heutigen Grenze zu Belgien) nach Bordeaux 10 Decimes. Insgesamt wurden dem Empfänger dann 19 Decimes Gesamtporto berechnet und angeschrieben.

Pierre Lacour the Elder  (1745–1814) - Sur le quai des Chartrons, Bordeaux, circa 1806