Theodor Heinrich Ludwig Schnorr:

Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande

Bodenwerder 1800

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[56] 3.

Meine Heiratsgeschichten, Ehestandsleben u. d. gl., vom Anfange bis zu Ende.

 

–––

 

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Dieser Gedanke trieb mich dann auch, nachdem ich schon ziemlich die Jahre erreicht hatte, zu dem Entschlüsse, ein Weib zu nehmen.

Ich sah Mädchen genug in meinem Vaterlande, große und kleine, hübsche und hässliche, die schön waren, und es nicht wussten, es auch nicht sein wollten; aber auch Närrinnen, die hässlich waren wie die Nacht, und sich doch schön dünkten und auch von andern dafür gehalten sein wollten; reiche und arme, adeliche und bürgerliche: und keine einzige, ob sie gleich alle in der Stille|[570] um mich warben, oder durch andere, durch Helfershelfer, um mich werben ließen, aus Eroberungen Tag und Nacht ausgingen, wusste mich in die goldenen Fesseln des Ehestandes zu zwängen.

Goldene Fesseln? Nun man nennt es ja in der schönen Sprache so. Warum sollte ich hier eine Ausnahme von der Regel machen? Ein feder weiß es am besten, was er hat. Und man könnte mit der Laterne des Diogenes am Tage vergnügte, zufriedene Ehen suchen. Ob man viele findet, lasse ich dahin gestellt sein. Mancher Ehemann scheint in seinem eisernen Joche äußerlich sehr zufrieden; und man frage ihn auf sein Gewissen. Und eben so manches Weib. Es heißt nun einmal in dieser subsolarischen Welt: es ist Nichts vollkommen und jener Weltweise hatte Recht, wenn er sagte:

Nemo ante obitum beatus.

Aber man müsste nun auch von goldenen Ehen nicht so viel Wesens machen.

Wie sonderbar! Liefland und die Hauptstadt desselben, Riga, musste mir ein solches Wesen erziehen, womit ich den größten Teil meiner ehelichen Tage verleben sollte. Was ich vielleicht unendlich besser auf näherm Wege haben konnte, musste ich auf einem entfernten suchen – finden.|[58]

So wie in allen Stücken mein Leben abenteuerlich sein sollte; so musste es auch meine Heirat,  mein ehelichen Leben sein.

Sie war, wie bekannt, ein kurzes, dickes, rundlich wabbliches Geschöpf – das war ihr vorzüglicher Reiz, übrigens ein eigensinniges, und, wie sie erst meine Frau war, ein in der Tat widerliches Wesen. Sie hatte solche wunderliche Launen, und wusste sich so wenig in Lage, Zeit und Ort zu schicken, daß sie mehr meine Plage, als meine Freude war. Geld brachte sie freilich genug mit – Aufwand machte sie wenig. Aber ist es denn das Geld, das die Menschen unter der Sonne glücklich macht? Der größte Teil glaubt es. Alles ringt nach Gelde, seufzt erschrecklich, wenn das Schicksal sparsam in Austeilung desselben war, arbeitet, kasteiet sich auf den Tod, um den Mammon zusammen zu scharren; und, wenn man nun bis zum Überfluss damit begabt ist, wie wenige wissen dann Reichtum so anzuwenden, wie sie sollten! Solche Menschen versagen sich dann oft die ersten Bequemlichkeiten.

Ich will zwar nicht predigen, das sei ferne. Aber es bleibt doch wahr, was der Weise von Sion *)|[59]  sagt. Oft habe ich an diese goldenen Worte gedacht, weil ich sie durch die Erfahrung so ganz bewährt gefunden habe. Und ich bin ganz seiner Meinung:

„Ich sehe es für gut an, dass es fein sei, wenn man isst und trinkt und gutes Muts ist in aller Arbeit, die einer tut unter der Sonne sein Leben lang, das ihm Gott gibt; denn das ist sein Teil.

*) Pred. Sal. am Ende des 5ten und zu Anfange des 6ten Kapitels.

Denn welchem Menschen Gott Reichtum und Güter und Gewalt gibt, dass er davon isst und trinkt für seinen Teil und fröhlich ist in seiner Arbeit: das ist eine Gottesgabe.

Denn er denkt dann nicht viel an das Elend des menschlichen Lebens, weil Gott sein Herz erfreuet.

Aber es ist ein Unglück, das ich unter der Sonne sah, und das so gemein bei den Menschen ist.

Einer, dem Gott Reichtum, Güter und Ehre gegeben hat, und mangelt ihm keins, das sein Herz begehret; und Gott ihm doch nicht Macht gibt, desselben zu genießen, sondern ein Anderer verzehret es. Das ist eitel und eine böse Plage.“|[60]

Das ist ganz, wie aus meiner Seele geschrieben. Das Erstere ist mein Charakter, meine Denkungsart. So lebe ich; so habe ich gelebt, und so will ich leben, bis an mein seliges Ende, – und das letztere denen überlassen, die Geschmack an einem solchen Leben finden. Wer kann sie bessern?

Ich kehre jetzt wieder zu der Beschreibung meines ehelichen Lebens. Wie Viele werden hierin sich selbst gezeichnet finden!

Als wir uns erst einander gewohnt waren, lebten wir einen Tag wie alle Tage. Ein ewiges Einerlei – das Grab einer vergnügten Ehe – wozu sie vorzüglich geeignet war, machte uns das Leben lang und freudenleer. Wir hatten nun einmal kein Vergnügen mehr an einander. Was entsteht gewöhnlich daraus? Ein jeder geht seinen Launen, seinen Grillen, seinen Fantasien nach. Ich ging ganze Tage auf die Jagd, oder zu guten Freunden. Sie nicht. Sie blieb stets zu Hause und – unterhielt ſich den lieben langen Tag mit einer – oder ein Paar Klätscherinnen über die Nouvellen der Stadt und des Tages, oder schalt mit den Hausbedienten, die ihr nichts zu Kopfe  machten. Das einzige Gute muss ich an ihr rühmen. Sie schien wenigstens nicht unzufrieden, wenn wir öfters Besuch bekamen. –|[61] Tisch- und Bechergenossen fanden sich dann aller Orten. Und ich gab ihnen gern. Niemand sollte von mir sagen: M.. war nach seiner Heirat ein anderer Mann, weniger gastfrei.

Eins der größten Übel, sowohl für mich, als meine Frau, war, dass unser Ehestand nicht mit Zeugen unserer Liebe, mit Sprösslingen gesegnet war. Wir bekamen keine Kinder. Zehn Jahre und länger lebten wir in dieser Erwartung. Und – wir warteten vergebens. Um meiner Frau einen Teil der Zeit zu vertreiben, war ich schon darauf bedacht gewesen, ihr meinen kleinen Sprössling zu gelegener Zeit unterzuschieben. Vielleicht, dachte ich, hat sie dann weniger Langeweile. Nur kam es, das wusste ich, bloß darauf an, ihr den Jungen auf eine geschickte Art zu introduzieren. Gemutmaßet hat sie es wohl, aber doch nie erfahren, dass er einer fröhlichen Viertelstunde auf der Jagd sein Leben zu verdanken hatte. Das war ja wohl kein Bubenstück? Warum kommen auch die Weiber und Mädchen in den Wald? Gewiss nicht immer, um Gras zu sicheln.

Frau v. M... sagte ich einst, wie ich bei merkte, dass sie guter Laune war – und dann war sie ein braves Weib: allein diese zeigte sich nur|[62] wenigemal im Jahr, und dann war sie nicht von langer Dauer. Was sie eben auch in guter Laune angenommen hatte, das verwarf sie in ihrer Migräne darum nicht.– „Ich muß ihnen et was erzählen, worüber sie gewiss nicht ganz unzufrieden sein werden. Es ist doch eine Christenpflicht, dass man sich der Armen erbarme. Wem der liebe Gott viel gab, der soll wieder geben und wohltun. Mit unsern Gütern können wir viel Gutes stiften, wenn wir wollen, und uns noch den Segen der Nachwelt verschaffen. Eben komme ich von einer vergnügten Reise zurück, wo ich mit mehreren Freunden, meinen Nachbarn und Kumpanen in Gesellschaft war. Wir hätten wacker die Humpen geleert, da schlug Freund X. vor: wir wollten ein wenig würfeln. Nun weiß der größte Teil meiner Freunde, was ich sowie in allen Dingen, also auch in diesem, für eine Stärke habe.“

Davon bin ich selbst oft Zeugin gewesen, entgegnete sie, wie sie einer ganzen Gesellschaft das Geld abnahmen; so dass sie sich fürchteten, mit ihnen zu spielen, und sie selbst am Ende kein Vergnügen mehr daran fanden.

„Ich mag es auch selbst jetzt meinen Freunden gar nicht einmal mehr anbieten, weil es doch so gut ist, als wenn wir um nichts spielen. Es|[63] ist mir unmöglich, ich kann das Geld nicht behalten. Ich gebe es jetzt jedesmal zurück. – Genug, es würde ein Würfelspiel vorgeschlagen.“

Also doch wo nicht um Geld?

„Nein! Ich muss es Ihnen sagen: um einen hübschen Jungen. Er heißt John. Er ist ziemlich aus dem Kleinsten heraus. Schon fünf Jahr alt, und weiß sich wacker zu benehmen. Ein Junge, wie ein Engel – aber eine vater- und mutterlose Waise.“

Und den haben sie gewonnen?

„Ja! Wir würfelten drei Wurf. Wer in den drei Würfen die höchsten Augen werfen würde, der sollte ihn als völliges Eigentum haben. Mein Freund v. D. hatte funfzehn Augen, und ich – alle achtzehn. Also war es nun einmal durchs Los entschieden. Es hieß: M... hat so keine Kinder, da bekommt ihn der, welcher ihn haben muss. Er wird schon einen wackern Kerl daraus machen. Ich musste ihn also an Kindes Statt annehmen und zugleich angeloben: dass ich einen braven Jungen daraus erziehen wollte. Jch tat dies, und übergebe Ihnen hiermit diesen Knaben zu treuer Erziehung.“

Ha! dergleichen Pfiffe sind mir schon an Ihnen bekannt. Doch es sei darum. Lassen|[64] Sie den Knaben einmal hereinkommen, dass ich ihn sehe, wenn er mir dann gefällt; so will ich ihn annehmen.

Der Knabe musste sogleich herein kommen. John war schon darauf abgerichtet. Er küsste Mama die Hand, und schmiegte sich mit freundlichholdseligem Lächeln an sie. Und – von Stund an hieß es: mein lieber John, und er nannte sie nicht anders, als – Mama.

Wie freuete ich mich, als ich sah, dass mir der Pfiff so schön gelungen war; und noch mehr, dass der Knabe so schön heran wuchs! Er wurde schlank, wie die Tannen, und hatte einen Kopf, eine Fähigkeit, die nicht ihres Gleichen kannte; aber auch zugleich eine solche Anlage zu Torheiten, zum Eigensinne, wie man bei wenigen Kindern findet. Daneben wurde er von Mama so sehr verzärtelt und gehätschelt, ihm alles zugutegehalten, dass doch nicht wohl etwas anders aus ihm werden konnte, als – ein Taugenichts.

Zum Soldaten schien er denn uns beiden geboren zu sein. Montierung, Flinten war sein Liebstes. Exerzieren konnte der Junge schon so geläufig in seinem sechsten Jahre, als mancher Unteroffizier nicht in seinem vierzigsten.|[65]

Er war noch nicht dreizehn Jahr alt – wie doch die Natur spielt! – als er schon Versuche machte, mit dem andern Geschlechte, und zwar von niederer Gattung, auf einem vertrauten Fuß umzugehen. Die schon damals immer mehr zu nehmende üppige und galante Aufführung der Stadtdirnen war denn ohnehin sehr geschäftig, ihn nicht allein in ihre buhlerischen Schlingen zu locken, sondern, weil er stets Geld genug von Mama bekam, auch dies Geld ihm abzuschwatzen. So ward er denn schon im sechzehnten Jahre Papa, und damit es weiter nicht auskam, musste in aller Geschwindigkeit unser Jäger die Person heiraten. Er bekam ein Stück Geld, und schwieg.

Er machte mehrere Kunststücke dieser Art; so dass es in die Länge nicht auszuhalten war. Zum Lernen, überhaupt zu einem geschäftigen Leben hatte er von jeher keine Lust, keine Neigung; zu irgendeiner Handarbeit auch nicht. Also grade, wie die jungen Herrn von – – – sich nicht gern mit ernsthaften Dingen beschäftigen, steckte ihm auch dies in der Natur. Von meiner Seite war es also schon lange beschlossen, ihn bei erster Gelegenheit in die Welt zu schicken, damit er sich versuchen mögte.

Wie aber ihn los werden, damit die Frau nichts davon erführe? Denn diese hatte ihn trotz|[66] aller Torheiten und Bubenstreiche, zu lieb. Das war eine Frage, die einiges Nachdenken erforderte. Doch fand sich diese Gelegenheit bald. Frau v. M... musste, Familienangelegenheiten wegen, nach Riga reisen. In dieser Zeit musste er also seine neue Laufbahn antreten. Und zwar auf folgende Art, ohne dass er selbst einmal es argwohnte. Meine Kunst kam mir da nun wie der trefflich zu statten.

Ich zähmte einige wilde Gänse, ging alle Morgen hin auf die Weide, wo sie sich gewöhnlich niederließen, und fütterte sie gut. Das ließen sie sich gern gefallen; und, so scheu sie anfangs waren, so sehr freudig flogen sie um mich herum, wenn sie mich nur kommen sahen. Sie schnatterten und schnäbelten zu meinen Füßen. Auch ließen sich einige davon, wie ich sie vier Wochen gefüttert hatte, sowohl von mir, als von meinem John, streicheln, kriegen, kurz, wir konnten damit anfangen, was wir wollten. Als ich ohngefähr bemerkte, dass sie sich zu ihrer großen Reise an schickten, nahm ich es in Acht, bepackte die eine mit Kleidungsstücken, die andere mit Proviant, und die dritte war dazu schon abgerichtet und gezäumt, dass sie den John tragen sollte. John hatte schon oft Probestückchen damit gemacht. Ich machte dem Jungen das Ding so süß, dass er es mehrere Male des Morgens versuchte,|[67] darauf fort zu fliegen. Endlich eines Morgens gaben sie das große Signal, und John war mit Sack und Pack mit den wilden Gänsen auf, und davon geflogen in die warmen Länder, und seit dieser Zeit habe ich nichts von ihm weder gehört noch gesehen.

 

 

Meine Frau kam von ihrer Reise wieder, und wollte sich beinahe tot grämen, als sie hörte, dass er fort war, und nicht so bald oder vielleicht gar keine Hoffnung wäre, ihn wieder zu sehen. Sie härmte sich, wie alle Frauenzimmer, einen Tag, am andern wurde noch wohl von ihm gesprochen – am dritten wurde seiner kaum gedacht: am vierten hatte sie ihn ganz vergessen.

Als ich sie hingegen verlieren musste, und dies geschah kaum ein halbes Jahr nach dieser Zeit, verlor ich sie äußerst ungern, wie das die ganze Welt nicht anders bezeugen kann. Die Gewohnheit hat große Kraft, und wir waren nun einmal einander gewohnt. Ich konnte sie so bald nicht vergessen, wie sie mich vielleicht vergessen haben würde. Meine Empfindungen ließ ich sogar, so ungern ich auch selbst dichte, ob ich gleich ein sehr großer Freund von guten Gedichten bin, in ein Gedicht auf ihren Tod überströmen, wovon, wie von ihrem Tode, Begräbnis und übrigen Begebenheiten, im dritten Bande meiner Geschichten ein Mehreres enthalten ist. Genug, eine|[68] große Periode meines Lebens war beendigt. Ich hätte mich sollen an so vielen Beispielen spiegeln, wo der Zuschnitt zu einer zweiten Periode gemacht, oft so unglücklich gemacht wird. Aber ich tat es nicht. Und ich musste nun noch unglücklicher sein, als vorhin. Ihr Weiber! Wa seid ihr? Und was könntet ihr sein! Aber wenn ein alter Mann ein Geck ist? Und – das war ich.

So pflegt es denn gewöhnlich im menschlichen Leben zu gehen. Das, was man nicht hat, will man haben: man sehnt sich darnach, wie das Kind nach der Klapper. Man hat es, und  man will es nicht; man wirft es weg, man mag es nicht mehr. Man kann denken und urteilen, wie groß die Leere war, die ich nach einem Monat, nach einem halben Jahre, nach einem Jahre empfand. Es war mir, als wenn ich gar kein Herz mehr in meinem Leibe hatte. Die Leere nahm zu, so wie mein Schmachten, mein Sehnen nach einem weiblichen Gegenstande, den ich Frau nennen konnte, größer wurde. Überall kein Fleckchen auf der Welt, kein Stuhl, kein Rasen, ich dachte mich hier umgeben mit einem weiblichen Geschöpfe, das mein Alter, meine Schwachheiten, meine Leiden mit mir teilen sollte.

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei: Redewendung, nach der eine Ehe und Familie dem Junggesellen-Leben vorzuziehen sei. Sie orientiert sich am 1. Buch Mose im Alten Testament (Gen 2, 18) nach dem der Mensch von Gott nicht als Einzelwesen zum Alleinsein bestimmt ist, sondern als Mann und Frau auf einen Partner hin erschaffen wurde: Und Gott der HErr sprach: Es ist nicht gut, daß der mensch allein sey, ich wil ihm eine gehülffin machen, die um ihn sey.

Goldene Fesseln: poetisches Bild für die Bindung in einer Ehe

Laterne des Diogenes: Von Diogenes wird erzählt, er sei am helllichten Tag mit einer Laterne in der Hand über den Markt von Athen gegangen. Er habe hier einem, dort einem ins Gesicht geleuchtet, seinen Kopf geschüttelt, bis ihn einer fragte, was er mit seiner Laterne wolle. Diogenes Laertius schreibt: Er zündete bei Tage ein Licht an und sagte: „Ich suche einen Menschen.“ Diogenes Laertius: Leben und Meinungen berühmter Philosophen. Übersetzt und erläutert von Otto Appelt. Erster Band. Buch I-IV. Leipzig 1921, S. 276.

 

Jacob Jordaens: Diogenes mit der Laterne auf dem Markt Menschen suchend, Öl auf Leinwand, um 1642.

in seinem eisernen Joche: Das Joch ist im Alten Testament ein Bild der Dienstbarkeit und Knechtschaft. So droht Gott seinem Volk, dass er es, wenn es ihm nicht dankbar und fröhlich diene, seinen Feinden unterwerfe und ihm ein eisernes Joch auf den Hals bis zur Vertilgung anlege  (5. Mose 28, 48).

in dieser subsolarischen  Welt: Sublunarisch bedeutet, was unter dem Mond, subsolarisch, was unter der Sonne ist. Die sublunarische oder subsolarische Welt ist die Erde. Der Gegensatz dazu heißt die superlunarische oder supersolarische Welt, d. h. der Himmel. Diese Ausdrücke wurden auch für den Unterschied zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt verwendet.

jener Weltweise: Der römische Dichter Publius Ovidius Naso (43 v. Chr.-17 n. Chr.

 

Lateinschule Alfeld, Westseite

Nemo ante obitum beatus: Dici beatus ante obitum nemo supremaque funera debet - Glücklich darf man keinen nennen vor seinem Tod und seinem Leichenbegängnis. Ovid. Met. Lib. III. 13.

Riga: 1738 holte Anton Ulrich seinen ehemaligen Pagen in sein Regiment „Braunschweig“. Der Abschied des 18jährigen wird freilich nicht leicht gewesen sein. Eine Reise nach Rußland war eine Reise in eine andere Welt, genauso wie heute! Soweit wir wissen, haben sich Mutter und Sohn nicht wiedergesehen, denn Sibille von Münchhausen stirbt 1741.

Hieronymus hat im Jahre 1739 mit einiger Bestimmtheit am russisch-türkischen Krieg teilgenommen. Nach kaum einem Jahr ernennt Anton Ulrich ihn zum Kornett und beschenkt ihn mit drei schönen Pferden, dazu Schabracken und Pistolen. Das elegant auf Pergament gedruckte, mit dem kaiserlichen Siegel versehene Patent ist vom 11. Dezember 1739 datiert, also nach dem Friedensschluß von Belgrad. Einen direkten Beweis für Münchhausens Teilnahme an den Feldzügen gegen die Türken haben wir nicht. Aber er besaß, so berichtet die Familienüberlieferung, einen Türkensäbel, den er in seinem Kleiderschrank aufbewahrte und der später in seinen Geschichten eine Rolle spielte. Dafür, daß er mit Türken gekämpft hat, sprechen auch die Themen einiger seiner Kriegsabenteuer. Wir können also seine Teilnahme an wahrscheinlich zwei russisch-türkischen Feldzügen als sicher annehmen.

1741 dürfte er dann im russisch-schwedischen Krieg in Finnland gekämpft haben. Er schreibt in dem Jahr an seine Mutter, sie möge ihm neue Wäsche schicken, da die alte „in der Campagne teils sehr gelitten habe, teils verlorengegangen sei“.::“) Aber noch vor dieser „Campagne“, nämlich 1740, ein knappes Jahr nach seiner Ernennung zum Kornett, wird Hieronymus zum Leutnant befördert. Die Tatsache, daß er dabei zwölf dienstälteren Kornetts den Rang abläuft, deutet sicherlich nicht nur auf die Tapferkeit des jungen Offiziers, sondern auch auf ein besonderes Verhältnis zwischen dem Prinzen Anton Ulrich und Hieronymus. Beider günstiger Stern schien zu steigen, denn Zarin Anna Iwanowna hatte den 1740 geborenen Sohn ihrer Nichte zu ihrem Nachfolger ernannt. Bis zu seiner Großjährigkeit sollte Biron die Regentschaft führen. Aber der allmächtige Günstling wurde von der Garde gestürzt und Anna Leopoldowna zur Regentin für ihren kleinen Sohn Iwan bestimmt.

Rußland erhoffte von ihr die Säuberung der Regierung von der verhaßten Günstlingsherrschaft der Deutschen. Aber weder Anna noch Anton Ulrich verstanden die Lage zu meistern, und so folgte dem Aufstieg der jähe Sturz.

Denn noch lebte die letzte natürliche Tochter Peters des Großen, Elisabeth Petrowna. Nach langem Drängen einflußreicher politischer Kreise, insbesondere der Garde, gab sie nach und übernahm nach einem Staatsstreich die Herrschaft. Anton Ulrich, der Exponent der fremden Günstlinge, wurde in einer Novembernacht des Jahres 1741 aus dem Bett geholt und gefangengenommen [...].

Trotz aller Gemeinhaltung drangen aber doch Gerüchte über die Braunschweiger an die Öffentlichkeit. Zweifellos hat Hieronymus von Münchhausen versucht, über das Schicksal seines Herrn etwas zu erfahren. Wir können uns vorstellen, wie das was man munkelte, auf ihm gelastet hat. Sein persönliches Leben nach 1741 wird überschattet von Anton Ulrichs Tragik, zumal die Ereignisse auch ihn ganz persönlich betreffen. Zwar überstand er den Umsturz heil - vermutlich, weil er zu dieser Zeit in Finnland kämpfte -, aber unter Elisabeths Herrschaft ließ eine weitere Beförderung elf Jahre auf sich warten: Münchhausen gehörte ja zu der kaltgestellten deutschen Partei!

Er ist nach den Kämpfen in Finnland hauptsächlich in seiner Garnisonstadt Riga gewesen - eine Umgebung, in der er sich sehr wohl gefühlt zu haben scheint. Verständlich, denn Riga war damals ein deutsches Kulturzentrum im russischen Reich. Es besaß ein Theater, das geistige Leben war rege. Eine von Kants philosophischen Schriften ist dort gedruckt worden.

Schon 1740 hatte Hieronymus an seine Mutter geschrieben: „Ich befinde mich hier in Riga sehr wohl. Es geschieht mir von den Herren Edelleuten und den Dames viel Obligeance.“ [Zitat aus A. F. von Münchhausen 1872, S. 64.] Der Lebensstil des baltischen Adels hat ihm offensichtlich gefallen, und er ist selbst auch wohl gern in diesem Kreise gesehen worden. Einige seiner Abenteuergeschichten haben Kurland zum Schauplatz, unter den Balten kursieren noch in unserer Zeit Anekdoten, die man Münchhausen zuschreibt. Mündliche baltische Überlieferung berichtet auch von einer Begegnung des Leutnants mit dem anhaltinischen Prinzeßchen, das 1744 in aller Stille durch Riga nach Petersburg reiste, wo sie später als Katharina II. so berühmt werden sollte. Auf dieser Reise soll Münchhausen in Riga vor ihrem Gemach Ehrenwache gehalten haben. Drei russische Zarinnen haben also für ihn in seinen Rußland-Jähen eine Rolle gespielt, wenn auch teils nur eine flüchtige.

Aus dem livländischen Adel holte sich Münchhausen seine Lebensgefährtin Jacobine von Dunten aus dem Hause Ruthern. Am 2. Februar 1744 schloß er die Ehe, die 46 glückliche Jahre währte. Die von Dunten waren ein verbreitetes baltisches Adelsgeschlecht, an das in jüngster Zeit freilich nur noch zahlreiche Ortsnamen erinnerten. Heute dürften auch sie, ebenso wie die Familie selbst, erloschen sein.
Weiss 1977, S. 12ff.

meine Frau: Am 2. Februar 1744 wird er zu Permiel in Liefland mit Jacobine v. Dunten getraut. Unterm 2. Novbr. 1750 erhielt er den erbetenen einjährigen Urlaub und am 24. Jan. 1752 auf gleiche Zeit Verlängerung, weil seine Anwesenheit durch die Vermögens-Auseinandersetzungen mit den Geschwistern nothwendig war, die dann auch endlich gelang.
A. F. von Münchhausen 1872, S. 65.

Mit seiner ersten Gemahlin Jakobine von Dunten lebte Hieronymus 46 Jahre in zwar kinderloser, doch recht glücklicher Ehe. Über den Tod seiner Frau berichtet das Kirchenbuch: „Die hochwohlgeborene Frau Jacobine, geb. von Dunten, aus dem Hause Ruthern in Livland, des hiesigen Herrn Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, gewesener Kaiserl. Russischer und Großfürstlicher Kürassier Rittmeisters, Erbherr auf Rinteln, Schwöbber und Bodenwerder, auch Gutsherr auf Huntzen, Gemahlin, starb den 19. August 1790 des Abends 9 Uhr an Krämpfen, alt 65 Jahre 8 Monate im 46. Jahre ihres Ehestandes. – Sie ist 24. August in der von Münchhausenschen Gruft in der Klosterkirche zu Kemnade begraben.“
Rose 1937, S. 290.

Mammon: Mammon ist ursprünglich ein unredlich erworbener Gewinn oder unmoralisch eingesetzter Reichtum, wenn er etwa zur lebensbestimmenden Maxime wird. Heute wird mit dem Begriff abschätzig das Geld im Allgemeinen bezeichnet („schnöder Mammon“). „NIemand kan zween herren dienen, entweder er wird einen hassen, und den andern lieben, oder er wird einem anhangen, und den andern verachten. Ihr könnet nicht GOtt dienen, und dem Mammon.“ (Matth. 6, 24).

der Weise von Sion: Der König Salomo bzw. Salomon war – nach der Darstellung der Bibel – im 10. Jahrhundert v. Chr. Herrscher des vereinigten Königreichs Israel. (Wikipedia)

Im Inhaltsverzeichnis (predigt aus dem Salomo) und in der Anmerkung (Pred. Sal. am Ende des 5ten und zu Anfange des 6ten Kapitels) verweist Schnorr auf einen Text des Alten Testaments, Kohelet, ein Buch des Tanach, das dort zu den Ketuvim („Schriften“) gehört. In der Lutherbibel trägt das Buch den Titel Der Prediger Salomo.

Schnorr zitiert Kapitel 5, 17 bis Kapitel 6, 2 aus Biblia,/ Das ist:/ Die gantze Göttliche/ Heilige Schrift/ Alten und Neuen/ Testaments,/ Nach der Teutschen Ubersetzung/ D. Martin Luthers,/ […] Büdingen 1747.

 

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Nouvellen: Neuigkeiten

nichts zu Kopfe machten: nichts recht machten

keine Kinder: Hieronymus von Münchhausens Frau Jacobine von Dunten starb 1790. Die Ehe war kinderlos geblieben. Auch aus der zweiten Verbindung mit Bernardine von Brunn sind keine nachkommen hervorgegangen. Alle dem Freiherrn von Münchhausen zugeschriebene Kinder sind also Fiktion.

In seinem 1801 veröffentlichten erotischen Roman lässt Schnorr eine Tochter Münchhausens erzählen.

Vorbericht.

Die wunderbaren Reisen zu Wasser und zu Lande, und lustigen Abentheuer des Freyherrn von Münchhausen in Bodenwerder sind so bekannt, daß selbst der größere und kleinere Hans Hagel aller Länder, Städte und Dörfer in allen Theilen der Welt diese Geschichten weiß, und sie sich zum Zeitvertreibe bey müßigen Stunden erzählt. Sie sind in alle Sprachen der Welt übersetzt, und sie verdienten es auch der komischen Launen, des Witzes und der Einbildungskraft ihres Erzählers wegen.

Da aber alles in der Welt sich gattet, – selbst die größten Natur kundiger behaupten: daß die Steine, diese uns empfindungslos scheinenden Wesen, in den Gebürgen sich gatten, und auf diese Art wachsen und sich fortpflanzen, – es in allem Betrachte in dem ganzen weiten Reiche der Natur Gleiches nichts giebt, wozu sich nicht ein Gleiches fände: so bestätiget sich auch diese große allgemeine Wahrheit. Es erscheint hier ein Pendant zu jenem wichtigen Volksbuche – das Seitenstück – ein Frauenzimmer als Heldin des Buchs in lauter abentheuerlichen Zügen.

Alle Buchhändler in der Welt glauben durch den Verkauf dieses Werkes, besonders in Hinsicht auf die Un terhaltung sowohl als auf den moralischen, physikalischen und pädagogischen Inhalt desselben dem Publikum einen ebenso wichtigen Dienst zu leisten, als mit der Verbreitung jenes allgemein bekannten und beliebten Buches.

Giebt doch so mancher Herr, so manche Dame einen Gulden aus, um ein Schauspiel zu sehen, welches oft sowol wegen der Acteurs als auch in Ansehung des Stücks selbst keinen Dreyer werth ist. Gehen sie oft aus diesem Hause ohne die mindeste Unterhaltung gefunden zu haben. Hier – werden sie für ihren Gulden – und was ist denn jetzt ein Gulden? – schon genug bekommen.

Aufgeschauet also! Der Vorhang wird aufgezogen.
Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande und Abentheuer des Fräuleins Emilie von Bornau, verehlichte von Schmerbauch. Von ihr selbst erzählt. Frankfurt 1801.

Der Rezensent der Neuen allgemeinen deutschen Bibliothek meint: „Soll ein Gegenstück zu des berühmten Münchhausens Abentheuer seyn; ist aber ein sehr verünglücktes. Über so abgeschmackte Mährchen lacht kein Mensch. Der langweilig schleppende Ton, in dem sie erzählt, und die moralische Wassersuppe, mit der sie begossen werden, machen sie übrigens zu einem trefflichen Opiat. Bey Rec. Wenigstens haben sie drey Abende hintereinander unausbleiblich den Schlaf befördert.“

Neue allgemeine deutsche Bibliothek. 84. Band, erstes Stück. Erstes bis Viertes Heft. Berlin und Stettin, 1803, S. 89.

1804 erlebte das Buch mit verändertem Titel eine zweite Auflage.

 

Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande und Abentheuer des Fräuleins Emilie von Bornau, verehlichte von Schmerbauch. Von ihr selbst erzählt. Frankfurt 1801.
Verlag: Franzen und Grosse: Stendal.

 

Leben und seltsame Abentheuer des Fräuleins Emilie ***, einer natürlichen Tochter des Freyherrn von Münchhausen in Bodenwerder. Als Zugabe zu den wunderbaren Reisen zu Wasser und Lande. Mit Kupfern. Hannover, 1804.
Verlag: Franzen und Grosse: Stendal. Verändertes Titelblatt; Titelauflage der Erstausgabe von 1801; Druck vom Satz der Erstauflage.

Zu den äußerlich unkenntlichen Erotica […] gehört der anonyme [...] Roman [...], dessen Heroine schon in jungen Jahren vom Vater stimuliert, dann nacheinander von Kammerzofe und Hauslehrer verführt wird, eine erst horizontale, dann aber abschüssige Karriere als Buhldirne macht, mit einem Großonkel verkehrt, schließlich den 70-jährigen Herrn von Schmerbauch heiratet, der bereits inkontinent ist, so dass die Hochzeitsnacht ein ekliges Desaster wird  ein Buch, das zudem mit einigen dezidiert aufklärerischen Einlassungen durchsetzt ist, das aber, soweit ich sehen kann, nirgendwo verboten wurde, da vom Titel her unverdächtig.
Archiv für Geschichte des Buchwesens Bd. 72  2017, S. 74.

introduzieren: einleiten, einführen

 

 

Die Zeit kam heran, wo alle Blumen wieder in ihrer schönsten Pracht hervorgingen, wo|[69] die Nachtigallen auf meinem Berge, in meinem Bousket mir wieder so viel in die Ohren sangen: Armer! liebtest du, wie ich, du suchtest dir eine Gattin! wo alle Vögel: „Freuet euch des Lebens!“ sangen, und dies Lied so oft in meinen Ohren wiederhallete, dass es mir jetzt wie den Gassenbuben in H... zuwider wurde. Es war einer der schönsten Abende im Mai. Ich sah ein lazurblaues Gewölk, mit Golde besäumt, sich neben meinem Tempel, wo ich in Betrachtungen über meinen einsamen Zustand den Vogelchören zuhörte, immer tiefer und tiefer niederlassen. Ein Wagen schien mir sich herabzulassen, sich mir zu nahen, und ich glaubte: ich sollte jetzt in die Herrlichkeit aufgenommen werden. Endlich sah ich es deutlicher, dass es ein Wagen im Luftgewölke war, und in demselben meine selige Frau. Sie erschien mir mit einem holdseligen Lächeln, und sagte:

„M..., Sie gehen mir in die Seele. Hat es Gott genommen, so nehmen Sie wieder. Heiraten Sie.“

Ich? sollte wieder heiraten? Nehmen Sie mich lieber mit in jene Wohnungen des Friedens. – Ich wollte eben an den Wagen fassen, und – Wagen, Frau, Gewölke, alles verschwand mit den Worten: Ihre Stunde ist noch nicht gekommen!|[70]

Welche Gedanken bemächtigten sich jetzt meiner Fantasie! Das ganze Bild wich nicht aus meiner Seele. Auch nicht einen Augenblick war ich vermögend, einen andern Gegenstand zu fassen. Ich suchte absichtlich Zerstreuung, aber vergebens. Wie ein Traum schwebte mir die ganze Wolkengestalt, mit Wagen und allem, vor Augen; ich sahe ihr schönes verklärtes Angesicht; ich hörte ihre sanfttönenden Worte. Ich ging zu Hause, und nachdem ich lange über den Gegenstand ihres Gesprächs, über ihren Rat nachgedacht hatte, fand ich: dass ich noch um keinen Schritt weiter gekommen war. Ich stand da, wie eine Säule; so dass endlich mein Johann, der mich schon oft gerufen hatte, mich anstieß, und zu Hause führte, wo ich dann fand, dass ich Essen und Trinken, Zeit und alles über diese tiefe Spekulation vergessen hatte.

Der zweite Abend gab mir schon nähere Aufschlüsse. Mit derselben Pracht erschien mir die Gestalt des vorigen Abends wieder, nur nicht ganz so niedrig, dass ich sie erreichen konnte. Sie tat mir denselben Antrag. „Heiraten Sie ein Mädchen, das Ihrer würdig ist, das Sie genau kennen, das mit sympathisiert. Sehen Sie nicht auf Reichtum, sondern vielmehr auf Herzensgüte; auf eine Person, die Sie meint, und nicht bloß Ihre Güter, die in Ihrem Alter|[71] Ihre Stütze ist, und – Sie werden glücklich sein!“ Damit war sie wieder verschwunden. Gern hätte ich mich noch mehr unterrichten lassen, und – das geschah dann auch Abends darauf. Aber doch immer nicht so, wie ich wünschte.

Wieder dieselbe Erscheinung in derselben Stunde, in derselben Schönheit des Tages. Schon hatte ich meine Frage überdacht: denn mehr als eine Frage ist einem Sterblichen an einen Geist oder ein überirdisches Wesen zu tun nicht erlaubt. Meine Frage war also:

„Nenne mir, Botin des Friedens! nenne mir diese Person!“ Die Antwort war:

„Es ist dies nicht in dem Plane der Seligen. Des Menschen Wille ist nicht gebunden. Frei muss der Mensch zum Glücke oder zum Missgeschicke wählen!“ Damit verschwand sie, und er schien mir nie wieder; so oft ich auch diesen Wunsch bei mir hegte.

Jetzt ging ich Tage, Wochen, Monate mit mir zu Rate. Langsam und träge, wie auf bleiernen Schwingen, verging mir die Zeit. Und ich fand mit allem meinem Beraten Nichts. Wenn ich diesem oder jenem meiner Anverwandten etwas davon entdeckte; so fand ich stets, dass sie mir das Widerspiel hielten. Von Erscheinungen aus den Wohnungen des Friedens wollten sie nichts wissen. Da hieß es: Wer weiß, was Ih|[72]nen geträumt hat. Sie prophezeiten mir, was man freilich voraus sehen konnte, nichts, als Elend und traurige Tage. Es half aber doch alles Nichts. Ich dachte darauf, wie ich die Sache auf eine ernsthafte Weise anfinge. Und – ich beschloss, einem sehr wackern Mädchen, einem Fräulein v. B., meinen Antrag zu tun. So sauer es mir auch wurde; so schrieb ich ihr doch folgendes:

 Mein gutes Fräulein! Sie werden vielleicht lachen, wenn Sie den nähern Inhalt meines Briefes lesen. Ich bin ein alter Mann. Meine Frau habe ich verloren, und – ich muss wieder heiraten. Ob ich gleich alt bin; so werden Sie doch wissen, dass ich der berühmteste Mann von der Welt bin. Geld brauche ich nicht. Ich verlange nur Ihr Herz. Wollen Sie mich also heiraten, mich in meinem Alter verpflegen; so sollen Sie es gut haben. Mit dem Rückgange des Boten erwartet Ihr Ja oder Nein Es steht völlig in Ihrem freien Willen

Ihr

wohlaffektionierter

H. von Münchhausen.

 

Sehnsuchtsvoll erwartete ich mit jeder Stunde die Zurückkunft des Boten und die Antwort des Mädchens. Hier ist der Brief.|[73]

Sie sind sehr gütig, gnädiger Herr! mir Ihre Hand zu bieten. Einem Manne, wie Sie, der so weltberühmt und bekannt ist, dessen Taten noch immer unnachahmlich und für Jahrhunderte interessant bleiben werden, dessen Werke in hundert Sprachen übersetzt worden sind – eine abschlägige Antwort geben, hieße denselben lästern und zum größten Zorne die nächste Veranlassung geben. Gern komme ich also Ihren Wünschen, Ihren Bitten entgegen, wenn Sie mir es aber auch gütigst nicht verargen wollen, dass ich mir einige Nachsicht von Ihnen erbitte. Ich bin jung, kaum achtzehn Jahre alt, und Sie sind schon über die siebenzig hinaus. Ich werde das Alter ehren, das versiebt sich von selbst. Ich werde in Ihnen den Mann, den Greisen, den Vater ehren; aber sie werden auch eben so gütig gegen mich denken, und mir, da ich einmal sehr viel jugendliches Feuer habe, einige anständige Freiheiten erlauben, die weder den Wohlstand beleidigen, noch mir und Ihnen nachteilig sein können. Ich bin schön. Nie bin ich ohne Anbeter gewesen, und werde es also auch in der Folge nicht bleiben. Sollten Ihnen kleine Zudringlichkeiten, Scherze, Küsse junger Mannspersonen verdächtig sein, sollten Sie darüber eifersüchtig werden oder mir gar darüber einen Hass zuwerfen; so wäre es besser, wir blieben getrennt. Ich bin nicht reich.|[74] Aber auch Reichtum bedürfen, verlangen Sie nicht. Hierüber haben Sie Sich also zu erklären. Übrigens sein Sie versichert, dass ich im Stande bin, Ihnen Ihre alte Tage zu versüßen, und dass ich Alles anwenden werde, Ihnen gefällig zu sein. Bekomme ich morgen hierüber keine Antwort; so ist unser Bund so gut als geschlossen, und ich bin schon übermorgen bei Ihnen.

Ihre

treugesinnte A. von B.

 

Wenn man verliebt ist – und man will behaupten: alte Leute wären noch verliebter, als junge – so sieht und hört man nicht. Konnte ich mir aus diesem Briefe, der übrigens sehr gut abgefasst war, nicht schon meine ganze Zukunft enträtseln?

Ich tat dies nicht. Ich bewunderte den schön geschriebenen Brief, las ihn tausendmal zu Hause, im Garten, im Tempel, überall, und fand so viel Behaglichkeit an meinem neuen Stande, dass ich vor Freuden fast außer mir war, und ich den Tag kaum erwarten konnte, wo der Liebling meines Herzens, den ich einst in jüngern Jahren als Kind, aber jetzt seit zehn Jahren nicht gesehen hatte, erscheinen würde.

Und sie erschien, die lang ersehnte Morgenröte des kommenden Tages, und mit ihr die Sonne, die den Tag verherrlichen sollte.|[75]

Jetzt rasselte der Wagen den Hofplatz hinauf, wie schlug mir mein Herz! Mit meinen podagrischen Beinen hinkte ich, so geschwind ich konnte, zum Kutschenschlage, und – ich ward bezaubert. Eine schöne Person sah ich, die Schönste ihres Geschlechts, vom Kopfe bis zur Fußzehe ohne Tadel. Die Zyprische Venus – das Ideal der vollkommenen Schönheit, kann nicht so schön gemalt werden, wie sie es war.

Noch an demselben Tage, nachdem die Ehestandspräliminarien in Richtigkeit gebracht waren, reisete sie mit ihren Begleitern wieder ab, und – nach wenigen Wochen war sie – meine Frau. Ich konnte diese Zeit kaum abwarten. O, dachte ich: wäre es möglich, dass eine wohltätige Fee dir den Zaubertrank reichen mögte, wodurch du auch nur um zwanzig Jahre verjüngt werden könntest!

Die Hochzeit ward dann, weil ich nicht gut Mehr reisen konnte, sehr solenn in meinem Hause vollzogen, alle gute Freunde dazu eingeladen und gezecht und geschmauset bis Mitternacht, wo ein Jeder seines Weges reisete.

Man sagt es wohl, aber es ist auch wahr: es ist wohl nichts Lächerlicheres und Unausstehlicheres, als ein alter Kerl, der verliebt ist. Warum sollte ich es nicht sagen, da es die Wahrheit ist? Kein Hahn kann wohl so verliebt um seine liebste Henne herum gehen, als ich um dies schöne junge|[76] Mädchen. Die Blüte der Gesundheit lachte aus ihren Rosenwangen, strahlte aus ihrem holden blauen Augenpaar.

Schon in der ersten Nacht äußerte sich nicht sowohl meine Besorgnis, ihr ein Genüge leisten, zu können.

Ich konnte nicht umhin, ihr bei ihren zu heftigen Zudringlichkeiten es geradezu zu gestehen, dass ich ein alter Mann sei, dem sie nicht allein diese, sondern auch manche andere Schwächen zu gute halten müsse. Amor sei nicht mehr so geschäftig, indem er nur die Kohlen im Kamine der ehelichen Liebe zusammen zu schüren und im Glimmen zu erhalten suche: die eigentliche Flamme sei längst erloschen.

„Sie werden, hub ich an, gewiss zufrieden sein, wenn ich ihnen alle Quatember meine Pflicht leiste.“

 Quatember! das Wort verstehe ich nicht. Wie viele Quatember giebt's denn in einer Nacht?

Bei dieser Frage musste ich laut auflachen. –

„Ein sehr naiver Scherz!“ sagte ich, schlug die lose Schäkerin auf die Wangen. „Sie werden es schon sehen.“

Sie seufzte – wandte sich herum und schlief ein.

Die Flitterwochen des ehelichen Lebens gingen ziemlich vergnügt vorüber. Abgerechnet|[77] daß sie unendlich mehr forderte, als ich zu leisten vermogte, und sie schon in den ersten Tagen ein wenig misslaunig wurde. Ich war sehr nachsichtig, und sie war, wie die meisten Weiber, klug genug, anfangs solide zu tun, bis sie erst festeren Fuß gefasst hätte.

Als aber auch diese vorüber waren, so gingen auch meine Leiden an, und vermehrten sich mit jedem Tag und jeder Stunde. Ich war ein eingezogenes, stilles Leben gewohnt, und schätzte die häuslichen Freuden und die Ruhe des Alters über alles. Sie hingegen fand je länger, desto weniger ein Behagen daran. Sie ging, sich ihrer Freiheit zu bedienen, aus einem Hause ins andere, in die Kaufmannshäuser, in die Apotheken, kurz, sie konnte zuweilen gerade, wie sie gestimmt war und sich eben keine Gesellschaft einfand, die nach ihrem Gout war, in Einem Nachmittage die völlige Runde machen. Und wie denn die Welt ist, selten rät sie zum Guten! Da gab es denn viele, die auch ihr Öl zum Feuer gossen, das gute junge Weib bedauerten u. d. gl.

Das bittere Ende

Alter und Vereinsamung mögen in Münchhausen den Wunsch geweckt haben, ein zweites Mal eine Ehe zu schließen. Auch das Gut bedurfte eines Menschen, der mit frischen Kräften die Wirtschaft im Schwung hielt. Ob der alte Hieronymus sich anderen gegenüber in diesem Sinne geäußert hat oder ob die Dinge, wie sie sich dann entwickelten, ihm selbst den Wunsch erst bewußt machten, wissen wir nicht.

Jedenfalls erschien im Sommer 1793 ein flüchtiger Bekannter, der ehemalige Major von Brunn aus Polle, ein verarmter Standesgenosse, zu Besuch in Bodenwerder. Mit ihm kam seine 17jährige Tochter Bernhardine. Es schien ihnen beim alten Münchhausen gut zu gefallen, – erst nach vierzehn Tagen schieden sie. Berhardine zeigte sich von ihrer besten Seite und gewann das Herz des Hieronymus. Er warb um ihre Hand, die ihm bereitwilligst zugestanden wurde – aber er ahnte nicht, welch leichten Vogel er sich ins Nest holte! Bernhardine hatte nämlich nicht den alten Herrn selber, sondern sein Geld im Auge.

Am 12. Januar 1794 fand die Hochzeit statt. In aller Stille, so hatte Münchhausen gewollt. Berhardine aber stand der Sinn anders: Was war eine Hochzeit ohne Tanz! Sie hatte also Ballgäste und Kapelle bestellt und war auch keineswegs gesonnen, um zehn Uhr abends das Fest zu verlassen. Erst um drei Uhr, nachdem Münchhausens Haushälterin energisch geworden war, fügte sie sich.

Dem bösen Anfang folgten weitere unangenehme Überraschungen; Bernhardine führte nicht eben einen makellosen Lebenswandel, woran sich in der Ehe nichts änderte. Im umgekehrten Verhältnis zu ihrer ehelichen Treue standen ihre Anforderungen an des Hieronymus Geldbeutel, so daß der erboste Ehegatte ihr schon nach wenigen Wochen den Kassenschlüssel abnahm. Zwanzig Kleider, so berichtet die Geschlechtshistorie, und nicht die billigsten, ließ sie sich anfertigen. Der Schneider wurde heimlich bestellt - und dann kamen die Rechnungen!

Im Sommer unternahm Bernhardine, die angeblich leidend war, eine Reise nach Pyrmont. Unter Kur und Erholung scheint sie durchtanzte Nächte und eindeutige Herrenbekanntschaften verstanden zu haben, wobei ein Offizier der Hamelner Garnison die Hauptrolle spielte. Nebenbei hatte sie ein zweifelhaftes Verhältnis zu einem Amtsschreiber aus Polle.

Münchhausen sieht dem mit steigender Verbitterung zu. Die Gefahr besteht, daß ein etwaiges außereheliches Kind der Bernhardine Erbansprüche stellen könnte. Er überschreibt daher sein Gut einem Neffen, dem hessischen Hauptmann Wilhelm Christian von Münchhausen. Es war nicht unberechtigt, denn „die Bährne“, wie sie allgemein genannt wurde, brachte eine Tochter zur Welt, die aber nach wenigen Monaten starb. Münchhausen setzte durch, daß das Kind nicht seinen Namen tragen durfte.

Dann leitet der Betrogene den Scheidungsprozeß ein, der sich – ein fetter Bissen für die beiderseitigen Advokaten - kostenverschlingend durch die Jahre hinschleppt und Münchhausens letzte Lebensspanne verdüstert, zumal die gegnerischen Anwälte das böse Wort vom Lügenbaron aufgreifen, um ihn als unglaubwürdig hinzustellen. Das Gut gerät in Schulden, ja er muß 1500 Taler von einem Freunde borgen. Erst die Witwe und die Söhne Wilhelm Christians können nach Jahren die letzten Anwaltsschulden abtragen.

Aber auch Bernhardine ist der Ehe nicht froh geworden. Kurz nach Münchhausens Tod, im März 1797, reist sie in Begleitung eines Galans nach Holland. Sie galt dort als verschollen.

Heimatforschungen von A. Tinneveld in dem holländischen Ort Didam klärten jedoch vor einigen Jahren ein Stück ihres weiteren Lebensweges auf. Sie taucht dort im selben Jahr auf, allerdings unter dem geänderten Vornamen Louise. Drei Jahre lebt sie bei dem Textilkaufmann Hendrik Lotte, etwa im Jahre 1800 heiratet sieden Drosten von Didam, sie hat zwei Söhne. – Für Vermutungen, sie habe ihre letzten Lebensjahre in Bad Münder zugebracht, geben die dortigen Akten keine Bestätigung. Ihre Spur verliert sich in Didam endgültig. (Briefliche Mitteilung an die Verf.)

Es ist schwer, die Geschehnisse um Münchhausens unglückliche zweite Ehe wirklich objektiv zu beurteilen, denn die Geschlechtshistorie ist unsere einzige Quelle, und es ist klar, daß sie die Dinge so darstellt, daß auf den Namen des Geschlechtes möglichst wenig Schatten fällt. Natürlich scheint Bernhardine ein unmögliches Frauenzimmer gewesen zu sein, aber man muß gerechterweise sagen, daß der alte Hieronymus selber die scheinbare Liebe der 17jährigen allzu bereitwillig für bare Münze genommen und sich über Bernhardines Persönlichkeit zu wenig Klarheit verschafft hat. Er hat es hart büßen müssen, und das vertieft die Tragik seiner einsamen und verbitterten letzten Lebensjahre.
Weiss 1977, S. 20f.

Freuet euch des Lebens!: Freut euch des Lebens ist eines der populärsten deutschsprachigen Volkslieder. Den Text schrieb der Schweizer Dichter Johann Martin Usteri (1763–1827) im Jahr 1793, die Melodie im selben Jahr der Schweizer Komponist Hans Georg Nägeli (1773–1836).

Aufmunterung zur Freude.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

So mancher schafft sich Sorg’ und Müh’,
Sucht Dornen auf, und – findet sie,
Und läßt das Veilchen unbemerkt
Das ihm am Wege blüht.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

Wenn scheu die Schöpfung sich verhüllt
Und lauter Donner ob uns brüllt,
So scheint am Abend, nach dem Sturm
Die Sonne, ach! so schön.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

Wer Neid und Mißgunst sorgsam flieht,
Gnügsamkeit im Gärtchen zieht,
Dem schießt sie bald zum Bäumchen auf
Das goldne Früchte trägt.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

Bey dem, der Lieb’ und Treue übt
Und gern dem ärmern Bruder giebt,
Wie siedelt die Zufriedenheit
So gern sich bey ihm an!

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

Und wenn der Pfad sich furchtbar engt
Und Mißgeschick uns plagt und drängt,
So reicht die holde Freundschaft schwesterlich
Dem Redlichen die Hand.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

Sie trocknet ihm die Thränen ab
Und streut ihm Blumen bis in’s Grab,
Sie wandelt Nacht in Dämmerung,
Und Dämmerung in Licht.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose,
Eh’ sie verblüht.

Sie ist des Lebens schönstes Band
Schlagt, Brüder! traulich Hand in Hand.
So wallt man froh, so wallt man leicht
Ins bessre Vaterland.

Freut Euch des Lebens
Weil noch das Lämpchen glüht;
Pflücket die Rose
Eh’ sie verblüht.

Martin Usteri

Neues Scheitzerisches Museum.  Erster Jahrgang, Heft X. Zürich 1793, S. 798f.

lazurblaues: himmelblaues

Botin des Friedens: Die Illustration zeigt einen Wagen, der von Schwänen gezogen wird. Das deutet auf die Liebesgöttin Venus, von der Ovid sagt, dass er unter anderen Tieren auch von Schwänen gezogen wird.

Mit der Bötin könnte aber auch Eirene, die Göttin des Friedens gemeint sein.

 

Attikarelief am Brandenburger Tor unterhalb der Quadriga. In der Mitte ein Triumphwagen mit der Göttin des Friedens, der von vier Eroten gezogen wird. Modell von Johann Gottfried Schadow nach einem Entwurf von Bernhard Rode, ausgeführt durch den Bildhauer Conrad Nicolaus Boy, 1791.

bleiernde Schwingen: Flügel; bildlicher Ausdruck für das Gefühl der langsam vergehenden Zeit

Fräulein v. B.: Nach dem Tod seiner Frau 1790 warb der alte Münchhausen um sein Patenkind, die erst 17-jährige Tochter des Majors von Brunn aus Polle: Am 12. Januar 1794 ehelichte er die 20-jährige Bernhardine Brunsig von Brunn (1773-1839). Schon kurz nach der Hochzeit kam es zu schlimmen Zerwürfnissen. Wegen ehelicher Untreue reichte der 73-jährige Baron die Scheidung ein. In einem drei Jahre lang andauernden und aufsehenerregenden, ruinösen Scheidungsprozess endete die Ehe. Der Baron verlor dadurch fast sein ganzes Vermögen. 1794 musste er daher das Gut Bodenwerder formell an seinen Neffen Wilhelm abtreten, blieb jedoch dort wohnhaft. Bernhardine von Brunn sollte, wie es hieß, auf einer Reise in die Niederlande verschollen sein. Dort heiratete sie aber im Jahre 1800 den holländischen Drosten Abraham de Both aus Didam.
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meinen podagrischen Beinen: Die Gicht, auch Urikopathie oder Arthritis urica, ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch hohe Harnsäurekonzentrationen im Blut unbehandelt zu Veränderungen an Gelenken und Nieren führt. Durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen (Urat) in verschiedenen peripheren Gelenken und Geweben kommt es zu einer gelenknahen Knochenresorption und Knorpelveränderungen (Gichtarthritis). Zudem kann es zur Schädigung der Nieren kommen, die langfristig letztlich zur Niereninsuffizienz („Gichtniere“) führt. Die Schädigung der Nieren verläuft schmerzlos, ist aber wegen der Bedeutung der Niere als Ausscheidungsorgan als kritischer anzusehen als die schmerzhaften Gichtattacken an den Gelenken.
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Zyprische Venus: Die Geburt der Venus ist ein Gemälde von Sandro Botticelli. Es stellt die Göttin Venus dar. Das Bild befindet sich in den Uffizien in Florenz.

Entgegen dem Bildtitel ist nicht die Geburt der Venus, sondern eigentlich die darauf folgende Landung der Venus am Strand von Zypern dargestellt. Nach Hesiod ist Aphrodite eine Tochter des Uranos. Dessen Sohn Kronos schnitt ihm, auf Rat seiner Mutter Gaia, die Geschlechtsteile mit einem Sichelhieb ab und „warf diese hinter sich“ ins Meer. Das Blut und der Samen vermischten sich mit dem Meer, welches ringsum aufschäumte und daraus Aphrodite gebar, die dann von Zephyros geleitet zunächst nach Kythera, dann an der Küste von Zypern an Land ging und ihre Blöße hinter einem Myrtenstrauch verbarg.

Die Darstellung der dabei auf einer Muschel gleitenden Venus wird vermutlich von den „stanze per la giostra“ von Poliziano übernommen. Venus (griechisch Aphrodite, „die Meerschaumgeborene“) wurde in der griechischen Mythologie aus einer Muschel geboren, die ihrerseits nach antiker Meinung aus dem Meerschaum entstand. Die Muschel wird hier als Jakobsmuschel dargestellt.

Die Venus steht leichtfüßig auf einer Muschelschale, die vom Westwind Zephyr an die Gestade von Kypros getrieben wird. Allerdings handelt es sich um eine idealisierte Landschaft, die auch italienische Züge tragen könnte. Eine Interpretation besagt, dass Zephyr in seinen Armen Aura, die Göttin der sanften Morgenbrise, trägt. Andererseits kann man auch – in Anlehnung an das andere große Gemälde Botticellis, Primavera – in der Umarmung die Nymphe Chloris sehen, die sich nach der Vorlage von Ovids Fasten (5, 195 ff.) erst nach der Umarmung durch Zephyr in „Flora“, die Göttin der Frühlingsblüte, verwandelt. Erst die Umarmung ist also die Voraussetzung für frühlingshaftes, sich fortpflanzendes Geschehen: „genitalis aura favoni“, wie es in Lukrez’ Lehrgedicht „De rerum natura“ heißt (Buch 1, 11). Ein Erkennungsmerkmal für Chloris ist gemäß der Ovidschen Vorlage die Tatsache, dass sie beim Sprechen Rosenblüten aus ihrem Mund verliert. Somit wäre dieses Bild eine thematische Variation zu Primavera, wo Venus ebenfalls eine zentrale Position im Bild einnimmt. Venus und Primavera bilden somit in Botticellis Werk zwei einander ergänzende Allegorien, was ganz der antiken Vorstellung entspricht. Von rechts reicht der Venus eine der Horen, Göttinnen der Jahreszeiten, einen Mantel.

Die Landschaft zeigt sich hier vereinfacht und idealisiert. Einfache kurze Gräser bedecken das Land. Zwei Rohrkolben, Pflanzen, die am Meeresstrand real gar nicht gedeihen, deuten sparsam und symbolhaft die Ufervegetation an, drei kerzengerade Stämme hartlaubiger Bäume einen Hain. Das Meer mit seinen leicht gekräuselten Wellen und dem Meeresschaum an der Küste sind ähnlich sparsam und dabei doch anschaulich dargestellt. Das eingestreute Gold auf den Wellen, die in dreieckigen und gewellten Linien gezeichnet sind und das Gold auf den Gräsern symbolisieren ein göttliches Licht. Umso auffälliger sind im Gegensatz zur Darstellung von Landschaft und Meer die Myrten der Aura zu sehen und noch mehr die Prächtigkeit des von der Hore dargebotenen Gewandes, in das ornamentale Gänseblümchen kunstvoll eingewoben sind. Im Gewand der Hore sind schmucke Kornblumen zu sehen.

Trotz ihrer Nacktheit ist die Göttin kein Symbol der körperlichen, sondern der geistigen Liebe. Die keusche Pose ist wohl einer venus pudica (einer schamhaften Venus) nachempfunden.

Die Anatomie der Venus entspricht nicht dem klassischen Realismus von Leonardo oder Raffael, der (zu) lange Hals oder die anatomisch nicht korrekte Haltung der linken Schulter sind eher ein Vorgriff auf den Manierismus, sie betonen jedoch die Schönheit der Venus.

Botticellis Bild ist vielleicht inspiriert von einem Homerischen Hymnus, in dem er die Ankunft der Göttin auf der Insel besingt: „Aphrodite die schöne, die züchtige will ich besingen … die der meerumflossenen Kypros Zinnen beherrscht, wohin sie des Zephyros schwellender Windhauch sanft hintrug auf der Woge des vielaufrauschenden Meeres im weichflockigen Schaum… und die Horen nahmen mit Freuden sie auf.“ Der Einfluss von Ovids Metamorphosen und seinen Fasti sowie der von Polizianos Versen ist ebenso spürbar. In einer Ära, in der fast alle Gemälde biblische Themen darstellten, ist die Geburt der Venus in ihrer Darstellung antiker mythologischer Figuren eine Ausnahme.
Diese Darstellung ist eines der brillantesten Werke der europäischen Malerei und zugleich die erste bekannte Verherrlichung der Schönheit des unbekleideten Frauenkörpers seit der Antike in seiner eigenen ästhetischen Vollkommenheit. Vielfach wurde in der Literatur versucht, erotische, moralische oder religiöse Absichten zwischen Antike und Christentum in dieses Bild hineinzudeuten. Die Verherrlichung der Venus entzieht sich aber in ihrer fast unpersönlichen Absolutheit diesen vielfältigen Interpretationen.

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Ehestandspräliminarien: Präliminarien sind etwas, was einer ins Auge gefassten Sache einleitend, vorbereitend vorausgeschickt wird; vorbereitende, einleitende Verhandlungen.

Hochzeit: Darüber meldet das Kirchenbuch: „Der Hochwohlgeborene Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, Erbherr auf Rinteln, Schwöbber und Bodenwerder mit Huntzen, Kaiserlicher russ. Wirklicher Rittmeister bei dem Großfürstlichen Leib-Garde-Regiment, ein Witwer, ist mit dem hochwohlgeb. Fräulein Bernhardine Luise von Brunn, des Hochwohlgeb. Königl. Großbrit. Und Churfürstlich Braunschweig. und Lüneburg. Majors bei dem Hamelnschen Garnison-Regiment, Herrn Justus Hertwig v. Brunn Fräulein Tochter, am 12. Jan. 1794 im Hause getraut worden.“

Eine Nachschrift besagt dann: „NB! Im Monat Juli a. c. trennte sich Herr von M. wegen angeschuldigter Liederlichkei dieser jungen Dame wieder von ihr, so daß sie wiedre nach Polle zu ihrem Vater, dem Major von Brunn, zog, worauf der Prozeß sich anfing.“
Rose 1937, S. 290f.

solenn: feierlich, festlich

Quatember: Mit Quatember bezeichnet man viermal im Jahr stattfindende, ursprünglich durch Fasten, Abstinenz, Gebet und Almosengeben ausgezeichnete Bußtage im Kirchenjahr der römisch-katholischen Kirche. Ihre Terminierung fällt ungefähr mit dem Beginn der vier Jahreszeiten zusammen.
Wikipedia

Gout: franz. Geschmack

die völlige Runde machen: herumerzählt werden, an Bekanntheit erlangen

Diese Ehegeschichte, für die Schnorr auf seine offenbar intimen Kenntnisse der Verhältnisse auf dem Gute des Hieronymus von Münchausen in Bodenwerder zurückgegriffen hat, nimmt er in seinem erotischen Roman Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande und Abentheuer des Fräuleins Emilie von Bornau, verehlichte von Schmerbauch. (Frankfurt 1801) wieder auf. Diesmal lässt er Emilie selbst von ihrem Leben und von einer Ehe mit Herrn von Schmerbauch erzählen. Es handelt sich um die Beschreibung nach dem Muster des 3. Abschnitts von „Des Freiherrn von Münchhausen eigene Erzählungen“ „Meine Heiratsgeschichten, Ehestandsleben u. d. gl., vom Anfange bis zu Ende“ (Schnorr 1800).

Herr von Schmeerbauch ist dem Baron von Münchhausen auf Bodenwerder nachgebildet, Emilie wird nach dem Muster von Bernhardine Friederike Louise von Brünn gestaltet.

Der Inhalt ihrer Schilderung (S. 138-160) lässt sich dem Inhaltsverzeichnis entnehmen:

Emilie weiset alle Schmetterlinge, die nur bloß – – um Blumen buhlen, zurück.

– lebt ein ganzes Jahr sehr zufrieden in Bellingen.

– wird auf eine schreckliche Probe gestellet.

– erhält einen Brief von einem Edelmann, Herrn – von Schmerbauch, der in Extenso mitge theilet wird.

– erliegt – auf das Zureden des Oncles von Bornau.

Was Emilie darauf antwortet.

Oncle von Bornau reiset mit Emilien hin.

Emilie ist in einer Zeit von drey Tagen verlobt

– und vermählt.

Der Castellan des Herrn von Schmerbauch hatte alles Erforderliche besorgt.

Dem alten Herrn von Schmerbauch gefällt das nagelneue Trauungsformular des Herrn Pastors nicht.

Was er dagegen einzuwenden hat.

Urtheile der Hochzeitsgesellschaft über Braut und Bräutigam.

Beschreibung des Hochzeitsmahls, wo Emilie klar zu Tage legt, daß sie Thümmels Wilhelmine gelesen.

Was sonst bey dem Mahle vorgeht.

Herr von Schmerbauch macht um 11 Uhr Schicht und führt seine Braut zu Bette.

Emilie beschreibt die erste Nacht beym Herrn von Schmerbauch.

Die erste Attake mißlingt.

Die zwote bringt sie in ein Meer von –

Emilie wird über und über be –

Bettücher werden von Bedienten und Wäscher innen besehen und bekritikakelt.

Der Alte brummt viel, hat das Podagra.

Wie ihn Emilie besänftigt.

Der alte Herr von Schmerbauch sieht Emilien durch die Finger.

Wer am wenigsten damit zufrieden war, daß der Alte geheyrathet.

Emilie geht mit jungen Herren auf Reisen.

Anecdote von Emilien und ihrem Oncle, auf einem Balle in Frankfurt.

Wirkungen der vielen Reisen der jungen Frau von Schmerbauch.

Herr von Schmerbauch kann nichts mehr halten. Muß alle Augenblicke ein anderes Beinkleid anziehen. Seine Entschuldigungen.

Emilie ist schwanger.

Anfängliche Freude des Alten.

Emiliens Ausschweifungen, selbst während der Schwangerschaft.

Emilie ist sehr beliebt unter ihren bürgerlichen Freunden und Freundinnen.

– macht es zu toll.

Herr von Schmerbauch hängt ihr einen Ehescheidungsprozeß an den Hals.

Wem es der Alte Schuld giebt.

Emilie darf nicht wiederkommen. Der Alte läßt sie mit Sackund Pack nach Bellingen bringen.

– ist es zufrieden, wird aber in Bellingen vom Oncle nicht ganz sanft aufgenommen.

Emilie kömmt nieder im Beyseyn eines Notarius und zween Zeugen mit einem Mädchen, welches aber bald nach der Geburt stirbt.

Herr von Schmerbauch muß ihr lebenslang jährlich tausend Thaler Pension auszahlen laut Urtheils des Ehescheidungsprozesses.

Emilie lebt jetzt in Mainz, überdenkt ihre Schicksale – die Ursachen ihres Hanges zu Ausschweifungen.

Emiliens letzter Ausruf mit Salomo: Es ist alles eitel!

S. 172-174.

 

 

 

Sandro Botticelli: Die Geburt der Venus, Tempera auf Leinwand um 1485/86.

 

Sie führte ein sehr verschwenderisches Leben. In zwei Monaten hatte sie|[78] über – – – *) Taler ausgegeben. Das war doch sehr viel. Aber wie konnte das anders sein? Ich war das nicht gewohnt. Denn meine selige Frau, die ich nicht einmal erwähnen durfte, machte keinen Aufwand. Sie war nun einmal nach dem feinem Geschmack in den Galanterien unseres Zeitalters erzogen. Und dazu gehört viel. Die jungen Herren machten ihr jetzt alle Tage die Cour, schlugen Lustpartien mit ihr vor, und – mich alten Mann ließen sie zu Hause. Und das nahm gar kein Ende. Kaum war der eine junge Herr weg; so kam der andere wieder. Das ging an ein Herzen und Küssen u. d. gl., und das in meiner Gegenwart. Himmel! dachte ich, wenn das am grünen Holze geschieht, was wird am dürren werden!

*) Die Zahlen waren im Manuskript nicht deutlich genug geschrieben.

Es ging immer weiter. Jetzt wurden schön größere Lustreisen mit jungen Herren nach Hannover, Kassel, Pyrmont u. a. gemacht; so dass ich meinen Unwillen darüber mehreremal zu erkennen gab. Aber darauf wurde nicht einmal geachtet. Dazu gehört mehr als ein geduldiger Magen.

Nach einiger Zeit, wie das nicht anders zu bvermuten war, ließen sich denn auch Spuren blicken*) – – – – – – – – – – – –|[79] – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

*) Hier konnte ich wieder das Manuskript nicht lesen. Küper.

Sie reisete einst mit mehreren jungen Kavaliern nach Pyrmont ohne meine Einwilligung – und von hier aus, was sollte ich anders tun, und war würde ein jeder Andere in meiner Lage getan haben? musste sie nolens volens wieder zu ihrer Heimat zurückkehren. Ich klagte auf die Ehescheidung. Sie gebahr während dieser Zeit eine Tochter. die aber bald wieder das Zeitliche segnete. Und mir – ward zuerkannt, da wir von Tisch und Bette geschieden wären, ihr jährlich eine Pension zu geben.

Tausendmal wünschte ich, was ich nie erlangen konnte, meine selige Frau wieder zurück. Ich nannte sie freilich zuweilen den seligen Satan, aber doch immer mehr aus Scherz, als aus wirklicher Meinung. Es bleibt doch dabei, und der selige Weise hatte Recht, wenn er behauptete:

Das allerbeste Weib
Ist doch des Mannes ärgste Plage.
Hängt man ihr auch den Brodkorb hoch,
Und suchet ihr mit jedem Tage
Den Puckel zehnmal abzubläuʼn –
so ist doch der Teufel los.

Ich habe ihr inzwischen alle ihre Fehler vergeben; alle ihre Kränkungen, alle ihre Lästerun|[80]gen gegen mich, deren ich vielleicht mehrere erfahren habe, als sie selbst gesagt hat. Die Fama ist geschäftig. Ich mogte auch zuletzt nichts mehr davon hören. Nichts wünsche ich mehr, als dass es ihr wohlgehen möge. – Wir können oft selbst für manche unserer Handlungen nicht. Ein unsichtbares Destinee leitet uns bis zum Grabe, und oft erst am Rande desselben finden wir Ursach, zu überdenken und es uns zu sagen: so und nicht anders hätten wir handeln sollen.

Man soll über die Geistlichen nicht richten. Aber in den jetzigen Zeiten geben sie den Menschen, sehr oft Gelegenheit dazu. Sie bleiben nicht mehr bei dem Buchstaben des Gesetzes, und wollen es besser wissen, wie unsre Vorfahren, die doch alle auf den alten Glauben gestorben sind. Die verfluchte Kantische Philosophie, und eben so sehr der Fichtische und Forbergsche Atheismus haben viel Unglück in der Welt angerichtet. – Und was soll das alles auf der Kanzel und für die Erziehung des Menschengeschlechts, insbesondere der geringern Klasse desselben?

So viel ist gewiss: oft habe ich darüber den gemeinen Mann urteilen hören, wenn der Pastor auf eine neue Art die Menschen taufte, kopulierte u. d. gl., der Pastor machte was daher, hieß es, das weder Saft noch Kraft hatte, und dachte Wun|[81]der, was er tat. Er sollte es doch bei den Alten lassen – das verstehen wir.

Mit seiner Trauungszeremonie war ich vollends nicht zufrieden. Man ist freilich wohl jetzt hin und wieder der Meinung: das Alte sei vergangen, und man müsse nicht abergläubisch sein – aber ich dachte doch nachher oft darüber nach, dass das vielleicht Mitursache unsers Missvertrages im Ehestande war, dass er uns nicht ordnungsmäßig nach der alten Kirchenagende kopuliert hatte*). Selbst den Segen, dies fiel mir vorzüglich auf, so dass ich den Kopf schüttelte, als|[82] wir fertig sein sollten – worauf die Alten so sehr rechneten: der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs füge euch zusammen, und gebe seinen Segen reichlich über euch – ließ er ganz weg. War das Recht?

*) Auch ich bin derselben Meinung. Die langjährige Erfahrung hat mich gelehret: dass das Volk durch das Neue, das es doch nicht versteht, um nichts gebessert wird, so wenig als durch das Alte, welches es zu verstehen glaubt, weil es Worte hört, die ihm gewöhnlich sind. Die Kirchenagende hat die Sanktion, und ist um deswillen dem Volke ehrwürdig. Der größte Teil des gemeinen Volks ist, wie das liebe Vieh. Es tut alles mechanisch, ohne das mindeste dabei zu denken, und fühlt sich, wo nicht glücklich, doch ruhig dabei, und glaubt es steif und fest, seiner Pflicht ein Genüge zu leisten. Das Volk zum Denken hinzuleiten, ist eine Sache von der äußersten Unmöglichkeit. Was hilft es also, so viel darüber zu schreiben, zu reden, und sich zu kasteien? In Erfüllung der Amtspflichten sollte jeder so denken, wie ich und jener Klosterbruder: Offeium meum perago taliter qualiter etc.

Küper.

Meine zweite Lebensperiode war also wieder in so weit beendiget. Ich hatte nun wohl keine Frau, aber auch keinen so bittern täglichen Gram mehr, der mich stündlich und augenblicklich auffraß. Demohnerachtet hatte doch meint Konstitution gelitten, und ich fühlte je länger, desto mehr, wie meine Kräfte abnahmen. Das Alter tat wohl etwas, aber bei einer guten Verpflegung von den Händen eines gutmütigen Weibes; wie blühend hätte da auch der Winter meines Lebens sein können! Es gibt Jünglinge, die schon mit den Schwächen des Alters kämpfen; und Greise, die Jünglingen ähnlich sind.

Es kostete erst Mühe, Anstrengung; ehe die Wunden einigermaßen verharschten. Die Zeit, die beste Trösterin in unsern Schicksalen, tat denn auch das Ihrige. Tage vergingen, Wochen verstrichen, Monate schwanden, und – ein Jahr war vorüber, als ich schon wieder anfing, an den Freuden der Freundschaft, der Geselligkeit, Teil zu nehmen. Meine vorherigen guten Freunde, die mich während dieser Periode nicht ganz so häufig besuchten, stellten sich wieder ein, und taten|[83] ein Großes, um mich wieder in meiner Einsamkeit aufzuheitern.

Einer meiner Verwandten, ein wackerer vor trefflicher Jüngling, kam einst aus Göttingen, um die Ferien bei mir zuzubringen. Er brachte das schöne Lied mit:

Hier sitz ich auf Rasen, von Veilchen ums kränzt ⁊c.

Dies sangen wir recht oft bei einem heitern Tage. Mittags nach Tische, wo wir uns alle ins Grüne niedergesetzt hatten. Mein Johann und mein Jäger akkompagnierten mit Waldhörnern dazu in einiger Entfernung: das war mir ein Ohrenschmaus, eine Empfindung, die über alles ging: Ich vergaß alles – allen meinen Kummer, mein Ungemach, meine Schmerzen an meinem Körper, mein Podagra. Ich versetzte mich so ganz in meine Jugendzeit, wenn der junge Mann dies mit so vielem Anstand und mit eben so viel Feuer sang. Dies Lied gefiel mir so sehr, dass ich bei fröhlicher Laune eine Parodie darüber machte. Dies ward nun, wenn gute Freunde bei mir waren, für die Zukunft, mein Lieblingslied. Ich teile es hier allen denen mit, die noch Freude am Leben und am Trinken, am geselligen Leben haben, und gern fröhlich zu sein wünschen. Schon die Melodie desselben heitert den tiefsinnigsten Menschen auf, und das Lied selbst erinnert uns an sehr alte Wahrheiten.|[84]

 

Hier sitz ich am Tische, von Freunden umkränzt:

Drum will ich auch trinken :,:

Bis lächelnd am Abend der Hesperus glänzt.

 

Das menschliche Leben eilt schneller dahin,

Als Räder am Wagen –

Ja schneller als Blitze die Lüfte durchziehn.

 

Wir alle, vom Weibe geboren, sind Staub,

Der früher, der später –

Wir alle sind einstens des Sensenmanns Raub.

 

Und deckt uns des Grabes stockfinstere Nacht,

Was hilftʼs uns im Tode –

Wenn man uns auch prächtige Denkmäler macht.

 

Drum lieber auf Erden; so lang es noch geht!

Es lebe die Freundschaft! –

Wohl dem, der sein Gläschen zu trinken versteht!

 

So will ich mich freuen bei Wein und bei Kuss,

Bis dass ich hinunter –

Ins traurige Reich der Schattenwelt muss.

 

–––|

ein sehr verschwenderisches Leben: Nach dem Tode seiner geliebten Frau fühlte der siebenzigjährige Mann, daß er bei seiner zunehmenden Altersschwäche größerer Pflege bedürfe und nicht mehr allein seine Wirthschaft zu übersehen im Stande sei. Er hatte solches mehrfach gegen Bekannte ausgesprochen. Da, – im Sommer 1793, – kam eines Tages der, in Polle miethweis wohnende, ganz vermögenslose vormalige Major v. Brunn, (den M. nur ganz oberflächlich von einiger Begegnung auf Jagden kannte,) – sammt jüngster Tochter, nach Bodenwerder, ward dort, wie jeder Besuch, freundlich aufgenommen und blieb ohne Weiteres 14 Tage. Beide über boten sich in zuvorkommenden Aufmerksamkeiten, besonders aber zeigte sich die Tochter „sehr liebreich und gefällig“. Sie erreichten ihren Zweck: – bei dem alten Herrn die Gedankenfolge zu erwecken, daß Bährne Brunn, (sie hieß Bernhardine) die auf nichts eben große Ansprüche und Lebenshoffnungen zu bauen hatte, wohl die Person sei, die in den Pflichten seiner stillen Häuslichkeit ihr Glück finden und seine Zufriedenheit schaffen könne. Leider hatte er mit keinem Menschen seine Absicht besprochen, es wäre sonst wohl keiner verlegen gewesen um die Antwort. Seine Bewerbung ward von Eltern und Tochter bereitest acceptirt. – Der Vater, (der M. immer „Herr Gevatter“ nennt,) konnte kaum schreiben, die Mutter aber, eine geb. Adlerstein, war sichtlich in Schrift und That sehr gewandt. In ihrem Consensbriefe gratulirt sie der Tochter mit dem Zusatz: Du wirst einen Mann bekommen, der der Partie deiner Schwester nicht widerspricht, (nicht unähnlich ist). Diese hatte sich nämlich einen alten General gekapert, einen Grafen K – – linsky. Er mochte vielleicht reich sein, aber jedenfalls war sie ein starkes Saugwerk zur Erleichterung seines Beutels und reiste auch gern umher. In unserem Roman spielt sie in Bodenwerder nur einmal eine Nebenrolle bei einem Hergange, der nicht gut erzählt werden kann. Sie wird hier nur vorgeführt als Schlaglicht auf die ganze Familie. Um 1806 war sie bei einem in Rinteln garnisonnirenden Hauptmann v. Brunn zum Besuch. Das pomphafte Auftreten, – die Gräfin, – sogar die polnisch benamte, – die Feldmarschallin die Ercellenz erfüllte das ganze Tagesgespräch der kleinen Stadt. Ich war dort als Knabe im Hause meiner Großmutter und erhielt die Erlaubniß, in den erleuchteten Gesellschaftssaal zu sehen, wo sie am Spieltisch saß. Eine lebhafte Gestalt, sperrige schwarze Lodenfrisur, mit Putz und glitzerndem Schmuck überhängt, bei der Conversation mit feurigen Blicken umherfuchtelnd, – das war das Meteor, was auf der bescheidenen Folie der Rintelnschen Volée glänzend sich abhob. Sie glich den Königinnen auf den Groschenbildern, die ich mir von meinem Marktgelde erstand. Unreimbar war mir deshalb das Geflüster, was selbst den Knabenohren nicht entging: das ganze Meteor sei nur – cine Avantürière. – Bild und Name ist mir nie aus dem Gedächtniß entschwunden, obwohl ich nicht ahnen konnte, daß mir 60 Jahre später diese Persönlichkeit noch in einem Zusammenhange unter die Feder kommen würde.

Am 12. Januar 1794 war die Hochzeit, die M., den Verhältnissen gemäß, in einfacher Stille wollte gefeiert wissen. Sie fand in Bodenwerder statt, da Brunns so wenig Raum als Geld dazu hatten.

Nachmittags aber traf den alten Herrn die erste Überraschung, als sich plötzlich eine hannoversche Musikbande hören ließ und Ballgäste zuströmten; – alles eigenmächtig vom sauberen Schwiegervater bestellt, auf Münchhausen's Rechnung. Die zweite Überraschung war, daß die junge Frau Abends 10 Uhr die Aufforderung ihres Mannes zum Schlusse ihrer Tanzfreuden, – und erst Morgens nach 3 Uhr durch die etwas kräftige Vorstellung der Haushälterin, (Frau Nolte,) bewogen ward, das Fest zu verlassen.

M. hatte in seiner Zurückgezogenheit nichts davon gehört, daß Bährne mit dem jungen Amtsschreiber Ch. Zu Polle sich in einem so straßenkundigen Liebesverhältniß herumzog, daß sie mehrfach die beschönigende Äußerung nöthig gefunden hatte: sie sei mit ihm heimlich verlobt.

Nun ging es Schlag auf Schlag. Gleich in den ersten Monaten schaffte sie sich zwanzig Kleider an, darunter ein gesticktes für 30 Reichsthaler. Ein heimlich ins Haus genommener Schneider mußte diese Stoffe kunstgerecht verarbeiten. Die von Hannover darüber eingehenden Rechnungen öffneten M. schrecklich die Augen. Sie ließ Champagner kommen, um damit u. a. einen Mann zu beschenken, in dessen Hause sie nach wie vor der Ehe, die Zusammenkünfte hielt mit dem Charmant. Sie sprach den Geldvorräthen derartig zu, daß M. ihr schon nach wenigen Wochen die Cassenschlüssel abnehmen mußte. Sie half sich mittelst heimlicher Verkäufe aus dem Haushalt. Fast offen sprach sie gegen verschiedene Personen aus: ihr Streben müsse auf die Schaffung eines Erben gehen, das werde ihr aus Bodenwerder die Mittel liefern zu demnächstiger Heirath mit ihrem verlobten Amtsschreiber. Mehrere Anzeichen machten das Gerücht auftauchen: daß sie sich mit jener Schaffung bereits stark verfrühet habe, im Vergleich mit dem Hochzeitstage, was fatal werden konnte. Doch Bährne war nicht verlegen. Sie machte Freundschaft mit dem Apotheker, der sich durch zugetragene Mittel, Rath schläge und hülfreiche Hand gefällig zeigte und wonach dann auch jenes Gerücht wieder verflog. Übrigens fehlte sie bei keiner erreichbaren Lustbarkeit, was sie in ihrer ersten Proceßschrift, als etwas durchaus harmloses, auch vollständig zugiebt. – Daß aus dem Haushalte auch tüchtig nach ihren Eltern verschleppt wurde, versteht sich von selbst.

Von einem Besuche in Cassel zurückkehrend, hatte sie M.ʼs Wagen bis Forst bestellt, wo mit ihr zugleich, von Polle her, auch ihr Vater und der Amtsschreiber eintraf. Sie ging sofort mit diesem in ein oberes Zimmer des Wirthshauses, und ihr Vater so lange vor dem Hause auf und ab. — Details über dieses rendezvous sind zu übergehen.

Nicht lange nachher ward dieser handgreifliche Vorfall, sowie: daß sie für schwanger gehalten werde, zwar anonym, aber von kennbarer Freundeshand, Münchhausens Neffen und Lehnfolger, dem hessischen Hauptmann angezeigt, der Bährne sofort darüber zur Rede stellt und unterm 21. April 1794 ein motivirtes schriftliches Zeugniß bekommt, des Inhalts: Ein Kind von ihrem Manne sei unmöglich. Würde sie schwanger, so könne es nur die Frucht schlechter Aufführung sein, der sie fälschlich beschuldiget werde. Sollte es dennoch geschehen, so autorisire sie den Vetter zu jedem beliebigen Gebrauch von diesem Atteste. Das Zeugniß schließt mit den Worten: „So geschehen, meine Unschuld zu beweisen. Bodenwerder am 21. April 1794.“

Im July 1794 stellt sie sich leidend, um nach Pyrmont zu kommen, schreibt von dort über ihre stille Zurückgezogenheit, ihre Beinschwäche u. dergl., legt einen Brief bei, der vom Brunnenarzt Geh. Rath Trempel sein soll und volle Genesung verspricht, wenn sie noch 10 Tage dort bleibe und schließt mit den Worten: „ich bin, wie immer, Ihre treue (!! ) Frau.“ Zugleich kommen aber mündlich und schriftlich Nachrichten über ihr dortiges Treiben. Mit ihr fast a tempo traf der Hauptmann B. ein, (von der Hamelnschen Garnison,) fragt gleich den Kutscher nach ihrem Zimmer, nimmt in demselben Hause Quartier und ist fast den ganzen Tag mit ihr, selbst frei am offenen Fenster vor aller Augen. Sie versäumt keine Tanznacht. Ihre Kammerjungfer bezeugt, daß sie täglich mehrfach neu das Bett machen müsse. – Schon früher kommt eine Wallfahrt vor, die sie, in Begleitung des Hauptmanns zum Liboriusfest nach Paderborn gemacht, sowie, daß der Hauptmann die ersten süßen Früchte aus dem Gutsgarten als souvenir heimlich von ihr erhielt.

Überhaupt trat immer mehr ans Licht, wie liebreich (nur nicht eben gegen dieselbe Person, wie bei dem ersten vierzehntägigen Bodenwerderschen Besuch) – sie in großer Allgemeinheit war, wie freigebig sie ihre vertraulichen Brief- und Geschenkbeförderer und andere Freundesdienste belohnte.

Das Maaß war voll. In Hieronimus Auftrage schrieb ihr der Hauptmann nach Pyrmont: Sie solle sich in Bodenwerder nicht wieder sehen lassen, ihre Kleider sollten ihr nach Polle geschickt und die Scheidungsklage solle sofort eingereicht werden.
A. F. von Münchhausen 1876, S. 69ff.

die cour: einer Frau den Hof machen; eine Liebesbeziehung mit jemandem anstreben, flirten, um eine Dame werben

wenn das am grünen Holze geschieht, was wird am dürren werden: Lukas 23,31:

Denn so man das thut am grünen holtz, was wil am dürren werden?

Redewendung in der Bedeutung, wenn man schon in jungen Jahren so ist, wie soll das erst im Alter werden?

Hannover: Während des Dreißigjährigen Krieges machte Herzog Georg von Calenberg 1636 die festungsartig ausgebaute Stadt zu seiner Residenz. Als Residenzstadt erlebte Hannover in den folgenden 80 Jahren eine erneute Blütezeit. Hannover war ab 1692 das 9. Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches (offizieller Name: Chur-Braunschweig-Lüneburg, inoffiziell auch Chur-Hannover, Kurhannover oder Hannover), nachdem Herzog Ernst August als Voraussetzung 1682 die Primogenitur eingeführt hatte. Nachdem Kurfürst Georg Ludwig als Georg I. 1714 den britischen Thron bestiegen hatte, verlegte er seine Residenz von Hannover nach London. In Hannover festigte sich dadurch in der inneren Verwaltung ein Kreis von Adeligen- und Beamtenfamilien. Die Residenzstadt, die in den Jahren zuvor stark vom Hof abhängig war, verödete dabei immer mehr. Auch Schloss und Garten Herrenhausen wurden bald nicht mehr genutzt. Diesem Umstand ist es letztlich zu verdanken, dass der Garten nicht mehr zeitgenössisch umgebaut wurde und der ursprüngliche Barockzustand erhalten blieb.
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Kassel: Anfang des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Landgraf Philipp zu einem wichtigen Protagonisten der Reformation. Entscheidend prägte Landgraf Karl das Stadtbild ab 1700 durch seine ambitionierten barocken Bauprojekte wie die Karlsaue oder den Herkules. Im Siebenjährigen Krieg kämpften mehrmals die preußisch-britischen Alliierten, zu denen auch Hessen-Kassel gehörte, und die Franzosen auf Seiten der Habsburgerin Maria Theresia um die Stadt. Die Messe Kassel wurde 1763 gegründet.
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Pyrmont: Bad Pyrmont wurde als Kurbad in den Jahren 1556/57 berühmt, als 10.000 Menschen aus ganz Europa herbeikamen („großes Wundergeläuf“)[7], um Heilung zu finden und die wundertätige Quelle zu erleben. Die bis heute einmalige Dunsthöhle[8], wo natürliche Kohlensäure (als Mofette) an die Oberfläche steigt, wurde schon durch den 1712 nach Pyrmont gekommenen Brunnenarzt Johann Philipp Seip wissenschaftlich untersucht. Diese Kohlensäure wird auch als therapeutisches Mittel eingesetzt. Genutzt werden heute sechs Heilquellen, von denen auch die Hufelandtherme – ein öffentliches Wellness-Schwimmbad mit Saunalandschaft – versorgt wird. 1681 fand die Große Fürstenversammlung in Pyrmont statt, der sogenannte Fürstensommer. 1712 wurden die Grafen von Waldeck und Pyrmont durch Kaiser Karl VI. in den erblichen Fürstenstand erhoben. 1720 erfolgte die Verleihung der Stadtrechte an die „Neustadt Pyrmont“
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Zweyte Ansicht der Promenade vom Bad zu Pyrmont

Aus Pyrmont schrieb Bernadine nach Bodenwerder:

Lieber Münchhausen.

Daß wir gestern glücklich hier ankamen, haben sie durch die Knechte gehört, und geht es hier im Hause recht gut, wir haben eine ruhige Stube wo die Fenster in den Hof gehen und folglich nicht dem Lärm von der Straße offen sind. Bekannte habe ich niemand als ... angetroffen. Wenn ich so weit bin, daß Tempel (der Badearzt) mich weglassen will, so werde ich einen Boten an Sie schicken und die Pferde bestellen. Cousine läßt sich vielmals empfehlen und ich bin wie immer

Ihre treue Frau Münchhausen.

Schweizer 1969. S. 29.

seliger Satan: Satan ist ein Begriff, der einen oder mehrere Geistwesen, häufig Engel ausgestattet mit dem Menschen übelwollende Funktionen, bezeichnet. Er hat seine Ursprünge im jüdischen Monotheismus und enthält antike persische religiöse Einflüsse, besonders des Zoroastrismus. Satan ist vor allem der Ankläger im göttlichen Gerichtshof, der die religiöse Integrität von Menschen testet und Sünden anklagt, wie es beispielsweise aus den biblischen Büchern Ijob und Sacharja bekannt ist. In den Leben Adams und Evas und der islamischen Literatur wird der Satan aus dem Himmel verbannt, weil dieser sich weigert sich vor dem ersten Menschen zu verneigen. Im Äthiopischen Henochbuch wird eine ganze Heerschar von Satanen, sowohl als Verführer sowie auch als Strafengel erwähnt. Die Vorstellung von einer Vielzahl an Satanen hielt auch Einzug in den Koran. Später wurde Satan mit Bedeutungen wie gegen Gott rebellierende gefallene Engel, der Verkörperung des Bösen; dem Teufel oder Götzen (falscher Gott) in Verbindung gebracht.

Das allerbeste Weib: Lied von Christian Felix Weiße.

Im Inhaltsverzeichnis steht ein Hinweis auf Schnorrs Quelle: Weißen, den Kreissteuereinnehmer in Leipzig – eine Stelle, aus der Komödie: der Teufel ist los.

Das allerbeste Weib bleibt doch

Des Mannes ärgste Plage:

Doch quält sie ihn mit Zank und Schreyn;

So hängʼ er ihr den Brodkorb hoch,

Und sorge, ihr mit jedem Tage

Den Rücken zehnmal abzubläun.

[Christian Felix Weiße:] Die verwandelten Weiber, oder: Der Teufel ist los. Eine komische Oper in drey Aufzügen. Zweyte Auflage. Leipzig 1772, S. 7.

 

die Fama ist geschäftig: Fama ist in der römischen Mythologie sowohl die Gottheit des Ruhmes als auch des Gerüchts.

Destinee: franz. Schicksal

Buchstaben des Gesetzes: die zehn Gebote des Alten Testaments

Kantische Philosophie: Immanuel Kant (1724-1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Kant zählt zu den bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.
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Fichtische und Forbergsche Atheismus: Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) war ein deutscher Erzieher und Philosoph. Fichte hinterließ keine systematisch ausgearbeitete Religionsphilosophie. Im Atheismusstreit, den Friedrich Karl Forberg mit einem Artikel im Philosophischen Journal mit einem zustimmenden Nachwort von Fichte 1798 ausgelöst hatte, postulierte Fichte mit Forberg, die Existenz Gottes sei nicht notwendig für die Errichtung einer moralischen Wertordnung, allerdings sei der Glaube an Gott, verbunden mit einer göttlichen Moral, unumgänglich. Während Kant von der Existenz Gottes ausging und seine These untermauerte, die Existenz Gottes sei notwendig im Hinblick auf die Bedingungen der Möglichkeit sittlichen Handelns, sah Fichte nur die Notwendigkeit zu einer „moralischen Weltordnung“. Diese müsse nicht zwingend auf eine höhere Instanz – also Gott – zurückgeführt werden. Die aktive Weltordnung selbst (ordo ordinans) könne man als Gott bezeichnen. Wer dies aber tut, der „verkennt die unmittelbare Beziehung des Gottesbegriffs zum moralischen Bewusstsein“ und ist, so Fichte, „der wahre Götzendiener und Atheist.“

Friedrich Karl Forberg (1770-1848) war ein deutscher Philosoph und Philologe. 1798 Forberg den Atheismusstreit aus, als er in Friedrich Immanuel Niethammers und Fichtes „Philosophischem Journal“ den Aufsatz „Entwickelung des Begriffs der Religion“ publizierte, den Fichte mit einem Nachwort verteidigte. Für Forberg ist Religion ein praktischer Glaube als Voraussetzung des moralischen Handelns. Dieser Glaube besteht lediglich in dem Wunsch, dass das Gute in der Welt die Oberhand erhalten möge. Die Existenz Gottes ist für Forberg, nach der Kritik Immanuel Kants an den Gottesbeweisen, weder durch Offenbarung noch durch theoretische Spekulation begründbar und daher nur im Sinne einer Als-Ob-Existenz im Dienst der Moralphilosophie anzunehmen. Theologie wird mit Religionsphilosophie gleichgesetzt.
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Erziehung des Menschengeschlechts: „Die Erziehung des Menschengeschlechts“ (1780) ist das religionsphilosophische Hauptwerk Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781). Vordergründig vergleicht Lessing in der Schrift die Entwicklung der menschlichen Vernunft mit der Entwicklung der Vernunft beim einzelnen Menschen, wobei Gott als eine Art Erzieher der Menschheit erscheint. Die göttliche Offenbarung ist dabei für das Menschengeschlecht das, was die Erziehung für den einzelnen Menschen ist. Diese „Erziehung“ erfolgt im Wesentlichen in drei Stadien:

Im ersten geschieht sie durch unmittelbare sinnliche Strafen und Belohnungen (=AT); im zweiten Stadium werden durch die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele Lohn und Bestrafung ins Jenseits verlagert (=NT); und in einem dritten Stadium wird es keine Belohnungen und Strafen mehr geben, weil die menschliche Vernunft so weit entwickelt ist, dass die Menschen das Gute tun, weil es das Gute ist (=Ewiges Evangelium). Diese drei Stadien durchlaufen alle Völker, so dass man an ihren positiven Religionen den jeweiligen Entwicklungsstand ihrer Vernunft erkennen kann.

Die zentralen Kategorien des benutzten Vergleichs sind „Offenbarung“ und „Erziehung“ auf der einen und „Vernunft“ und „Entwicklung“ auf der anderen Seite. In der gesamten Schrift gibt es sowohl Belege für eine angenommene Dominanz der Offenbarung (§§ 7, 77) als auch für ein Primat der Vernunft (§§ 4, 65, 84, 91).
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kopulierte: verheiratete

nach der alten Kirchenagenda: Als Agende wird in den evangelischen Kirchen das Buch (bzw. die Bücher) bezeichnet, in welchen die feststehenden und wechselnden Stücke (Ordinarium und Proprium) des regulären Gottesdienstes sowie der Amtshandlungen (Kasualien) aufgeführt sind. Eine Agende enthält also neben Liturgiemodellen, die den historisch gewachsenen Gottesdienstablauf und seine Gestaltungsvarianten darstellt, die nach jedem Sonn- und Feiertag im Kirchenjahr ausgerichteten Gebete und Texte gemäß der Perikopenordnung.

Segen reichlich über euch: Segnungsformel der protestantischen Kirch bei Eheschließungen nach Tobias 7: Der GOtt Abraham, der GOtt Isaac, und der GOtt Jacob sey mit euch, und helffe euch zusammen, und gebe seinen Segen reichlich über euch.

Hier sitz ich auf Rasen, von Veilchen ums kränzt ⁊c.: Gedicht von Klamer Eberhard Karl Schmidt 1781. In: Göttinger Musenalmanach 1790.

Neuer Vorsatz. (Nach Anakreon 1781)

1. Da liegʼ ich auf Rosen
Mit Veilchen gestickt!
Nun will ich auch trinken,
Bis lächelnd am Himmel
Mir Hesperus blickt.

2. Zum Schenktische machʼ ich
Das duftige Grün,
Und Amorn zum Schenken!
Ein Posten wie dieser
Der schickt sich für ihn.

3. Ach! menschliches Leben
Geht schneller dahin,
Als Räder am Wagen;
Wer weiß es, ob morgen:
Noch lebend ich bin?

4. Vom Weibe geboren,
Wir alle find Staub.
Der früher, der später:
Doch endlich wird Alles
Des Sensenmanns Raub.

5. In graulichen Grabes
Unendlicher Nacht,
Was hilftʼs, daß Nietzky
Mit Salbe mich Todten
Zur Mumie macht?

6. Ach lieber, so langʼ es
Auf Erden noch geht,
Bekränzt mich mit Rosen
Und holt mir ein Mädchen,
Das Küsse versteht!

7. Ich will mich noch letzen
Um lieblichen Kuß,
Bevor ich hinunter
Zum traurigen Reigen
Der Schattenwelt muß.
 
Poetische Blumenlese auf’s Jahr 1790. Göttingen 1790,  S. 213.

Anakreon: Anakreon (um 575/570-495 v. Chr.) war ein griechischer Lyriker, der zum Kanon der neun Lyriker gezählt wird. Anakreontik ist eine nach dem altgriechischen Lyriker Anakreon benannte Stilrichtung der deutschen und europäischen Dichtung Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie ist verspielt-galant und kreist um die Themen Liebe, Freundschaft, Natur, Wein und Geselligkeit. Die Anakreontik geht auf die Lyriksammlung Anakreonteia zurück.
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Nietzky: Da man einst, beym König, Von den Egyptischen Mumien sprach, so beklagte einer, daß es Schade wäre, daß eine so große Kunst verloren gegangen – Das ist sie nicht, antwortete der Abt Bastiani, denn der Professor Nietzky zu Halle, will diese Kunst wieder erfunden haben , und an einen jungen Grafen Schimmelmann, (der in der Saale ertrank) ist der Versuch mit glücklichen Erfolg gemacht worden – Ja sprach der König, wer nur einige tausend Jahre leben könnte  um zu wissen, ob Nietzky gelogen habe oder nicht, ich will unterdessen, lieber meinen Staub, der Erde zurückgeben, als von Jahrhundert, zu Jahrhundert, als Mumie daliegen.
Der Geist Friedrichs des Einzigen. Berlin 1788, S. 381.

akkompagnierten: einen Gesangsvortrag auf einem Instrument begleiten

 

Die Pyrmonter Hauptallee, kolorierter Kupferstich, 1784

 

[85] Letzte Stunden des Freiherrn von M... sein Tod und Begräbnis, samt dem, was sich Wunderbares dabei zugetragen hat.

 

–––

 

Schon im Anfange des Herbstes 1796 fing sich allmählig die Periode an, wo M... Kräfte zusehends abnahmen. Seine Heiterkeit, seine frohe Laune verlor sich. Seine Neigung zu Erzählungen und sich etwas erzählen zu lassen, war dahin. Er mogte nicht so oft mehr gute Freunde um sich sehen. Vorzüglich verbat er alle Tendenz zum Lustigsein. Er schien oft ganz vertieft. Tief und hohl lagen ihm seine Augen. Es war, als wenn er sich einzig und allein mit dem Gedanken an den Sensemann, an das Schattenreich, an Tod und Grab beschäftigte. Zwischen|[86]durch brachte er mehren Tage im Bette zu. Nur selten, wenn Sonnenblicke dieses Herbstes, der sich durch seine vorzügliche Güte in diesem Jahre besonders auszeichnete, nach Mittage einfielen, und er dann vergnügt aus seinem Schläfchen erwachte, ließ er sich unter die Arme fassen, und ging so mit seinem Partisan, dem Baron v. A. und mir, weil ich in dieser Zeit fast Tag und Nacht nicht von seiner Seite kam, indem er von mir rühmte, dass ihn niemand sanfter auzufassen verstände, auch niemand achtsamer auf seine geringste Winke wäre, als ich, hinaus, um der schönen reinen Himmelsluft zu genießen, und sich an dem Anblicke der Natur zu weiden, wovon er von jeher ein sehr großer Liebhaber war. Dann stellte er Betrachtungen über die täglich abnehmende Schönheit derselben an, wie die Blätter der Bäume ihre gelbe Farbe bekämen, und ihr Kleid von sich würfen – und wandte dann dies Bild gar oft auf den Menschen, ganz vorzüglich auf sich selbst an.

Baron v. A. und ich suchten auf alle nur mögliche Art, ihn aufzuheitern. Allein, in den letztern Tagen waren unsere Bemühungen vergebens. Er hatte oft nicht einmal gehört, was wir gesagt hatten. Seine Sinne, seine Organe wurden stumpfer und stumpfer. Er aß wenig|[87] oder nichts. Er gebrauchte auch keine Ärzte. Man durfte ihm nicht einmal davon sagen. Sein Podagra, welches er schon seit langen Zeiten hatte, setzte ihm jetzt viel heftiger zu, als jemals. Er kam vierzehn Tage vor seinem Ende nur äußerst selten von seinem Bette.

„Ich werde den kommenden Frühling nicht erleben!“ sagte er mit kaum hörbarer Stimme.

Ein Kranker kann nicht so krank sein, er kann wieder gesund werden; erwiderte Baron v. A.

„Und ein Gesunder nicht so gesund sein, er kann sterben.“

Lange kapitulierten Beide über diesen Gegenstand. Als der Streit anfing, ernsthaft zu werden, ging ich hinaus. Ich begriff anfangs nicht, wie beide Freunde, die sich sonst so sehr liebten, hierüber uneinig werden konnten. Ich kam wieder herein, und A... sagte:

Lassen Sie die albernen Grillen fahren, M... Man muss sich nie Sorgen vor der Zeit machen. Wie es kommt; so kommt es.

„Und ich, sagte er: fordere Sie hierdurch auf ein Paar Pistolen heraus. Sie sind Kavalier, ich auch. Ich muss meine Ehre retten.“|[88]

A... wollte zuerst nicht eingehen. Es half aber nichts. Er kannte seinen Charakter, seine Launen. Er musste sich bequemen; so weh es ihm auch tat. Einige Viertelstunden suchte er ihn durch abweichende Gespräche auf andere Gedanken zu bringen, weil er anfangs glaubte, dass vielleicht die Hitze eines Fiebers ihn auf diese Phantasie geleitet hätte. Aber nein! es war M... völliger Ernst.

„Wir wollen diese schönen Sonnenblicke nützen. Hier sind zwei geladene Pistolen. Sie wählen. Wir gehen in den Garten, und schießen – beide zugleich. Wer von uns beiden fällt, der fällt. An meiner elenden Hütte ist doch so gar viel nicht mehr gelegen.

Er hatte mit solcher Stärke, mit solchem Enthusiasmus für seine Sache gewiss in einem Vierteljahre nicht gesprochen.

Sonderbar war der Antrag. A... fand ihn gar nicht der Ordnung gemäß. Allein, es half alles Nichts. Er schien alle seine Kräfte aufzubieten. Der lange Spaziergang im Garten wurde zu dem Platze bestimmt, wo der Zweikampf beginnen sollte, und so traten wir dann den mühseligen Weg an. Kaum, dass wir im Stande waren, so sehr er sich auch half, ihn mit aller unsrer Anstrengung hinaus zu bringen. Es hat niemand|[89] mehr Schwere, als ein Solcher, der sich selbst nicht zu helfen weiß, und fast nicht mehr Herr von seinem Körper und von seinen Beinen ist.

 

 

Ich weinte –

„Du weinst? sagte M... Ich bin alt und lebenssatt. Wie viele Millionen meiner Brüder kommen im Kriege auf dieselbe Art um! Jene sterben auf dem Bette der Ehren. Ich war Soldat – und das will ich auch.“

Der Platz wurden nach Schritten bestimmt. Fünfzehn Schritte, und nun auf ein gegebenes Zeichen sollte ein Jeder zugleich schießen – in einem und demselben Augenblicke.

Was geschah? Münchhausen hatte das Kommando übernommen. „Eins! zwei! drei!“ die Schüsse flogen zu gleicher Zeit aus ihren Pistolen. Und – wer hätte es denken sollen; beide Kugeln trafen mitten im Laufe gegen einander, und flogen auseinander, die eine hierhin, die andere dorthin. Wäre ich nicht selbst Augenzeuge gewesen: ich hätte es nicht geglaubt. Aber so kann und darf ich es nach der glaubwürdigsten Wahrheit bekräftigen, dass es so und nicht anders zugegangen.

Pardon!“ riefen beide, wie aus einem Munde, da sie sahen, dass niemand beschädigt|[90] war. Beide Freunde umarmten sich, und nun – gingen wir wieder, woher wir gekommen waren. So vergnügt und heiter war M… langer Zeit nicht gewesen, als am Abende dieses Tages. Er sprach mehrere Tage mit Heiterkeit über diesen wunderbaren Vorfall.

Doch zeigten sich bald darauf mehrere Symptome, welche befürchten ließen, dass es so ganz lange nicht mehr mit dem braven, aber sonderbaren Manne dauern würde. Alles war dann auch bereit, jeden Wink des Herrn in demselben Augenblicke zu erfüllen. Er forderte oft in einer einzigen Minute Zehnerlei, und – manchesmal rannten Bediente, Jäger und Mädchen einander um. Und auch dabei blieb es nicht. Ein seltsames Ohngefähr wollte, dass wenige Tage vor seinem Tode der Johann mit der Küchenmagd, die eben Tee herein bringen wollte, zusammenrannten, und beide ein Opfer des Todes wurden, weil sie einander die Hirnschalen zersprengt hatten. Ob man beide gleich in möglichster Geschwindigkeit vom Zimmer schaffte; so blieb ihm dies doch nicht unbemerkt. Er deutete es als ein Omen auf sich. Er behielt aber doch noch immer so viel Gegenwart des Geistes, dass er die Art, wie sie begraben werden sollten, selbst anordnete. Nämlich da sie sich im Leben|[91] oft zusammengebettet hätten; so sollten sie in einem Sarge beigesetzt werden: welches denn auch geschah.

Er sprach jetzt häufig wie im Schlafe, oder so, dass man nur selten einige Töne vernehmen konnte. Unter andern: Jakob und mehrere Erzväter, Isaak und wie sie alle heißen, hätten noch kurz vor ihrem Tode geweissagt. Er wolle auch Einiges hinterlassen. Er befahl mir, genau zu zu hören. Fragen mogte ich nicht. Es war ihm auch Nichts unangenehmer, als wenn man zweimal fragte. So ist dann von den vielen – vielen Weissagungen: denn er redete und murmelte über vier und zwanzig Stunden ohne Aufhören – einige kleine Zwischenzeiten ausgenommen, wo er eine Tasse Tee nahm, nur dies wenige übrig, welches ich – vielleicht auch nicht einmal ganz, wie er es dachte, verstanden habe.

Gewaltige Revolutionen würden statthaben. Sie würden ohne Ende sein und sich über die ganze Welt verbreiten. Alle Reiche würden sich zuletzt empören und über einander fallen. In einer Zeit von hundert Jahren würde die ganze Welt eine einzige unzerteilte Republik sei.  Im Jahre 2440 würde das Firmament unsere künftige Wohnung werden, indem dasselbe sich all|[92]mählig niedersenken und unter unsere Füße geraten, die Erde sich aber hinauf begeben werde. Die Sonne würde dann bei Nacht, und der Mond bei Tage scheinen.

Vieles wollte ich darum geben, wenn ich alles hätte verstehen können. Ich hätte dann der Welt unzuberechnende Schätze dadurch zugewandt. Aber die bekannte Regel: ultra posse nemo obligatur, wird man mir auch hier angedeihen lassen.

Über nichts sprach er am Ende seines Lebens mehr, als dass man doch ja dafür Sorge tragen möchte, dass er nicht lebendig begraben würde. Er bestimmte deswegen schon im Voraus, wie alles gleich nach seinem Tode und bei seiner Beerdigung gehalten werden sollte.

Viele Schriften hatte er gelesen über das zu frühe Beerdigen der Leichname, über Leichenhäuser und die Errichtung derselben, welche ihn auf solche Weise furchtsam gemacht hatten, seine Reise in jene Welt anzutreten. Meines Erachtens sollte man die Sache doch auch nicht zu sehr übertreiben.

Er befahl also: man sollte ihn nach seinem Tode wenigstens drei Tage auf dem Paradebette liegen lassen. Alsdann ihn offen im Sarge auf|[93] einem Leichenwagen so langsam als möglich zu seinem Erbbegräbnisse fahren. Es sollten an diesem Tage alle seine Freunde zu einem Trauerkondukt eingeladen werden, und dieser Zug Abends um neun Uhr anheben, weil dies seit langen Jahren seine gewöhnliche Zeit zu Bette zu gehen gewesen. Übrigens sollte man es an nichts fehlen lassen, die Gäste gehörig zu bewirten u. dgl.

Nach dieser Anordnung hatte derselbe wieder einige Stunden, wo es schien, als wenn das Lebenslämpchen noch einmal wieder Licht schöpfen wollte. Mit starkem, heroischem Mute fing er an, sich im Bette aufzurichten und eine Zeit lang aufrecht zu sitzen.

Ich bin doch ein großer Krieger gewesen. Meine Taten sind in die Tagebücher der Nachwelt verzeichnet. Es ist doch nicht kavaliermäßig, auf dem Bette seinen Geist aufgeben. „Ich muss auf dem Bette der Ehre sterben.“ Mit diesen Gedanken hatte er sich, wie schon bekannt, so lange beschäftiget, und er konnte die Grille nicht aus dem Kopfe fahren lassen. Überall verfolgte ihn diese Idee; so dass er gar keine Ruhe finden konnte. Und eben dies war es, wie ich nachher erfuhr, worüber ihn sein Partisan so angetastet und welches M... übel genommen habe.|[94]

Er fühlte wieder einige Kräfte, oder vielmehr die Hitze des Fieberparorismus raffte nun sein letztes Endchen Lebensfaden, das kleine glimmende Docht, welches noch einmal auflodern und dann verlöschen wollte, zusammen. Er fing an, wieder mit seinem Partisan, der erst nicht einmal auf seine Idee gemerkt hatte, zu streiten. Sein Partisan ward hitzig, da er sah, dass er mit allen seinen Gründen Nichts auszurichten vermochte. Es half nichts; M... wollte sich schlagen, und sein Partisan musste einwilligen. „Wie leicht wäre es mir, sagte Baron v. A., eine solche schwache, elende Hütte, wie sie, über den Haufen zu werfen?“

Das werden wir sehen! antwortete M...

Ich musste ihm den besten Säbel aussuchen.

Das könnten wir ja hier im Zimmer tun? tat Baron v. A, den Vorschlag.

Nein! ich will auf dem Bette der Ehre sterben.

M... wurde also wieder mit größter Mühe ich auf den vorigen Platz gebracht. Er tat einen Ausfall auf seinen Partisan – allein, sein Gegner brauchte nicht einmal zu parieren. Er sank nieder – ich griff ihn auf. Entweder die Luft, die ihn umgab, oder die Anstrengung, oder das Podagra, welches ihm in die Brust treten mochte, und wozu sich vielleicht zu gleicher Zeit der Schlag|[267] gesellete: eins oder mehrere von diesen Stücken zugleich mochte die Ursache sein, dass er seinen Wunsch nicht umsonst getan hatte, auf dem Bette der Ehre zu sterben.

Sein Gesicht hatte sich nicht verzogen. Völlige süße Heiterkeit und Ruhe war der ganze Ausdruck desselben. „Ich sterbe!“ war sein letztes Wort. Sein Partisan, der ihn so sehr liebte, und der fast beständig der Gefährte und Freund seines ganzen Lebens gewesen war, drücke ihm die Augen zu und einen Kuss auf seine kalte Lippen. Er wandte sich ums und wischte eine Träne aus seinem Auge.

So brachten wir ihn wieder zurück in sein Haus, und Alles jammerte und wehklagte um den besten Herrn.

Der Partisan und ich richteten dann Alles nach seiner Verordnung ein. Jener das Äußere, ich das Innere, das Glockenspiel, und was sonst gebräuchlich ist bei der Beerdigung großer Herren, damit auch im geringsten kein Versehen bei den Trauerzeremonien obwalten möchte. Es konnte uns auch gewiss nichts zur Last gelegt werden.

Er wurde in Offiziersuniform, wie er es bestimmt hatte, drei Tage lang auf dem Paradebette zur Schau ausgesetzt, wo ihn dann Alt und Jung gesehen haben.|[96]

Am Vierten Nachmittags kam die ganze Trauergesellschaft zusammen. Es fehlte hier an nichts, wie ein jeder weiß, der derselben beigewohnt hat.

Als Marschall hatte ich denn, mit einem Stabe mit Flor umwunden, die große Ehre den Leichenkondukt anzuführen. Es nahm sich gewisse nicht übel aus, Abends um neun Uhr bei hundert blendenden großen Laternen, die den ganzen Zug begleiteten, dieser Szene zuzusehen. M. lag, wie derselbe befohlen hatte, offen im Sarge, auf einem Leichenwagen mit sechs Pferden, in langen Zügen, die Pferde, wie es gebräuchlich ist, schwarz behangen, und jedes Paar von der Dienerschaft des seligen Herrn geleitet. Vier und zwanzig Träger in langen Mänteln, mit bis auf die Erde reichenden Flören, gingen neben dem Sarge in eben so langsam feierlichen Schritten; so dass es beinahe aussah, als käme man gar nicht erst vorwärts. So wurde er fortgeführt bis zur Kirche, wo er so offen vor dem Altare niedergesetzt, und dann erst, nach Absingung einer Kollekte, in das Erbbegräbnis gebracht werden sollte.

Aber was begab sich, mitten auf diesem Zuge. Gewiss etwas Mirakulöseres lässt sich nicht denken. Ein Jeder, der dem Leichenzuge mit beiwohnte,|[269] sowohl als die unsägliche Menge von Zuschauern roch gewiss, dass die Zeichen des Todes schon lange da waren. Und doch –

Einer von dem Kondukte, oder von dem Volke, ich weiß es nicht gewiss, ob vom Rausche oder des etwas benebelt, rief laut aus:

Es lebe Münchhausen!

Und der Tote – alles erschrak und entsetzte sich, die Pferde schnoben und wollten keinen Schritt aus der Stelle – richtete sich auf, sah alle Umstehenden an, und rief eben so laut:

In Ewigkeit!

Worauf er sich wieder niederlegte. Noch größer ward der Schrecken – als die hundert Laternen auf einmal mit seinem Niederlegen erloschen, und – nach einigen Augenblicken wieder heller brannten, als vorhin.

Da man weiter keine Spuren des Lebens an ihm merkte, und man sich von dem großen Schrecken erholt hatte, setzte man den Zug fort in die Kirche. Von hieraus wurde er in das Gewölbe gebracht, und neben dem Sarge seiner seligen Frau, wie er das lange vorher bestimmt hatte, beigesetzt.

Im Zweifel, ob er auch wieder erwachen könnte oder würde, übernahm ich es, jeden Tag|[98] einigemal auf ihn zu achten. Und nach Ablauf von vierzehn Tagen deckte ich den Deckel darauf, schrob den Sarg zu und verschloss das Gewölbe.

Im Frieden ruhe die Asche des gutmütigen Biedermanns, dessen aufrichtige, liebevolle Gesinnungen gegen Jedermann, insbesondere für seine Freunde, allgemein bekannt sind; dessen feuriges, lebhaftes Temperament auch keinen Gegenstand aus der ganzen Natur für seine Fantasie ungebraucht ließ, um in frohen Lebensstunden diesen Stoff zu verarbeiten, und dessen Kunst, das Zwergfell zu erschüttern, Leben und Seele seinen Unterhaltungen zu geben, dessen ganzes Leben – über alles irdische Lob erhaben ist.

Requiescat in Pace! Und

Amen! sagen alle, die ihn kannten und liebten.

 

–––|

 

Letzte Stunden: Seine Vereinsamung ist fast vollständig. Der einzige Mensch, der um ihn gewesen ist, und für ihn gesorgt hat, war Frau Holte, die Gattin seines letzten Leibjägers. Aber dennoch bricht aus aller Verdüsterung hin und wieder noch einmal die Fabulierlust durch. Wenige Tage vor seinem Tode, so erzählt man, habe Frau Nolte entdeckt, daß ihm zwei Zehen fehlten - abgefroren in Rußland. „Ach, was ist denn das?“ ruft sie erschrocken. Münchhausen lächelt und erwidert: „Das hat mir ein Eisbär abgebissen auf'der Jagd!“

Das letzte Wort hat das Kirchenbuch:
Weiss 1977, S. 22.

 

Die ehemalige Klosterkirche St. Marien ist eine dreischiffige romanische Kirche in Kemnade, einem Ortsteil von Bodenwerder (Niedersachsen). Sie dient heute als Pfarrkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bodenwerder-Kemnade im Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder der Landeskirche Hannover.
In der Vierung erinnert eine schlichte Steinplatte im Boden daran, dass Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen (* 1720; † 1797), der sogenannte „Lügenbaron“ hier beigesetzt wurde.

Wikipedia

 

Über den Tod und die Beisetzung des Hieronymus v. M. berichtet das Kirchenbuch: „Herr Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, gewesener Russisch. Kaiserlicher Rittmeister bei dem Großfürstlichen Kürassier-Regiment, auch Erbherr auf Rinteln, Schwöbber und Bodenwerder, wie auch Gutsherr auf Huntzen, starb den 22. Februar des Morgens kurz vor 10 Uhr am Krampf und Schlagfluß, alt 76 Jahre 9 Monate. Er starb ohne eheliche Erben.

– Den 27. Februar, des Nachmittags gegen 3 Uhr, wurde die Leiche in Begleitung von 12 Trägern und 4 Trauermännern, die in einer Karosse nachfuhren, in dem voin Münchhausenschen Begräbnis in der Kemnader Kirche vor dem Altar unter dem Geläute aller Glocken abgefahren und beigesetzt.“
Rose 1937, S. 291f.

Sensenmann: Der Sensenmann (auch Gevatter Tod oder Schnitter) ist eine aus dem Mittelalter stammende personifizierte, anthropomorphe Allegorie des Todes. Der Tod wird oft als gerippenhafte Gestalt (Skelett) dargestellt, die mit einer Sense die Menschen dahinmäht.
Wikipedia

Schattereich: Ort der Toten, die Unterwelt

Sonnenblicke: das einmalige hervorblitzen, durchbrechen der sonne (DWB)

kapitulierten: kapitulieren hier in der Bedeutung. über etwas verhandeln

auf ein Paar Pistolen: sie vereinbaren ein Pistolen-Duell

Pardon: Bitte um Verschonung

geweissagt: 1783 veröffentlichte der Pfarrer und Schriftsteller Franz Adam Zieger, geboren 1775, Prophezeiungen im Stil der biblischen Propheten.

 

Das Buch Joseph. Geschrieben von einem Seher des achtzehnten Jahrhunderts. Halb Geschichte halb Prophezeiung. Im Tone der Bibel. Herausgegeben von F. A. Zieger: Prag 1783.

Im Jahre 2440: L’An 2440 ist ein sozial-kulturell orientierter utopischer Roman, in dem die Realität des französischen Absolutismus dem Ideal einer freien, auf vernünftigen Übereinkünften basierenden Gesellschaft gegenübergestellt wird. Dabei nimmt die Kritik der bestehenden Zustände und der herrschenden Schicht, der das Schicksal der „Massen“ egal ist, einen großen Teil ein. Der Ich-Erzähler des Romans schläft im Paris des Jahres 1769 ein und erwacht im Jahr 2440 als alter Mann. Vor seiner Tür erwartet ihn ein Paris, in dem nach einer erfolgreichen und friedlichen Revolution Vernunft und Gemeingeist herrschen. Die Aristokratie existiert nicht mehr und alle Bürger der Stadt sind Intellektuelle, das Verkehrswesen ist rücksichtsvoll geregelt, Behinderte bekommen Hilfe für ihre alltäglichen Erledigungen; ferner nimmt die Religiosität eine andere Stellung ein: So repräsentiert sie nicht mehr eine Unsterblichkeit der Seele, sondern ein persönliches Testament, das alle Bürger abfassen, übernimmt diese Rolle.
Wikipedia

Louis-Sébastien Mercier: Lʼ AN DEUX MILLE QUATRE CENT QUARANTE. Rêve s’il en fut jamais. A LONDRES. MD CCLXXII.

 

Das Jahr Zwey tausend vier hundert und vierzig. Ein Traum aller Träume London 1772 [Louis-Sébastien Mercier; deutsch von Christian Felix Weiße].

ultra posse nemo obligatur: Über das Können hinaus wird niemand verpflichtet.

lebendig begraben: In Märchen und Sagen erwachen Menschen aus dem Todesschlaf, klopfen von innen an den Sarg oder steigen aus ihrem Grab. Unter Gebildeten galt das als Phantasie und Fabulieren des einfachen Volkes. Das änderte sich , als der französische Arzt Jean Jacques Bruhier 1742 seine Dissertation über Die Unsicherheit der Kennzeichen des Todes veröffentlichte. Auf 500 Seiten listet er Vorfälle auf, bei denen Verstorbene oder Totgeglaubte wieder zum Leben erwachen. Hingerichtete werden vom Galgen abgenommen und laufen einfach davon, ein blutender Trompeter entsteigt dem Grab, die verblichene Großmutter erhebt sich vom Totenlager. Als das Buch 1754 auf Deutsch erschien, löste es eine gewaltige akademische Diskussion über den Scheintod aus. Neben aller reißerischen und anekdotischen Übertreibung aber ist Bruhiers Grundaussage richtig: Die Anzeichen des Todes sind trügerisch. Ein jeder ist in Gefahr, zu früh und damit lebendig begraben zu werden. Einzig die Fäulnis zeigt den sicheren Tod an.

 

Jaques Jean Bruhier, der Arzeneygelehrtheit Doctors, Abhandlung von der Ungewißheit der Kennzeichen des Todes, und dem Misbrauche, der mit übereilten Beerdigungen und Einbalsamirungen vorgeht. Aus dem Französischen übersetzet, und mit Anmerkungen und Zusätzen vermehret herausgegeben von D. Johann Gottfried Jancke. […]. Leipzig und Coppenhagen 1754.

Trauerkondukt: Ein Trauerzug (veraltet auch Leichenzug, selten auch Begräbniszug, vereinzelt auch Sargzug oder Totenzug) ist bei einer Bestattung der Zug der Trauernden, die hinter dem Sarg mit dem Leichnam hergehen, wenn dieser auf seinem letzten Weg zum Friedhof und Grab gefahren oder getragen wird, um ihn dort zu beerdigen; synonym auch als das letzte Geleit bezeichnet.
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Fieberparorismus: Parorismus: Der Anfall, die Verdoppelung, oder jene Zeit, da die Krankheit am heftigsten ist.

Lebensfaden: Ursprünglich in der griechischen und römischen Mythologie Symbol für das menschliche Leben. Er wird von den drei Moiren bzw. Parzen gesponnen. Dann der Docht des Lebenslichts.

Säbel: Ein eroberter Türkensäbel, den er in seinem Kleiderschranke verwahrte, spielt mehrfach eine Rolle in seinen Erzählungen.
A. F. von Münchhausen 1872, S. 64.

sich schlagen: Ein Duell (lat. duellum ‚Zweikampf‘) ist ein freiwilliger Zweikampf mit gleichen, potenziell tödlichen Waffen, der von den Kontrahenten vereinbart wird, um eine Ehrenstreitigkeit auszutragen. Das Duell unterliegt traditionell festgelegten Regeln. Duelle sind heute in den meisten Ländern verboten.
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kolorierter Kupferstich, England 1763.

der Schlag: Ein Schlaganfall auftretende Lähmung, die oft mit Bewusstlosigkeit verbunden ist, und stellt eine zerebrovaskuläre Erkrankung des Gehirns dar, die oft zu einem länger anhaltenden Ausfall von Funktionen des Zentralnervensystems führt und durch kritische Störungen der Blutversorgung des Gehirns verursacht wird.
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Glockenspiel: Und weiter heißt es im Kirchenbuch: „Nachschrift: Gleich am Sterbetage wurde mittags zwischen 12 und 1 Uhr das Trauergeläut in 3 Pulsen hier in Bodenwerder angefangen und damit bis zum Begräbnistage fortgefahren. Der Herr von Alten in Polle, dem die Besorgung des Begräbnisses von dem neven des Sel. Herrn, dem Hessischen Capitän v. Münchhausen bei der Garde, aus Rinteln, als dem Erben des Sel. Herrn Rittmeisters aufgetragen war, schrieb mir hernach unter dem 22. Februar 1799, daß das Trauergeläute für die Calembergsche Ritterschaft eigentlich auf 4 Wochen bestimmt sei, allein hier blieb es bei 6 Tagen, und dafür wurden an die Kirche täglich 30 Groschen und an die Läuter 12 Groschen bezahlt.

Die Gemeinde zu Kemnade hatte bei dem Amte Wickensen gegen das Begraben in ihrer Kirche protestiert. Allein am 24. Februar war ihr durch den Hochgrafen der Amtsbefehl vorgelesen, daß sie sich nicht unterstehen sollte, sich diesem Begräbnis zu widersetzen. Im Gewölbe standen nur der Vater dieses sel. Herrn Otto von Münchhausen, der dieses sonst von Eslebensche Gewölbe für 50 Thaler gekauft, Chur. Hannoverscher Obristleutnant, und dessen Schwiegertochter Frau Jakobine, geb. von Dunten, die am 19. Aug. 1790 gestorben (M.s erste Frau), und dieser letzte sel. Herr Rittmeister. Der Obristleutnant, war im Jahre 1724 gestorben. Für eine große Leiche war noch Platz.“
Rose 1937, S. 291f.

Marschall: Das Wort stammt von Althochdeutsch marahscalc, zusammengesetzt aus marah, „Pferd, Mähre“ und scalc „Knecht, Diener“. Es bezeichnet ursprünglich den „Roßknecht“. Mit dem Titel seines Herrn steigt – wie auch bei Mundschenk „Tafeldiener“, Kämmerer „Kammerdiener“ – auch seine Bedeutung, zu „Stallmeister“ (Marstaller) und später zu allgemeiner Bedeutung im Sinne „Kommandeur der Reiterei“.
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Flören: Ein Trauerflor ist ein schwarzer Stoff zum Ausdruck offizieller Anteilnahme in einem Todesfall. Es kann ein langes textiles Band, eine Schleife oder eine Armbinde sein.

Kollekte: kurzes Altargebet

etwas Mirakulöseres: etwas Wunderbares, auf einem Wunder beruhendes

Im Zweifel, ob er auch wieder erwachen könnte: Heinrich Theodor Ludwig Schnorr: Was lassen uns jene ältern und neueren Sagen von dem Pochen in den Gräbern schließen, und wovon giebt es uns einen Beweis? In Neues Hannoverisches Magazin. 28tes Stück. Freitag, den 6ten April 1792, Sp. 438-444.

Biedermanns: ein ehrenwerter Mann

Requiesciat in pacem!: Ruhe in Frieden!