Theodor Heinrich Ludwig Schnorr

Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande und Abenteuer des Fräuleins Emilie von Bornau, verehlichte von Schmerbauch.

Frankfurt 1801

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[(III)] Vorbericht.

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Die wunderbaren Reisen zu Wasser und zu Lande, und lustigen Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen in Bodenwerder sind so bekannt, dass selbst der größere und kleinere Hans Hagel aller Länder, Städte und Dörfer in allen Teilen der Welt diese Geschichten weiß, und sie sich zum Zeit vertreibe bei müßigen Stunden erzählt.|[IV] Sie sind in alle Sprachen der Welt übersetzt, und sie verdienten es auch der komischen Launen, des Witzes und der Einbildungskraft ihres Erzählers wegen.

Da aber alles in der Welt sich gattet, – selbst die größten Naturkundiger behaupten: dass die Steine, diese uns empfindungslos scheinenden Wesen, in den Gebürgen sich gatten, und auf diese Art wachsen und sich fortpflanzen, – es in allem Betrachte in dem ganzen weiten Reiche der Natur nichts gibt, wozu sich nicht ein Gleiches fände; so bestätiget sich auch diese große allgemeine Wahrheit. Es erscheint hier ein Pendant zu jenem wichtigen Volksbuche – das Seiten-|[V]stück – ein Frauenzimmer als Heldin des Buchs in lauter abenteuerlichen Zügen.

Alle Buchhändler in der Welt glauben durch den Verkauf dieses Werkes, besonders in Hinsicht auf die Unterhaltung sowohl als auf den moralischen, physikalischen und pädagogischen Inhalt desselben dem Publikum einen eben so wichtigen Dienst zu leisten, als mit der Verbreitung jenes allgemein bekannten und beliebten Buches.

Gibt doch so mancher Herr, so manche Dame einen Gulden aus, um ein Schauspiel zu sehen, welches oft sowohl wegen der Akteurs als auch in|[IV] Ansehung des Stücks selbst keinen Dreier wert ist. Gehen sie oft aus diesem Hause ohne die mindeste Unterhaltung gefunden zu haben. Hier – werden sie für ihren Gulden – und was ist denn jetzt ein Gulden? – schon genug bekommen.

Aufgeschauet also! Der Vorhang wird aufgezogen.

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Die wunderbaren Reisen: Schnorr meint den Münchhausen von Bürger und seine drei Fortsetzungen.

in alle Sprachen der Welt übersetzt: Zu diesem Zeitpunkt gab es neben den englischen Texten Raspes Übersetzungen ins Französische, Niederländische, Schwedische und Russische, die eigentlich Übertragungen genannt werden müssten, da die Texte eine Bearbeitung mit Veränderungen und Ergänzungen darstellen. In die Russische Ausgabe (und von dort auch in die polnische Faasung) sind auch Texte von Schnorr eingegangen.

in den Gebürgen: Die Entwicklung der Geologie vollzog sich im Folgenden in einer Reihe von, teilweise äußerst heftigen, wissenschaftlichen Kontroversen. Die erste dieser Kontroversen war der sogenannte „Basaltstreit“ zwischen Plutonisten und Neptunisten. Vordergründig wissenschaftlich geführt, war der Basaltstreit auch eine Grundsatzdiskussion verschiedener religiöser Anschauungen bezüglich der biblischen Schöpfungsgeschichte.

Der Neptunismus hat Wurzeln, die bis zu Thales von Milet zurückreichen. Demnach bilden sich die Gesteine ausschließlich durch Sedimentation aus wässrigen Lösungen. Sein Hauptvertreter war der Leiter der neu gegründeten Bergakademie in Freiberg, Abraham Gottlob Werner (1749–1817). Vulkanische Phänomene erklärte er als unbedeutende, lokale Erdbrände, und die resultierenden Gesteine seien lediglich aufgeschmolzene Sedimente.

Einer der Kontrahenten Werners war der schottische „Gentleman-Farmer“ James Hutton (1726–1797). Der Plutonismus vertritt die Ansicht, dass der Ursprung aller Gesteine in magmatischen und vulkanischen Prozessen zu suchen ist. Alle diese Vorstellungen beruhen letztendlich auf den „trockenen“ und „feuchten Ausdünstungen“ des Aristoteles. Geschmolzene Massen aus dem Erdinneren bahnen sich demnach, von Zeit zu Zeit, ihren Weg nach oben und können sogar zur Oberfläche durchbrechen. Durch die Erosion werden diese Gesteine frei gelegt und wieder abgetragen, um auf den Festländern als Böden, und in den Ozeanen als Sedimente abgelagert zu werden. Durch das Gewicht immer neuer Sedimentlagen werden die älteren Schichten immer stärker verfestigt und schließlich, unter dem enormen Druck, wieder erhitzt und umgewandelt, bis sie schließlich wieder aufschmelzen. Diese Idee vom Kreislauf der Gesteine wird heute allgemein akzeptiert.
Wikipedia

 

D. James Hutton: Theorie der Erde, oder Erforschung der Gesetze, nach welchen die Bildung, Zerstreuung und Wiederherstellung des festen Landes auf der Erdoberfläche geschieht. In: Sammlungen zur Physik und Naturgeschichte. Vierten Bandes Sechstes Stück. Leipzig, 1792, S. 225–725.

Pendant: Gegenstück, Entsprechung

Frauenzimmer: Bezeichnung für die Gesamtheit des weiblichen Geschlechts

Gulden: vom 14. bis 19. Jahrhundert besonders in Deutschland verbreitete Goldmünze

Dreier: Umgangssprachlicher Ausdruck für das 3 Pfennig-Stück, das mit der sächsischen Münzordnung vom 20. Januar 1534 zum festen Bestandteil des sächsischen Geldwesens wurde. Im Laufe der Zeit wurde die ursprüngliche Bezeichnung »Dreipfenniggröschlein« in »Dreier« abgekürzt. Das Nominal hatte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Bestand. Gelegentlich wird der Begriff Dreier auch für Dreikreuzerstücke verwendet.
https://www.mdm.de/muenzwelt/lexikon-a-z/muenzlexikon-d/dreier

 

[(7)] Einleitung.

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 Rousseau schrieb – Bekenntnisse. Wer kennt wohl etwas Unvollständigeres? Und dennoch erregte sein Werk so vieles Aufsehen in der Lesewelt. Bahrdt wäre bei Leibes Leben beinahe um seine eigene Lebensgeschichte geprellet. Ein anderer – ein Geniestreich! wusste sie ihm zu mausen. Und doch ließ er sich nicht irre machen. Er schrieb seine eigene Lebensgeschichte, die – nichts weniger, als übertrieben ist. Nach richtigem Nachdenken und Urteilen über den Menschen in seiner natürlichen Gestalt, lässt sie uns so manchen Zweifel übrig. Er blieb in so manchen Fällen – man fühlt dies selbst – der Wahrheit nicht treu; zeichnete nicht genau genug; ließ uns nicht immer – und dies sollte doch bei|[8] Autobiographien ganz der Fall sein! – tief genug in die Falten seines Herzens blicken. Ach! der Mensch ohne Hülle ist ein ganz anderes Wesen, als wenn er die tausend Larven vorsteckt, womit er in der Welt erscheint, und – erscheinen muss.

Aber man will das nun einmal so. C'est notre plaisir – Das ist der Schluss des unsichtbaren und doch überall wirkenden Lettre de Cachet der ganzen Welt für die ganze Welt. Alles wirkt dahin von unserer Geburt aus Mutterleibe bis an den Augen blick, wo wir selbstständig werden – und wieder von dieser Zeit an, bis der Mann mit dem Stundenglas, oder besser, Freund Hein, die unerbittliche Hippe über uns schwingt.

Jene waren Männer – von Gelehrsamkeit – vom Range. Ich bin Weib, nichts weniger, als gelehrt, und mein angebornes von wird doch wohl niemand, der frei denkt, für etwas Wesentliches halten wollen. Ich hielt es selbst nie dafür.|[9]

Aber ich habe Erfahrungen gemacht, unendlich mehr sonderbare Schicksale gehabt. Meine Geschichte ist so buntscheckig, als es unter Millionen keine gibt. Sicher werde ich nicht in die Fehler jener beiden Gelehrten verfallen. Meine Bekenntnisse sollen reine Wahrheit an der Stirne tragen. Meine Lebensgeschichte soll nichts Unvollständiges enthalten – nichts, wo irgend einer meiner Leser denken könnte: Hier hat sie doch wohl so nicht gedacht, geredet, gehandelt. Aber eben so oft wird man freilich denken: Hier hätte unsere Heldin so oder anders handeln sollen. Doch das gehört nicht zu meinem wahren Zwecke. Ich werde so und nicht anders schreiben, als ich wirklich – gehandelt habe. Und – das muss meinen Lesern genug sein.

Ich habe höchst sonderbare Schicksale gehabt – die es allerdings wert sind, dass sie auf Welt und Nachwelt gebracht werden. Ob ich gleich nicht, wie Paulus, unter Judenhände geriet, die mir fünfmal vierzig Streiche weniger eins zuzähleten, deren ich mich nicht,|[10] wie er, hätte rühmen mögen; so kann ich doch eben so wohl mit der größesten Wahrheit sagen:

Ich bin vom Eie an in großen Fährlichkeiten gewesen. Ich bin in Gefährlichkeit gewesen vor und bei meiner Geburt. Ich bin in Gefährlichkeit gewesen zu Wasser; in Gefährlichkeit unter dem Gesinde; in Gefährlichkeit einer schlechten Erziehung; in Gefährlichkeit unter jungen und alten Herrn; in Gefährlichkeit auf dem Meere, unter falschen Menschen, im Bordel und im Ehebette, auf Reisen und im Hause – wie dies alles der geneigte Leser in meiner Geschichte selbst finden wird.

Den Hauptstoff meiner Jugendbegebenheiten – denn es ist notwendig, dass ich die genaueste Relation darüber erteile – nahm ich aus den Papieren, die mir meine verstorbene Mutter hinterließ.

Meine Geschichte hat vor allen Romanen das voraus, dass sie kein Roman ist, d. h.|[11] dass sie nicht Dichtung, sondern reine Wahrheit enthält. Ein jeder wird am Ende derselben mir das Zeugnis geben: dass ich nichts verschwiegen, weder geheuchelt noch geschmeichelt, weder Satire noch des etwas geliefert – sondern, ich sage es nicht ohne Ursache noch einmal: die reine Wahrheit geschrieben.

Zugleich wird sie von großem Nutzen für die Welt sein. Sie wird als Betrag zur Charakteristik so manchen Frauenzimmers, als Betrag zur Erfahrungsseelenkunde, und insbesondere zum Zeitvertreibe für das heiß begierige und lesedurstige Publikum dienen; die vorzüglichsten Ursachen, warum ich schrieb.

Eitelkeit und Leichtsinn, Hang zur ungebundesten Freiheit, zu Ausschweifungen und Zerstreuungen aller Art sind die hervorstechendsten Züge des weiblichen Geschlechts unserer Zeit. Und – was will man auch mehr? Unsere Goldväterchen geben uns größtenteils Geld genug, wenn sie auch zuwei-|[12]len schmollen, die Ohren hängen lassen, wenn der Rechnungen für Modehändler, für Schneider, Schuster, Putzmacherin, Ausstecherin zu viele oder zu oft einlaufen; wenn sie Schulden oder Banquerot machen; Güter oder Pretiosen verkaufen oder versetzen müssen – und unsere Mütterchen – sie haben uns ja unter dem Herzen getragen! – sind nachsichtig genug – ja sie geben uns selbst Vorschub, Veranlassung zur Üppigkeit, zu Galanterien; sind unsere Liebedienerinnen; weil wir dies Bedürfnis zu sehr fühlen, weil es jetzt einmal so Mode ist, weil unsere Mütter es auch so machten, das insgeheim taten, was wir jetzt mehr öffentlich tun.

Und wer ist am meisten Schuld daran? Unsere jungen Herrn, die uns nicht heiraten wollen.

Und – auch sie sind dieser Freiheit wegen so am Besten daran. Sie dürfen nur fordern – wir sind gleich bereit, ihnen auf den ersten Wink; bei dem ersten Ball; bei dem|[13] dem ersten Rendezvous; nach dem ersten Walzer – alles zu gewähren, was sie nur wollen. Wir sind jetzt nicht mehr so delikat.

Was hilft auch alle Delikatesse? Sie ist die Störerin unserer Ruhe; die Peinigerin unserer Leidenschaften. Lebensgenuss ist Glückseligkeit. Sollte der Sturm der Leidenschaft, das inwendige Toben und Brausen, was unsern Busen in Wallung setzt und in beständiger Hitze erhält, auch die Rose der Unschuld zehn Jahre früher zerblättern – was liegt daran? Doch, was rede ich von Unschuld? Das ist ja nur ein Ding, womit so mancher Mädchenmund nur bloß zum Zeitvertreibe spielt.

Wäre nicht der größte Teil meines Geschlechts in die Geheimnisse des jetzigen Zeitalters, wo Luxus und Galanterie – alle gute Sitten beinahe verdrängen, eingeweihet: dann mögte ich mich fast aufwerfen, die Lehrerin desselben zu sein. Doch um der wenigen willen die hier und da leben mög-|[14]ten, die noch nicht Kenntnis, Erfahrung und Freiheit genug hätten, will ich mich bemühen, einige Regeln sowohl für das unverheiratete als verheiratete Frauenzimmer aus der besten Absicht von der Welt zu geben, damit kein Mädchen in der Welt, weder städtisches noch ländliches Frauenzimmer, die überall mit einander zu wetteifern scheinen, mehr sei, welches nicht eines dem andern vollkommen gliche. Jedes anders denkende und handelnde Frauenzimmer – dies sei der goldene Spiegel für sie – werde ausgezischt.

Alles was sie lernen können, nur auf eine recht vollkommene Weise das Leben zu vertändeln, alle die feinen Künste den Männern zu gefallen: sei ihnen heiligste Pflicht: Wir sind doch eigentlich in den Händen der Männer nichts als Paradepferdchen, die eigensinnig sind, wenn sie keinen Zucker bekommen; wenn sie aber Zucker bekommen, alle mögliche Sprünge und Coarbetten machen.|[15]

Sie müssen – wenn es möglich ist – zierlich und nett schreiben, um Billets doux verfassen und ihre Cicisbeos zu Rendezvous einladen, von Bällen, Concerts, Schlittenfahrten, kurz von ihren geheimsten Willen auf die verdeckteste Art, Nachricht geben zu können. Sie müssen alle möglichen Rittergeschichten, alle unsere Romane wenigstens die Titel derselben kennen, und eins und das andere daraus gelesen haben, um zu wissen, wovon unsere jungen Herrn sprechen. Gedichte lassen sie sich lieber reichen, als dass sie sie selbst verfertigen. Indessen kann es nicht schaden, wenn sie zum Zeitvertreibe sich auch in diese Gefilde wagen. Die jetzigen Gedichte ohne Reime sind äußerst leicht und kosten weiter nichts, als dass wir unsere Aufwallungen in der Hitze unserer Leidenschaft in lauter kurzen oder längern Strophen zu Papiere bringen. Wenn es auch manche Fehler hätte, wider die Skansion, wider alle Regeln der Dichtkunst und des guten Geschmacks, das tut nichts zur Sache. Wie viele von unsern sogenannten jungen Herrn wissen|[16] wissen das zu beurteilen – und ein Gedicht – von Damenhänden! Wer wird das tadeln?

 Ihr Anzug sei immer nach der neuesten Mode. Ihr griechisches Negligé müsse nach dem feinsten Geschmack nur recht negligeant sitzen. Denn es gilt jetzt das ehedem spöttische Sprichwort: je negligeanter, je galanter. Vor allen Dingen – keine Hemden. Wozu auch diese? Ihre Chemisen sind ja Hemde und vertreten völlig die Stellen derselben. Den Busen tragen sie möglichst entblößt – und – wie in einem der Modejournale so schön beschrieben und aus gemahlt: die eine Brust ganz heraus und mit Perlen rund um garniert.

Ein galantes Frauenzimmer wird auch tanzen können. Dies bedarf nicht einmal einer Erwähnung. Die allerneuesten Tänze, alle nur möglichen Franzoisen, Angloisen, Cotillons, Walzer müssen ihnen so geläufig sein, wie dem Vogel das Fliegen. Wenn|[17] sie im Stande sind, zwei Stunden einen Walzer auszuhalten; so sind sie Heldin. Sie werden bewundert und tanzen den geschicktesten Tänzer zu Grunde und Boden. Könnten sie dabei ihr Strumpfband – es muss ein seidenes sein, mit einer besondern Bezug habenden Devise – denn so weit müssen sie es wenigstens in der Stickerei gebracht haben, einen Geldbeutel oder Strumpfband zu sticken – so zu binden, dass sie es ungefähr gegen das Ende des Walzers mit Grazie verlören, damit es ein junger Herr aufnähme und Gelegenheit hätte, es ihnen mit der artigsten Mine von der Welt umzubinden, um sich auf diese Weise einen Minnensold zu verdienen; so wäre dies ein Kunstgriff, der seines Gleichen nicht hat.

Viele Herrn Doktores haben einen so gewaltigen Lärmen gegen das jetzige Walzen und insbesondere gegen das Trinken und gegen das Lüften nach dem Walzen gemacht. Ich weiß es aus der Erfahrung. Trauen sie diesen gar zu gewissenhaften Männern nicht.|[18] Sie sind größtenteils Gecken. Sobald sie ihren zweistündigen Walzer ausgetanzt haben; so trinken sie auf mein Wort zwei oder drei Gläser Limonade, Punsch, Wein oder Wasser – gleich viel. Gehen sie alsdann nur getrost auf den Balkon oder ans Fenster, oder nur ganz hinaus in die freie Luft. Entblößen sie ihren ohnehin schon bloßen Busen bis auf den Gürtel – Und sie sollen sehen: ob ihnen das nicht herzlich wohl bekommt. Wenn sie nun auch nachher ein wenig Frost oder ein kleines Fieber bekommen? Was ist daran gelegen? Das vergeht ja auch wieder.

Die jetzigen Zweideutigkeiten, der naive Scherz, worin unsere jungen Herren so vorzüglich wetteifern, und der das Vorzügliche unserer Unterhaltungen ausmacht, muss ihnen nie anders als willkommen sein – wie er das auch nicht anders ist. Sollten gar zu starke Energien: z. B. „O welche Wonne würde ich empfinden, wenn ich auf dem schönen Throne der Wollust nur eine|[19] Viertelstunde ruhen dürfte! Welche Glückseligkeit muss der fühlen, der ihre verborgensten Schönheiten entfaltet! Göttliches Mädchen! könnte, dürfte ich ihre Knie umfassen, dann wollte ich zu ihren Füßen mein Leben aushauchen“ – zu heftige Wallungen ihres Busens oder sonst dadurch ein Kitzel ihres empfindsamen Körpers erregt werden; so dürfen sie nur mit ihrem Fächer, oder mit ihrer Hand, oder mit einem zweideutigen Lächeln, oder mit Kitzeln, oder mit einem: „Loser Schalk!“ oder was sie sonst für ein Wort brauchen wollen – die jungen Herren noch zu größern Dreistigkeiten auffordern und sie werden reichlich dafür belohnt werden.

Noch vorzüglicher werden sie sich bei vielen Herren empfehlen, wenn sie reiten können. Ein schönes Paradepferd zu reiten, auf demselben alle Künste der Schule machen zu können – welche Bewunderung werden sie einernten! Eine schöne Equipage dazu steht für ein Frauenzimmer nach heutiger Welt und Sitte äußerst gut.|[20]

Alle Spiele, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, Hasardspiele und andere werden ihnen nicht allein die Zeit verkürzen, sondern sie werden sich auch dadurch bei den Herren sehr beliebt machen. Aber sie müssen nie anders als zu einem hohen Preise spielen – je nachlässiger, desto an genehmer für die Gesellschaft. Die Pfänderspiele sind mitunter sehr unterhaltend. Gesellschaftsspiele; Sprichwörterspiele, wenn sie solche recht gut auszuführen verstehen, werden ihren Preis sehr erhöhen. Sie werden überall gerngesehen; überall etwas gelten.

Das Klavierspielen ist etwas schwer – das ist wahr. Noten zu lernen, möchte ich fast von keinem gebildeten Frauenzimmer verlangen, noch weniger darnach zu spielen. Aber – eine Bravourarie leicht wegspielen und mit dem dazu gehörigen Affekt: dies wird ihre Reize unendlich erhöhen. Eine Liebesarie, wie man deren so viele hat, mit einer Nachtigallstimme gesungen, zauberte schon so manchen schönen Jüngling in die Arme eines süßen liebenden Mädchens.|[21]

Bestreben sie sich als Mädchen, so viel sie können, Eroberungen zu machen. Diese Zeit ist die Schönste, der Maien des Lebens. Überall sei es ihnen darum zu tun, die Sonne der Welt zu sein. So wie diese leuchtet, erwärmet; so mögen sie mit ihren schönen Kleidern, Edelgesteinen, Putz u. d. g. leuchten, und mit ihrer schönen Stimme des Gesanges, mit ihren Augen, mit ihrem Graziengange die Herzen der Jungen Herren auf allen Assembleen, Pickeniks, Spiele, Konzerten, Opern, Schlittenfahrten, Casinos, Klubs und wie die Zerstreuungen Namen haben mögen, nicht bloß zu erwärmen, sondern wie Wachs zu zerschmelzen.

Sich als Mädchen die Taille verderben zu lassen, wäre der dümmste und zugleich fatalste Streich, der sich gedenken ließe. Welches Frauenzimmer nach jetziger Welt könnte so dumm sein! Ihre lieben Mütter, die ohnehin so sorgsam sind, werden ihnen schon mit ihren Erfahrungen beistehen. Sorgen sie für das eine; so werden sie es auch fürʼs|[22] andere tun. Man hat ja Mittel genug*) Aber auch ohne Mutter dürfen sie sich nur ihren erfahrneren Freundinnen, die ihnen gerne mit allen an die Hand gehen, was man zur Zerstörung eines jungen Sprösslings, der noch nicht hervorschießen darf, nötig hat, sicher und mit dem besten Erfolge an vertrauet.

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*) Hatten doch einst in einer großen Stadt*** die Herren Schwarzröcke einen gewaltigen Fehlhieb getan. Die Herren dachten Wunder nicht, wussten es auch selbst öffentlich von den Kanzeln herab nicht genug zu rühmen, wie sehr die Moralität in derselben zu genommen: weil sich seit mehreren Jahren die Zahl der Freudenkinder so sehr vermindert habe. Aber die Herren Arzneikundigen hatten kaum Wind davon bekommen; als sie die Apotheken untersuchten. Hier fanden sie: dass der Abgang gewisser Artikel in denselben sich gegen die vorigen Jahre mehr als um zehnmal vermehret habe. Sie bewiesen dadurch klar genug, dass die vorerwähnten Herren Unrecht hatten, und dass man so nicht schließen dürfe.

 

Im äußersten Falle aber, wenn sie nicht frühe genug auf ihrer Hut gewesen sein mög-|[23]ten, und die Caressen der jungen Herren einmal zu tief Wurzel gefasst haben sollten; so ist ja auch daran so ganz viel nicht gelegen. Wo gibt es noch wohl so harte Männerherzen in der Welt, die in dem jetzigen schwächlichen Jahrhunderte über die Schwachheiten der Damen, vorzüglich über solche Schwachheiten, die man überall Galanterien zu nennen pflegt, zürnen, oder sauer sehen könnten? Man redet ihnen ja überall das Wort. Unsere jetzige Modetracht als Griechinnen, wenn sie es verbergen wollen, kommt ihnen äußerst zu statten. Ein kleiner Bauch lässt sich immerhin auch unter das große Salopptuch – verstecken. Sie können auf allen Fall bei ihren Eltern in einem kleinen Zimmer ihres Hauses die Zeit abwarten, wenn sie nicht anders wollen. Besuchen sie nur wie vorhin öffentliche Gesellschaften, vorzüglich müssen sie tanzen und walzen, bis sie kaum noch zu atmen vermögen. Dann: wenn es nicht mehr gehen will, geben sie eine kleine Unpässlichkeit vor, und suchen nur so bald als möglich wieder mit eben der Stirn,|[24] als vorhin; mit eben der Heiterkeit – wenn sie sie auch nicht mehr wirklich besitzen: so müssen sie sie heucheln – im Publikum zu erscheinen. Wenn nun auch die alten Mütterchen, die Prüden, die Susannen unserer Zeit einige Tage darüber trätschen, das ist doch bald vergessen. Wollen sie aber noch vorsichtiger sein; so haben sie ja Tanten, Verwandte. Sie reisen zu dem Herren Gastwirt Lauenstein in H*** und – kommen wieder.

So lange sie Eltern haben, müssen sie wenigstens bis zu den stehenden Jahren: diese sind bei dem Frauenzimmer vom fünf und zwanzigsten, bis zum funfzigsten Jahre immer fünf und zwanzig – vor dem zwei und dreißigsten sich nicht verheiraten. Alsdann aber und im Falle sie die Eltern früher verlieren möchten und sie nicht selbst Vermögen genug besitzen – müssen sie sich wohl ins Joch der Ehe zu fügen suchen. Sehr ratsam ist es, dass sie, wie es jetzt Mode zu werden beginnt, sich bei diesem oder jenem|[25] Herren auf die Probe geben; so weiß man, von beiden Teilen, was man bekommt. So lange müssen sie die äußerste Verstellung, die größesten Kunstgriffe anwenden, bis sie fest sind. Ist das Band geknüpft, dann können sie als Frau ihre gewohnte Lebensart zwar anfangs allmählig, aber nachher in desto höherm Grade fortsetzen.

Der Ehestand ist eigentlich die lästigste Sache von der Welt. Man denke sich: wie ist es möglich, dass es Frauen gibt, die mit einem einzigen Manne, oft mit einem elenden Knochengerippe, dem Freund Klapperbein die letzte Partie abzugewinnen im Begriff ist; mit einem Schwächling, der sein Pulver im Kriege, oder auf Schulen und Universitäten, im Bordell oder bei dem Gesundbrunnen oder an den tausend Orten, wo der Venus geopfert wird, verschossen hat; mit einem Dummkopfe, der nicht so viel Angenehmes hat, dass er ein Weib zu unterhalten versteht; mit einem geizigen Filz, der der Frau auch nicht eine Lustpartie gönnt; u. d. g.|[26] zufrieden leben können? Nein! ich lobe die jetzt immer mehr Mode werdende Freiheit. Ich lobe mir das Reich, wo die Frau das Szepter führt, und der Mann unter dem Pantoffel steht. Es müsste Schade sein, dass selbst ein Weib, welches auch nicht die größte Portion Klugheit besitzt, nicht einen Mann dahin zu bringen vermöchte, dass er überall ihrem Willen ein Genüge leisten muss. Und zwar muss sie insbesondere es im An fange der Ehe in Acht nehmen. Durch Schmeicheleien, und welcher Mann erliegt nicht unter den glattzüngigen Reden seiner Göttin! noch mehr durch Tränen, können sie alles.

Lassen sie sich gleich in den ersten Wochen ihres Ehestandes ja nicht darauf ein, mit ihrem Gemahl in einem Zimmer zu wohnen, oder in einem Bette zu schlafen. Das stört völlig ihre Freiheit. Nehmen sie ihre eigene Zimmer, ihre eigene weibliche und noch besser männliche Bediente. Sie können im Falle der Not helfen. Suchen sie mit ihnen|[27] ihnen im genauesten Einverständnisse zu leben. Aber, das rate ich, stets wider das Interesse ihres Herrn Gemahls.

Und dann wollte ich es doch dem Herrn Gemahl sehr geraten haben, dass er sich schon vom frühesten Morgen d. h. nach zehn Uhr, nach ihrer Laune erkundigen möchte. Er sollte mir allemal ganz leise vor meinem Zimmer erscheinen, die Pantoffeln draußen lassen, dann vor mein Bette kommen, sanft die Umhänge auseinander falten, und zusehen, ob ich noch schliefe oder schon aufgewacht sei, um mir einen guten Morgen zu wünschen. Meine größte Stärke würde ich darin zeigen, die Schlafende in ihrer schönsten Grazie so zu kopieren, dass er wenigstens dreimal wieder weggehen sollte, ehe ich es zuließe, ihm die schwere Bürde des schönen guten Morgens samt den übrigen Erkundigungen abzunehmen.

Sich mit Haushaltsgeschäften zu plagen? Pfui – da bekäme man schmutzige|[28] Hände, Schwielen und welche Sorgen? Zu stricken, nähen, spinnen, waschen, kochen und, wie alle die tausend Geschäfte heißen, die ehemals zu einer guten Hausfrau gehörten, haben sie durchaus keine Zeit übrig. Es gibt ja der armen Geschöpfe genug in der Welt, die für unser Geld – der Herr Gemahl muss das wohl anschaffen – gern unsere Sklavinnen sind, die nichts lieber sehen, als wenn ihre Hausfrauen sich um nichts bekümmern, als dass sie essen, trinken, spazierenfahren, reiten, sich putzen, spielen, auf Bälle und in alle mögliche Konzerte gehen, sich gänzlich den Zerstreuungen des Lebens überlassen – um zwei Uhr Morgens sich schlafen legen, und um zehn Uhr wieder aufstehen, sich wieder putzen und diesen ewigen Zirkelgang beobachten. Diese Geschöpfe können zuweilen zum Zeitvertreib für den Herrn Gemahl dienen. Dafür muss man doch auch sorgen. Das ist nicht mehr als billig. Und – was würden - bei den häuslichen Geschäften ihre schönen Kleider dazu sagen? Auch ginge ja zu den|[29] edleren Beschäftigungen, wozu sie eigentlich in der Welt leben, die unwiederbringliche Zeit verloren.

Sorgen sie möglichst dafür, dass sie keine Kinder bekommen. Es gibt keine lästigere Affaire auf der Welt. Und – die Welt ist an sich bevölkert genug. Zwanzig Millionen Menschen könnten weniger auf der Welt leben, und die übrigen hätten doch noch immer nicht genug. Aber wie ist das anzufangen? Nehmen sie nach jetzigem Gebrauche als Hausfrau des Morgens nach zehn Uhr von allen nur möglichen jungen Herren, Toilettenbesuche an. Aber wenn ich raten dürfte, aus gewissen Ursachen niemals von zweien zugleich.

Haben sie Kinder? Sie tun schon unendlich viel, wenn sie den Herrn Gemahl damit beschenken. Mag er selbst sehen, wie er damit fertig wird. Lassen sie ihn sorgen, ob und wie sie aufkommen. Die Kinder zu säugen? Pfui, das wäre schön. Oder die Kinder|[30] selbst unter Augen und Aufsicht zu haben? Die schreien und erschüttern das Trommelfell gar zu sehr. Es gibt Ammen, Gesellschaftsmamsellen, deutsche und französische – alte und junge, krüpplichte und gerade, Informatoren genug, die – Tabak rauchen und nicht rauchen, die lange schon auf Unterhalt hoffen. Sie haben die Wahl.

Erst wenn die Kinder ziemlich herangewachsen sind, wenn sie das sechste oder siebente Jahr erreicht haben, dann müssen sie aber nur bloß, was den Tisch anbetrifft, die Sorge für sie übernehmen. Die Kindlein müssen nie satt haben und möglichst frühe ihre Magen zum Zusammenschrumpfen gewöhnen. Die Gewohnheit hat große Kraft, und Fresser, wie ein anderes Sprichwort sagt, werden nicht geboren, sondern erzogen. Weinen und schreien sie; so ist das bloß Eigensinn. Dieser muss entweder mit dem Prügel herausgetrieben werden, oder werfen sie sie in eine Kammer, schließen sie sie zu, und bekümmern sie sich nicht darum. Werden sie dann|[31] auch noch so dürre, mager und elend, dass sie den Kalk von den Wänden essen möchten; stehlen sie ihnen das trockne Brod unter den Händen weg, um ihren Hunger damit zu stillen, kein Mitleiden, geben sie ihnen viel mehr so viele Prügel, wie ihren Jagdhunden. Bleiben sie auch für die künftigen Jahre noch so kraftlos und hinfällig: so dass sie der Wind umwehen könnte, sie nicht stark genug für die geringste Strapaze, das tut nichts zur Sache. Das ist adelich. Und sie werden ja ihren Kindern keine bürgerliche Erziehung geben?

Mit ihrem „Gebieter!“ – So pflegen sie ja spottweise den Herrn Gemahl zu benennen – täglich wenigstens einmal zu zanken, zu nörgeln, zu schelten, das gibt ihnen ganz die Grazie der Selbstherrscherin. Mit ihren Domestiken – ist es am besten, sie lassen es gehen, wie es geht. Die eine Hand, pflegt man zu sagen, wäscht die andere.|[32] Wer befindet sich nicht wohl und glücklich in einem solchen Zustande, wo Lebensgenuss im höchsten möglichsten Grade nach völlig epikurischem Systeme – Glückseligkeit ist. Fast möchte ich behaupten: unsere Damen haben das System des Epikur besser inne, als manche, die Philosophen heißen wollen – das System des großen Immanuels in Königsberg – und – sie befinden sich besser dabei. Es macht ihnen nicht so viel Kopfbrechens.

Größtenteils bin auch ich, wie meine Leser und Leserinnen in vorliegender Lebensgeschichte, die ich selbst entworfen habe, ersehen werden, diesem herrschenden Modeleben gefolgt. Warum sollte ich sie nicht öffentlich vor die Augen des Publikums bringen? Ich errötete ja nicht mit meinen Handlungen vor demselben. Größtenteils, sage ich, bin ich dem Modeleben gefolgt. Denn das Mannsvolk ist verdammt eigensinnig. Diese sogenannten Herren der Schöpfung wollen sich nicht alle und nicht immer gängeln lassen.|[33] Man muss sich, leider! oft genug bei dem besten Willen in die Zeiten schicken; so wehe es auch tut.

Ach! und ich bin nicht die Einzige der Art. Unendlich viele Vorgängerinnen hatte ich schon auf eben der schlüpfrigen Bahn und – ich werde noch viele – Nachfolgerinnen haben. Viele treiben ihre Galanterien ins geheim und wissen sich doch am Ende das Kränzchen aus Hymens Hand zu erringen – auf die ehrenvolleste Weise.

Aber – wie oft mag auch Hymen, der die geheimsten Intrigen der Eheverbindungen unserer aufgeklärten Welt kennt, in seinem Innern lächeln, wenn er die bekränzte Braut am Altare ansieht, und dann zugleich etwas tiefer hinunterschielt auf eine gewisse Erhöhung, auf ein Etwas, das sich sogar schon regt und bewegt, woran der neben ihr stehende junge Herr oft schon mit einer kahlen Glatze auch nicht den mindesten Anteil hat und worüber Chloe nicht einmal im|[34] Stande ist, ihre Farbe zu verändern, weil es ihr die Schminke versagt? Noch mehr, wenn er so manches Mädchen erblickt, das gleich nach ausgesprochenem Ja nicht mehr daran denkt, was es gesagt hat, und so seinen gewohnten Ausschweifungen nachsinnt! Noch mehr – wenn er berechnet, wie sich die Schwägerschaften ins Unendliche vermehren, die allesamt ihre Geweihe unter einander friedlich tragen!!! Doch stille davon.

Noch hätte ich ein Wörtchen darüber zu sagen: dass meine Lebensgeschichte zugleich ein Betrag zur Erfahrungsseelenkunde sein soll. Das ist sie gewiss. Denn es bleibt ewig wahr: dass es unter der Sonne keine vollkommene Tugend eben so wenig als ganz völliges Laster gibt. Mit unserm Predigen, Moralisieren, Kritisieren wird wenig oder nichts - gewonnen. Der Mensch bleibt gewöhnlich, wie er ist. Sein einmal angeborner Charakter, seine Natur kann nicht verändert werden. Trotz aller feinen Erziehung, trotz aller Verstellung, die man ihm von Jugend|[35] auf einflößt, wird sie stets hervorscheinen. Sie behält die Oberhand – man mag auch dagegen räsonieren und deräsonieren, was man will.

Hat der Mensch einmal Hang, überwiegende Neigung zur Zerstreuung, zur Wollust, zum Leichtsinn, zur Eitelkeit, zum Luxus; sieht er noch obendrein hierin die Bespiele der Eltern, und anderer erwachsenen Personen, der Anverwandten; hört er in den heranwachsenden Jahren: dass Vater, Mutter, Großvater, Großmutter, alle nächste Anverwandte so gewirtschaftet haben – wird der Samen dazu, der tief in allen menschlichen Seelen liegt, durch Umstände, die wir nicht voraus sehen können, erweckt – so hilft alles nichts. Der Tugendhafteste wehrt sich wohl eine Zeitlang gegen heftige Versuchungen. Aber er unterliegt am Ende doch, wenn der schwache Augenblick eintritt.

Auch ist der beste Mensch unzufrieden mit seinem Zustande, sobald er an denselben|[36] zu sehr gewöhnt ist. Er will stets Zerstreuung, Veränderung. Wir genießen die glücklichsten Stunden, und auch diese werden uns zum Ekel. Wir haschen nach neuen Freuden und auch diese werden uns alt. Wir haben ohne Veränderung unseres Zustandes, Langeweile und Langeweile – ist der Tod unseres Lebens.

Jetzt trete ich auf und nun – siffle, qui voudra.

 

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Rousseau schrieb – Bekenntnisse: Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) war ein Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung. Rousseau hatte großen Einfluss auf die Pädagogik und die politische Theorie des späten 18. sowie des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Er war ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Sein Werk ist unlösbarer Bestandteil der französischen und europäischen Literatur- und Geistesgeschichte.

In Rousseaus pädagogischem Hauptwerk Émile oder über die Erziehung wird die fiktive Erziehung eines Jungen beschrieben. Die Erziehung beginnt im Kindesalter und endet mit der Heirat Émiles mit 25 Jahren. Der Zögling wird in seiner Kindheit weitgehend von potenziell negativen kulturellen Einflüssen abgeschirmt. Rousseau führte dazu den Terminus der natürlichen und negativen Erziehung ein. So wie pflanzliches Leben bei entsprechenden Umweltbedingungen von allein wächst, soll auch die urwüchsige Natur des Kindes die Chance haben, sich von selbst zu entfalten. Eine direkte Einflussnahme von außen auf die Entwicklung des Kindes ist demnach bis zur Vollendung der Urteilsbildung zu vermeiden. Ein erheblicher Teil der Erziehung findet daher auch in freier Natur statt, wo sich Lerngelegenheiten bieten, wenn man nur hinwandert.

Julie oder Die neue Heloise (französisch: Julie ou la Nouvelle Héloïse) ist ein Briefroman, der erstmals 1761 im Verlag von Marc-Michel Rey in Amsterdam erschien. Der Roman war einer der größten belletristischen Bucherfolge des 18. Jahrhunderts und erlebte bis zu dessen Ende mindestens 70 Auflagen.

Rousseau stellt das natürliche Empfinden den absurden Anforderungen der Gesellschaft gegenüber, die sogar in der Schweiz, wo der Adel scheinbar abgeschafft ist, aber in patrizischer Form weiterbesteht, am Standesvorurteil festhält. Das Buch ist ein flammendes Plädoyer für die Liebesehe und gegen den Standesdünkel des Adels, für die Absolutheit und Authentizität des subjektiven Gefühls. Zugleich ist es belletristisch verkleideter Kreuzungspunkt aller ihn beschäftigenden Themen: vom Primat der italienischen Musik über die französische, von der richtigen selbstgenügsamen Wirtschaftsführung am Beispiel eines kleinen Schweizer Weinguts, von der korrekten Erziehung, von der Entmischung der Geschlechter, vom richtigen Glauben an einen von konfessionellen Zugaben entschlackten Gott, von der Legitimität des Selbstmords, von einer ausschließlich am Gemeinwohl und an der Tugend orientierten Moral und Politik.
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Das Neue, das Revolutionäre des egalitären Diskurses, die Tatsache, dass sich aus heutiger Perspektive vielfältige Bezüge zur modernen Frauenbewegung ergeben, lässt leicht übersehen, dass das von Rousseau geprägte Bild des Geschlechterdualismus für diese Zeit bestimmend blieb. Das rege Interesse an Rousseau zeigte sich auch darin, dass sowohl der ‘Emil’ (1762), als auch ‘Die Neue Heloise’ (176l) in kürzester Zeit ins Deutsche übersetzt und mit Begeisterung aufgenommen wurden. Herrscher und Untertanen, Gelehrte und Dichter, Männer und Frauen betonten die Bedeutung, die die Rousseaulektüre für sie hatte. Auffallend ist, dass die Männer den ‘Emil’, die Frauen dagegen die Neue Heloise’ bevorzugten. Rousseau wurde zum Wegbereiter für die bürgerliche Pädagogik. In Deutschland bezogen sich die Philanthropisten Johann Heinrich Campe (1746-1818), Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) und Christian Gotthilf Salzmann (1744 - 1811) auf ihn, später nahmen Johann Friedrich Herbart (1776 - 1841) und Friedrich Fröbel (1782 - 1852) Bezug auf Rousseaus Ideen. Angeregt durch den ‘Emil’, legten sie zum Teil ihre pädagogischen Konzeptionen in Romanform nieder.

 

Jean-Jacques Rousseau (1712-1778)

Der 1795 erschienene Roman ‘Elisa oder das Weib wie es sein sollte’ ist eine Popularisierung des von Rousseau in ‘Julie oder die Neue Heloise’ (1761) entworfenen Frauenbildes. Er griff in die aktuelle öffentliche Diskussion ein. Nach dem ‘Fräulein von Sternheim’ von Sophie LaRoche war er der meistgelesene Frauenroman dieser Zeit. Er erschien in mehreren Auflagen, es gab mehrere Nachdrucke, und er wurde ins Französische, Dänische, Englische und Holländische übersetzt. Sein Erfolg macht deutlich, wie erheblich der Bedarf an einer leicht fasslichen Orientierung im Bereich der Geschlechterverhältnisse war. Das Frauenbild der Elisa bot vielen Frauen und Mädchen eine Identifikationsmöglichkeit. Der Roman wurde zu einem Kristallisationspunkt der öffentlichen Diskussion.

Die Ähnlichkeit des Frauenbildes in beiden Romanen zeigt damit sicher zugleich ein Stück Alltäglichkeit: Beide Frauen lieben, beide heiraten auf Druck der Eltern einen anderen, einen ungeliebten Mann. Beide arrangieren sich in dieser Ehe, werden in ihr ‘glücklich’ und doch lebt in beiden die Jugendliebe bis ins hohe Alter. Beide werden Mutter und sind pädagogische Naturbegabungen. Beide leben auf einem Landgut, sie werden zur Mutter des Gutes und des dazugehörigen Dorfes. Sie sind verantwortlich für die Menschen, die dort leben, sie leisten soziale Arbeit. Beiden ist eine lebenslängliche Freundin zur Seite gegeben, diese ist glücklich verheiratet, die Kinder beider sind miteinander verbunden. Selbst das Bild des Geliebten in der ‘Elisa’ orientiert sich an der ‘Neuen Heloise’. Von Birkenstein zieht nach der Hochzeit in eine andere Stadt, Saint Preux macht eine Weltreise. Beide bleiben unverheiratet. In beiden Romanen wird der Geliebte später ein Freund des Hauses und übernimmt die Erziehung des Sohnes. Beide Frauen sterben mit sich zufrieden in der Gegenwart ihres schmerzerfüllten Ehemannes und des Geliebten und lassen Familie und Freunde miteinander verbunden und vereint zurück.

Johann Georg Ludwig Brakebusch veröffentlichte 1800 die Abhandlung ‘Elisa, kein Weib wie es seyn sollte’. Ihm war die ‘Elisa’ und vor allem ihre positive Resonanz, ein Dorn im Auge. Sein Hauptkritikpunkt war, dass Elisa ihre Menschenwürde vergisst, über der Begierde, andere glücklich zu machen.

Es ist heute schwer vorstellbar, dass trotz der Breite des Diskurses über ‘Elisa’ und der revolutionären Ideen dieser Zeit sich sonst kein Mann kritisch mit diesem Rollenbild auseinandergesetzt hat. Das spricht für die These, dass die ‘Jakobiner’ in Deutschland sich zwar häufiger mit der Frauenfrage beschäftigt haben als deklarierte Konservative, dass der Grund dafür aber nicht in einem anderen Bild der Geschlechterrollen zu suchen ist, sondern in dein größeren Legitimationsdruck, den Ausschluss der Frauen argumentativ zu begründen.

Während in Frankreich und in England die Geschlechterhierarchie hauptsächlich von Frauen in Frage gestellt wurde, stammten die radikalsten Schriften in Deutschland von Theodor Gottlieb von Hippel. Der bis in das 19. Jahrhundert bekannte Schriftsteller und Politiker hatte sich in seinen letzten Lebensjahren, während der Französischen Revolution, mit mehreren Schriften vehement für die Gleichstellung und die politische Partizipation der Frauen eingesetzt.

Unter den wenigen Männern, die sich für Frauenrechte engagierten, war Hippel mit seiner Schrift ‘Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber’ (1792) und dem ‘Nachlaß über weibliche Bildung’ (1801) der radikalste in seiner Zeit und ist es eigentlich bis heute. Seine Argumentation entwickelte er konsequent aus seiner philosophischen und politischen Einstellung: Vernunft und Freiheit sind die Grundpfeiler der Gesellschaft. Die Gleichstellung der Frau war für ihn zwingend, eine Republik der Gleichen, für ihn das Ziel der Menschheit, konnte ohne diese nicht erreicht werden. In einem republikanischen Staat können nur Gleiche leben, wo Sklaverei auch nur im Ansatz vorhanden sei, seien alle Sklaven, und die Behandlung der Frau war für ihn Sklaverei. Er war überzeugt, so wie die Männer ihre Weiber behandelten, so ließen sie sich auch von ihren Vorgesetzten behandeln.
Spitzer 2002, S. 69 passim.

 

Die Neue Heloise, oder Briefe zweyer Liebenden, aus einer kleinen Stadt am Fusse der Alpen; gesammelt und herausgegeben durch J. J. Rousseau. Aus dem Französischen übersetzt, Erster bis Sechster Theil. Leipzig 1761.

Emil oder über die Erziehung. Erster bis Vierter Theil. Aus dem Französischen übersetzt von C. F. Cramer. Mit […] Anmerkungen […] von Joachim Heinrich Campe. Braunschweig 1789-1791.

 

Bahrdt: Karl Friedrich Bahrdt (1740-1792) war ein deutscher evangelischer Theologe und Schriftsteller im Zeitalter der Aufklärung.

Es wird berichtet, dass Karl Friedrich schon als Kind sehr auffällig war. Er brachte seine Hauslehrer regelmäßig zur Verzweiflung. Auch seine Schulen wechselte er häufig, so besuchte er nur für kurze Zeit die Nicolaischule in Leipzig und die Landesschule Pforta.

Im Alter von 16 Jahren begann er sein Studium in Leipzig bei Christian August Crusius, der einen prägenden Einfluss auf ihn hatte. Er wurde 1761 promoviert und 1762 Katechet. Bereits 1766 wurde er ordentlicher Professor der biblischen Philologie in Leipzig.

1768 musste er wegen einer Affäre mit einer Prostituierten und Klage wegen eines unehelichen Kindes sein Amt niederlegen. Auf Betreiben von Christian Adolph Klotz erhielt er schon 1769 wieder eine Professur für biblische Altertümer in Erfurt. Dort erregte der Aufklärer allerdings durch seine rationalistischen Lehren bald großen Anstoß, so dass er 1771, vermittelt durch Johann Salomo Semler, einem Ruf als Prediger und Professor nach Gießen folgte. Auch dort stieß er wegen aufklärerischer Polemik und seiner Schriften gegen den herrschenden theologischen Lehrbegriff bald auf Widerstand. 1773 machte er den Vorschlag, künftige Theologen durch Schauspieler unterrichten zu lassen, wogegen Herder deutlichen Einspruch erhob. 1775 verlor er zum dritten Mal sein Amt – wieder auf Grund seines anstößiges Lebenswandels.

Nach einem kurzen durch Johann Bernhard Basedow vermittelten Aufenthalt in Graubünden als Direktor des dortigen Philanthropinum Schloss Marschlins ging er auf Einladung des Grafen Carl Friedrich Wilhelm von Leiningen-Dagsburg-Hardenburg 1776 als Pfarrer und Generalsuperintendent nach Dürkheim und gründete auf dem ihm überlassenen Schloss Heidesheim bei Worms ein eigenes Philanthropinum, dessen Leiter er 1777 wurde. Es entsprach jedoch nicht den Erwartungen. 1777 trat er der Freimaurerei in England bei.

Infolge einer Schrift gegen den Wormser Weihbischof Franz Xaver Anton von Scheben und wegen seiner Bibelübersetzung wurde er durch einen oft angefochtenen Beschluss des Reichshofrats für unfähig erklärt, irgendein geistliches Amt zu verwalten. An die Entscheidung des Reichsgerichts schloss sich eine intensive Debatte an, in der sich nicht nur Johann Salomo Semler und Johann Jacob Moser, sondern auch Gotthold Ephraim Lessing zu Wort meldeten. Zunächst landesflüchtig, erhielt Bahrdt 1779 durch Vermittlung des preußischen Ministers Karl Abraham von Zedlitz die Erlaubnis, in Halle zu leben, wo er als Schriftsteller tätig war und allen Bestrebungen des Senats und der orthodoxen Theologen zum Trotz in der philosophischen Fakultät Vorlesungen als Privatdozent hielt, an denen bis zu 900 Hörer teilnahmen.

 

Frontispiz zu D. Carl Friedrich Bahrdts unruhiges Leben, sein Tod und Begräbniß, für Neu- und Wißbegierige beschrieben. Zweyte Auflage. Halle, 1792.

Als nach dem Tod Friedrichs II. (1786) unter Friedrich Wilhelm II. 1788 das Wöllnersche Religionsedikt gegen die Aufklärungstheologie griff, legte Bahrdt sein Amt nieder. Nachdem er seine Frau verstoßen hatte, lebte er mit seiner Dienstmagd zusammen und betrieb mit ihr in einem bei Halle gekauften Weinberg eine Gastwirtschaft, die viel Ärgernis erregte, da er 1783 die quasi-illuminatische Geheimgesellschaft Deutsche Union der XXII (Deutsche Union der Zweiundzwanziger) mit Wissen Adam Weishaupts gründete. Diese Konkurrenzorganisation zu den Illuminaten wurde 1788 durch eine Kampfschrift, die den Orden aufdeckte und von Johann Joachim Christoph Bode stammte, welcher den Illuminatenbund nach Weishaupts Verfolgung weiter leitete und auch den Eklektischen Bund betreute, auf diese Weise zerstört.

1789 geriet Bahrdt als Verfasser des Lustspiels Das Religionsedikt, einer das Wöllnersche (preußische) Religionsedikt verspottenden Satire, erneut in Untersuchung. Der unter den Zeitgenossen äußerst umstrittene Theologe, der eine deistische bis atheistische Lehre vertrat, wurde nach fast achtmonatiger Untersuchungshaft zu einjährigem Festungsarrest auf der Zitadelle in Magdeburg verurteilt und starb in der Haft. (Nach einer anderen Version heißt es, dass Bahrdt nach einer halbjährigen Haft begnadigt wurde, nach Halle zurückkehrte und dort auf seinem Weinberg in Nietleben 1792 starb).
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Dr. Carl Friedrich Bahrdts Geschichte seines Lebens, seiner Meinungen und Schicksale. Von ihm selbst geschrieben. Erster bis Vierter Theil. Frankfurt am Main, 1790-1791.

Ein anderer: Der deutsche Dramatiker, Schriftsteller und Librettist August Friedrich Ferdinand von Kotzebue (1761-1819) . Er war in seinen letzten Lebensjahren als russischer Generalkonsul tätig und fiel 1819 dem Attentat des Burschenschafters Karl Ludwig Sand zum Opfer. [...] Durch Beziehungen von Johann Eustach von Görtz, dem ehemaligen Prinzenerzieher und Obersthofmeister am Weimarer Hof sowie preußischen Botschafter am russischen Hof, wurde er Sekretär des Generalgouverneurs in Sankt Petersburg. 1783 wurde er zum Assessor am Obersten Gerichtshof in Reval berufen und heiratete die Tochter eines russischen Generalleutnants. Er wurde 1785 in den erblichen russischen Adelsstand (von Kotzebue) erhoben und 1785 Präsident des Magistrats des Gouvernements Estland.

In Reval erwarb er sich Anerkennung durch seine Romane Die Leiden der Ortenbergischen Familie (1785) und Die Geschichte meines Vaters (1788) sowie durch die Dramen Adelheid von Wulfingen (1789), Menschenhass und Reue (1790) und Die Indianer in England (1790). Der positive Ruf, der aus diesen Arbeiten erwuchs, wurde jedoch nahezu zerstört durch die drastische zynische Satire Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn, die 1790 (mit dem Namen Knigges) auf der Titelseite erschien. Nach dem Tod seiner ersten Frau zog Kotzebue sich vom Dienst in Russland zurück und lebte eine Zeit in Paris und Mainz. 1795 zog er auf ein Anwesen, das er nahe Reval erworben hatte, und widmete sich der literarischen Arbeit. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war August von Kotzebue publizistisch auch als Theaterkritiker für die Wiener Zeitung tätig. Innerhalb weniger Jahre veröffentlichte er sechs Bände verschiedener Skizzen und Erzählungen (Die jüngsten Kinder meiner Laune, 1793–1796) und mehr als zwanzig Dramen, von denen viele in mehrere europäische Sprachen übersetzt wurden.
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Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn, oder Die deutsche Union gegen Zimmermann. Ein Schauspiel in vier Aufzügen, von Freyherrn von Knigge. [d.i. August Kotzebue). [Leipzig] 1790.

Larven: Gesichtsmasken. Im übertragenen Sinn bezeichnet man mit dem Wort „Larve“ die Verstellung eines Menschen, der seine bösen Pläne verbergen will; daher auch der Ausdruck: einen Verbrecher „entlarven“. „Maske“ hingegen wird bei jeder Art Verstellung gebraucht, auch bei der, die gute Absichten verbergen soll.
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C'est notre plaisir: franz.: Es ist uns eine Freude

Autobiographien: Gemeint sind die autobiographischen Romane des 18. Jahrhunderts. Der Roman des 17. Jahrhunderts lebte von Idealen einer privaten Klugheit, die sich der Gesellschaft geschickt entzog: Die Helden und Heldinnen müssen in der Regel zu geheimen Aktionen, Intrigen, greifen, um ihr privates Glück zu finden. Der Umgang mit Geheimnissen bestimmt den Roman bis weit ins 18. Jahrhundert hinein, sowohl in den Romanhandlungen wie im Spiel, das diese Titel auf dem Buchmarkt spielen: Romane publizieren private Geheimnisse. Dem steht bis weit ins 18. Jahrhundert hinein eine spezifische Selbstdefinition der Helden wie der Autoren zur Seite: Man definiert sich nicht über psychologische Identität, sondern über Reputation, den Ruf, den man verteidigt. Das Duell ist eine legitime Form, den Ruf gewaltsam zu verteidigen. Die öffentliche Darlegung der eigenen Sicht, das Waschen schmutziger Wäsche, die Diffamierung von anderen Behauptungen sind die Sache von Romanheldinnen und -autorinnen bis in die 1740er. Wer anderes behaupten will, muss sich entscheiden, gegen Offenbarungen aufzutreten und damit die Reputation des Autors herauszufordern. Dieses harte Reglement, in dem Romanhelden und -autoren sich durchgängig als öffentliche Akteure begreifen, wird im 18. Jahrhundert eingetauscht gegen ein weiches der Sensibilität und Empfindsamkeit. […]

Samuel Richardsons Pamela or Virtue Rewarded spielt 1740/41 exemplarisch den neuen Grundkonflikt durch zwischen einer unschuldigen moralischen Heldin niederen Standes und einem ihr als Verführer gegenübertretenden Dienstherrn. Der Konflikt endet weder mit dem Ruin der Heldin wie in den Romanen Delarivier Manleys, noch mit einem gewitzten Siegeszug der vermeintlichen Unschuld wie in vielen Novellen; er mündet stattdessen neuartig in der Reform des im Status überlegenen Mannes. Die neuen Helden erleben sich selbst als von ihren Tugenden geleitet, kaum fähig Geheimnisse zu haben. Der Verlust des Gefühls, in „natürlicher“ Harmonie mit ihrer Umwelt zu leben, macht sie unglücklich. Sie entwickeln eigene empfindsame psychische Dispositionen, mit denen sie sich und anderen ihre Handlungsweise erklären können – offen und auf Mitgefühl und Unterstützung angewiesen, wo ihre Vorgänger gewitzt und auch bei tugendhaftem Charakter „verschlagen“ agierten. Vorläufer hat die neue Produktion in der französischen Novellistik. Insbesondere Marie de LaFayettes Princesse de Cleves (1678) eroberte hier dem neuen Verhalten Terrain.

Deutlich handhaben die Romanautoren des mittleren 18. Jahrhunderts ihre Werke als Proben. Die neuen Helden werden der Öffentlichkeit mit didaktischen Intentionen zur Verfügung gestellt: “Now first published in order to cultivate the Principles of Virtue and Religion in the Minds of the Youth of Both Sexes, A Narrative which has the Foundation in Truth and Nature; and at the same time that it agreeably entertains…”, so der Untertitel zu Richardsons Pamela. Der neue Roman setzt Fiktionalität ein, um zu unterrichten und entwirft Menschen mit der Absicht, darüber zu diskutieren, ob hier nicht erstmals die menschliche Natur korrekt erkannt sei.

Die neuen Charaktere benötigen damit eine Wissenschaft von der geheimen Natur des Menschen, die bislang von Kultur deformiert wurde. Mit der Psychologie entsteht diese Wissenschaft im Parallelprozess. Gleichzeitig entwickeln die neuen Romane ein spezielles Interesse an Entwicklungen (auch dieses Wort ist Mitte des 18. Jahrhunderts neu, „Veränderungen“ machten Protagonisten von Romanen bis in die 1720er durch). Bildungs- und Entwicklungsromane kommen auf. Kindheit und Jugend werden Sujets des modernen Romans. Als Vorbilder dienen hier allenfalls die satirischen Romane des 17. Jahrhunderts, die lustige Schwächen ihrer Helden in ihrer Kindheit darlegten. In den Romanen Jean-Jacques Rousseaus werden in den 1760ern Entwicklungs- und Reifungsprozesse zum Gegenstand philosophisch experimenteller Fiktionen. Die Romane Laurence Sternes und Henry Mackenzies kosten in den 1760ern und 1770ern Entwicklungen ihrer Helden satirisch liebevoll zu „empfindsamen“ Charakterskizzen aus. Bildungsromane deutscher Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts verknüpfen das neue Sujet mit einer Spannbreite von Gesellschaftskritik zu individueller historischer Reflexion.

Die neuen Verhaltensnormen werden Mitte des 18. Jahrhunderts zuerst an weiblichen Helden vorgestellt. Männliche Helden verhalten sich wenig später „empfindsam“, oft mit deutlicher Selbstironie. In den 1770ern werden entgegen den konsensorientierten Modellen Romanhelden interessant, die mit der Gesellschaft brechen, an ihrem Glück aus eigenen Dispositionen heraus keinen Anteil haben können. Johann Wolfgang von Goethes Werther (1774) setzt hier einen europäischen Maßstab. Von ihm geht Ende des 18. Jahrhunderts eine eigene Mode tragischer Helden aus, denen die Integration in die empfindsamen beengenden Verhältnisse misslingt.

Die gesamte Entwicklung ist an öffentliche Diskussionen gekoppelt, die jedoch keine Gleichschaltung der Romanvielfalt bewirken: Die Kritik ist dissonant, sie fördert Konkurrenz verschiedener Modelle. Sie teilt mehr noch den Markt in einen Bereich, dessen Reformbestrebungen Rezensenten ansprechen können und ein größeres Feld, das sich an den Kritikern vorbei auf Kundenschichten ausrichtet. Die Differenzierung zeigt sich ab Mitte des 18. Jahrhunderts deutlich im Aufbau eines eigenen Bereichs der Pornographie: Für ihn wird nicht öffentlich geworben, eine Subkultur muss Wissen über diese Titel verbreiten. So ergibt sich ein Romanangebot mit breiter unbesprochener trivialer Produktion und geheimen Nischen, in denen Grenzen des moralischen Konsenses aufgehoben werden.
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Lettre de Cachet: Lettres de cachet sind in der Geschichte Frankreichs vom französischen König unterzeichnete versiegelte Schreiben. Dieser Brief war die schriftliche Niederlegung eines royalen Auftrags und Willensbekundung; diese führte dann in der Folge oft zu einer Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren, einer Exilierung oder Internierung von unerwünschten Personen.

Die Comédie-Française wurde am 21. Oktober 1680 durch eine Lettre de cachet von Ludwig XIV. gegründet. Weitere Beispiele für Lettres de cachet sind die berüchtigten Haftbefehle der Könige von Frankreich vor der Revolution von 1789, durch die missliebige Personen aus Paris und des Landes verwiesen oder ohne Urteil in die Bastille oder ein anderes Staatsgefängnis gebracht wurden.

Königliche Schreiben (französisch lettres royales) wurden unterteilt in die lettres patentes, offene, und in lettres de cachet, das heißt versiegelte Briefe. Erstere wurden immer auf Pergament geschrieben, trugen die Namensunterschrift des Königs und die Kontrasignatur eines Ministers, waren nicht zusammengefaltet, sondern nur am Rand umgebogen und hatten das große Staatssiegel beigedruckt. Die Lettres de cachet wurden dagegen entweder im Namen oder im Auftrag des Königs, ohne andere Kontrolle als die Signatur eines Ministers, auf Papier geschrieben und mit dem kleinen königlichen Siegel geschlossen. Es wurde, besonders seit Ludwig XIV., um missliebige Personen unschädlich zu machen, ein so großer Missbrauch mit diesen Briefen getrieben, dass der Lieutenant général der Polizei gewöhnlich im Voraus angefertigte Lettres besaß, in welche er nur den Namen des zu Verhaftenden einschrieb. Doch war diese Verhaftung häufig auch eine königliche Gnade, indem der dadurch Betroffene der Justiz entzogen wurde, wie es beispielsweise beim Marquis de Sade der Fall war. Durch ein Dekret der Nationalversammlung wurden die lettres de cachet im Juni 1789 abgeschafft, doch 1811 von Napoléon Bonaparte wieder eingeführt.
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die unerbittliche Hippe: die Sense als Attribut des Todes in allegorischen bildlichen Darstellungen

Paulus: Paulus von Tarsus (vor dem Jahr 10-nach 60) war nach dem Neuen Testament (NT) ein erfolgreicher Missionar des Urchristentums und einer der ersten christlichen Theologen. Seine Historizität gilt den allermeisten Forschern als gesichert. Als griechisch gebildeter Jude und gesetzestreuer Pharisäer mit römischem Bürgerrecht verfolgte Paulus zunächst die Anhänger Jesu Christi, dem er, abgesehen von dessen Erscheinung bei seiner Bekehrung, nie begegnete. Seit der Bekehrung verstand er sich jedoch als von Gott berufener Apostel des Evangeliums für die Völker. Als solcher verkündete er vor allem Nichtjuden den auferstandenen Jesus Christus. Dazu bereiste er den östlichen Mittelmeerraum und gründete dort einige christliche Gemeinden. Durch seine Briefe blieb er mit ihnen in Kontakt. Diese ältesten erhaltenen urchristlichen Schriften bilden als sogenannte Paulusbriefe einen wesentlichen Teil des späteren Neuen Testaments.
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unter Judenhände: Paulus schreibt an die Korinther:

Ich habe mehr gearbeitet, ich habe mehr schläge erlitten, ich bin öfter gefangen, oft in redes-nöthen gewesen.
Von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig streiche, weniger eins. Ich bin dreymal gestäupet, einmal gesteiniget, dreymal habe ich schiffbruch erlitten, tag und nacht habe ich zugebracht in der tieffe des meers,
2. Korinher 11, 23-25

Meine Bekenntnisse: Neben den Werken Rousseaus parodiert Schnorr auch die Diskussion in der Aufklärung um die Körperlichkeit des Menschen, die zunächst  als Geschlechterdiffenz bestimmt wurde. Rousseau postulierte einen Geschlechterdualismus ein, nach dem Männer und Frauen unvergleichbar seien. Mann und Frau sind von Natur her verschieden an Leib und Seele. Durch die Unterordnung der Frau ergänzen sie einander in gegenseitiger Abhängigkeit.

Diese Position wurde von Johann Bernhard Basedow (1724-1790), dem führenden Kopf der reformpädagogischen Bewegung der Philanthropen vertreten und von den meisten Pädagogen übernommen.

Vergl. Elke Spitzer: Emanzipationsansprüche zwischen der Querelle des Femmes und der modernen Frauenbewegung. Der Wechsel des Gleichheitsbegriffs am Ausgang des 18. Jahrhunderts. Phil. Diss. Kassel 2002.

Wilhelmine Karoline von Wobeser popularisierte diese Ideen Rousseaus in ihrer Schrift: Elisa oder das Weib wie es seyn sollte.

 

Vierte verbesserte Auflage. Frankfurt und Leipzig 1799.

Wilhelmine Karoline von Wobeser (geb. Wilhelmine Karoline von Rebeur, 1769-1807) war eine deutsche Schriftstellerin. Ihr Werk Elisa, oder das Weib wie es seyn sollte erschien anonym 1795 und wurde ein großer Erfolg. Bereits 1800 kam die fünfte Auflage des Romans bei Heinrich Gräff in Leipzig heraus, zahlreiche Raubdrucke sowie Übersetzungen u. a. ins Englische und Französische führten zu einer weiten und internationalen Verbreitung. Gleichzeitig sorgte die im Roman rigoros geforderte Unterordnung der Frau unter den Mann, die gerade in einer Selbstaufgabe der Frau mündete, für zahlreiche Gegenschriften, aber auch Fortsetzungen und Nachahmungen.
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Amalia Holst widersprach diesem Frauenbild in einem Gegenmodell, ihren Briefen an Elisa.

 

Amalia Holst (1758-1829) war eine deutsche Pädagogin und Frauenrechtlerin. Sie setzte sich für eine Bildung im Geiste der Aufklärung ein und war Verfechterin der Frauenbildung. 1791 formulierte Holst ihre Bemerkungen über die Fehler unserer modernen Erziehung. Die alten Erziehungsmethoden seien nur eine Gedächtnisübung, ohne dass auf die Entwicklung des Geistes Rücksicht genommen werde. So habe man nur „oberflächliches Vielwissen“ und Selbstgefälligkeit gefördert. Sie knüpft bei Johann Bernhard Basedow, Joachim Heinrich Campe und Christian Gotthilf Salzmann an, derer theoretischen Vorstellungen sie sich anschließt. Deren Konzepte seien aber praktisch mangelhaft umgesetzt.

Sie beklagte das viele Gerede, und das zu wenig an Handlung. Im „spielenden, sich ganz nach der Laune des Kindes bequemenden Unterricht“ lehnte sie ab, da er zur Oberflächlichkeit erziehe. Die Folge sei, dass sich die Schüler statt ausgiebig mit dem Nützlichen, nur auf die Schnelle mit dem was sie gerade anspricht beschäftigten, bis es den Reiz des neuen verloren habe. Man solle dem Kind nichts vorsetzen, sondern ein beobachtetes individuelles Interesse gezielt vertiefen. In den Bemerkungen über die Fehler unserer modernen Erziehung wird nicht zwischen Jungen- und Mädchenbildung unterschieden. Es findet keine explizite Betrachtung der Geschlechterfrage statt.

1795 erschien in Leipzig, zunächst anonym Elisa oder Das Weib, wie es seyn sollte, ein Roman von Wilhelmine Karoline von Wobeser (1769-1807). Darin wird die Titelheldin, Tochter, Ehefrau und Mutter Elisa als Ideal einer traditionellen Vorstellung weiblicher Tugenden dargestellt. Dieses Werk reizte Holst zu ihren in Zeitschriften veröffentlichten Briefen an Elisa (1799/1800), in denen sie die idealisierte Unterordnung der Ehefrau kritisierte.

In den Briefen beruft sie sich auf Jean-Jacques Rousseau, Jean de Lafontaine, Christoph Meiners und Carl Friedrich Pockel. Holsts Einschätzung Rousseaus unterliegt mit der Zeit einem Wandel. Dessen im Roman Julie oder Die neue Heloise gezeigtes Frauenbild erhält in den Briefen über Elisa noch ihre Zustimmung. In ihrer Bestimmung des Weibes zeichnet sie hingegen das Bild Rousseaus als reaktionären Rechteverweigerer. Hier weist sie stattdessen auf Theodor Gottlieb von Hippel (1741-1796) hin, dessen Abhandlung Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber sie mehr Aufmerksamkeit wünscht. Hippel wird als wahrscheinlicher Ideengeber des stärkere Nachdrucks im Vergleich zu den Briefen an Elisa vermutet.

Amalia Holst tritt der Unterstellung, Frauen könnten weniger präzise denken, entgegen. Im Sinne der Aufklärung weist sie darauf hin, dass sich der Mensch erst durch Bildung zu einer mündigen Person mache. Von der Ehe schreibt sie, diese sei als Vertrag unter gleichberechtigten Partnern anzusehen. Ihre Grundlage könne nur Liebe, nicht ein Herrschaftsverhältnis sein.
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Für eine absolute Gleicheit von Mann und Frau setzte sich Theodor Gottlieb von Hippel in seinen Schrften ein. "Die Zeiten sind nicht mehr, um das andere Geschlecht überreden zu können, daß eine Vormudschaftwie bisher für dasselbezuträghlich sei, daß sie sein Zustand behaglicher und sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch es sich mit VerantwortungenSorgen, Unruhen undund tausend Unbeauemlichkeiten bürgerlichehn Lebens belasten würde."

 

  

Theodor Gottlieb Hippel: Über die Bürgerliche Verbesserung der Weiber.  Berlin 1792.

Theodor Gottlieb Hippel, ab 1790 von Hippel (1741-1796) war ein deutscher Staatsmann, Schriftsteller und Sozialkritiker der Aufklärung. Er war Mitglied der preußischen Landrechtskommission, Stadtrat, Oberbürgermeister und schließlich Stadtpräsident von Königsberg. Hippel setzte sich für die rechtliche Gleichstellung von Frauen ein. Er war ein Freund Immanuel Kants.
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Fährlichkeiten: Paulus schreibt an die Korinther: Ich habe oft gereiset: Ich bin in fährlichkeiten gewesen zu wasser, in fährtlichkeit unter den mördern, in fährlichkeit unter den Juden, in fährlichkeit unter den Heyden, in fährlichkeit in den städten, in fährlichkeit in der wüsten, in fährlichkeit auf dem meer, in fährlichkeit unter den falschen brüdern.
2. Korinher 11, 26

Relation: hier in der Bedeutung Bericht

kein Roman: Der Roman ist eine literarische Gattung, und zwar die Langform der schriftlichen Erzählung. Das Wort Roman ist ein Lehnwort aus dem Französischen und bedeutet „Erzählung in Versen oder Prosa“. Es löste im 17. Jahrhundert das Wort Historie ab, das bis dahin die unter diese Gattung fallenden Werke bezeichnet hatte. Schnorr verwendet den Begriff hier in der ursprünglichen Bedeutung von Erzählung und meint Emiliens Narrativ, also die sinnstiftende Erzählung für eine Gruppe von Lesern.

Erfahrungsseelenkunde: Die Erfahrungsseelenkunde ist eine von Karl Philipp Moritz (1756-1793 )geprägte Bezeichnung von psychologischen Konzeptionen der Aufklärungszeit. Ihrem Selbstverständnis zufolge gingen die Vertreter der Erfahrungsseelenkunde (auch Erfahrungsseelenlehre) von der in der Beobachtung gegebenen Erfahrung aus. Jedoch waren von vornherein sowohl die Erhebung als auch die Interpretation der Erfahrungsdaten durch Lehrmeinungen und Klassifikationsgesichtspunkte spekulativer philosophischer Systeme bestimmt. Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Aufklärungszeit und das ihnen entsprechende Streben der Menschen nach Autonomie, Bildung und Befreiung von religiösen Dogmen förderten in beträchtlichem Maße das Interesse an psychologischen Fragen, insbesondere an solchen angewandten Problemstellungen wie die Menschenbeurteilung und -behandlung.
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Ausstecherin: Bei der Richelieu- oder Ausschnittstickerei werden die Konturen der Motivteile mit einem Festonstich (auch Languetten- oder Schlingstich) dick nachgestickt, anschließend werden dann bestimmte Teile ausgeschnitten.
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Banquerot: Banquerot, Banquerotte, Falliment, Austritt, Fr. Banqueroute, Faillite, Fuite, und Abandonnement des Biens, (von dem Italienischen Banco rotto, d. i. dem zerbrochenen und ausgeleerten Wechseltische oder Geldcassa also genannt), wird von einem Banquier oder Kaufmann gesagt, der seine Gläubiger zu bezahlen aufgehört hat, d. i. der in Schulden verfallen ist, seine Gläubiger und die eingelaufenen Wechselbriefe nicht bezahlen kann, keinen Credit mehr hat, durch die Gerichte aufgesuchet, von allen Seiten gemahnet, und seine Schulden zu bezahlen, hart angestrenget, ja, von seinen Gläubigern dergestallt verfolget wird, daß er endlich Haus und Hof, Contoir, Magazin, Laden, Kram und Gewölbe, sammt der Stadt und seinem Wohnungsorte verlaßen, und in ein fremdes Land flüchten, daselbst um Schutzbriefe anhalten, sich fernerhin kümmerlich ernähren, und entweder eine ganz neue Handlung von unten auf, oder auch eine andere Profession anfangen, oder aber mit seinen Gläubigern, weil er alsdenn auf freiem Fuße ist, accordiren mus, damit, und ob sie ihn wieder zu den Seinigen kommen laßen, Nachsicht zur Bezahlung seiner Schulden, oder einen ehrlichen Nachlaß an denselben, oder auch neue Hülfe und Vorschub zu seinem Wiederaufkommen geben wollen.
Ökonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft, in alphabetische Ordnung; von D. Johann Georg Krünitz. Band 3 1774, S. 515f.

Pretiosen: Geschmeide

Delikatesse: franz. Feingefühl, Zierlichkeit, Feinheit

Coarbetten: franz. courbette‚ tiefe Verbeugung; gemeint sind die Schritte und Gesten der damaligen Gesellschaftstänze.

Billets doux: Das Billet-doux (franz. billet doux ‚Liebesbrief‘, wörtlich etwa ‚süßer Zettel‘) war im 17., 18. und im 19. Jahrhundert ein kurzes Schriftstück, das dazu diente, unauffällig eine Liebeserklärung an eine Person abzugeben.
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Kupferstich von Nicolas de Launay nach Niclas Lafrensen, um 1790.

Cicisbeos: Der Cicisbeo (ital. auch cavalier servente ‚dienender Kavalier‘ oder Cicisbeat) war im 18. und 19. Jahrhundert in Italien ein galanter Höfling, der der Dame des Hauses bei Abwesenheit des Hausherrn zu gesellschaftlichen Anlässen als Begleiter diente. Er entspricht in etwa dem spanischen cortejo; ein ähnlicher Begriff ist der aus dem Französischen entlehnte Galan.
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Luigi Ponelato, Il cicisbeo, in: Carlo Goldoni, Opere teatrali, vol. 13 (Venice, 1790)

 

alle mögliche Rittereschichten:

 

Guillaume-Hyacinthe Bougeant: Wunderbare Reise des Printzen Fan-Férédin nach Romanzy, Oder in das Land derer irrenden Ritter - Nebst allerhand Anmerckungen, Welche zur Historie, Weltbeschreibung, Naturlehre, Critic und Sittenlehre dieses Landes gehören. Aus dem Frantzösischen übersetzet. Hamburg und Leipzig 1736.

Skansion: Messung eines Verses, Bestimmung des Versmaßes; das Skandieren

wider alle Regeln der Dichtkunst: Unter Regelpoetik versteht man eine Richtung der Dichtkunst, die streng nach vorgegebenen Regeln ausgeübt werden soll, oder ein Regelwerk zur Ausübung dieser Kunst.

Im Zeitalter der Renaissance und im Barock war diese Auffassung weit verbreitet. Sie ging vom französischen Absolutismus aus. Versionen deutschsprachiger Regelpoetik im 17./18. Jahrhundert, beeinflusst von der französischen Klassik, gibt es von Martin Opitz, August Buchner, Sigmund von Birken, Georg Philipp Harsdörffer bis zu Johann Christoph Gottsched. Vorgeblich orientierte sich die Regelpoetik des Barocks an der griechischen Antike (wie es etwa Goethe behauptete), was aber eigentlich nicht zutraf, da sich die französische Klassik die frühe römische Kaiserzeit zum Vorbild nahm und recht eigenwillig deutete. Zu den Vorschriften gehörte etwa, dass ein Dramatiker sich an die „aristotelischen Einheiten“ des Orts, der Zeit und der Handlung halten solle, was manchmal sehr streng ausgelegt wurde: Der Ort sollte nicht wechseln, die Zeit der Handlung einen Tag nicht überschreiten und die Handlung aus einem einzigen Handlungsstrang bestehen (Regeldrama).

Des Weiteren ist die Regelpoetik von Diskussionen darüber geprägt, ob künstlerische Vorbilder (z. B. das antike Epos) oder ein natürliches Geschehen (z. B. geschichtliche Vorgänge) dichterisch nachgeahmt werden sollten. In seiner Schrift Versuch einer Critischen Dichtkunst (1730) weist Gottsched auf die Koppelung vom Wirklichkeitsprinzip (Historie) und Nachahmungsprinzip (Erfundenes) hin, da die Handlung seiner Meinung nach der Wirklichkeit nachempfunden sein müsse.

Die barocke Regelpoetik trug dazu bei, dass die scheinbar regellosen Dramen William Shakespeares im 17. und 18. Jahrhundert gering geschätzt wurden. Zunächst Empfindsamkeit und Rokoko, heftiger dann Strömungen vor der französischen Revolution wie der Sturm und Drang, und vor allem die Romantik wandten sich gegen die Regeln des Ancien Régime. Der mit wenigen Ausnahmen gering geschätzte Roman wurde zum Experimentierfeld für eine literarische Emanzipation von den Regeln des Epos. Somit etablierte sich ab ca. 1750 die Genieästhetik als Gegenbewegung zur Regelpoetik.
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Negligé: Der Begriff Negligé bzw. Negligée stammt aus dem Französischen bzw. von lat. neglegere „missachten“, „vernachlässigen“ und bedeutet so viel wie „das nachlässige [Kleid]“. Ursprünglich bezeichnete der Begriff Hauskleidung, wie z. B. Morgenmantel, Nachthemd oder Pyjama, wogegen heute darunter elegante oder erotische Reizwäsche verstanden wird.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verbreitete sich in Frankreich der Begriff des „negligé“; er bezeichnete den Zustand einer Dame, die nicht bereit war, Besuch zu empfangen, die also nicht angekleidet und frisiert war. Parallel dazu kam zunehmend der Begriff „deshabillé“ für Männer und Frauen in Gebrauch, der die Kleidung bezeichnete, die man in diesem Zustand trug (insbesondere das sogenannte Hauskleid, „robe de chambre“).[2] Im 18. Jahrhundert wurde es von Frankreich ausgehend in ganz Europa für aristokratische Damen üblich, sich in ihrem Hauskleid im Boudoir aufzuhalten, ihr Frühstück einzunehmen und im Bett Besuch zu empfangen.[3] Über dem Hemd trugen die Damen daher einen weit fallenden Morgenmantel: zunächst der Manteau, später die Contouche. Da beide Kleidungsstücke später auch auf der Straße getragen wurden, entwickelte sich die weiter gefasste Bedeutung des Worts Negligé: Jede nicht-formelle, nicht-höfische Kleidung wurde als Negligé (oder Déshabillé) bezeichnet. Heute wäre das am ehesten mit der Kleidung am so genannten Casual Friday zu vergleichen.

Der Marquise de Pompadour wird nachgesagt, sie habe ein Hauskleid erfunden, das unter dem Namen der „Robe à la Pompadour“ bekannt wurde: Es handelte sich um einen Umhang in der Form einer türkischen Jacke, enganliegend am Kragen und geknöpft an den Handgelenken. Indem er sich der Erhebung der Brust anpasste und an den Hüften eng anlag, betonte er die Schönheit der Taille und schien sie zugleich verdecken zu wollen, wie Marianne-Agnès Pillement Fauques 1759 schrieb.[4] Indem dieses „Negligé“ die körperlichen Vorzüge der Mätresse betonte um ihrem königlichen Liebhaber zu gefallen, weist es bereits in die Richtung seiner heutigen Wortbedeutung.
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Anna Dorothea Therbusch: Junge Frau im Negligé .Öl auf Leinwand 1769. Berlin, Gemäldegalerie.

 

negligeant: franz. vernachlässigen

Chemisen: franz. Hemdem

Franzoisen, Angloisen: Modetänze nach französischer und englischer Art

Cotillons: franz. Schürzenjäger

Punsch: Puntsch, Punch, ein starkes Geträncke unter denen See-Leuten, welches am meisten bey denen Engländern gebräuchlich ist, und aus Branntewein, Wasser, Zucker, Pomerantzen-Safft, und Muscaten-Nüssen zubereitet wird.
Zedler,  Bd. 29, S. 827.

Equipage: franz. elegante Kutsche

Assembleen: Versammlungen

die Herren Schwarzröcke: Kleidung der Pastoren

Abgang gewisser Artikel: In der früheren Pflanzenheilkunde und bis ins 20. Jahrhundert bestehenden Volksmedizin wird einer Reihe von Pflanzen wie Arnika (Berg-Wohlverleih), Echtes Johanniskraut, Aloe (Aloe vera), Angelika (Angelica archangelica), Eibennadelsud, Frauenminze, Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), Beifuß (Artemisia vulgaris), Wermut (Artemisia absinthium), Mutterkraut, Gartenkresse (Lepidium sativum), Liebstöckel (Levisticum officinale), Muskatnuss (Myristica fragrans), Petersilie (Petroselinum crispum), Raute (vor allem Ruta graveolens), Gefranste Raute (Ruta chalepensis), Sadebaum (Juniperus sabina), Trauben-Silberkerze (Actaea racemosa), Zimt (Cinnamomum ceylanicum), Safran (Crocus sativus) und Polei-Minze eine abtreibende Wirkung zugeschrieben. Bei Verwendung dieser Präparate sind schwere Vergiftungen beschrieben worden.
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Caressen: franz. Streicheln, Liebkosungen

Salopptuch: seidener Schal

die Susannen unserer Zeit: Als Susanna im Bade, auch Susanna und die (beiden) Ältesten, wird die biblische Erzählung von der Rettung der Susanna durch den Propheten Daniel bezeichnet. Die Geschichte ist unter der ersten Bezeichnung nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in der Rechtswissenschaft bekannIn Babylon lebte ein reicher Mann namens Jojakim. Seine Frau Susanna ist nicht nur schön und fromm, sie hat als Mädchen auch Toraunterricht erhalten. In Jojakims Haus verkehrten zwei Älteste und Richter. Sie beobachten Susanna dabei, wie sie im Park ihres Mannes spazieren geht. Und sie verkehrten ihren Sinn und wandten ihre Augen davon ab, zum Himmel zu schauen und an Gerechtigkeit und Recht zu denken.

Die beiden beobachten die Frau tagelang bei ihren Spaziergängen im Park. An einem heißen Tag wünscht Susanna ein Bad zu nehmen, sie schickt ihre Mädchen aus, die Parktore zu schließen und Öl und Salben herbeizubringen. Die Ältesten in ihrem Versteck bleiben unbemerkt, als die Tore geschlossen werden. Sie sind nun mit Susanna allein im Park und bedrängten sie: falls sie nicht bereit sei, mit ihnen zu schlafen, würden sie Anklage erheben, Susanna habe Ehebruch mit einem jungen Mann begangen. Doch Susanna bleibt standhaft, weigert sich und schreit. Die beiden Ältesten schreien ebenfalls und nehmen die Dienerschaft als Zeugen für ihre Geschichte. Am anderen Tag kommt die Bevölkerung bei Jojakim zusammen, und die beiden Ältesten lassen Susanna vorführen und ihr den Schleier abnehmen. Dann bringen sie ihre Anklage vor. Die Versammlung glaubt den beiden und verurteilt Susanna zum Tode. Und während sie weggeführt wurde, um zu sterben, erweckte Gott den heiligen Geist eines jüngeren Knaben, der den Namen Daniel (hatte). Er wirft der Menge ihr unverantwortliches Verhalten vor und fordert sie auf, zum Gerichtsort zurückzukehren. Die Gemeindevorsteher laden den Knaben ein, in ihrer Mitte Platz zu nehmen und das Verfahren zu leiten. Er trennt die beiden Ältesten und fragt sie unabhängig voneinander, unter welchem Baum Susanna ihren Mann betrogen haben soll. Während der eine angibt, sie habe es unter einem Mastixstrauch getan, sagt der andere, es sei eine Eiche gewesen. Da schreit die ganze Versammlung auf und erkennt, dass es sich bei den beiden Zeugen um zwei Lügner handelt. Susanna wird ihrer Familie zurückgegeben. Die beiden falschen Zeugen werden getötet.
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Die keusche Susanna ein rührendes Drama in Versen und einem Aufzug. Jerusalem 1783.

bis zu den stehenden Jahren: Frauen standen noch bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts unter Geschlechtsvormundschaft, zunächst ihres Vaters und dann ihres Ehemannes.

Affaire: Liebesabeteuer

Domestiken: Dienstboten

nach völlig epikurischem Systeme – Glückseligkeit ist: Epikur (um 341-271 oder 270 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph, Begründer des Epikureismus und der epikureischen Schule. Diese im Hellenismus parallel zur Stoa entstandene philosophische Schule hat durch die von Epikur entwickelte hedonistische Lehre seit ihren Anfängen zwischen Anhängern und Gegnern polarisierend gewirkt. Sie war und ist durch ein verbreitetes Missverständnis des epikureischen Lustbegriffs Fehldeutungen ausgesetzt. [...]
Die innere Logik der epikureischen Lehre wird u. a. in der Begründung der zentralen Stellung von Lust und Lebensfreude deutlich, wie sie Cicero wiedergegeben hat. Demnach gibt das noch durch keinerlei soziale Konditionierung geprägte frühkindliche Empfinden die natürliche Richtung menschlichen Strebens an: Lust suchen (und ggf. lautstark einfordern) – Unlust vermeiden. Dieser Primat liege für Epikur so auf der Hand, dass dafür kein sonderlicher Begründungsaufwand getrieben werden müsse: „Er meint, man spüre dies, wie man fühle, dass das Feuer wärmt, der Schnee kalt und der Honig süß ist.“ Die starken Schwankungen, denen das kindliche Lust- und Glücksempfinden ausgesetzt ist, können in der Jugend durch das Hinzukommen vernunftgegründeter Einsicht (Phronesis) unter Kontrolle gebracht und allmählich in stetigere Bahnen gelenkt werden. Einsicht und stabile Daseinslust bedingen einander: Die Phronesis weist in der Art eines Lust-Unlust-Kalküls den Weg zu einem Höchstmaß an Lebensfreude und zur Vermeidung von Unlust. [...] Maßgebliche Bedeutung für das Verständnis des epikureischen Lustprinzips hat nicht zuletzt die Unterscheidung zwischen katastematischer Lust (im Sinne anhaltender Daseinslust) und kinetischer Lust (im Sinne der Lustvariation). Letztere hat dann – und nur dann – ihre Berechtigung, wenn sie in der Art der Ausübung oder des Ausgelebt-Werdens die Daseinsfreude nicht am Ende beeinträchtigt. Umgekehrt aber muss und wird es der Lebensfreude des sattelfesten Epikureers keinen Abbruch tun, wenn es an der Gelegenheit zur Lustvariation fehlt.

das Kränzchen aus Hymens Hand: Hymenaios, im Deutschen kurz auch Hymen, war in der griechischen Mythologie der Gott der Hochzeit. Sein Name entstand als Personifikation des bei Eheschließungen im Rahmen des Epithalamiums (Hochzeitsgedicht) traditionellen Lieds beziehungsweise Zurufs Hymen o Hymenai, Hymen.
Als Personifikation des Hochzeitsliedes erscheint Hymenaios erstmals bei Pindar und Euripides. In bildlichen Darstellungen wird Hymenaios normalerweise als geflügelter schöner Jüngling gezeigt, der eine Hochzeitsfackel, einen safrangelben Schleier und einen Kranz aus Blumen, speziell Rosen, oder auch Majoran trägt.

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Chloe: Daphnis und Chloe ist ein spätantiker Liebesroman des griechischen Schriftstellers Longos (latinisiert: Longus), der vermutlich gegen Ende des 2. Jahrhunderts geschrieben wurde und auf der ägäischen Insel Lesbos spielt.

Longos erzählt die Geschichte von den Findelkindern Daphnis und Chloe, die ihre Kindheit bei Hirten auf Lesbos erleben, voneinander getrennt werden, wieder zueinander finden, sich lieben und schließlich ihre Eltern wiederfinden und heiraten. Das Werk ist eine Mischung der Bukolik und des antiken Abenteuerromans.

Chloe ist zwei Jahre jünger als Daphnis und befindet sich am Ende des Romans somit nach antikem Brauch im heiratsfähigen Alter. Sie ist ein liebes, unschuldiges Mädchen, wunderschön und ebenso wie Daphnis kindlich naiv. Sie ist für viele Jungen und Männer ein Objekt der Begierde, was sowohl sie als auch Daphnis des Öfteren in heikle Situationen bringt. Auch sie schätzt das einfache Hirtenleben mehr als den Luxus in der Stadt und erfreut sich eher an den kleinen Dingen und an ihrer reinen Liebe zu Daphnis, den Schafen und der Natur.
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Schwägershaften: Im Sprachgebrauch wird Schwägerschaft fließend definiert. Enger als gesetzlich werden nur die Geschwister des Ehegatten oder Lebenspartners und symmetrisch die Ehegatten oder Lebenspartner der Geschwister (nicht aber die übrigen angeheirateten Verwandten, etwa Schwiegermutter, Schwiegersohn und auch angeheiratete Cousins und Cousinen) als Schwager oder Schwägerin bezeichnet. Aufschlussreich sind insoweit die korrespondierenden englischen Bezeichnungen brother-in-law und sister-in-law. Des Weiteren werden entfernte Verschwägerte häufig auch Schwager oder Schwägerin genannt, und zwar insbesondere die Ehegatten oder Lebenspartner der eigenen Geschwister sowie auch die Geschwister eines (in gerader Linie verschwägerten) Schwagers oder einer Schwägerin.
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räsonieren: vernünftig reden, Schlüsse ziehen

siffle, qui voudra: pfeife, wer da will!

 

 

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