Theodor Heinrich Ludwig Schnorr

Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande

Bodenwerder 1794

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Dem

Schach

von Persien

Lutf Ali Chan

 

meinem teuren und hochgeschätzten Herrn Vetter.|

 

Ew. Liebden*) Trauerbrief vom 19ten August 1789 wegen Absterben Ihres mir immer noch sehr im Andenken schwebenden guten Vaters Dschafar3, welcher| mir so sehr viele Güte bei meiner Anwesenheit an Ihrem Hofe erzeigte, habe ich erhalten, und bedaure ich den Verlust eines so schätzbaren Anverwandten und teuren Freundes eben so sehr, als ich mich freue über die Thronbesteigung Seines würdigen Sohnes, und weiß ich diese Freude durch nichts Besseres an den Tag zu legen, als dass ich Ew. Liebden dazu öffentlich durch die Dedikation dieses kleinen Werkchens meiner Abenteuer, wovon Sie zum Theil selbst, wenigstens was Ihre Gegend betrifft, Augenzeuge gewesen, Glück wünsche.|

So wenig ich auch geneigt bin, Prognostika zustellen, so muss ich doch bekennen, dass Sie, als ältester Prinz, ungemeine Anlage zu einem guten Regenten hatten. Verzeihen Ew. Liebden, wenn ich hier ein wenig in Lobeserhebungen ausbreche, denn das ist die Mode so in Dedikationen. Ihr guter Wuchs, Ihre schöne Stirn, Ihre große Nase, Ihr Embonpoint, Ihre. Gravitätsche(!) Miene, Ihr schieflienichtes Herabblicken auf alles, was Ihnen entgegen kam, Ihr Blinzeln mit den Augen – weil Sie nicht gut sehen konnten –Ihre große Liebe zur Pracht,| zum Luxus, zu Ausschweifungen und Vergnügungen aller Art, ließen es schon abnehmen, dass Sie zu einem Regenten alle erforderlichen Qualitäten hatten.

Wäre ich nicht so alt, und hätte ich einen Elefanten; so würde ich mit dem größten Vergnügen einmal meine Aufwartung machen, um zu sehen, wie es jetzt in Schiras steht, und zugleich eine Zeitlang Ihr Maitre de plaisir zu sein. Aber so möchte ich das Reisen nicht mehr so gut ertragen können, als ehemals – die Räder meines Lebenswagens möchten ablaufen, und – dann läge ich da. Freund Hein und| ich spielen schon die letzte Partie, und ich höre jeden Augenblick: Schach dem Münchhausen! Ich kann nicht viel mehr retirieren, und am Ende werde ich mich ergeben müssen. Also Basta! Sie werden dergleichen Leute dort auch haben, und mich wenig oder gar nicht vermissen.

Ew. Liebden werden es schon längst aus der Erfahrung wahrgenommen haben, dass es eine pure Chimäre ist, dass ein Regent alle seine Untertanen glücklich machen kann. Macht er einen glücklich, so leiden tausend andere. Und – ich wüsste gar noch nicht –| dass das so etwas Großes wäre, und dass man Ursache hätte, einen Regenten groß und edel zu nennen, der auf Unkosten von tausend Untertanen zehn glücklich macht, die doch noch immer nicht zufrieden sind. Wie kann der Regent wissen, was für einen jeden seiner Untertanen das Beste ist? Und welche sind es, die gewöhnlich Klagen vor den Thron bringen? Am seltensten die Armen, – gewöhnlich die Übermütigen.

Da Ew. Liebden nun einmal zu einem Regenten geboren sind, so bedürfen Sie nichts weiter. Sie bedürfen kei|nen Verstand, keine Gelehrsamkeit, keine andere Lokalkenntnisse, als die Ihrer Paläste und Ihres Serail’s. Haben Sie ein Bisschen Mutterwitz, so ist es gut für Sie. Sie brauchen nur einen tapfern Magen, – um in einer einzigen Mahlzeit mit Ihrer Suite so viel zu sich nehmen zu können, als zehntausend Menschen zu ihrem Unterhalte in einem Tage nötig haben. Sei es auch, dass tausend von diesen zehn tausenden gar um Brot weinen, in Lumpen gehen, die ihre Blöße nicht decken, tut nichts zur Sache. – Sie brauchen einen starken Geist, um| die stärksten Weine ertragen zu können. Ihr Mahomet hat nur dem Pöbel den Wein verboten, damit er Wasser trinke, und Sie desto mehr Wein trinken können. Der Teufel möchte ohne Wein regieren. Schön, wenn Sie alles unter den Tisch trinken können. Können Sie es aber nicht? Sie werden das schon von selbst tun. – Sie brauchen tausend und mehrere Elefanten, die ausgesuchtesten, und eben so viel Palankins. Lassen Sie andere zu Fuß gehen. Das ist nun einmal so eingeführt. Der Staat contribuiert zur Erhaltung derselben. Lassen Sie die|jenigen, die etwas dawider haben, gleich aufhängen, rädern, sengen, brennen, mit den peinlichsten Strafen belegen. Sagen Sie, das haben meine Vorfahren so gehabt, – also muss ich das auch haben. Glauben Sie es niemals, wenn man Ihnen ins Ohr sagt: dass tausend schreien, dass Millionen über Sie schreien. – Glauben Sie es nicht. Leihen Sie auch niemals solchen Geschwätzen Ihr Ohr. Solche Dinge sind zu klein, – und von tausend Gerüchten sind die eine Hälfte übertrieben, die andere Hälfte ist nicht wahr. – Sie brauchen Herkuleskräfte, um Ihr| Serail, um sich selbst zu befriedigen. Tausend Betten und Hangematten von der schönsten Seide, von den weichsten Pflaumfedern, um sanft zu schlafen, sollte auch der größte Theil ihrer Untertanen auf Stroh, wie die Kamele, oder unter Gottes freiem Himmel liegen. Was tut das? Die meisten Menschen sind doch an ihrem Verderben selbst schuld. Lassen Sie nur alles so gehen, wie es geht, es wird darum weder anders, noch besser.

Das alles ist Ihnen nun schon von der Natur zu Teil worden. Sie haben einen guten Magen; Sie haben| Geistesstärke; Sie haben Herkuleskräfte; Sie haben Land und Leute genug. Was bleibt Ihnen nun zu wünschen übrig? Sie besitzen alles, – und können also recht glücklich sein.

Sprechen Sie nur immer von Güte, Edelmut, Biedersinn, vom Wohl des Volkes; von Tugend, Menschenliebe, von Wohlwollen, und – man wird Sie bewundern, anbeten. Doch – das wissen Ew. Liebden besser, als ich es Ihnen zu sagen vermag. Welcher gewöhnliche Mensch könnte ohne diese Beobachtung der Po|litik durch die gebildete Welt kommen? Wie viel mehr muss ein König diese erste aller Staatswissenschaften kennen, und sie auszuüben verstehen – vorzüglich am Persischen Hof!

Ob Ihre Taten übrigens im Auslande posaunet werden oder nicht, daran liegt Ihnen doch gewiss nichts, – denn das sind gewöhnlich erkaufte Seifen blasen, die gar bald zerplatzen.

Gehaben Sie Sich wohl, und bleiben Sie gewogen

Ihrem

sehr affektionierten Vetter

Hieronymus von Münchhausen.|

 

*) Laut meines Stammbaums war meine Ur-Ur Ur-Ur- Ältergroßmutter die leibliche Tochter des Schachs Sefi, Königs in Persien.

 

Chan: Lotf Ali Khan (* ca. 1769-1794) war der letzte Schah Persiens aus der Zanddynastie. Er regierte vom 10. Mai 1789 bis zum 30. Oktober 1794. Der Sohn von Jafar Khan wurde nach dem Tod seines Vaters 1789 zum Schah ernannt. Er wurde 1792 mit einem Aufstand des Aga Mohammed Khans aus der Kadscharendynastie konfrontiert. Lotf Ali Khan kämpfte gegen ihn mit seiner kleinen Armee, floh dann aber nach Schiras und verschloss sich dort. Lotf Ali Khan verlor Schiras, als sein Kanzler Ibrahim Khan Kalantar ihn verriet und die Stadttore dem Feind öffnete. Lotf Ali Khan misslang es die Stadt Shahr-i Babak von Aga Mohammed Khan an sich zu reißen und zog gegen die Stadt Kerman. 1793 besiegte er die Kadscharen und eroberte 1794 Kerman. Aber bald wurde er für sechs Monate in Kerman von Aga Mohammad Khan belagert. Als die Stadt an Aga Mohammad Khan fiel, wurden alle männlichen Bewohner wegen ihrer Unterstützung des Lotf Ali Khans getötet oder geblendet und ein Haufen aus 20.000 Augäpfeln vor dem siegreichen Aga Muhammad Khan errichtet. Die Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei verkauft und die Stadt über neunzig Tage hin zerstört. Lotf Ali Khan schaffte es aber vorher zu entkommen, wurde aber wieder betrogen und in der Nähe von Bam gefangen genommen. Er wurde durch Aga Mohammad Khan persönlich geblendet, öffentlich geschändet und dann in Teheran in ein Gefängnis gesteckt, wo er zu Tode gefoltert wurde, indem man ihm die Hoden abschnitt und einen Speer durch sein Herz stieß.

 

LuṭfʻAlī Khān (links), rechts sein Minister Mīrzā Ḥusayn.

Tārīkh-i Zandīyah by Mīrzā Muḥammad Ṣādiq, British Library, London.

Liebden: ein Abstractum, mit welchem sich nur noch fürstliche so wohl vermählte, als verwandte und nicht verwandte Personen, mit den Fürwörtern Euer oder im Schreiben Ew. Deine, Ihre, anzureden pflegen. Fürstliche Personen gleiches Standes pflegen sich mit Ew. Liebden anzureden, und königliche und kaiserliche Personen geben bloß fürstlichen entweder diesen Titel gleichfalls, oder, wie besonders von dem Kaiser in einigen Fällen geschiehet, nur Deine Liebden. Es bedeutet so viel als geliebt, und ist unser heutiges Liebe, mit welchem noch auf den Kanzeln die Prediger ihre Gemeine anzureden pflegen. (Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 2057.)

Dschafar: (* ?; † 23. Januar 1789) war der vorletzte Schah der Zand-Dynastie. Er regierte das Land vom 18. Februar 1785 bis zum 23. Januar 1789. Nachdem Dschafar Khans Vater, Sadiq Khan, von Ali Murad Khan gestürzt worden war, schwor er seinen Vater zu rächen. Nach nur vierjähriger Herrschaft stürzte er Ali. Dschafar Khan verteidigte das Land unzählige Male gegen Aga Mohammed Khan vom Stamm der Kadscharen. In seinem dritten Jahr als Schah von Persien wurde er vergiftet. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Said Murad Khan Zand. (Wikipedia)

Schnorrs Quellen:

1. William Franklin's Bemerkungen auf einer Reise von Bengalen nach Persien, in den Jahren 1786 und 1787. Mit einer kurzen Geschichte von Persien, seit dem Jahre1747. Aus dem Englischen übersetzt, mit Anmerkungen von Johann Reinhold Forster, Professor der Naturgeschichte und Mineralogie zu Halle. Berlin 1790.

Im Frühling 1786 hatte Dschaafar Khan sich entschlossen, seine Armee gegen Abu Schähr zu führen, und den Schech Nasir zu bestrafen, weil dieser Reza Kuli Khan in Schutz genommen, und sich weigerte, das jährliche Peischkusch oder Geschenk zu geben, das die Regiernng zu Schiras von Abu Schähr als ein Zeichen der Abhängigkeit verlangt. Schech Rasir, der achtzig Jahre alt ist, war entschlossen, sich gegen Dschaafar Khan zu vertheidigen, und traf dem zu folge Anstalten: Der Letztere kam auf seinem Marsch bis nach Kasseruhn; nun ward aber die Sache von Freunden beider Partheien beigelegt; Schech Nasir bezahlte ein Lack Rupien, und Dschaafar Khan kehrte mit seiner Armee nach Schiras zurück. – Diese Nach richten verdanke ich Herrn Jones von der Faktorei im Bussora.

Am 23. April 1787 ward Seiud Murad Khan, der zu der Zeit, als Ali Murad Khan starb, Gou verneur von Schiras war, und Unzufriedenheit darüber gezeigt hatte, daß Dschaafar Khan sich der Regierung bemächtigte, während des Festes des Tscheraguhns plötzlich ergriffen. Man führte diesen unglücklichen Herrn als Gefangenen nach der Citadelle, schlug ihn daselbst sehr stark, und nahm ihm sein Vermögen weg, das eine unermeßliche Summe betrug, besonders Kerim Khan's Schätze, die als Ali Murad Khan nach Ispahan aufbrach, seiner Aufsicht anvertrauet worden waren. Man gab ihm eine Verschwörung gegen die Regierung Schuld; aber die Einwohner von Schiras glaubten allgemein, er werde nur deshalb in ein Gefängnis geworfen, weil er sich ehemals dem Dschaafar Khan widersetzt habe, der dies noch nicht vergessen könne, und auf dessen noch übrige Macht eifersüchtig, oder vielleicht auch durch dessen Reichthum in Versuchung gerathen sey. Dem sey wie ihm wolle; genug, Seiud Murad Khan ist noch im Gefängnisse, aber ob der Augen beraubt, oder nicht, weiß man nicht, da mit den Staatsgefangenen in Persien Alles sehr geheim vorgenommen wird. Doch glaubt man allgemein, der unglückliche Mann habe diese Strafe wirklich erlitten; und man kann dies nur zu wahrscheinlich vermuthen, wenn man sich an die Beispiele und Erfahrungen in früheren Zeiten erinnert. Die hier erwähnte Revolution fiel übrigens zu eben der Zeit vor, da ich mich in Schiras aufhielt; und man kann sich also auf diese Nachricht völlig verlassen. Am 25. Junius 1787 verließ Dschaafar Khan Schiras, und kurze Zeit nachher marschirte seine Armee nach Norden zu; er kam aber im Oktober zurück, ohne irgend etwas gethan zu haben.

Dies ist der gegenwärtige Zustand von Persien. Akan Mahomed Khan hat noch die Provinzen Mazan der an und Gilan, ferner die Städte Ispahan, Hamadan und Tauris in Besitz, wo er als Souverain anerkannt wird. Dschaafar Khan hat die Stadt Schiras, nebst den Provinzen Bibuhn und Schoster; auch bekommt er ein jährliches Peischkusch von der Provinz Karmanien, und von der Stadt Yezd; ferner geben Abu Schähr und Lahr ihm Tribut. Die südlichen Provinzen sind übrigens einträglicher, als die nördlichen, da sie während der letzten Revolution nicht - so häufig der Schauplatz der bürgerlichen Kriege gewesen sind.

Dschaafar Khan ist ein sehr korpulenter Mann von mittleren Jahren, und schielt mit seinem rechten Auge. An denen Orten, wo man ihn anerkennt, wird er geliebt und geehrt. Er ist von sehr milder Gesinnung, und gerecht. In Schiras hält er eine vortrefliche Policei, und regiert sehr gut. Gegen Fremde, und besonders gegen Engländer, ist er sehr artig und höflich, wie wir, Herr Jones und ich, während unsres Aufenthaltes in Schiras selbst erfahren haben. Von den zwei Kompetenten, die jetzt um die Regierung von Persien streiten, würde er, wenn er Glück gegen den andren hätte, dem Lande wahrscheinlich am ersten seinen Wohlstand und seinen Ruhm wiedergeben; doch es wird eine lange Zeit darüber hingehen, ehe es sich von den Unglücksfällen erholen kann, die es in den verschiednen Revolutionen erlitten hat. Dies Land – wenn ich mir einmal die Orientalische Sprache erlauben darf – blühete ehemals, wie der Garten Eden, reizte und entzückte das Auge; aber jetzt – trauriger Wechsel! – ist es durch die grausamen Verwüstungen des Krieges und durch verderblichen Streit, seiner Blätter und Blumen beraubt.

Die Macht beider Kompetenten ist einander bei nahe gleich, und besteht ungefähr aus zwanzigtausend Mann, größtentheils Reiterei. Dschaafar Khan hat verschiedne Söhne; der älteste davon, Lutf Ali Khan, ein Jüngling von neunzehn Jahren, verspricht, nach seinem Aeußeren zu urtheilen, viel, und ist bei dem Theil der Nation, der unter seinem Vater steht, sehr beliebt. Vor kurzem ist er zum Beglerbeg*) der Provinz Farsistan und zum Gouverneur von Schiras ernannt worden.

So war die Lage des Landes beschaffen, als ich es verließ; aber höchstwahrscheinlich wird der nächste Frühling neue Begebenheiten hervorbringen, und das Schicksal von Persien dadurch entschieden werden, daß entweder der eine, oder der andre von den beiden Nebenbuhlern die Oberhand bekommt.

Abu Schähr, den 10. Decbr. 1787.

–––––

Als dieses Werk schon unter der Presse war, bekam ich Briefe aus Persien, worin erzählt wird, daß Dschaafar Khan vor kurzem die Stadt Lahr mit Sturm eingenommen habe; und den letzten Nachrichten zufolge, stand Akan Mahomed Khan mit einer Armee von zwanzigtausend Mann in der Nachbarschaft von Persepolis.

den 1. November 1788.

S. 147ff.

2. London. Observations made on a tour from Bengal to Persia, in the Year 1786-1787 […] by William Franklin – 1790. In. Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen, 143. Stück. Den 6. September 1790, S. 1433-1437.

S. 263 steht eine Nachricht von der Revolution in Bassora, das 1787. von einem arabischen Scheich Twini erobert, aber durch den Pascha von Bagdad wieder unter türkische Bothmäßigkeit gebracht ward. Wichtiger ist die angehängte Geschichte von Persien seit dem Tode des Nadir Schah bis zum Schluß des Jahres 1787., die mit den Niebuhrschen Nachrichten verglichen zu werden verdient. Der Verf. Hat die seinigen aus dem Munde mehrerer Officiere, die unter Kerim Chan gedient hatten und Augenzeugte der Begebenheiten waren. Gjafar Chan hatte damals einen hoffnungsvollen Sohn, Luft Ali Chan, Beglerbeg von Fars, der, nach den neuesten Nachrichten, jetzt Regent von Persien ist.

S. 1436f.

 

Akbar Khān (gest. 1782), Sohn von Karīm Khān’s Halbbruder, der 1782 von Ṣādiq Khān und seinen Söhnens (außer Jaʻfar Khān) getötet wurde. Er selbst wurde geblendet und getötet von Jaʻfar Khān; Ṣādiq Khān (Regierungszeit 1779-81), der 5. Zand-Herrscher und Karīm Khān’s Bruder, dre von Akbar Khān geblendet und getötet wurde; Unbekannter Prinz; Minister Mīrzā Ḥusayn Vazīr von  Jaʻfar Khān and adahinter sein Sohn Luṭf ʻAlī Khān.; Jaʻfar Khān (Regierungszeit. 1785-89), the 7th Zand-Herrscher und einziger überlebender Sohn von Sādiq Khān; Mīrzā Bāqir.

Tārīkh-i Zandīyah by Mīrzā Muḥammad Ṣādiq, British Library, London.

3. Eine ähnliche satirische Zueignung ist der 1793 in Leipzig erschienenen Satire auf die politischen und sozialen Zustände in Deutschland der Juristen und Publizisten Johann Andreas Georg Friedrich Rebmann (1768-1824) vorangestellt:

Dem Großmächtigsten, Unüberwindlichsten, Allerdurchlauchstigsten Selbstherrscher Herrn Ismael Mulai Kaiser von Fetz und Marocco unterthänig zugeeignet von dem Verfasser.

Sire!

Ew. Majestät haben von Allerhöchst Dero glorwürdigsten Ahnherren nicht nur ein ausgebreitetes Reich, sondern auch, wie es sich von selbst versteht, mit der Krone alle preißlichen Regententugenden geerbt, unter welchen die Liebe zu den Wissenschaften, und die gnädigst-huldreichen Gesinnung, sowolii gegen einheimische als gegen ausländische Gelehrte obenan stehen. Die ganze Welt weiß, daß Allerhöchst Dieselben, wenn Sie einigen Hundert von Allerhöchst Dero Untertthanen mit eigener hoher Hand die Köpfe abgeschlagen haben, sich nicht nur mit Lesung verschiedener kritischer du periodischer Blätter beschäftige, sondern sogar zu Zeiten dem Verfasser der Wiener Zeitschrift, eigenhändige Beiträge zu liefern, nicht minder auch Allerhöchstdero Hofpoëten eine ansehnliche Pension auszuwerfen die hohe Gnade gehabt haben. Dürfte sich mein Werk schmeicheln, in einem müßigen Augenblick von Ew. Majestät zu Allerhöchstdero selbstbeliebigen Gebrauch neben belobter Zeitschrift angewendet zu werden; so würde niemand glücklicher seyn als derjenige, der in tiefer Unterthänigkeit erstirbt

              Ew. Majestät

                                unterthänigster

                            Burkh. Abysius,

                       Erb- und Gerichtsherr von ***

 

     

Empfindsame Reise nach Schilda. mit Kupfern. Leipzig. 1793. bey Wilhelm Heinsius/ dem jüngern.

Prognostika: Vorzeichen, Anzeichen, das etwas über den voraussichtlichen Verlauf einer zukünftigen Entwicklung

Elefanten: Kriegselefanten wurden in der persischen Militärgeschichte vor allem in der Zeit von Achämeniden, Seleukiden und Sasanian. eingesetzt,  Indische Elefanten wurden in den südlichen Provinzen Persiens eingefangen, aber auch aus Indien importiert. Die Soldaten saßen in einem Turm, von dem aus sie kämpften. Der Elefant selbst war mit dünner Plattenpanzerung geschützt. Persische Kriegselefanten wurden von ihrem Reiter, einem sogenannten Mahout, trainiert, der den Elefanten auch in die Schlacht ritt.

 

Kriegelefanten in einer persischen Handschrift des 15. Jahrhunderts.

Schiras: Nach dem Fall des Persischen Reiches der Achämeniden und der Zerstörung von Persepolis durch Alexander übernahm Schiras (700 km südlich von Teheran im südlichen Zāgros-Gebirge auf etwa 1500 m) die Rolle des kulturellen Zentrums der Perser. Im Mittelalter residierten in Schiras unter anderem die islamischen Dynastien der Buyiden und Salghuriden, unter denen die Stadt wuchs und erblühte, aber auch mehrfach Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen war. Später dezimierten mongolische, türkische und afghanische Überfälle die Größe und Bevölkerung von Schiras. Erst unter Karim Khan Zand konnte sich die Stadt ab Mitte des 18. Jahrhunderts wieder erholen und erlebte eine neue Blütezeit, insbesondere in der Wirtschaft und Kultur. Die Stadt liegt etwa 700 km südlich von Teheran im südlichen Zāgros-Gebirge auf etwa 1500 m. Das Klima ist relativ angenehm und mild. Man nennt die für ihre Gartenkultur berühmte Stadt den „Garten des Iran“. (Wikipedia)

Weitere Informationen über das Leben in Schiras und über eine Audienz bei Dschafar Chan bei Johann Reinhold Forster: Franklinʼs Bemerkungen auf einer Reise von Bengalen nach Persien, in den Jahren 1786 und 1787. In: Magazin von merkwürdigen neuen Reisebeschreibungen, aus fremden Sprachen übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen begleitet. Erster Band. Berlin 1790, S. 215-297.

Maitre de plaisir: jmd., der bei einer Veranstaltung das Unterhaltungsprogramm leitet, der bei einem Fest für die Unterhaltung der Gäste sorgt.

Freund Hein: (oder Hain, Gevatter Hein, Bruder Hein) ist eine euphemistische und allegorische Bezeichnung im Deutschen für den Tod (Personifikation). Kupferstich im Wandsbecker Bothen, Die Redensart begegnet erstmals 1650 in einem Flugblatt, wo es heißt

„Freund Hain läßt sich abwenden nit
mit Gewalt, mit Güt, mit Treu und Bitt.“

Matthias Claudius widmet 1775 im Wandsbecker Boten seine „Erklärung der Kupfer und Zeichen“ dem Freund Hain:

 

Erklärung der Kupfer und Zeichen.

Das erste Kupfer ist Freund Hain. Ihm dedicir ich mein Buch, und Er soll als Schutzheiliger und Hausgott vorn an der Hausthüre des Buchs stehen.

Dedication.

Ich habe die Ehr Ihren Herrn Bruder zu kennen, und er ist mein guter Freund und Gönner. Hätt' auch wohl noch andre Adreße an Sie; ich denk' aber, man geht am besten grade zu. Sie sind nicht für Adressen, und pflegen ja nicht viele Complimente zu machen.

'S soll Leute geben, heißen starke Geister, die sich in ihrem Leben den Hain nichts anfechten lassen, und hinter seinem Rücken wohl gar über ihn und seine dünnen Beine spotten. Bin nicht starker Geist; 's läuft mir, die Wahrheit zu sagen, jedesmahl kalt über'n Rücken wenn ich Sie ansehe. Und doch will ich glauben, daß Sie 'n guter Mann sind wenn man Sie genug kennt; und doch ist's mir als hätt' ich eine Art Heimweh und Muth zu Dir, Du alter Ruprecht Pförtner! daß Du auch einmal kommen wirst, meinen Schmachtriemen aufzulösen, und mich auf beß're Zeiten sicher an Ort und Stelle zur Ruhe hinzulegen.

Ich hab da 'n Büchel geschrieben, und bring's Ihnen her. Sind Gedichte und Prosa. Weiß nicht, ob Sie 'n Liebhaber von Gedichten sind; sollt's aber kaum denken, da Sie überhaupt keinen Spaß verstehen, und die Zeiten vorbey seyn sollen wo Gedichte mehr waren. Einiges im Büchel soll Ihnen, hoff' ich, nicht ganz mißfallen; das meiste ist Einfassung und kleines Spielewerk: machen Sie mit was Sie wollen.

Die Hand, lieber Hain! und wenn Ihr 'nmal kommt, fallt mir und meinen Freunden nicht hart.

Die Alten soll'n ihn anders gebildet haben; als 'n Jäger im Mantel der Nacht, und die Griechen: als 'n »Jüngling der in ruhiger Stellung mit gesenktem trüben Blicke die Fackel des Lebens neben dem Leichname auslöscht«. Ist'n schönes Bild, und erinnert einen so tröstlich an Hain seine Familie und namentlich an seinen Bruder: wenn man sich da so den Tag über müde und matt gelaufen hat und kommt nun den Abend endlich so weit daß man's Licht auslöschen will – hat man doch nun die Nacht vor sich wo man ausruhen kann! und wenn's denn gar den andern Morgen Feyertag ist!! 's ist das würklich ein gutes Bild vom Hain; bin aber doch lieber beym Knochenmann geblieben. So steht er in unsrer Kirch', und so hab' ich 'n mir immer von klein auf vorgestellt daß er auf'm Kirchhof über die Gräber hinschreite, wenn eins von uns Kindern 's Abends zusammenschauern that, und die Mutter denn sagte: der Tod sei übers Grab gangen. Er ist auch so, dünkt mich, recht schön, und wenn man ihn lange ansieht, wird er zuletzt ganz freundlich aussehen.

 

ASMUS omnia sua SECUM portans oder sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen [Matthias Claudius]. Wandbeck 1774.

Chimäre: Die Chimaira, eingedeutscht Chimära und Chimäre. ist ein Mischwesen der griechischen Mythologie. Der griechische Name bedeutet eigentlich „Ziege“. Der Begriff Chimäre wurde später verallgemeinert und auf andere Mischwesen ausgedehnt. (Wikipedia)

Ihres Sarail's: Als Serail (türkisch Saray aus dem Persischen sarāy) wird der Palast, die Residenz und der Regierungssitz eines osmanischen zentralen oder regionalen Herrschers bezeichnet.

Palankins:  indische Tragsessel; Sänften. 

durch die gebildete Welt: Eine neue gesellschaftliche Formation von Adel und Bürgertum, die sich in der Ständegesellschaft im 18. Jahrhundert herausbildet.

sehr affektionierten Vetter: Grußformel; zugeneigter, wohlgesinnter entfernter Verwandter

Sefi: Sam Mirza (Schah Safi, 1611-1642) regierte Persien als Schah Safi von 1629 bis 1642. Er war der Sohn von Mohammad Baqer Mirza, dem ältesten Sohn von Schah Abbas I., und Dilaram Khanum, einer georgischen Frau. 1615 ließ Abbas Mohammed Baqer töten, weil er fürchtete, dass dieser ihn stürzen wollte. In den nächsten Jahren tötete oder blendete Abbas seine anderen Söhne und ließ seinen Enkel Safi inthronisieren. Er eliminierte rücksichtslos jeden, den er als Bedrohung seiner Macht betrachtete, und ließ fast alle Prinzen und führende Höflinge und Generäle hinrichten. Er schenkte dem Regierungsgeschäft wenig Aufmerksamkeit und hatte keine kulturellen oder intellektuellen Interessen (er hatte nie gelernt, richtig zu lesen oder zu schreiben), und zog es vor, seine Zeit damit zu verbringen, Wein zu trinken oder sich seiner Opium-Sucht hinzugeben. 1636 besuchte ihn eine Delegation von Friedrich III., Herzog von Holstein-Gottorp, zu der auch Adam Olearius gehörte. Olearius schrieb 1647 ein Buch über diesen Besuch, das in Europa in mehreren Sprachen veröffentlicht wurde. 1639 schickte Safi eine Delegation nach Holstein-Gottorp und überbrachte dem Herzog Geschenke.

 

 

     

 

Adam Olarius: Frontispiz; Porträt von Schach Sefi, nach S. 508; Gastmahl, S. 517.

Adam Olearii Aussführliche Beschreibung Der Kundbaren Reyse Nach Muscow und Persien, So durch gelegenheit einer Holsteinischen Gesandschafft von Gottorff auss an Michael Fedorowitz den grossen Zaar in Muscow, und Schach Sefi König in Persien geschehen. Worinnen die gelegenheit derer Orter und Länder, durch welche die Reyse gangen, als Liffland, Russland, Tartarien, Meden und Persien, sampt dero Einwohner Natur, Leben, Sitten, Hauß- Welt- und Geistlichen Stand mit fleiß auffgezeichnet, und mit vielen meist nach dem Leben gestelleten Figuren gezieret, zu befinden. Schleßwig MDCLXXI.

 

Vorerinnerung.

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Daß ein jeder um seine eigene Lebensgeschichte gewiss selbst am Besten Bescheid weiß, das ist doch wohl keinem Zweifel unterworfen. Da setzt man mich alten Mann noch in meinem später Alter, wo ich oft die Krücken zu Hülfe nehmen muss, um fortzukommen, in die Notwendigkeit, mich in das leslustige Publikum zu wagen, um|[XVIII] dies darzutun. Zween Autors haben mir darunter einen Dienst leisten wollen, dass sie, einer wie der andere, vorgeben, der eine noch glaubwürdiger erzählen zu wollen, als der andere – und dennoch haben sie die Welt mit ihren eigenen Gemengsel, mit der Spreu, die man gewiss von meinem ächten Weizen recht gut unterscheiden wird, betrogen. Es ist zum Erstaunen, wie sie so manches alberne Geschwätz für meine Abenteuer haben ausgeben können. Ich sehe mich daher nolens volens gemüßigt, auf meinen eigenen Krücken heranzukommen; teils die Herren von der geschwätzigen Feder ein wenig zu züchtigen, – teils meine eigene Laune auf die Beine zu bringen. Mag es auch hier oder da zuweilen hinken, so mögen die Leser dies den Schwächen des Alters verzeihen. Man|[XIX] lacht ja wohl einmal über einen alten Kerl mit Krücken und Stelzfüßen, wenn er einen Burzelbaum schlägt.

Hatte ich nun nicht Ursach, als ich den ersten Teil durchlas, heftig zu schmälen – im Vertrauen gesagt, kitzelte ich mich indessen doch über die Berühmtheit meiner hohen Person – und konnte man mir es zumal bei meinem damals erhitztern Blute – da ich nun einmal den Lügen so feind bin, als dem Vater derselben – wohl verargen, dass ich heftig wurde? Ja! ich schwöre es noch einmal, gerne hätte ich damals mein Leben mit dem Autor geteilt, wenn ich auf eine Lüge stieß, die wahre mir zugeeignete Begebenheit sein sollte.|[XX]

Der zweite Autor wollte sich nun noch besser legitimieren, und fiel nur noch mehr durch. Dieser reiset nun gar mit mir in allen Planeten herum, wovon ich keine Silbe weiß, und verkaufte unter dem Mantel seines Bruders des seinsollenden Küsters in Bodenwerder den Leuten nichts als größtenteils – Lügen. Das heißt doch wohl recht: Mundus vult decipi – decipiatur ergo.

Indessen war schon meine Hitze bei dem ersten Büchlein weidlich abgekühlt, und – ich älter geworden. Gewiss man wird, wenn man so viele Fata gehabt hat, und wenn man erst gegen die siebenzig kommt, von fünf zu fünf Jahren grausam alt. Auch dachte ich weiter über die Sache nach, was es wohl helfen könnte,|[XXI] wenn ich mich auch noch so sehr darüber grämte und quälte. Es würde doch nichts dadurch gebessert.

Die größte Teufelei war, dass die Menschen ihren gewaltigen Spaß daran hatten. Sie liefen, wie wenn sie besessen waren, um, der eine noch eher als der andere, sagen zu können: Ich habe das famose Buch gelesen. In allen Gesellschaften wurde von nichts anders als von diesem Buche gesprochen. Ein jeder suchte eine Ehre darin, es eher als der andere zu wissen, um Gesellschaften damit zu unterhalten. Nicht leicht machte eine Broschüre mehr Aufsehen, wie diese. Die Menschen hätten sich lustig gemacht, wenn ich mir noch mehr greises Haar darum hätte wachsen lassen, und mancher|[XXII] hätte sich zu Tode gelacht, wenn es geheißen hätte: Münchhausen hat sich über ein Buch zu Tode geärgert. Um nun allem Unheil, sowohl von meiner Seite, als von Seiten meiner Mitbrüder, zubeugen, war ich zu sehr Philosoph, als dass ich das bei gehörigen Überlegungen: hätte tun sollen.

Ich fand, dass meine Begebenheiten lieber gelesen wurden, als so viele unendlich wichtigere und nützlichere Sachen. Ja! dass sie sogar in alle Sprachen der Welt übersetzt wurden. Noch neulich er hielt ich zwei Briefe aus weit entfernten Ländern. Der eine war aus Asien, und zwar von dem Kaiser aus Schapan Jeval Koo, der andere von dem Negus von Habesch Tecla Haimanout II, Fürsten|[XXIII] von Äthiopien, die mich beiderseits versicherten, dass meine beiden Schriften in ihre Sprachen übersetzt worden wären, dass sie mir nie genug danken könnten für die angenehmsten Stunden ihres Lebens, die ich ihnen durch meine Erzählungen gemacht hätte. Und letzterer, der ein sehr feiner Mann zu sein scheint, schrieb mir gar: er hätte sich die Därme in seinem Leibe so sehr entzweigelacht, daß sein Leibs Chirurgus ganzer drei Tage was zu flicken gehabt hätte. Er bat mich auch zugleich, ich möchte doch noch mehr dergleichen ans Licht stellen, und ihm dasselbe sogleich durch einen Courier zuschicken. Sollte ich das nicht als Aufmunterung für mich gelten lassen, mich selbst noch in meinem Alter mit meinen Krücken ins Publikum zu wagen?|[XXIV]

Doch – was tun die Krücken zur Sache, wenn die Hände zum Schreiben taugen dachte ich, setzte mich hin, und nahm mein Dintenfass vor mir, welches zwei Maß Dinte enthält, legte ein ganz Rieß Papier hin, ließ mir einige hundert Federspulen schneiden – und so begann ich das Werk. Ich gab mir eine Miene, als der größte Gelehrte sich nur zu geben vermag, als wenn ich des ganzen heil. Röm. Reichs Wohlfahrt besorgen wollte – so ohngefähr, wie unsre Evangelisten an den Kanzeln oder Altären abgemalt werden.

Was Münchhausen doch nicht alles kann, dachte ich so bei mir selbst, stolz auf meine Fortschritte. Die Feder schrieb immer zu. Meines Denkens bedurfte es gar|[XXV] nicht, und in vier und zwanzig Stunden, in welcher Zeit ich weder aß noch trank, noch schlief, hatte ich die Dinte aus-, und das Papier vollgeschrieben. Sie können leicht denken, dass mir dabei oft meine Hände gezittert haben, und – wer meine Hand kennt, der weiß, dass es bei mir auch heißt: Docti male pingunt, – ich kann mit Fug und Recht hinzufügen: et nobiles. Es sah wahrlich meistenteils aus, wie Kraut und Rüben. Ich sahe es durch, und es blieb wenig mehr zu lesen übrig, als die wenigen Bogen, die ich jetzt meinen Lesern mitteile, womit sie fürerst zufrieden sein mögen. In den übrigen ist noch ein großer Schatz vorhanden – wenn ich es nur erst wieder lesen könnte. Meine Augen, wovon sie in meinen Begebenheiten schon vieles gelesen haben, und wovon ich ihnen noch verschie|[XXVI]denes mitteilen werde, sind zu stumpf und abgenutzt, als dass ich noch etwas gescheutes herausbringen könnte. Jedoch, wenn auch ein Tarquin sie noch teurer bezahlen wollte, als die sibyllinischen Bücher, er bekäme sie dennoch nicht. Und – vieles, vieles darf ich meinen Lesern jetzt noch nicht sagen. Es verträgt weder Luft, noch des etwas.

An Glaubwürdigkeit soll meinem Büchlein gewiss nichts abgehn. Ich will es mit nichts weiter bedokumentieren, als mit den Begebenheiten meiner Jugend; mit den häuslichen Scenen meiner lieben Frau, Gott habe sie selig! und mit meinem eigenen Contrefait, welches ich habe davor stechen lassen.|XXVII]

Und nun, lieber Leser! gehabe dich wohl, bis du dich von Anfang bis zu Ende des Buches gehörig hindurchgearbeitet und hindurch gelacht hast. Gähnest du auch mitunter einmal, so denke daran, dass nicht jedes Stück, nicht jede Geschichte gleich reichhaltig an Lachmaterialien sein können, und vergiss nicht, dass ich ein alter Mann bin.

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Zween Autors: Gottfried August Bürger und Theodor Heinrich Ludwig Schnorr

erzählen: Der berühmte, oder soll man lieber sagen berüchtigte Baron von Münchhausen, welcher seine erträumten höchst seltsamen Abenteuer als wirkliche Facta zu erzählen pflegte, hatte ein ausgebreiteteres Publikum. Als man glauben sollte. Anekdote. In: Zeitung für die elegante Welt, Nr. 150. Sonnabends den 29. Juli 1809, Sp. 1199.

schmälen: Durch die deutsche Übersetzung, die unter Bürgers Namen erschien, bekam M. die erste Kunde von dem Druck seiner wirklichen oder vorgeblichen Geschichten. Den tiefen Verdruß darüber hat er nie verwunden, auch meinem Vater, (der ihn vergeblich zu überzeugen suchte, daß die Sache ganz anders aufzufassen sei,) mehrfach bitterlich geklagt: daß er durch Bürgers und Lichtenbergs Bosheit so vor aller Welt prostituirt werde. Er wie mein Vater sind stets der Meinung geblieben , daß nur jene beiden die Autoren seien und zwar in beiden Sprachen und daß die Bezeichnung der deutschen Ausgabe als einer Übersetzung , nur zum Schein gebraucht wäre.

A. F. von Münchhausen 1872, S. 66f.

Der zweite Autor: Schnorr verwendet als Pseudonym den Namen Jürgen Küper.

Mundus vult decipi – decipiatur ergo: Die Welt will betrogen sein, also betrügen wir sie.

gegen die siebzig: Im Jahre des Erscheinen dieses Buches war Hieronymus von Münchhausen 74 Jahre alt.

Der Vater des Münchhausen-Forschers Adolf Ellissen sah „den alten Münchhausen etwa 2 Jahre vor dessen Tode (um 1795) in seinem Garten zu Bodenwerder und fand in ihm zwar einen abgestumpften und in Folge des Spectakel, den Raspe’s Buch gemacht hatte, sehr mißtrauisch und wortkarg gewordenen Greis, vernahm aber von dem Pastor Cludius, welchem er die Bekanntschaft des alten Herrn verdankte und der bei diesem ziemlich in Gunst stand, die volle Bestätigung alles dessen, was von seinem Capitaltalent, wie er es früher hatte leuchten lassen, nur immer in der Welt verlaute.“ […] Münchhausen habe seine Geschichten „ganz cavalièrement, zwar mit militärischem Nachdruck, doch ohne alles Pathos mit der leichten Laune eines Weltmanns und als Sachen, die sich von selbst verstehen, zum Besten gegeben“.

Adolf Ellissen: Einleitung zu dieser neuen Ausgabe. In: Des Freih. v. Münchhausen wunderbare Reisen und Abenteuer […]. Göttingen und Berlin 1849, S. XVIf.

Mein Vater erhielt schon 1772 das Amt Springe, wo er während der jährlichen großen Saujagden die Jägerei einzuladen pflegte. M. wird nicht dabei gewesen sein. Mein Vater erinnert sich aber, daß, wenn bei Tisch in der gehobenen Stimmung die Jäger in der Aufzählung ihrer Jagdheldenthaten den Mund sehr voll nahmen, (das s. g. Jägerlatein sprachen,) von Anderen, als Dämpfer eingeworfen ist: wie der Herr von Bodenwerder doch noch ganz andere Thaten gethan. Dies war mehrere Monate vor dem ersten Erscheinen des Buches und würde beweisen, daß M.ʼs Geschichten und zwar in richtigen Verständniß, schon ins Publikum gerungen waren, also für ihre Sammlung für die Presse wohl anregen konnten. – Durch die deutsche Übersetzung, die unter Bürgers Namen erschien, bekam M. die erste Kunde von dem Druck seiner wirklichen oder vorgeblichen Geschichten. Den tiefen Verdruß darüber hat er nie verwunden, auch mein Vater, (der ihn vergeblich zu überzeugen suchte, daß die Sache ganz anders aufzufassen sei,) – mehrfach bitterlich geklagt:; daß er durch Bürgers und Lichtenbergs Bosheit so vor aller Welt prostituirt werde.
A. F. von Münchhausen 1872, S. 65f.

Pastor Cludius:

Johann Heinrich Cludius entstammte einer angesehenen und wohlhabenden Osteroder Bürgerfamilie. Seine erste Bildung erhielt er an der Stadtschule seines Geburtsortes, um in der Folge in Göttingen an der dortigen Universität zu studieren. Anschließend wirkte er zunächst als Hauslehrer in Lüneburg. 1760 ging Cludius nach Hannover, wo er von Ostern desselben Jahres bis Weihnachten 1761 als Nachfolger von Johann Andreas Urban die Aufgaben des Inspektors des Königlichen Schullehrer-Seminars wahrnahm, bevor Johann Carl Salfeld diese Arbeiten übernahm. Am zweiten Sonntag nach Epiphanias des Jahres 1762 übernahm Cludius die Stelle des Zweiten Predigers in Moringen. Nach seiner Hochzeit wurde ihm am 11. Oktober 1773 seine Tochter Anne Sophie Cludius beziehungsweise Anna Sophie Friederike Cludius geboren. 1779 wurde er Pastor in Bodenwerder. 1798 trat Cludius zu Ostern 1798 die Stellung als Pastor in Lohe bei Nienburg an der Weser an. Noch im selben vermählte er dort seine Tochter mit dem kurz zuvor vom russischen Zarenhof nach Deutschland zurückgekehrten Musiker und Komponisten Johann Christian Firnhaber und trug hierzu ins örtliche Kirchenbuch ein: „Die Braut ist meine des jetzigen hiesigen Predigers Jo. Heinr. Cludius einzige Eheleibl. Tochter.“[4] In Lohe feierte Cludius 1812 sein Amtsjubiläum, ein halbes Jahr später auch sein Ehejubiläum. (Wikipedia)

übersetzt wurden: 1794 gab es neben den diversen englischen Münchhausen-Ausgaben bereit Übersetzungen ins Französische (1787) und ins Holländische (1790). Der Raubdruck der ersten Fassung von Bürgers Münchhausen, der unter dem Titel „Die Kunst zu lügen“ 1788 erschien, diente als Vorlage für eine um 1791 publizierte russische Übertragung: Ne ljubo ne slušaj, a lgat’ ne měsaj. [Gefällt es dir nicht, so höre nicht zu, aber störe nicht zu schwindeln.] [Übers. aus dem Deutschen von Nikolaj Osipov]. St. Petersburg o.J. [1791?]

„Deren Verfasser Nikolai Ossipow (Nikolaj Osipov) war bis dahin u. a. mit Übertragungen des „Don Quijote“ von Cervantes, Richardsons „Clarissa“ und einer Äneis-Travestie nach Aloys Blumauer hervorgetreten. Er präsentierte seine Version denn auch im Vergleich hierzu als eher „unbedeutendes Geschreibsel“, das „in sich die lauterste Wahrheit mit der bodenlosesten Lüge“ vereine. An diesem Werk mag ihn nicht zuletzt die Tatsache gereizt haben, dass zahlreiche Episoden ja in Russland spielen und man hier gleichsam die – allerdings wenig schmeichelhafte – Meinung eines Ausländers zu russischen Verhältnissen vernehmen konnte. Die gedruckte russische Fassung unterdrückt jedoch gerade diesen Aspekt, wobei wohl weniger der Übersetzer als vielmehr die Zensur hierfür verantwortlich sein dürfte. So fehlen in Ossipows Version
sämtliche (!) geographischen Hinweise auf Russland ebenso wie die Erwähnungen literarischer oder politischer Persönlichkeiten oder erst recht Passagen mit politisch oder religiös heiklem Inhalt. Gestrichen wurden u. a. alle Hinweise auf Papst Clemens XIV., Shakespeare, Elisabeth I. von England und Katharina II. von Russland, aber auch Anekdoten mit Bezug zur russischen Geschichte. Wiedergegeben sind dagegen im politischen Bereich die scheinbar unverfänglichen Hinweise auf orientalische Despoten oder etwa die nicht gerade feinfühligen Bemerkungen über die Niederlande. Somit reduziert sich die Ausgabe letztlich auf eine den Text stark verkürzende und auf jegliche rhetorische Ausschmückung verzichtende freie Nacherzählung aus neutraler Erzähldistanz.

Ungeachtet dieser Mängel fand das Büchlein gleichwohl großen Anklang bei der Leserschaft, denn allein bis 1818 erlebte es fünf – ab der Zweitausgabe um Auszüge aus Heinrich Theodor Ludwig Schnorrs „Nachtrag zu den wunderbaren Reisen ...“ erweiterte – Auflagen, die in dieser Form schließlich auch ins Polnische übersetzt wurden31. Für die große Beliebtheit dieses Werkes spricht dabei, dass rund zwanzig weitere Ausgaben in teils anderer Übertragung allein im 19. Jahrhundert erschienen, und inzwischen lassen sich die russischen Editionen, deren Auflagenhöhe längst die Millionengrenze überschritten hat, kaum noch zählen. Damit wurde Bürger letztlich zu einer festen Größe im Bewusstsein breiter Kreise der russischen Leserschaft, wenngleich man ihn bis heute insgesamt eher indirekt wahrnimmt: durch Shukowskis gleichsam unsterbliche „Ludmilla“, und durch die Anekdoten des Freiherrn von Münchhausen.“

Drews 2003, S. 360

Raspe, R. E. / Bürger, G. A.: Ne ljubo ne slušaj, a lgat’ ne mešaj, Übers. N. P. Osipov, St. Petersburg o. J. (1791?).

Raspe, R. E. / Bürger, G. A.: Kłamstwa nad kłamstwami, 2 Bde., Wilna 1822 (explizit nach der fünften Auflage der russischen Ausgabe – St. Petersburg 1818 – übertragen).

Nach der von I. G. Gurjanow (I. G. Gur’janov) überarbeiteten russischen Fassung gleichen Titels, die erstmals 1833 in Moskau erschien, wurde das Werk zudem ins Serbische übersetzt: Ako ne voleš slušati ne smetaj lagati, Übers. S. Milojević / K. I. Popović, Belgrad 1865.

Jeval Koo: Kaiser Kōkaku (jap. Kōkaku-tennō (1771-1840) war von 1780 bis 1817 der 119. Tennō von Japan. (Wikipedia)

Negus: Tekle Haymanot II. (äthiop. „Gewächs des Glaubens“, Thronname Admas Sagad III., „vor dem sich der Horizont verneigt“ (1754-1777) war vom 18. Oktober 1769 bis zum 13. April 1777 Negus Negest (Kaiser) von Äthiopien sowie ein Mitglied der Solomonischen Dynastie. Sein Bruder Tekle Giyorgis I. (äthiop. „Gewächs des Heiligen Georg“, † 1825) war mit Unterbrechungen vom 20. Juli 1779 bis Juni 1800 Negus Negest (Kaiser) von Äthiopien. (Wikipedia)

Rieß Papier: Mengenangabe für 1000 Druckbogen

Federspulen: Schreibfedern wurden aus einem Gänse-Federkiel hergestellt. Der obere Teil des Kiels wird Federschaft (Rhachis) genannt, der untere Federspule (Calamus) oder Spindel. 

unsre Evangelisten: Gemeint ist der Apostel Paulus, der römischer Bürger war. Paulus geht in Röm. 13,1-7 der Frage nach, wie sich der Christ gegenüber dem Staat zu verhalten hat. Die Christen sollen den Staat als Regierungsform achten, da er die Ordnung schafft, die Gerechtigkeit herstellt und damit den notwendigen Rahmen für das Leben garantiert. Dieses Gerechtigkeitsstreben des Staates ist sein gottgegebener Sinn. Schnorr was Pfarrer an der Kirche St. Peter und Paul zu Amelunxen.

 

Jan Luyken: Der Apostel Paulus schreibend; schwarzer Stift und Pinsel in Grau und Braun, weiß gehöht, allseitige Einfassungslinie in Schwarz, Städel Museum, Frankfurt am Main.

et nobiles: Gelehrte schreiben schlecht – ich kann mit Fug und Recht hinzufügen: ebenso Adlige.

Wenn etwas „wie Kraut und Rüben“ aussieht, dann ist es sehr unordentlich und chaotisch.

Tarquin: Lucius Tarquinius Superbus († um 495 v. Chr.) stammte der Sage nach aus der Familie der Tarquinier und war der siebte und letzte König von Rom. Er regierte seit 534 v. Chr. und wurde der Überlieferung nach im Jahr 509 v. Chr. aus Rom verbannt.

Livius’ Geschichtswerk ab urbe condita enthält die folgende (unstreitig sagenhafte) Erzählung:

Tarquinius trieb es mit den Ermordungen von Adligen und anderen Missbräuchen seiner Macht so weit, dass sich die Götter entschlossen, ihre Wut in einem Omen zu zeigen. Daher kroch im Königspalast eine Schlange aus einer Holzsäule, was die Königsfamilie in Angst und Schrecken versetzte. Dieses Omen beunruhigte sogar Tarquinius. Er sandte seine beiden Söhne und den Sohn seiner Schwester, Lucius Iunius Brutus, zu dem Orakel nach Delphi. Tarquinius’ Söhne hielten ihren Vetter für beschränkt. Um eventuellen Angriffen des Königs zu entgehen, hatte Lucius Iunius seine Intelligenz bewusst hinter einer Menge von weniger intelligenten Aktionen versteckt, was ihm den Beinamen Brutus („Dummkopf“, „Trottel“) eingebracht hatte.

Nachdem die drei in Delphi angekommen waren, befragten sie – dem Auftrag Tarquinius Superbus entsprechend – das Orakel zunächst nach der Bedeutung des Schlangen-Omens (die Antwort des Orakels zu diesem Punkt wird in den Quellen interessanterweise gar nicht überliefert), fügen aber noch eine Frage in eigener Sache hinzu, nämlich, wer (von ihnen) nach dem Tod ihres Vaters die Herrschaft in Rom übernehmen werde. Das Orakel antwortete, dass der Erste, der die Mutter küsse, der nächste Herrscher von Rom sein werde. Tarquinius’ Söhne glaubten, dass mit „Mutter“ ihre biologische Mutter gemeint sei, aber Lucius Iunius Brutus erkannte, dass das Orakel nicht von der leiblichen, sondern von der gemeinsamen Mutter aller Menschen, der Erde, gesprochen hatte. Als sie das Orakel verließen, tat Lucius so, als ob er aus Ungeschicklichkeit stolpere, stürzte zu Boden und gab der Erde unbemerkt einen Kuss.

Tarquinius Superbus’ tyrannisches Regime und eine deswegen immer stärker werdende Opposition innerhalb des römischen Patriziats führten laut Aussage der späten Quellen zur Verbannung des Königs und seiner Familie aus Rom, während dieser im Rahmen seiner Expansionspolitik die latinische Stadt Ardea (36 km südlich von Rom) belagerte. Der Anlass für den Aufstand war angeblich (Livius, ab urbe condita 1,56–60) die Vergewaltigung der Lucretia durch Tarquinius’ Sohn Sextus, die als weiterer untrüglicher Beweis für die Verkommenheit der Königsfamilie angesehen wurde.

Contrefait: Wortspiel Schnoors; er bezeichnet mit „Contrefait“ das Konterfei, das mit leicht negativer oder scherzhafter Konnotation die Abbildung, das Bildnis einer Person bezeichnet. Es ist aus dem altfranzösischen contrefait = nachgemacht, gefälscht entlehnt. Das französische Adj. contrefait bedeutet missgestaltet.

 

Wunderbare/ Reisen/ zu Wasser und zu Lande,/ und/ lustige Abentheuer/ des/ Freyherrn von Münchhausen,/ wie er dieselben bey der Flasche Wein im Zirkel/ seiner Freunde selbst zu erzählen pflegte./ Neueste Auflage mit 25 Kupfern./ Berlin,/ in der neuen Buchhandlung./ 1803.|

 

 

Ein Traum –

aber nur bloß lesbar und verständlich für beide Herren Herausgeber des ersten und zweiten Teils. – Auch wünsche ich, dass es von niemand anders gelesen werden mag.

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Mich dauchte, ich war in einem großen Papierladen. Ich war nackt – wie man es zu nennen pflegt*): splinterfasernackt, so wie mich Gott erschaffen hatte.

Viele Genien waren beschäftigt, Papier in langen Streifen an einander zu reihen. Einer stand neben mir,|[XXIX] und reichte mir das eine Ende desselben, und – es half nichts – alles meines Sträubens ungeachtet, musste ich es einschlingen. Und, so wie ich einschlang, war ganz und gar kein Ende daran. Ich fand, dass mein Bauch von dem vielen Einschlingen doch nicht dicker wurde.

Wie geht das zu? dachte ich bei mir selbst.

Ich sahe mich um, und wurde einen Menschen in derselben nackten Attitüde gewahr, der gerade hinter mir stand, und aus meinem Liebwertsten den Papierstreifen mit dem Munde auffasste, und heraus zog, welches er dann wieder verschlang, und ihm eben wieder so durchging. An seines Liebwertsten Ende standen begierig Menschen, die alles, was durchhinging,|[XXX] sogleich auseinander wickelten, lasen, und ganz entsetzlich dabei lachten. Diese letztern sahen ganz aus, wie Buchdrucker, denn sie hatten einen Tenakel in der Hand. Sie zankten und rissen zuletzt um die Enden.

Nach einer Pause begann dasselbe Spiel von neuem. Das vorherige Männchen machte einem andern Platz, der es eben so machte. Es entstand erst wieder ein heftiges Gelächter, man balgte sich wieder. – Einer von diesen unsanften Herren, der dem andern in die Haare fiel, zerriss vieles, und trat mich auf den Fuß, wovon ich, wie natürlich, erwachte.

Ich kann mir die Personen noch ganz lebhaft denken. Ich wollte sie nennen, so genau stehen sie vor mir.|[XXXI]

Den ersten hatte ich noch nicht vor langer Zeit von einem hohen Katheder herab posaunen gehört und gesehen; der andere hatte seine Offizieruniform im Nebenzimmer abgelegt. Es ist derselbe, der immer von mir sagte: dass ich ihm eine so große Wette schuldig geblieben wäre, und wovon ich eben dasselbe behauptete, wenn man mich um ihn frug.

Beide Herren waren mir, und ich war ihnen in meinem Leben nicht gut gewesen; daher haben sie mir ein Schellchen anhängen wollen. Aber jetzt hat sich es umgekehrt.

Man sage mir nicht, dass die Träume nicht eintreffen. Hier liegt die Wahrheit klar am Tage. Das waren beide Münchhausens Lügenschmiede, die seine wahren Geschichten gehöret, und sie mit ihren Lügen|[XXXII] durchwürzet haben. Ein fetter Bissen für euch, ihr armseligen Bücherwürmer, die ihr mir den Braten vor dem Munde wegschnapptet. Diesmal soll es euch so nicht ausgehen. Ich will diesen Braten selbst essen, damit ich bei Leibes Leben noch etwas davon kriege – damit die Wahrheit, wo mit ihr so erbärmlich umgingt, nicht wieder die Prelle bekomme.

Fürerst genug. Bei Gelegenheit ein Mehreres.

*) Die etymologische Bedeutung dieses Wortes kenne ich nicht. Ich weiß nur so viel, dass es heißt: in puris naturalibus. 

 

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Genien: hier in der Bedeutung von Genies

Attitüdebewusst eingenommene, gekünstelte körperliche Haltung, affektiert wirkende Geste

Liebwertsten: Hintern

Tentakel: Gerät zum Halten des Manuskripts beim Setzen

der andere: Schnorr meint Rochus Friedrich zu Lynar (1708–1781), der aus einer alten preußischen Adelsfamilie italienischen Ursprungs stammt. 1735 war er als dänischer Gesandter in Stockholm tätig und wurde 1739 mit dem Dannebrogorden ausgezeichnet. Nach dem Abbruch dänisch-schwedischer Bündnisverhandlungen kehrte er 1740 zurück nach Kopenhagen und wurde von König Christian VI. von Dänemark am Obergericht in Gottorp eingesetzt. Nachdem er von diesem 1742 das Amt Steinburg übernommen hatte, ernannte man ihn zum Kanzler und Präsidenten der Regierung des Herzogtums Holstein. Zudem erhielt er 1746 eine Ernennung zum wirklichen Geheimrat und bekam 1749 eine Mission am Hof zu St. Petersburg übertragen, die die langjährigen Streitigkeiten mit dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf durch Verhandlungen friedlich beilegen und den als Nachfolger der Zarin Elisabeth anerkannten Herzog Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp, den späteren Zaren Peter III., zum Verzicht auf seine Rechte an den Herzogtümern Schleswig und Holstein bewegen sollten. Die Mission war allerdings nicht erfolgreich und wurde 1751 abgebrochen. Allerdings bereiteten Lynars Verhandlungen den späteren provisorischen Vertrag von Kopenhagen vom 22. April 1767 sowie den Definitivvertrag von Zarskoe-Selo vom 1. Juni 1773 vor, durch welchen die Ziele von Lynars Verhandlungen dann erreicht wurden. Während der Verhandlungen in Petersburg war am 13. April 1750 in Kopenhagen der Staatsminister Johann Sigismund Schulin gestorben. Obwohl Lynar als Nachfolger vorgesehen war, wurde die Ernennung im Juni 1750 durch eine Intrige rückgängig gemacht und König Friedrich V. bestimmte Johann Hartwig Ernst von Bernstorff zu Schulins Nachfolger. Lynar, ab Februar 1750 außerordentlicher Gesandter am Zarenhof, wurde bei seiner Rückkehr aus St. Petersburg im März 1752 zwar mit großen Auszeichnungen empfangen, die bereits sicher gewähnte Karriere zum Staatsminister blieb ihm allerdings verwehrt und er wurde stattdessen vom König zum Statthalter und Oberlanddrost der Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst ernannt und nach Oldenburg strafversetzt. Seine Ämter in Holstein übernahm Christoph Ernst von Beulwitz, der bis dahin Oldenburgischer Oberlanddrost gewesen war. Die Grafschaft Oldenburg war seit dem Tode des Grafen Anton Günther im Jahr 1667 unter der Regentschaft der dänischen Krone. Lynar war dort 13 Jahre (von 1752 bis 1765) Statthalter, nachdem die Position seit 1680 unbesetzt geblieben war. In dieser Zeit widmete er sich literarischen Studien und dem Verfassen von theologischen Abhandlungen. 1761 schrieb er die für die moralische Erbauung seiner Bediensteten gedachte Geschichtensammlung Der Sonderling, die auch drei Erzählungen enthält, die gemeinhin dem „Lügenbaron“ Münchhausen zugeschrieben werden. (Wikipedia)

ein Schellchen anhängen: Sie haben ihm zum Narren gemacht; der Narr trägt Schellen. Lynar schreibt:

Ich habe oben gesagt, die Gewohnheit verwandelte Lügen in Wahrheit. Dieses geschiehet unter andern bey denen, deren Mund von lauter Ebentheuern und Wunder-Dingen überflieeset. Die öftere Wiederholung einer Mord-Geschichte macht uns selbige alltäglich; wir vergessen, daß sie ersonnen war, und beschwören sie zuletzt, als eine Wahrheit. Die Menschen erstaunen gern; Selbst über das Schreckhaffte, wenn es etwas grosses, und für sie kein eigentliches Uebel ist, empfinden sie ein schauderndes Vergnügen. Daher entstehet ihre Begierde, etwas ausserordentliches zu vernehmen. Das bewundern sie; Bewundert werden ist eine Ehre, und aus thörichtem Wahne eignet der Ueberbringer sich einen Theil dieser Ehre zu. Dieses ist die Quelle so vieler Zusätze und Erdichtungen, welche wie ein fortgerollter Schnee-Ball sich immer vergrössern, bis das neugebohrne Kind Haasen-Ohren, Krallen, und einen Pferde-Fuß bekömmt. Je weniger Verstand der Erfinder hat, oder je weniger er dem andern zutrauet, desto gröber wird die Lüge. Die löbliche Jägerey ist darinn besonders fruchtbar. [Es folgen zwei Münchausen-Geschichten]. Mit solchen fabelhaften Erzählungen verletzt einer die Achtung, so er der menschlichen Gesellschaft schuldig ist.

Rochus Friedrich von Lynar: Der Sonderling. Hannover 1761, S. 32ff.

in puris naturabibus: im Zustand purer Nacktheit

 

 

Inhalt

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Dedikation dem Schach von Persien Lutf Ali Chan

Vorerinnerung

Eine Erklärung, dass beide vorhergehende Bände der wunderbaren Reisen untergeschoben sind

Adoption derselben

Ursachen dieses dritten Bandes, zween Briefe vom Kaiser aus Japan und vom Negus von Hapesch|[XXXIV]

Letzterer hat sich die Gedärme entzwei gelacht

Der Leibarzt flickt drei Tage daran

Der Freiherr von Münchhausen beginnt das Werk

Schreibt immer zu, ohne zu denken – ohne zu essen, zu trinken, und zu schlafen

Ist in vier und zwanzig Stunden damit fertig

Kann nachher nicht alles lesen

In den Hieroglyphen steckt noch ein großer Schatz

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Ein Traum, nur für die unberufenen Herren Autoren der ersten beiden Bände

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Begebenheiten im Mutterleibe

Spricht

Bedankt sich, wie seine Gesundheit getrunken wird

Tanzt, weint, lacht

Springt aus Mutterleibe heraus

Badet sich selbst

Schüttet das Bad zum Fenster hinaus

Will nicht in die Windeln|[XXXV]

Will keine Amme

Isst Biersuppe

Wird getauft

Gibt sich selbst den Namen Hieronymus

Isst an seinem Tauftage zu viel Kuchen, und bekommt eine Kolik

Münchhausen hat weite Vorderzähne

– Bedeutung derselben

– hat große Augen

– Bedeutung derselben

Jugendspiele des H. v. Münchhausen

Was sein Vater davon denkt

Warum H. v. Münchhausen nicht seiner Eltern, Geschwister, Wapen u. d. g gedenkt

Ausfall von adlicher Sitte auf die Bürgerlichen

Was H. v. M. schon in seinem neunten Jahre von Adlichen und Bürgerlichen denkt

H. v. M. wird zu einem Prediger geschickt, um die Humaniora zu studieren

Was H. v. M. schon als Knabe über das Lernen äußert

Was es für einen Ausgang nimmt

Es wird ein Hofmeister angenommen|[XXXVT]

H. v. M. bekömmt eine Flinte

Schießt gleich zum erstenmal 2 Hasen

Nochmalige Äußerung über das Studium der Edelknaben

Eine Anekdote von Münchhausens Großvater

H. v. M. bekömmt ein Pferd

Muss vorreiten

Sein Hofmeister hat eine Liebschaft

H. v. M. Urteil und Bekenntnis von seinem Hofmeister

H v. M. lernt rauchen

Raucht zur Nase, den Ohren und Augen, und allen Teilen seines Kopfes heraus

H. v. M. lernt Schnaps trinken

– hat die Oberaufsicht über die Hünerhunde, und wie er sie in der Zucht hat

– dressiert die Baurenjungen

­ vornehmste Sonntagsbestätigungen

– dosiert à la Rousseau den Bauern in die Töpfe

– schläft bei der Kammerjungfer

– ist bei dem Tode derselben stumm|[XXXVII]

Herr v. M. bekömmt bei Herbeischaffung einer neuen seine Sprache wieder

– gerät mit Baurenknaben in Händel, und schlägt den einen, dass ihm das Gesichtverkehrt zu sitzen kommt

– ergeht es eben so mit eines Pfarrers Tochter

– überlässt beide an den König Ludwig den 16., der eine Insel in Amerika damit bevölkert hat

– muss von Hause weg

– wird vom Geiste seiner Mutter gerufen

– antwortet

– beginnt darauf seine Reise auf Schulen

– reitet dahin, wohin ihn sein Pferd bringt

Merkwürdigkeiten an dem Orte

H. v. M trinkt Bindfaden

– isst eingemachte Heimchen

– zieht gegen Accord seine Flatus auf Bouteillen, die er in die Apotheke liefert

– schildert sich selbst, und seine großen Progressen auf Schulen

– sehet man zuweilen auf fahlen Pferden|[XXXVIII]

Herr v. M. lebt auf Schulen wie im Feenlande durch den Geist seiner Mutter

– gerät mit ihm in Streit, vorauf er ihn auf immer verlässt

– traurige Folgen

– geht nach Hause

– verirrt sich unterwegs in einem Gehölze

– Begebenheiten mit zwei Räubern

– hat in vierzehn Tagen nicht gegessen und getrunken, und findet Lebensmittel, aber nichts zu trinken

– schlägt mit seinem Säbel an einen Felsen, und es springt Wein, heraus

–trinkt, berauscht sich, schläft ein

– befindet sich beim Erwachen in einer Bauernhütte

– soll, arbeiten, und bekömmt Prügel

– wird aus dem Hause geworfen, welches sogleich verschwindet

– ist noch immer in einem seltsamen Walde

– sieht den ganzen Himmel voller Bassgeigen und Dudelsäcke|[XXXIX]

Herr v. M. erblickt ein Haus – eine offenbare Menschenküche

– sieht viele Menschen in einem Kessel schmoren

– will entwischen

– muss aber auch nebst fünf andern in den Kessel hinein

– wünscht Direktor über diese Küche zu sein um die Bücherschmierer darin abzubrühen

– kommt wieder aus dem Kessel heraus

– sieht einen schönen Garten

– stiehlt ein Rübenkorn

– hört einen schrecklichen Donnerschlag

– befindet sich in seines Vaters Hause, und zwar im Bette

– hat Kleid, Uhr und Zopf wieder

– glaubt diesen Spaß dem Schutzgeist seiner Mutter verdanken zu müssen

– wird von seinem Vater benachrichtigt, wie er Abends zu Hause gekommen

– reiset wieder fort

– reiset per Pelikan nach Schiras, der Hauptstadt in Persien|[XXXVII]

Herr v. M. wird daselbst von seinem Vetter, dem König Dschafar, sehr gut aufgenommen

– bekömmt persische Kleidung

– geht spazieren – die Palmbäume neigen sich vor Münchhausen

– spielt mit den Löwen und Tigern

– bezeigen selbst die Fische ihre Hochachtung

– wird göttlich verehrt

– wird Ameisenwärter

–liefert Weihrauch bei hundert Zentner

–wird Monds- und Sternenaufseher am Firmament

– erzählt die Ursachen, woher es kommt, dass wir ihn im Neumond nicht sehen

– erklärt die Ursachen der Mondfinsternissen

– beschreibt das hohe Mondskollegium in Schiras

– beweiset, dass der Mond keine Erde sei, wie die unsrige

– hat auch Sonnenwärter werden sollen

– macht Reisen in einer Bandage auf der Mondscheibe

– will aber nichts davon entdecken|[XLI]

Herr v. M. sieht in einer Gesellschaft zwei Menschen zu Asche werden

Beweis des Verlegers von der Möglichkeit und Wahrheit dieser Geschichte

H. v. M. pflanzt das Rübenkorn

Die Rübe ist tausend Fuß im Durchmesser, und wird geerntet

– bricht ab, und Münchhausen gerät dadurch in Ungnade

H. v. M. erblickt da, wo die Rübe gestanden, den blauen Himmel, segelt glücklich hindurch, und kömmt wohlbehalten nach Hause

– findet, dass die Rübe umgenietet gewesen

– lässt die Begebenheit in die Persische Chronik setzen

– macht eine Replik an die unberufenen Autoren

– will hinzusetzen, was vergessen worden

– muss dem Pferde, welches er vom Turm herunterschießt, und welches durch den Fall die Rippen zerbrochen, und die Haut beschädigt, eiserne Bände um den Leib schmieden lassen

– Abenteuer mit einigen Bären in Polen|[XLII]

Herr v. M. hackt einem Bär die Tatze ab, und das Beil fährt aus dem Heft

– ist in Gefahr, indem ein andrer Bär kömmt

Wie H. v. M. das Beil wieder bekömmt

H. v. M. untersucht die Ursachen vieler Feuerbrünste in der Gegend von Cracau

– bespricht die feurigen Dünste

– wird hingeschickt von der Russ. Kaiserin, um einen großen Erdriss zu besehen

–große Beschwerlichkeiten

– befestigt den Riss durch große Klammern von Eisen

– wird reichlich dafür belohnt

– bekömmt aus den Weinbergen der Russ. Kaiserin Setzer von fürtrefflichen Trauben

– wachsen Trauben in seiner eignen Tasche

– teilt die Setzer mit dem Könige v. Preußen

– bereiset von Petersburg aus das äußerste Norden

– Hund begattet sich mit Kabliaus, woraus Seehunde entstehen

– macht verschiedene physikal. Entdeckungen

– friert das Wasser in der Blase|[XLIII]

Herr v. M. pisset, wie es wieder auftauet, vier und zwanzig Stunden

– sieht die Entstehung des Hagels

– entdeckt die nähere Gewissheit der magnetischem Materie

– wird durch den Nordpol in den Südpol und von da wieder durch den Nordpol hin durchgeströmt

– muss sich festklammern, um wieder an Ort und Stelle zu kommen

– isst Eier, und bricht Küchlein aus

– berichtigt eine Geschichte, wo er sein Familium einbüßt, und erzählt die Folgen

– die Frau gebiert nämlich 200 Kinder

– Abkömmlinge werden von der Russ. Kaiserin teils zu Soldaten, teils zur Bevölkerung der Krimm gebraucht

– kriegerische Begebenheiten

Ihm selbst, nebst seinem ganzen Corps, wie auch den Franzosen, schmelzen die Degen in der  Scheide

H. v. M. kommandiert also, mit den Gefäßen zu fechten

– hat Tausenden das Gehirn zerschmettert|[XLIV]

Herr v. M. erzählt eine besondere Anekdote von einem halben Preußen und einem halben Franzosen

– hat in dreimal 24 Stunden nichts gegessen

– nimmt im Heißhunger 4 Franzosen über

– isst Suppe in einem Wirtshause, und speiet die Franzosen wieder von sich

– bekömmt das Kommando, die Toten zu begraben

– Anekdote von einem Franzosen, welcher lebendig begraben wird

– bekömmt seinen Lohn dafür

– kommandieret seine Soldaten zum Angriff, alle Worte frieren, und sein Corps wird darüber in die Pfanne gehauen, und er mit den Überbleibseln gefangen genommen

– die Worte tauen auf und lassen sich hören, wie es zu spät ist

– hebt die Flügel des Gefängnisses aus, schmeißt die Wache über den Haufen, und erlöset sich selbst

– Seeabenteuer|[XLV]

Herr v. M. reiset per Wirbelwind

– kommt auf das Meer in eine Wasserhose

– wird durch ein Schiff und durch einen Kanonenschuss gerettet

– erzählt seine Reise und die Bemerkungen

– landet auf der Insel Cypern

– erzählt die Entstehung der Sirenen

– reiset nach Alexandrien, und bestiht die Bibliothek, die Herostratus verbrannt hat

– freuet sich über sein Machwerk, der Sirenen

– eilt nach Hause

– meldet, dass die Begebenheiten seiner Reisen auf die Freyht richtig erzählt sind

– Begebenheiten in Bodenwerder

– rechter Arm wird 99 mal vom Gewitter zerschmettert

– reiset nach Nenndorf, um das Bad zu gebrauchen und den Brunnen zu trinken

– findet mit seiner Gesellschaft in einem Gehölze Kapaunen

– erzählt, wie sie dahin gekommen

– gibt dem Durchl. Landgrafen von Hessen einige Schauspiele und Belustigungen|[XLVI]

Herr v. M. bindet einem Hirsch das Geweihe zusammen

– macht einem einfallenden Hagelwetter durch das Entzweischlagen der Fenster Luft

– beschreibt die Wirkungen des Bades

– nimmt Schmalz aus den Ohren

– – Butter aus den Augen

– – Öl aus seiner Perücke

– hat schon 24 Jahr den kalten Brand an einem Beine

– und der Herr Pastor legen einander die Schrift aus

– hat über 1000 Sorten Rosen in seinem Garten

– hat Lorbeerbäume, welche wild wachsen

– Büsten sind sein und seiner Frauen Bild

– zieht seinen eigenen Wein

– hat Tulpen- und Nelkenbäume

– besitzt in seiner Grotte ein Stück von der Ägyptischen Finsternis

– – von der Leiter, die Jakob einst im Traume gesehen|[XLVII]

Herr v. M. erzählt etwas von dem Charakter, Leben, Meinungen und Ende seiner seligen Frau

– hat anfangs einige Debatten

– bekommt ofr seiner lieben Frau wegen Besuche

– eine spaßhafte Anekdote von der Kirchenbuße

– will dem Unwesen abhelfen

– fällt durch und macht das Übel ärger

– die Frau stumm

– erfindet ein besonderes Mittel, welches hilft

– gibt einige Regeln für Mannspersonen, um eine vergnügte Ehe zu bezwecken

– lebt endlich recht vergnügt

–hat eine besondere Maxime von dem toten Körper des Menschen

– lässt bei der Krankheit seiner Frau drei Tage vor ihrem Ende den Sarg machen

– erhält Vorwürfe deswegen

– verantwortet sich

– kann seine Frau im Sarge noch nicht verlassen|[XLVIII]

Herr v. M. ist dadurch so gebeugt, dass er ganz krumm geht

– weint noch immer, besonders sein linkes Auge

– wie er sich jetzt behelfen muss

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Elegie auf den Tod seiner Frau

 

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